Kann Nürnberg auf kulturelle Großevents verzichten?
7. Dezember 2009 von cro
Aufgebläht seien die Programme, die Ideen erschöpft, kritisierte Guten-Stadtrat Stephan Grosse-Grollmann Nürnbergs Großveranstaltungen im letzten Kulturausschuss des Stadtrats (die NZ berichtete). Kleineren Trägern fehlte immer häufiger das Geld, während für Leuchtturm-Events wie Blaue Nacht, Bardentreffen und Klassik Open Air zu viel ausgegeben werde. Grosse-Grollmann regte an, die Großveranstaltungen nicht mehr alljährlich stattfinden zu lassen.
Dagegen spricht nicht nur das Argument der CSU-Fraktion, die zu bedenken gibt, man enthalte dem breiten Publikum beliebte Veranstaltungen vor. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen zeigen auch, dass die Stadt nur einen Bruchteil der Kosten für die Großveranstaltungen selbst tragen muss. So habe der Anteil der Einnahmen (durch Sponsoren und Kartenerlöse) an den Kosten der Blauen Nacht 78 Prozent betragen, bei den Stadtverführungen seien es 61 Prozent, beim Klassik Open Air 78 Prozent und beim Bardentreffen 56 Prozent gewesen.
Vom Gesamtetat in Höhe von 1,1 Millionen habe der städtische Anteil nur etwa 320 000 Euro betragen – freilich immer noch eine hohe Summe, die kleinen Trägern weiterhelfen würde. Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Kann Nürnberg auf große Kulturevents verzichten?
14 Kommentare zu “Kann Nürnberg auf kulturelle Großevents verzichten?”

Es steht dem Franken traditionell mal wieder gut zu Gesicht, eher etwas weniger “Wirbl” zu veranstalten. So sieht es wohl auch der Stadtrat Grosse-Grollmann. Tatsächlich sind Events – ob nun kulturell anspruchsvoll oder einfach zum Vergnügen gedacht – ein unverzichtbarer Bestandteil der Lebens- und vor allem der Besuchsqualität einer Stadt. Um mit Städten wie Leipzig, Stuttgart oder Dresden konkurrieren zu können, reicht ein Christkindlesmarkt alleine nun mal nicht aus!
Ich gebe meinem Vorredner vollkommen recht!
Soll Nürnberg etwa wieder in einen Dornröschenschlaf mit
Bratwurstdunst versinken?
Sicherlich, eine Großstadt wie Nürnberg kommt nicht völlig ohne große Kulturevents aus. Das Bardentreffen und Rock im Park sind auch ein wichtiger Standortfaktor in Sachen Tourismus. Aber warum muss es zwei Klassik-Openairs im Abstand von zwei Wochen geben? Und dazwischen gibt es auch noch mit Klassik am See eine weitere ähnliche Veranstaltung in der Metropolregion. Allein das Geld für das Hochfeuerwerk könnte mancher kleinen Kulturinitiative ein ganzes Jahr das Überleben sichern.
Braucht Kultur wirklich immer große Events? Brauchen wir tatsächlich soviele Massenveranstaltungen? Warum fließen die großen Gelder immer nur Richtung Kulturkonsum? Wäre es nicht besser stattdessen diejenigen zu fördern, die Kultur machen?
Eine lebendige Kulturszene bedeutet Vielfalt. Und die ist in Nürnberg zum Glück weitaus größer als es auf den ersten Blick zu vermuten ist. Sie darf aber nicht von den großen Events erdrückt werden, braucht Zeit, Raum und Geld um sich entfalten und aufblühen zu können. Warum investieren wir nicht mehr in die kulturelle Förderung unserer Kinder? Musik, Gesang, Tanz, Malen usw. schaffen neue Ausdrucksmöglichkeiten und Identität. Langfristig rentabler als jeder Großveranstaltung.
Die Frage kann daher nicht lauten, ob Nürnberg auf kulturelle Großevents verzichten könne. Sie solte lauten: Wo sind der Kulturetat und die Sponsorengelder langfristig am besten angelegt?
Da möchte man doch erst einmal die Lektüre anderer NZ-Blogs empfehlen. Dieser Beitrag http://blog.nz-online.de/lieb/2009/12/03/der-gipfel-der-geschmacklosigkeit/ zeigt doch schön, wo es hingehen kann und hingehen muss. Da ist zum einen diese teure und völlig unsinnige Dürer-Kampagne (dabei weiß doch jeder Vollidiot, dass Dürer in Nürnberg gelebt hat, da muss ich doch keine Werbekampagnen dafür bezahlen), wo Einsparen schon dem Stadtbild zugute käme. Und dann ist da diese Kunsthalle an prominenter Stelle, die es nicht einmal geschafft hat, in den letzten zehn Jahren ihre Außenwerbung zu erneuern. Ein solche Einrichtung scheint mir zu arm (geistig möglicherweise auch) zum leben zu sein, also sollte man ihr lieber rechtzeitig den Stecker herausziehen, bevor sie ihren Ruf noch ganz ruiniert.
Dass für die blaue Nacht überhaupt noch städtische Gelder verwendet werden, ist m.E. nur der Bequemlichkeit der Organisatoren geschuldet. So etwas kann man auch nur mit Sponsoren und Ehrenamtlichen durchziehen. Dann hat man zwar vielleicht ein Jahr mal einen Durchhänger. Aber spätestens im Jahr darauf dürften die meisten erkannt haben, dass die Plattform wichtiger ist als die paar Kröten, die man für seinen Einsatz bekommt.
Wenn man kleine Projekte in der Startphase richtig fördert, dann sind die auch gerne bereit, bei größeren Events umsonst mitzumachen. Das Kulturreferat müsste dann allerdings hinnehmen, dass es nachher lebhafter und lustiger zugeht als bisher.
Peter Hirscher hat recht, es muss nicht immer Gigantomie sein.
Stadtverführungen und Blaue Nacht lassen sich mit weniger Programmpunkten bzw. weniger aufwändigen Programmpunkten realisieren.
Ein Klassik-Openair wäre auch ausreichend, wenn es zwei sein müssen (wegen der beiden Orchester), könnte man ja auf das Feuerwerk verzichten.
Unverzichtbar ist allerdings das Bardentreffen, aber auch hier gäbe es Potentiale finanziell günstiger über die Runden zu kommen (Muss es die Riesenbühne auf dem Hauptmarkt sein?).
Viele Konzerte litten z.B. in den vergangenen Jahren unter dem Volksfestcharakter, auf die Musik konnte man sich häufig nicht mehr konzentrieren.
Zu berücksichtigen ist auch, dass unter dieser Terminvielfalt viele kleine – hochwertige – Veranstalten in der Region massiv leiden.
Kulturevents sind fuer Menschen generell unverzichtbar. Gerade in der heutigen Zeit sind sie einer der wenigen gesellschaftlichen und sozialen Treffpunkte a l l e r Menschen. Und das Klassik-Open-Air ist eines unserer groessten Highlights in der Region ueberhaupt!!
Fuer das Bardentreffen speziell bin ich ebenfalls der Meinung das die Riesenbuehnen samt Riesenshows verzichtbar sind, da gute kleinere Barden oft einfach uebertoent werden?! Muss das sein??
Der Vorschlag des Guten-Stadtrats sollte nicht einfach vom Tisch werden. Auch ich habe das Gefühl, dass sich einige Großveranstaltungen im Laufe der Jahre etwas abgenutzt haben, v.a. die “Blaue Nacht”. Hier über einen zweijährigen Turnus nachzudenken, könnte nebem dem städtischen Geldbeutel im Sinne “weniger ist mehr”auch der Veranstaltung als solcher guttun. Man bedenke, dass auch das internationale Figurentheaterfestival nur alle zwei Jahre stattfindet.
Für eine Stadt wie Nürnberg (die in nationalen Medien nur im Zusammenhang mit dem Arbeitsamt erwähnt wird) sind solche kulturellen Großevents wichtig. Nicht nur für Stadtimage und Toursimus als sog. “weiche Standortfaktoren”.
Natürlich kann man darüber streiten, ob einzelne Programmpunkte der Events wirklich sein müssen. Aber die Gelder für Kunst & Kultur werden schon seit Jahren weniger und die Events müssen sowieso schon mehr und mehr sparen. Es ist bekannt, dass die Events ohne Sponsoren nicht mehr stattfinden könnten, diese Gelder können auch nicht einfach “umgeschichtet” werden. Außerdem arbeiten schon viele Leute ehrenamtlich mit – Dinge wie Technik & Security müssen aber nunmal bezahlt werden.
Dabei fließen die Gelder eben nicht nur in Richtung Kulturkonsum, denn gerade neue und regionale Künstler werden gefödert und bekommen durch die Events die Möglichkeit, sich vor einem größeren und breiterem Publikum zu präsentieren. Ebenso profitieren alle kulturellen Einrichtungen, denn es mag sicher Besucher (z.B. der Blauen Nacht) geben, bei denen das Interesse nach mehr Kunst & Kultur geweckt wird. Und das jedes Jahr!
Stefan Grosse Grollmann hat Recht! Das Geld für kulturelle Arbeit wird auch meiner Meinung nach falsch verteilt. Nürnberg hat vor etwas über 15 Jahren einen ZDF-Fernsehpreis für seine vielfältige Kulturarbeit erhalten und sich gegen Städte wie Hannover, Bremen und Stuttgart durchgesetzt. Grund waren die vielen kleinen (Puppen-)Theater Museen und andere kleinteiligen Kultureinrichtungen, die das kulturelle Leben immer geprägt haben und die nicht nur vom Konsum der kulturellen Arbeit leben. Es braucht sicher keine zwei Klassik-Open-Air und auch die Blaue Nacht muss finde ich nicht jedes Jahr stattfinden. Außerdem sollte so manches Groß-Event, ich denke an das Klassik Openair, zumindest mit einem symbolischen Eintrittsgeld von vielleicht zwei oder drei Euro für die Finanzierung weniger zugkräftiger Kultureinrichtungen sorgen. Das kann sich jeder leisten und als positiver Nebeneffekt wird auch das unangenehme Gedränge damit sicher auch etwas weniger.
wenn immer “neues” dazu kommt, muss gelegentlich ausgesmistet werden!
Dies gilt sehr für die (aktuelle) Nürnberger Kulturpolitik: die Referentin hat sich selbst / wurde (?) zu einer reinen Ansagerin herabstufen lassen. Alljährlich darf die blonde Fr. Lehner also die immer wieder selben Veranstaltungen ankündigen, vorstellen, moderieren (teilweise) und oberflächlich bewerten. Alljährlich kann man schon beinahe mitsprechen.
Was fehlt sind kritische Bestandsaufnahmen, Erarbeitung und Darlegung von Positionen, Wegvorgaben, Ziele der Kulturpolitik die über den Standortwettbewerb hinausgehen, der Mut zum Weglassen, der Mut etwas neues zu probieren. Stattdessen lavieren, neue Haushalts- und Personalstellen für Verwaltung (KuKuQ — was für ein bescheuertes Akronym!), mehr Selbstbefriedgung.
Endlich hat der Stadtrat angefangen nach Jahrzehnten des Dämmerschlafes wieder inhaltlich zu diskutieren! Endlich sollen mal wieder Positionen gefunden und bezogen werden!
Aber schon werden wieder Sponsoreninteressen, Standortwettbewerb, Bürgerwünsche und vieles mehr hervorgekramt, um die Debatte, die vielleicht den einen oder andern Sesselfuzzer aus selbigem befördern könnte, gleich wieder einzufangen und abzuwürgen.
Armes Nürnberg – bei Dürer war es vermutlich aber auch nicht anders…
zitat: “Für eine Stadt wie Nürnberg (die in nationalen Medien nur im Zusammenhang mit dem Arbeitsamt erwähnt wird) sind solche kulturellen Großevents wichtig.”
lächerlich! eben weil nürnberg ständig auf nichts sagende grosskulturevents, die beonung leigt da wohl ehr auf event, denn auf kultur, wird es wohl nie in den überregionalen nachrichten erwähnt.
zitat: “..regionale Künstler werden gefödert”
für die blaue nacht bekommt ein künstler 750 eur honor zuzügl. materialgeld. das ist umsatz. dafür muss er die plätze anschauen, ein konzept und eine kalkulation einreichen, das kunstwerk an sich erstellen, auf und abbauen, und dann wieder abrechnen.
das ist eoin jämmerlicher hungerlohn, der wahrscheinlich unter dem lohn der meisten friseure in irgendwelchen billigketten liegt!
das hier immer mit geld (1.000.000 das klingt sooo toll!) mit besucherzahlen (200.000) argumentiert wird, dass ist jämerlich.
kein mensch spricht sich absolut gegen grossveranstaltungen aus, aber jedes jahr?
zum stadtjubiläzum hätte es gereicht. oder jetzt zum banhjubiläum. man fängt ja jetzt auch nicht an jedes jahr den “adler” zu feiern.
ohne den nordbayerischen presseverlag würde nicht einmal jemand in neumarkt von solchen veranstaltungen wie der blauen nacht wissen, in würzburg oder frankfurt/main sind solche nichtsagenden, jährlichen massenevents keiner zeitung zwei zeilen mehr wert.
über zürich das cabaret voltaire und dada spricht man heute noch weltweit, auch, wenn das damals nur ein hundert leute gesehen haben.
was bitte schön ist das für kultur, bei denen einer hauptsponsoren, dessen logo blau ist, seine azubis blaue blinklichter verkaufen lässt, ein eiskonzern eisskulpturen ausstellt.
das sprühen die genialen idee ja geradezu so stark, dass die alpen das wackeln anfangen.
endlich, endlich wird mal angefangen inhaltlich zu diskutieren!
wenn es auch menschen und parteien gibt, die alles schon wieder nur auf das ökonomische und die welt der zahlen reduzieren wollen.
Ich könnte auch auf das Feuerwerk verzichten wenn im Vorfeld feststehen würde, welcher sozialen Einrichtung das Geld zu gute kommt. Ich bin eine leidenschaftliche Besucherin des Klassik Open Air. Ich bin schon froh darüber, dass es zwei Veranstaltungen gibt. Denn wenn es nur einen Termin geben würde, hätte ich so manches Konzert nicht besuchen können und die Besucherzahl von beiden Konzerten sprechen ja für sich. Viele der Besucher könnten sich bestimmt auch einen Theater oder Konzertbesuch leisten und wären nicht auf Kostenfreie angewiesen aber darum geht es ja auch gar nicht. Ich finde es wichtig Nürnberg lebendig zu halten und jedem ob reich oder arm so was tolles wie die Klassik Open Air Veranstaltungen kostenlos zugänglich zu machen. Wer möchte hat ja die Gelegenheit den PIN zu kaufen und kann somit beitragen die Kosten geringer zu halten. Wenn ich mich in meinen Klappstuhl setzte und die Augen schließe und der schönen Musik lausche, kann ich drei Stunden lang die Welt und die Sorgen hinter mir lassen.
Mit freundlichen Grüßen,
Klara-Susanne Schuhmann
Da ich außerhalb von Nürnberg, in der Provinz, wohne, sind es gerade die großen Events, die mich samt Anhang nach Nürnberg holen!!! Und macht nicht gerade das Klassik-Open-Air Werbung par excellence für Nürnberg und die große Orchestermusik!? Klar, manchmal ist weniger mehr, beispielsweise bei einer Blauen Nacht, wenn es die Leute gar nicht schaffen können, alles für sie interessante zu erleben. Unsere Landeshauptstadt hat solche Sorgen scheinbar nicht; vielleicht sollten einfach nur Gelder ins schöne Franken geleitet werden um die Misere zu lösen?! Dann kann auch Nürnberg wieder klotzen, nicht kleckern!
Mein Eindruck mag subjektiv sein, aber auf so manchem Tourneeplan oder Kulturkalender sieht es für mich schon so aus, als gruppiere sich alles in respektvollem Abstand um ein großes weißes Loch, genannt Nürnberg, herum. Da muß unsereiner dann halt nach Erlangen, Roth oder sonst wohin fahren. Haben wir in Nürnberg keine Räumlichkeiten, oder warum machen so viele Tourneeplaner einen so auffälligen Bogen um die Noris?