Soll die Sperrstunde verlängert werden?

Mittelfrankens Polizeipräsident Gerhard Hauptmannl hat sich in der vergangenen Woche im Stadtrat für eine Verlängerung der Sperrstunde eingesetzt. Solche politischen Einlassungen von hohen Beamten in der Öffentlichkeit sind selten geworden. Hauptmannl wies dabei auf die steigende Kriminalitätsrate hin: Immer mehr Delikte würden unter Einfluss von Alkohol begangen. Wer das bestreite, wolle bewusst Fakten nicht zur Kenntnis nehmen. Die wachsende Zahl von Delikten, bei denen Alkohol eine Rolle spiele, wie Raub, Sachbeschädigung und Schlägereien belaste zunehmend die Polizeiarbeit.
Dafür war im Stadtrat aber nur wenig Verständnis vorhanden, denn die Parteien befürchten, als kleinliche Bremser dazustehen. Verändertes Freizeitverhalten, das Recht auf eine liberale Lebensführung und weniger Gängelung durch den Staat stehen einer Verlängerung der Sperrstunde entgegen. Vor allem jüngere oder jung gebliebene Nürnbergerinnen und Nürnberger befürchten Nachteile für ein lebendiges Nachtleben.
Die Sperrstunde regelt die Dauer, wie lange Gaststätten und Lokale in der Nacht geschlossen haben müssen. Während früher Lokale für eine kürzere Sperrstunde eine kostenpflichtige Ausnahmegenehmigung beantragen mussten, ist sie derzeit bis auf eine „Putzstunde“ praktisch freigegeben. Lokale, in deren Umfeld es aufgrund von überhöhtem Alkoholgenuss zu mehr Schlägereien oder Sachbeschädigungen kommt, können deshalb von der Stadt kaum beeinflusst werden. Eine streng gehandhabte Sperrstunde führte in der Vergangenheit aber oft zu kleinlichen Reaktionen: Schon für kleine Verstöße musste ein Bußgeld gezahlt werden.
Wir wollen in unserer Leserfrage diese Woche von Ihnen wissen: Soll die Sperrstunde verlängert werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll der Neptunbrunnen auf den Hauptmarkt? Mit Ja antworteten 54,8 Prozent, mit Nein 45,2 Prozent.   fis

14 Kommentare in “Soll die Sperrstunde verlängert werden?

  1. Metropolregion Nürnberg und Sperrstunde? Widerspricht sich das nicht grundsätzlich? Seit wann verüben Kriminelle ihre Straftaten nur zu bestimmten Uhrzeiten? Ist der Einfluss und die Wirkung von Alkohol auf Straftaten zu bestimmten Uhrzeiten stärker bzw. schwächer? Warum soll die Mehrzahl aller friedlichen Bürgerinnen und Bürger ihre Freiheit massiv einschränken – für eine Minderheit?
    Ist dies nicht nur reine Rechtskosmetik? Eine moralische Beruhigungspille für den Polizeipräsidenten Mittelfranken ?
    Warum wird Alkoholeinfluss immer wieder als strafmildernd beurteilt? Warum werden alkoholisierte Kriminelle nicht vor allem selbst zur Verantwortung gezogen als Menschen, die wissen müssen, dass sie unter Alkoholeinfluss vermindert zurechnungsfähig sind? Wo bleibt die konsequente Anwendung des Alholausgabeverbots an Minderjährige? Wo sind die nachts geöffneten Sporthallen für Basketball, die Fußballplätze, Schwimmbäder, wo die vielen benötigten 24-Stunden geöffneten Jugendtreffstätten?

  2. Vorschlag: Die Öffnung über eine bestimmte Uhrzeit hinaus könnte beispielsweise an eine Konzessionsabgabe (wie früher) gebunden sein. Dann wäre es halt etwas teurer, was die Pupertätstrinker vielleicht abhalten würde. Erwachsene, die mal etwas länger feiern müssen dann halt ein paar Kopeken mahr auf die Theke legen. Den meisten wirds nicht wehtun und dem Stadtsäckel würde es sicher guttun.

  3. Ich bin definitiv gegen eine Sperrstunde. Wir brauchen keinen Vorschriftenstaat, der den Normalbürger reglementiert. OB Maly sollte sich besser mal mit dem Kern des Problems auseinandersetzen statt hier mit irgendwelchen vermeintlichen Patenrezepten populistisch herumzuschwirbeln. Am langen Ende ist dann Nürnberg ungefähr genauso langweilig wie die SPD (Spaßverderberpartei Deutschlands?).

    Die Betrunken sind größtenteils Kiddies, Jugendliche zwischen 15 (oder drunter) und höchstens 20. Die wegen sich zum allerwenigsten Anteil in Kneippen, die wollen sich billig abschießen. Das geignete Gegenmittel wäre mal die konsequente Anwendung bestehender Regeln, z.B. den Vollzug des bestehenden Jugendschutzgesetzes. Sprich: keine Abgabe von Alkohol an Minderjährige. Danach könnte man mal darüber nachdenken, ob an der Tanke ab 20.00 Bölkstoff ausgegeben werden muss (Bier und Vodka-Red-Bull ist ja wohl kein ‚Reisenedarf‘ für Autofahrer, oder?).

    Also bitte mehr Vernunft, Problembewußtsein und Augenmaß und weniger populistische Hüftschüsse. So eine Art von Politik ist zum Kotzen.

  4. Ich denk mal jeder Erwachsene sollte doch selbst wissen was im guttut und was nicht. Ich bin effektiv gegen noch Vorschriften vom Staat und Politikern. Die saufprobleme machen doch sowieso nur die Kids, die nichts vertragen und ihre Grenzen nicht kennen. Ein Kompromisvorschlag wäre 2 Uhr Sperrstunde allgemein und unbegrenzt länger für Läden die gesichtskontrolle machen und nur ab Alter 21 Leute reinlassen

  5. Sich auf der einen Seite als 500.000 Einwohner Städtchen als Metropolregion feiern und dann auf der anderen eine dörfliche und peinliche Sperrstunde einführen wollen. Das die Leute der Stadt die Hölle heiss machen werden, ist ja wohl klar. Die Gewohnheiten von Menschen lassen sich so leicht nicht ändern.

  6. Sollen die normalen Leute dafür büßen, weil eine Handvoll Alko-Idioten den Kanal nicht voll kriegen? Die meisten Leute sitzen friedlich zusammen, unterhalten sich oder haben einfach eine gute Zeit zusammen. Da soll sich der Staat bitte raushalten, wir haben schon genug Vorschriften.
    Wer sich vollaufen lässt und dann Randale macht muss halt die Konsequenzen spüren, sprich die Faust des Gesetzes. Aber die 99% friedlichen Nachtschwärmer brauchen deshalb keine Tretze

  7. Jetzt habe ich habe so lange darauf gewartet, dass mir als erwachsenen Menschen endlich wieder jemand sagt, wann ich ins Bettchen zu gehen habe…

    Tolle Sache! Chapeau!

  8. Kann dem ersten (und auch anderen) Beitrag hier nur beipflichten, besser hätte ich es auch ncith formulieren können.

    Ich halte eine länge Sperrstunde für absolut kontraproduktiv und für einen empfindlichen Eingriff in die Selbstbestimmungsrechte eines jeden einzelnen.

    Ich bin über 30, in den Lokalitäten die ich aufsuche wird auch Alkohol ausgeschenkt und gefeiert und das nicht zu knapp, aber übergriffe habe ich dort sogut wie noch nie beobachten können, im gegenteil die leute waren einfach gut drauf und hatten spass.

    Bevor ich jetzt noch endlos weiterschreibe > der erste Beitrag trifft es auf den Punk!

  9. Die Polizei hat damit rein gar nichts zu tun. Das erhöhte Gewaltpotential kann leider nicht abgestritten werden. Die Polizei macht Gott sei Dank ihren Job. Ich finde unsere Argumente gegen die Sperrstunde sehr schlagend, muß ich sagen, besonders auch das Argument der verlorenen Arbeitsplätze. Daran hatte ich gar nicht gedacht, aber es sind sicher umwerfende Zahlen, würde man alle Beschäftigten zusammenzählen, die in irgendeiner Art und Weise mit dem Nachtleben zu tun haben.

  10. Manche Menschen denken tatsächlich, dass Verbote Probleme lösen würden. Wer bis fünf feiern will, der sollte das dürfen, auch wenn einige Senioren was dagegen haben. Und zum Glück macht nicht die Polizei die Gesetze, sonst wäre es hier noch trister.
    Wenn 5000 Leute friedlich feiern, und höchstens 100 von ihnen Stunk machen, dann ist diese Reaktion wahrlich unangemessen.
    Ich bin dafür, dass die Polizei abgeschafft wird, weil einige von ihnen korrupt und inkompetent sind.
    Vielleicht sollte die Polizei die Ausweiskontrollen, die sie am Tag macht, in die frühen Morgenstunden verschieben, und nicht nur Ausländer und Andersaussehende Menschen kontrollieren.

  11. ein 60 jähriger urteilt anhand von Zahlen … soweit sicherlich verständlich – jedoch wieviele arbeitsplätze an der ganzen sache hängen, daran wird nicht gedacht … auch die andere seite – wenn die „alkoholisierten“ dann um 3 aus der disse fliegen – dann verlagert sich die kriminalität nur ca 2 std vor …

  12. Man sollte vielleicht auch sehen dass es in der Innenstadt am lautesten um 5 Uhr morgens ist wenn alle Nachtschwärmer gleichzeitig aus den Clubs rausgeschmissen werden müssen. Da wäre eine vorgezogene Sperrstunde sogar kontraproduktiv.

    Und was eine frühere Sperrstunde bringt sieht man ja in England, da wird sich bis zur Besinnungslosigkeit betrunken da man ja nur wenige Stunden Zeit hat.

    Und was ist mit den Menschen die Freitag bis 20, 21 oder 22 Uhr arbeiten müssen? Die schaffen es doch gar nicht vor Mitternacht auszugehen. Die wären dann ja vom kollektiven Nachtleben ausgeschlossen.

    Desweiteren bezieht sich Herr Hauptmannl mit seinem Vergleich auf andere Städte auf Kleinstädte, mir ist nämlich keine Stadt über 100.000 Einwohner mit einer ähnlich strengen Sperrstunde wie Nürnberg sie plant bekannt.

    Das wichtigste wäre wohl Geld in Jugendarbeit und vor allen in Perspektiven zu stecken. Das liegt aber weniger an der Lokalpolitik. Möglichkeiten die man hier vor Ort problemlos durchführen könnte um Konflikte und Lärm zu senken wären eine einfache Verschiebung der sogenannten Putzstunde in den Vormittag hinein wie es z. B. in München ohne Probleme möglich ist, dann wären einfach nichtmehr soviele Leute auf der Straße und die Menschen sind nicht gefrustet dass sie nach Hause müssen. Nachts die Nightliner im 30 Minuten Takt fahren lassen würde auch etwas bringen da sich die Leute nicht am HBF stauen und dieser einstündige Zwang wegwäre. Und dieses Verkaufsstop von Döner und co. frühmorgens stoppen, dann wären nicht alle Menschen darauf angewiesen sich auf den einzigen Punkt an dem es morgens etwas zu essen gibt -> HBF zu konzentrieren.

  13. sehe ich genauso – was die sperrstunde im allgemeinen mit dem alkoholgenuss vieler (ja doch eher jüngeren) nachtschwärmer zu tun hat kann ich nicht ganz nachvollziehen – ich meine wer es wirklich darauf anlegt der kauft sich dann eben doch schon „nachmittags“ ne flasche wodka wie man es ja momentan wirklich öfter beobachten kann und setzt sich dann mit leuten in den park – das problem ist mit sicherheit daher generell die abgabe von alkohol an jugendliche und das im allgemeinen ansteigende gewaltpotential – weshalb sollen langjährige friedliche kneipengänger, wirte und personal daher bestraft werden?

  14. Feiern, weggehen, tanzen, das ist Teil der Kultur jüngerer Erwachsener. Daß man dabei meist ein bißchen Alkohol konsumiert, dient zur Auflockerung der Stimmung und ist, im Hinblick auf Sektempfänge bei vielen offiziellen Veranstaltungen, gesellschaftlich anerkannt.
    Eine allwöchentliche Sauftour aus dieser Art von kultureller Freizeitbeschäftigung zu machen, ist den jüngeren Generationen vorbehalten. In Nürnberg sind Adressen wie das „Fritz“ oder das „WON“, zu nennen, denn hier kann man sich für wenig Geld „abschießen“.
    Schaut man sich mal in Lokalitäten um, die größtenteils erst Leute ab 21 Jahren einlassen, findet man gegen vier, fünf Uhr morgens wesentlich weniger Alkoholleichen im Umkreis. (vgl. Indabahn).
    Meiner Ansicht nach sollten, bevor neue Regelungen eingeführt werden, erst einmal bestehende verbessert oder überhaupt eingehalten werden. Es würde weitaus mehr Sinn machen, das bestehende Jugendschutzgesetz erst einmal ausreichend zu kontrollieren, es gelingt immer noch zu vielen Nicht-Volljährigen, an harten Alkohol oder in Discos oder mit hartem Alkohol in Discos zu gelangen. Sicher kann man hier argumentieren, wer wirklich will, kommt schon an das was er möchte, aber fest steht, es wird immer noch viel zu wenig kontrolliert. Eine andere Möglichkeit wäre, die Altersgrenzen für Diskotheken nach oben auf 21 Jahre zu verschieben. So würde man die „Hauptsaufgruppe“ größtenteils von vornherein ausschließen.
    Eine derartige Verlängerung der Sperrstunde allerdings, kann wohl kaum etwas bewirken. Was machen denn dann all die Menschen, die normalerweise weggehen? Sie feiern Privatpartys, sie organisieren sich an öffentlichen Plätzen, das Problem kann man so bei weitem nicht beheben.
    Es gibt in der Geschichte immer wieder Perioden, in denen sich die jüngere Bevölkerung „abschießt“. Die letzte war nach dem zweiten Weltkrieg. Bei der momentanen Schwarzmalerei und teilweisen Perspektivlosigkeit aufgrund von mangelndem Bildungssystem, daß hauptsächlich für Zahlungskräftige ausgelegt ist, hier kann man Gründe finden, für das teilweise aggressive und autoaggressive Verhalten der jüngeren Generation und hier gilt es anzusetzen. Bei Krankheiten ist es auch nicht damit getan, die Symptome kurieren zu wollen, man muß erst einmal die Krankheit diagnostizieren.

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