Denken Sie über einen Kirchenaustritt nach?

Immer mehr KirchenaustritteUnsere tägliche Meldung gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld: Missbrauchsfälle, fast jeden Tag werden neue bekannt, ein Ende ist nicht absehbar. Viele gläubige Kirchenmitglieder sind enttäuscht, entsetzt, erschüttert. Priester missbrauchten ihre Opfer und nutzten ihre besondere Vertrauensstellung schamlos aus.

Angesichts der zahlreichen Enthüllungen über den sexuellen Missbrauch und über nicht zu entschuldigende körperliche Misshandlungen erlebt besonders die katholische Kirche einen massiven Exodus. Auch in Nürnberg (die NZ berichtete) haben fast dreimal so viele Katholiken ihre Mitgliedschaft gekündigt als im Vormonat. Beim „Abschied“, nicht von Gott, sondern von der Kirche, ist häufig zu hören, dass die nun bekannt gewordenen Auswüchse das Fass zum Überlaufen gebracht hätte. Diese Priester haben ihren Opfern viel Leid zugefügt. Nun leiden auch die Gläubigen – und in der Folge leidet die gesamte Kirche.

Allerdings betrifft der Skandal nicht nur die katholische Kirche. Auch Schulen, Institutionen der Jugendhilfe und Sportverbände sind im gleichen Ausmaß Tatort sexueller Ausbeutung durch erwachsene und jugendliche Täter wie die Kirche. Und bei aller Wucht der ekelerregenden Ereignisse sollte nicht vergessen werden: Es sind in jedem kirchlichen Bereich Einzelfälle gewesen, die sich jetzt zu einem Ungetüm anhäufen. Die Schuldigen sind zu benennen und zur Verantwortung zu ziehen – die anderen sollten nicht unter Generalverdacht gestellt werden.

Trotzdem muss sich die Kirche den Schuh anziehen lassen, den Nährboden für diesen Sturm der Gläubigen selbst bereitet zu haben: Sie hat zu lange zu vieles verheimlicht, verharmlost und abgestritten, hat das menschliche Verlangen nach Intimität in eine Schmuddelecke geschoben und in den Beichtstuhl gehoben.

Was nun? Die rechtschaffenen Seelsorger mit abstrafen? Oder in der Summe aller „Bescherungen“ doch der Kirche den Rücken zukehren? Ist das Glas noch halb voll oder ist es halb leer? Wir wollen in unserer Leserfrage diese Woche von Ihnen wissen: Denken Sie über einen Kirchenaustritt nach? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Benzin: Wären Sie bereit mehr zu zahlen? Mit Ja antworteten 10,1 Prozent, mit Nein 89,9 Prozent. we

11 Kommentare in “Denken Sie über einen Kirchenaustritt nach?

  1. Bei allem Respekt und all der Verwirrung. Wollte Jesus eine Kirche?
    Pädophile gibt es verstreut, scheinbar vermehrt in der katholischen Kirche. Teile und herrsche war schon früher das Prinzip, wofür man Menschen nur gegeneinander auszuspielen braucht.
    Erkennt Ihr nicht das Netzwerk dieser geistigen Matrix?
    Die Religionen waren es doch, die uns die Verbundenheit zur wahren inneren Natur abgeschnitten haben. Tue dies und das „blödes Schaf“ und überall der strafende Gott…
    Schamanismus und Urreligion wurde systematisch platt gemacht.
    Beichte und bezahle, so ist dir vergeben. Wer austritt oder exkommuniziert wird kommt in den Höllenschlund. Huuuh.

  2. Was ich a weng komisch finde, ist das fehlende Interesse an den Missbräuchen im Martin-Luther-Heim in Nürnberg. Eigentlich müsste man jetzt erwarten, bundesweit müsste es Schlagzeilen geben. Normalerweise sind es ja der Spiegel und die Süddeutsche die keine Chance auslassen, um über Missbrauch in den Kirchen zu berichten, aber offensichtlich drückt man bei der evangelischen Kirche mehrere Augen zu.
    Für mich sind daher die Medien nicht mehr glaubwürdig, sie fordern Aufklärung, aber selektieren ihre Nachrichten. Also, wenn manche sagen, hier ist ein Kulturkampf in Gange, stimme ich dem zu.
    Da wiegt wohl ne Ohrfeige vom Mixa schwerer als echter sexueller Missbrauch von dem Leiter des Martin-Luther-Hauses. Das ist Missbrauch der Medien und sie machen sich selbst schuldig, werfen mit Steinen, sitzen aber in einem brüchigen Glashaus.

    Daher, Journalisten = Pharisäer

  3. Inwieweit steuern die Medien die Kampagne gegen die Kirche(n)?

    In meiner Pfarrgemeine diskutieren wir derzeit über die Kommentare in den Medien. So haben wir über einen Zeitraum von 10 Tagen Beiträge der Süddeutschen, Spiegel, TAZ, WELT und Focus gesammelt und parallel auch die freigeschalteten Kommentare der Leser.

    Als wir vorallem die Kommentare von den Lesern gesichtet haben, blieb uns die Spucke weg. Manche Älteren erinnerte der Worlaut vieler Beiträge an die Nazi-Zeit, ich will sie hier auch gar nicht zitieren, da sie politisch radikal, zum grossen Teil zur Gewalt gegen die Kirchen aufrufen und extrem abfällig sind.
    Es gab etwa 10 % der Kommentare, die sich zwar abwertend gegenüber den Kirchen äusserten, aber differenziert und ohne Extreme.
    Etwa 80 % der Kommentare waren von Hass und Radikalität derart geprägt, dass wir nicht glauben konnten, dass die Journalisten diese Kommentare freischalteten.
    Bei etwa weiteren 10 % der Kommentare gab es wohlwollende prokatholische bzw. proevangelische Äusserungen, zum Teil aber auch radikale Äusserungen.

    Das Ergebnis unseres Arbeitskreises war zweierlei, einerseits rückten wir im Glauben und in der Solidarität mit unserer Kirche vor Ort näher zusammen und andererseits aber auch einen strengen Appell an unseren Pfarrer, dafür mitzusorgen, jeden Missbrauch in der Kirche öffentlich zu machen.

    Allerdings gab es eine starke Minderheit in der Gruppe, die anregte, gegen die Medien juristisch vorzugehen, da derart böse und verhetzende Kommentare eigentlich nicht freigeschaltet werden dürften. Diese Minderheit sieht eine Kampagne gegen die Kirche.

    So, das ist mein Bericht zu unserem Arbeitskreis „Kirche und Medien“.

  4. Über einen Kirchenaustritt brauche ich nicht mehr nachdenken. Ich bin schon längst kein Mitglied mehr in diesen Vereinen.

    Aber:

    Seit wann sind Christentum und Kirche Synonyme? Das eine ist eine Glaubensrichtung – das andere sind Institutionen. Wie jetzt herauskommt, haben sich diese Institutionen alles andere als „christlich“ verhalten. Und besonders verwerflich ist nun, wie ausgerechnet die katholische Kirche damit umgeht.

    Ansonsten: Jeder hat die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wie er es halten will – und sollte sich in seine Entscheidung auch nicht hineinreden lassen.

  5. @Jeff

    Als ich mir ihren Kommentar durchgelesen habe, dachte ich spontan an Radikale.

    Sie können nicht Luther preisen und zeitgleich in menschenverachtender und radikaler Weise über Katholiken schreiben. Auch ihr bewusst gesetzter Schreibstil „Katholen“ zeugt von purer Bosartigkeit.

    Die heutige Zeit braucht keinen neuen Martin Luther, die Folge seines Tuns war ein 30-jähriger Krieg, ca. 40 % aller Deutschen sind in dieser Zeit ermordet worden, soviel zur „protestantischen“ Friedensbotschaft.

    Und zuletzt, die evangelischen Kirchen sind leer, dort gibt es deutlich mehr Kirchenaustritte, zwar viel Personal aber wenig Gläubige. Leben sie ihren Protestantismus mit dem ganzen Pietismus, wir Katholiken bleiben unserer Kirche und unserem Papst treu, davon werden uns weder Medien noch protestantische Kirchenkämpfer abhalten !

  6. Abstrafen ist nicht die Frage… Die Frage ist, wo man seine religiöse Heimat haben will/kann.

    Das eigentliche Vergehen der Kirche, ist das Dogma, dass Priester als direkte Vertreter Gottes und über jeden Zweifel erhaben sind. Die Vertuschung hat die Motivation diesen Status aufrechtzuerhalten. Die Hierachie der Kirche legt den Grad der Unfehlbarkeit fest.

    Die Hochmut der Führungsstrukturen (Der Glaube vor Gott größer zu sein als andere) ist das zentrale Problem der RKK. Die nicht von der Basis ausgehenden inzestiöse Organisation (Papst bestimmt Kardinäle / Kardinäle bestimmen den Papst) führt logischerweise auf lange Sicht in Extreme und lässt wenig Hoffnung auf Änderung zu.

    Gibt es eine Alternative zum Austritt? (Anders gefragt, glaubt wirklich noch wer, dass sich die RKK ändern kann bzw. dass eh alles ok ist?)

  7. Sehr geehrte Damen und Herren,

    der Artikel von „we“ hat mir sehr gut gefallen. Er ist augewogen, objektiv und sehr interessant geschrieben, übrigens wie fast alle NZ-Leserfragen.

    Die Kirche macht zur Zeit eine große Krise durch, aber sie wird sich eines Tages wieder auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen müssen.

    Herzliche Grüße

    Dirk Kösel

  8. Differenzierung tut not!

    Die Welle „Missbrauch in der Kirche“ möge die Richtigen erfassen und wegspülen, erfasst aber leider auch die „Falschen“:

    Permanent ist von „Kirche“ die Rede. Ich wage aber die Behauptung, auf Seiten der Lutheraner, also der EVANGELISCHEN Kirche und deren Einrichtungen weicht die Zahl der Missbrauchsfälle s t a t i s t i s c h kaum von jenen der „weltlichen“ Fallzahlen ab, also staatliche, private – wie zB Sportvereine u. dgl.

    Richtig deftig und statistisch signifikant sind die Missbrauchsfälle bei der KATHOLISCHEN Kirche, also der Kirche, die Zölibat, keine Frauen als Priester, Moraltheologie, Weihrauchfässer, Wallfahrten usw. prinizipiert.

    Ich weise ausdrücklilch darauf hin:
    Auch wenn die Katholen gerne so tun, als sei die evangelische Kirche in ihrem Sinne keine Kirche, sie ist es doch – und „ökumenisieren“ (ergo: alle = viele katholische + wenige evangelische | in einen Topf werfen und den Topf „Kirche“ nennen) lassen sich deren Missbrauchsfälle in keinem Fall!

    Ihr Katholen habt euch mit systemimmanenter Verlogenheit diese unappetittliche Suppe eingebrockt – viel Spaß beim SELBER auslöffeln!
    Auch Du, kommentierender Schreiberling, der Du Dich Johannes nennst | am 12. April 2010 um 10:32 !

    Kurz gesagt: Evangelische Missbrauchsfälle sind bedauerlich, aber – vergleichsweise – selten. Katholische Missbrauchsfälle sind zahlreich, hausgemacht und un-ökumenisierbar: Hätte es Dr. Martin Luther nicht gegeben, spätestens jetzt müsste man ihn erfinden!

    Wer Christ sein und eine Kirche ohne Zölibat, Verlogenheit und Selbstgerechtigkeit (à la „Johannes, kommentierender Schreiberling“) haben will, quasi eine

    „Mixa-freie Zone“,

    dem bleibt nur eines: Katholiken konvertiert, werdet Lutheraner – pro Aufrichtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Gleichberechtigung.

    Mehr Käßmann, weniger Mixa!

  9. Seit Wochen berichten die Medien von einer Welle von Kirchenaustritten, offensichtlich machen die Menschen den Journalisten nicht die Freude und sind besonnener und können besser unterscheiden, als die studierten Reporter. Das gefährliche an der ganzen Lage ist die mediale Allmacht, jede und jeden in den Schmutz zu ziehen. Langsam machen sich im katholischen Raum Widerstand gegen die unheilige Macht der Journalisten und die des Staates breit, Katholiken müssen wehrhaft gegen die Zerstörer des Glaubens auftreten, auch deswegen, da völlig unbalanciert die eigenen Verfehlungen im evangelischen, familiären, parteilichen, gewerkschaftlichen Bereich ausgeblendet wird.
    Was die Medien erreicht haben ist nicht eine Aufklärung sondern eine Radikalisierung. KATHOLIKEN WEHRT EUCH GEGEN DIE VERLEUMDER!!

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