Sind Gutscheine besser als Kindergeld?
11. Januar 2010 von cro
Es gibt Kinder, die zum Schuljahresbeginn keine Hefte, keine Stifte, keinen Radiergummi haben. Die ohne Frühstück in die Schule kommen. Die auch im Winter in dünnen Jäckchen auf die Straße geschickt werden. Weil es Eltern gibt, die nicht auf die Kleinen achten, weil sie krank, gleichgültig oder überfordert sind. Es ist gut, wenn die Öffentlichkeit die Augen vor dem Problem nicht verschließt, dass es in unserer Gesellschaft vernächlässigte Kinder gibt. Manche Familien brauchen Hilfe – vor allem um der Kinder willen. Dann ist es gut, wenn Nachbarn hinschauen, wenn Lehrer nachhaken, was da eigentlich los ist. Und natürlich ist auch die Politik gefragt. Bildungsgerechtigkeit etwa darf nicht ein bloßes Wahlkampfthema sein. Auch Kinder aus armen Verhältnissen sollen die Chance auf eine gute Ausbildung haben. Damit ihnen der Start ins Leben gelingt, brauchen sie die Unterstützung der Gesellschaft.
Nun hat zum Beispiel Cornelia Pieper, die stellvertretende Vorsitzende der Liberalen, kürzlich vorgeschlagen, Vätern und Müttern die nächste Kindergelderhöhung nicht auszuzahlen. Stattdessen sollten Bildungsgutscheine verteilt werden. Zum 1. Januar 2010 ist das Kindergeld bereits um 20 Euro erhöht worden. Laut Koalitionsvertrag soll bis spätestens 2013 noch einmal nachgelegt werden. Damit die Eltern das Geld, das für ihre Kinder bestimmt ist, nicht zweckentfremden, sollen sie Gutscheine bekommen und die bei Sportvereinen, Kindertagesstätten oder Musikschulen einlösen können. Es gehe um bessere frühkindliche Bildung in Deutschland, so Pieper. In der CSU hat sie sich mit ihrem Vorschlag keine Freunde gemacht. Dorothee Bär, die familienpolitische Sprecherin der Christsozialen, sagte gar, es sei eine Unverschämtheit, Eltern die Kompetenz für Kindererziehung abzusprechen. Auch Heinz Hilgers, der Präsident des Kinderschutzbunds, ist von Piepers Idee alles andere als begeistert: «Das ist ein ungeheuerlicher Generalverdacht gegen Eltern», sagt er. Nun wollen wir von Ihnen wissen: Sind Gutscheine besser als Kindergeld?
Hier geht es zur Abstimmung.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Geht Ihnen Nackt-Scannen zu weit? Mit Ja antworteten 36,8 Prozent, mit Nein 63,2 Prozent.
2 Kommentare zu “Sind Gutscheine besser als Kindergeld?”

Ich finde den Vorschlag von Frau Pieper sehr gut. Warum aber nur für Eltern Gutscheine? Ich schlage vor, daß auch die Abgeordneten die nächste Diätenerhöhung in Form von Gutscheinen bekommen. Da Frau Pieper offenbar meint, daß Eltern das Kindergeld für Wodka, Flachbildschirme, Computer und Pornofilme und nicht für ihre Kinder ausgeben, so könnte doch auch der Wähler vermuten, daß Abgeordnete die nächste Diätenerhöhung gar nicht für Wahlkreisarbeit, Abgeordnetenbüro, Sekretärin, Wahlkampfmaterial, sondern für Luxusreisen, Zweitwohnung in der Toscana, Geliebte und Nobelrestaurants verwenden.
Der Vorschlag von Frau Pieper ist einfach einsame Klasse! Sprachkurse für Säuglinge, Krabbelgruppe für Studenten! Und falls man mit dem Gutschein Bücher kaufen möchte: Eine Reichs- äh, Bundesschrifttumskammer überprüft, ob die Bücher auch wirklich der Bildung dienen.
Interessant übrigens sowieso die Frage, WER dann definiert, was Bildung eigentlich ist. Musikschule ja, Karatekurs nein, Ballett ja, Fußball nein? Da ist es dann nicht mehr weit bis zur Gedankenpolizei. Eine immense Bürokratie wird die Eltern bevormunden, wenn sie als Bittsteller einem Beamten erklären müssen, warum sie diese oder jene “Bildungsmaßnahme” für gut halten. Und im Ernst: Was machen die Eltern von Säuglingen? Darf man für die Gutscheine auch Windeln kaufen, weil es sich mit voller Hose auch im Alter von drei Monaten noch nicht gut Mathematik pauken läßt?
Gott bewahre die Eltern vor Pieper!
Hallo,
auf der Webseite
http://www.familienbande24.de/geld/kindergeld
gibt es einen Kindergeld-Rechner, der auch Sonderfälle wie Zählkinder usw. berücksichtigt – sehr praktisch
lg, Susi