Soll man die Zeppelintribüne verfallen lassen?

Erbe bröckelt. Speziell die Steintribüne von 1935, auf der der Nazi-Diktator die Besuchermassen der Reichsparteitage begrüßte, ist baufällig. Ein Zaun schirmt sie seit Sommer ab; letztes Jahr erhielt sie Notdächer gegen weitere Frostschäden. Millionen wird die nächste Instandsetzung verschlingen, die angesichts herabfallender Fassadenteile dringend ansteht. Wenn die Zeppelintribüne wieder als Gedenkstätte erschlossen werden soll, müssen die Besucher in Sicherheit sein. Auch das Freizeitpublikum am Dutzendteich belegt die Stufen gern.
Der Investition in die Pädagogik steht die Alternative gegenüber, die düsteren Geschichtszeugnisse auf dem Zeppelinfeld ohne Zutun dem endgültigen Verfall auszusetzen und sie so gewissermaßen als siechende Erinnerung zu behandeln. Man könnte einen noch größeren Zaun herumziehen und die Zeit daran nagen lassen. Abgesperrte Ruinen als Ausdruck von Abscheu vor der architektonischen Botschaft – zuletzt hat die Nürnberger ÖDP diesen alten Vorschlag des ehemaligen Kulturreferenten Hermann Glaser wieder aufgewärmt.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll man die Zeppelintribüne verfallen lassen? Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Startseite  ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Gehen Sie trotz Krise zum Volksfest? Mit Ja antworteten 66,8 Prozent, mit Nein 33,2 Prozent.

5 Kommentare in “Soll man die Zeppelintribüne verfallen lassen?

  1. Ist es nicht so, dass Jahr für Jahr immer wieder über 100.000 Motorsportfans zum Nürnberger Speedweekend kommen?

    Wo gehen denn deren Eintrittsgelder hin? Da müsste doch theoretisch einigens für die Steintribüne hängen bleiben!

  2. Mit dem Verfall der Zeppelintribüne holt uns nun ein lange verdrängtes Problem ein:

    Zwar haben wir die Geschichte um die Reichsparteitage im Doku-Zentrum aufgearbeitet und dargestellt, aber bis heute haben wir -keine definitive Antwort für den Umgang mit den baulichen Hinterlassenschaften des ‚Dritten Reichs‘ in Nürnberg. Im Bewusstsein die letztgültige Antwort einer anderen Generation zu überlassen hatte man sich in der Vergangenheit zu einer bewusst profanen alltäglichen Nutzung entschieden.
    Der drohende Verfall der Zeppelintribüne konfrontiert uns nun aber mit der Notwendigkeit einer Antwort.

    Ein Aufschieben durch weitere profane Alltagsnutzung ist nicht möglich. Es käme letztlich der Preisgabe durch Bauverfall gleich, was auch schon von verschiedener Seite als mögliche Antwort vorgeschlagen wurde.

    Nürnberg wird aber seiner Vergangenheit als Stadt der Reichsparteita-ge nicht dadurch entrücken, dass es die Spuren verwischen lässt und auf den zeitnahen Verfall hofft. Auch vor den Augen der Weltöffentlichkeit würde das Verfallgeben sicherlich nicht als Distanzierung zur Ideologie des Nationalsozialismus verstanden werden, sondern viel eher als bequemliche Verdrängung und Ge-schichtsvergessenheit. Insoweit gibt es keine Alternative zum Erhalt. Mitnichten haben wir es also mit einer rein pragmatischen Abwägungsfrage des Bauunterhaltes zu tun.

    Wenn nun aber erhebliche Mittel in den Bauunterhalt investiert werden müssen, stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage nach der Präsentation dieses Bauwerks und der Auseinandersetzung damit. Es kann nicht ignoriert werden, dass es ein erhebliches Interesse der Besucher unserer Stadt an den Spuren der neueren Geschichte gibt. Das Reichsparteitagsgelände ist das weltweit größte Freilichtmuseum totalitärer Architektur. Darauf brauchen wir eine konzeptionelle Antwort, wir können uns an dieser Aufgabe nicht vorbeischleichen, wir können diesen Teil unserer Geschichte nicht ignorien, nicht verfallen und dann ‚Gras darüber wachsen lassen‘.

    Neben dem Erhalt als Dokumente der Zeitgeschichte in einem Umfang und einem Zustand der – bei Vermeidung jeder Idealisierung oder Äs-thetisierung – eine Vorstellung der damaligen Kulissen und Inszenierungen ermöglicht, steht also noch das Erfordernis die Informationsbedürfnisse der Besucher zu erfüllen. Dieser authetische Ort eignet sich bestens die Mechanismen von Propaganda, Faszination, Manipulation und Massenverhetzung zu erklären. Das wird keine einfache Aufgabe und wird viel Expertenwissen erfordern. Daran wie wir mit dieser Herausforderung umgehen werden, misst sich letztlich auch mit das Ansehen nicht nur unserer Stadt, sondern auch unseres Landes im Ausland.

    Die baulichen Hinterlassenschaften des ‚Dritten Reichs‘ in Nürnberg sind nicht von rein ortsgeschichtlicher Bedeutung. Sie sind – völlig unabhängig vom grundbuchlichen Eigentum der Stadt Nürnberg – eine nationale Erblast aller Deutschen. Von daher sind hier auch Bund und Land gefordert – moralisch und finanziell. Die Stadt Nürnberg als Kommune kann das nicht alleine schultern. Am Ende sollte eine gemeinsame Stiftung ‚Gedenkstätte Reichsparteitagsgelände‘ stehen.

    Joachim Thiel
    (Stadtrat)

  3. In keinem Land der Welt würde sich eine derartige Frage stellen, gleich aus welcher noch so dunklen Periode der Geschichte das Bauwerk stammt.
    Die Verantwortlichen, die durch (Nicht-)Beschlüße dafür gesorgt haben, dass das Bauwerk in dem miserablen Zustand ist, müßten
    zur Verantwortung gezogen werden.

  4. Warum nicht? Wir sollten uns wieder mehr mit der Gegenwart und der Zukunft beschäftigens statt ausschließlich mit der Vergangenheit. Gedänknisstaätten heben wir genug!

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