Soll das Studium kostenlos sein?

StudenteSeit fast einer Woche halten Studierende in Nürnberg und Erlangen ihre Hörsäle besetzt. Eine ihrer Hauptforderungen ist es, die Studiengebühren wieder abzuschaffen. Seit zwei Jahren müssen Studenten 500 Euro pro Semester entrichten. Ist das gerechtfertigt?

Pro: Sie sind langhaarig und faul, studieren zehn Jahre oder länger und liegen damit dem Steuerzahler auf der Tasche. Dieses Bild der Langzeitstudenten haben viele Menschen im Kopf. Damit ist dank der Studiengebühren endlich Schluss. Je mehr ein Student trödelt, desto teurer wird es für ihn. Daher strengt er sich an und macht schneller seinen Abschluss. Die Studenten profitieren zudem von den Gebühren. Denn die Hochschule stattet damit ihre Räume mit moderner Technik aus, etwa Beamern oder Mikrofonanlagen. Möchte ein Handwerker eine Meisterschule besuchen, muss er auch bezahlen.

Contra: Die Studiengebühren führen zu sozialer Selektion. 40 Wochenstunden in der Uni, zu Hause soll der Stoff vor- und nachbereitet werden. Viele Studenten müssen nebenher jobben. Wer dagegen von seinen Eltern unterstützt wird, kann sich ganz aufs Lernen konzentrieren. Schreibt bessere Noten und bekommt damit eher eines der seltenen Stipendien.
Doch neben guten Noten wollen die Personaler auch soziales Engagement im Lebenslauf lesen. Doch wo bleibt Zeit für die Mitarbeit in der Uni-Umweltgruppe, Zeit für kritisches Nachfragen im Sinne des Humboldtschen Bildungsideals? Warum werden 500 Euro eingefordert, wo doch laut Hochschulgesetz die Beiträge nur mindestens 300 Euro betragen müssen. Wir wollen daher wissen: Soll das Studium kostenlos sein?

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Lassen Sie sich gegen Schweinegrippe impfen? Mit Ja antworteten 16,1 Prozent, mit Nein 83,9 Prozent. Christina Merkel

12 Kommentare in “Soll das Studium kostenlos sein?

  1. Es wurde fast schon alles gesagt, ich möchte die Aufmerksamkeit jetzt auf die ‚Zukunft dieses Landes lenken:
    Das gesamte Bildungswesen muss von der Schule (-> Gesamtschulen!) bis zur Universität überholt werden. Will Deutschland auch in naher und ferner Zukunft eine Rolle in der Welt spielen, dürfen nicht nur Hochbegabte und Wohlhabende ein gutes Bildungssystem vorfinden, sondern alle. Denn nicht nur die Großunternehmen (die picken freilich die Besten heraus), auf die die Politik natürlich am meisten schaut, sondern auch der Mittelstand muss immer Zugriff auf gut ausgebildete Menschen haben. Die einzige Ressource die Deutschland besitzt ist Bildung! Wenn wir nicht bald großflächig Umdenken und Änderungen vornehmen wird diese Ressource verloren sein. Die Bachelor-Master Umstellung war schon mal ein Schritt in die Falsche Richtung aus bekannten Gründen…

  2. Wenn immer noch Studenten auch anderen Bundesländern ohne Studiengebühren nach Bayern zum Studieren nach Bayern mit Gebühren kommen, kann das System nicht falsch sein. „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“; dieser Spruch hat immer noch Gültigkeit. Also auf geht`s und wieder rein in die Vorlesung.

  3. @ studend

    lieber studend,
    die damen und herren politker, die staatssekretäInnen und die gutachterexperten usw. bekommen eine menge geld dafür, dass sie die lösungswege für die forderungen der studenten und ihrer unterstützer und sympathisanten bekommen.

    bist du schon mal auf die idee gekommen, dass vielleicht auch eltern von kindern, die womöglich bald studieren wollen, dies aus finanziellen gründen aber nicht können, den streik unterstützen?!

    und deine frage, wer soll das bezahlen, da empfehle ich dir z.b. diesen artikel auf spiegel-online
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-66696036.html
    oder diesen
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-64760873.html

    es kann also mit fug und recht sagen, dass die von dir erwähnten katastrophalen zustände, die die streikenden zu verantworten haben, eigentlich woanders zu verantworten sind und um diejenigen, die wegen geldmangels oder weil sie dem psychischen leistungsdruck nicht gewachsen sind, nicht studieren können zu helfen müssen eben kurzfristig alle mal etwas zurückstecken, damit langfristig sich für alle menschen in der bundesrepublik etwas ändert.

  4. selbst wenn die langzeit studierer „langhaarig und faul“ sind, eine so reiche gesellschaft wie die der bundesrepublik muss das aushalten, das ist sogar notwendig.

    während sich diejenigen, die als multimilliardäre in den chefetagen immer weniger steuern zahlen und in den urlaubsparadiesen von thaliand, malediven bis karabik ausspannen, solche kampfbegriffe wie „faule studenten“ aufbringen, gleichen langzeit studenten das im kollektiv der gesellschaft aus.

    und, wenn eine studentIn nach 17 semestern in den unterschiedlichsten fächern z.b. von germanistik über bwl zu physik und theaterwissenschaften dann endlich zu sich gefunden hat, hat die gesellschaft einen interdisziplinär denkenden kopf, der unbezahlbar ist!

    die wirtschaft, die dieses land durch ökonomisiert, braucht doch auch nicht von effizeiienz und dem staat auf der tasche liegen sprechen, wenn sie selbst jedes steuerschlupfloch nutzt.

    wenn ein konzern ein neues produkt auf den markt ´gebracht hat, dann gab es ja vorher zahlreiche produkt-, verpackungs- und merketingvarianten, bevor sich für die letztendgültige version entscheiden wird.

    selbst hollywood filme drehen verschiedene enden ihrer filme und testen die dann.

    warum also soll ein student dann nicht die möglichkeit haben zu gammeln, verschiedene fächer auszuprobieren?

    wenn dann von 1000 „gammelstudenten“ auch nur ein einziger dabei ist, der dann glücklich endlich sein ding gefunden hat, ist das für die gesellschaft eine unglaubliche und unbezahlbare qualität, die jede kritik an langzeitstudenten usw. entkräftet!

  5. Ich finde es traurig, dass so viele Studenten den Forderungen zwar zustimmen, nicken und natürlich auch die Forderungen durchsetzen wollen, aber nur so wenige etwas dafür tun.

    Natürlich muss man in so einer Phase auf winzige Räume ausweichen und sich zusammensetzten, um seine Forderungen (die überspitzt sein müssen, um von 100% wenigstens 50% zu erreichen) durchzusetzten.

    Ich weiss eh nicht worüber ihr euch beklagt, wir sitzen auch in Seminaren (und das liegt nicht am Bildungsstreik) mit 70 Mann in einem 30 Mann-Raum. Dann kuschelt man sich eben zusammen, wenn man was lernen will. Es muss nun mal weh tun, um etwas bewegen zu können.
    Würde nur der Abstellraum besetzt werden, wäre es den obrigen Herren doch ganz egal.

    Reißt euch ein bisschen zusammen, Kompromisse kann man doch eingehen. Wir wollen doch schließlich alle das gleiche Ziel!

  6. Hallo, das Recht auf Bildung steht in der u. a. Bayerischen Verfassung. Die soziale Schere ist in den letzten Jahrzehnten so weit auseinander gegangen, wie nnie für möglich gehalten. Der turbo-Kapitalismus macht es möglich. für alles ist Geld da, für Banken , und Afghanistan und die Atomlobby und die ach so günstige Atomenergie. Nur für die Menschen, gerade die bildungshungrigen , da wird geknausert. Weg mit den Studenten-Gebühren. sie sind verfassungsfeindlich und sozialschädlich, wie der ganze Staat mit seiner Verwaltung. wer in prekärer Situation lebt und ne 35-Stunden-vorlesungswoche hat, kann nicht mehr jobben. setzt endlich die richtigen Prioritäten.

  7. Also um eines mal klarzustellen, nicht DIE STUDENTEN streiken, sondern eine Gruppe „Studenten“ streikt. (Wovon viele nicht einmal selbst betroffen sind – d.h. gar nicht selbst studieren)

    Mit einigen Forderungen stimme ich persönlich überein – ich meine, wer hätte nicht gerne mehr Geld im Geldbeutel? Allerdings empfinde ich die Situation eher so, als ob manche nicht ganz in der Realität angekommen sind. Mir stellt sich einfach die Frage, wer das denn alles bezahlen soll?

    Fordern und streiken kann man ja viel, aber ohne sich über Lösungswege Gedanken zu machen, ist die ganze Situation recht sinnfrei.

    Das Audimax ist immer noch besetzt, Lehrveranstaltungen müssen deshalb in viel zu kleine Räume verlegt werden, die Zustände sind dank der Besetzer einfach katastrophal. Ich weiß nicht, was sich die „Streikenden“ vorstellen, aber auf welche Art und Weise der Streik von statten geht, ist einfach nur unmöglich.

    Im Prinzip passiert hier genau das, wogegen die „Streikenden“ stehen. Sie klauen denen die Bildung, die an den Vorlesungen teilnehmen wollen. Freie Meinungsäußerung – gegen den Streik bzw. die Streikmethoden – werden einfach übergrölt. Ein Dialog ist nur zu der festgesetzten Zeit um 13:30 möglich (da man sonst wohl zu wenige Anhänger hat?) und Kompromisse werden auch nicht geschlossen.

    Die Leidtragenden sind im Grunde die Studenten, weil die Lehrveranstaltungen trotzdem stattfinden, aber wen stört es von den Streikenden? Jene, die lernen wollen und auch müssen können es nicht.

    „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“
    Rosa Luxemburg

  8. Ich finde auch, daß das Studium für jeden kostenlos sein sollte. Zumindest sollten von den Hochschulen und damit indirekt vom Staat. Denn der kommt seinem Auftrag und Pflicht Bildung für seine Bürger zu ermöglichen durch Erhebung der Studiengebühren nicht nach.

    Allerdings die Art und Weise, wie für die Ziele der Streikenden
    eingetreten wird ist an der Georg-Simon-Ohm Hochschule unter aller Sau! Hier werden Bestuhlungen demoliert, Wände mit anarchistischen Zeichen beschmiert, Hunde toleriert, die bei den Massen unberechenbar sein können, Vorlesungen gestürmt (ja, immer noch!).
    Ich sag Euch Streikenden mal, Ihr seid nicht besser, als die Obrigkeit, wenn Ihr uns selbst die Bildung klaut!!!

  9. nicht nur das Studium sollte kostenlos sein. Zudem ist ein freier Zugang für alle unabhängig vom Geldbeutel oder sozialem Status erforderlich. Das wollte und will der Bildungsstreik!
    Das jetzige Schul- Uni- und Ausbildungssystem fördert dagegen soziale Auslese, Konkurrenzkampf und Bildungsarmut!
    Endlich weg damit!

  10. Jep, sehe ich genauso @Kein Student. Viele argumentieren dagegen indem sie sagen, dass z.B. in USA auch schnell 20000$ im Jahr fällig sind, aber dort geht auch kaum ein Student unverschuldet wieder aus der Uni. Oder es gibt Stipendien für die Besten der Besten.

    Ganz ehrlich, wollen wir denn wirklich dass die Akademiker jetzt auch noch ewig Schulden machen? Es ist doch genau der Gegenteil der Fall, in Zeiten der Wirtschaftskrise wird doch gepredigt, dass wir nicht ewig auf Kredit leben können.

    Fürs Image des Studentendaseins ist das ja auch ein ziemlich Rückschlag – wenn das so weitergeht dann überlegen sich die Leute zweimal ob sie nach dem Abi studieren gehen oder lieber doch eine Ausbildung machen. Ich bin zum Glück noch kein Bachelor sondern Magister, allerdings selbstverständlich von den Studiengebühren betroffen. Wenn ich JETZT erst mein Abi fertig hätte dann hätte ich mich nicht fürs Studieren entschieden, oder jedenfalls nicht in Bayern. Da aber ein Umzug z.B. nach Berlin auch ziemlich viel Geld kostet, was ein frischer Abiturient nicht einfach so hat, wäre das auch keine Option.

    Viele Grüße

    – Der Student 🙂

  11. Hallo.

    Ich finde es toll, dass die Studierenden aufstehen und gemeinsam mit Schüler/-innen und Auszubildenden Kunbd tun, dass im bildungswesen etwas schief läuft. Gerade in einer Wissensgesellschaft ist Qualifikation ein Schlüsselelement. Dieses sollte frei zugänglich sein, unabhängig vom Einkommen der Eltern und sozialer Herkunft.

    Macht weiter so!

    Solidarische Grüße an die Besetzer/-innen der Georg-Simon-Ohm-Hochschule

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