Mai

10

2010

Soll Nürnberg ein Sozialticket einführen?

Veröffentlicht von isa in der Kategorie NZ-Leserfrage, Sozialticket | 27 Kommentare

Viele deutsche Städte streiten darüber: Ist ein Sozialticket, das Sozialleistungsempfänger im Personennahverkehr stark begünstigt, eine gerechte Sache? In Nürnberg müssen sich die Stadträte einig werden, seit eine Interessensgruppe den Wunsch nach der Sondermonatskarte im vergangenen Jahr mit Demonstrationen und 12.000 gesammelten Unterschriften untermauert hat.

Sozialpolitisch ist es wünschenswert, wenn Menschen aus einfachen Verhältnissen mobil sind: Sie integrieren sich und ihre Kinder besser ins Stadtleben, wenn sie sich Fahrten zum Sport oder zu öffentlichen Veranstaltungen gönnen. Mobilität ist eine Voraussetzung für Bildung. Und wer nur Hartz IV auf dem Konto hat, dem kommt schon eine Fahrt zum Bewerbungstermin teuer zu stehen.

Sozialpolitisch ist es aber genauso wünschenswert, das rare Geld nicht auf Nebenschauplätzen zu parken. Denn ein Sozialticket ist für ein bereits subventioniertes Verkehrsunternehmen – und für die Kommune als Träger – ein weiteres Verlustgeschäft. Finanziert man die Ermäßigung für Geringverdiener und Sozialhilfekunden zu Lasten der übrigen Fahrpreise, sägt man sich eventuell den Ast ab, auf dem man sitzt.

Wir wollen in unserer Leserfrage diese Woche von Ihnen wissen: Soll Nürnberg ein Sozialticket einführen? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Schafft der Club den Klassenerhalt? Mit Ja antworteten 43,3 Prozent, mit Nein 56,7 Prozent.

27 Kommentare zu “Soll Nürnberg ein Sozialticket einführen?”
  1. E. Weber 10th Mai 2010 07:14

    Sozialticket?

    Was wird denn hier tatsächlich gefordert? Es wird verlangt, dass der normale Nutzer durch eine überproportionale Fahrpreiserhöhung die Billignutzung der öffentlichen Verkehrsmittel durch Hartz-IV-Empfänger subventioniert.

    Ist das gerecht?
    Ist es gerecht dass ein Familienvater, mit einem ‘normalen’ oder unterdurchschnittlichen Gehalt der eine Familie mit zwei Kindern ernährt und jeden Werktag 8 Stunden ins Büro oder die Fabrik fährt, also knapp 10 Stunden unterwegs ist und bei dem am Ende dafür vielleicht 150 Euro mehr im Geldbeutel bleiben (wenn überhaupt) dem Hartzer die verbilligte U-Bahnfahrt ins Freibad finanziert? Davon soll er dann noch vielleicht 10 Euro mehr für die Monatskarte zahlen, damit der Nichtstuer seinen Freizeitwert verbessern kann? Das ist Hohn!

    Ist das sozial wünschenswert?
    Arbeiten soll sich lohnen. Wer arbeitet dem Soll es besser gehen als denjenigen die nichts tun. So, oder so ähnlich lauten die Sonntags-Politikersprüche vorallem unserer großen Volksparteien SPD und CSU. Davon sind wir weit entfernt. Den Arbeitenden werden via Steuern und Gebühren immer mehr Lasten aufgebürdet. Und die “Hartzer” (damit meine ich die Abseiler, Arbeitsunwilligen und Trinker, nicht aber diejenigen die alt, oder krank sind oder ohne eigene Schuld durch Schiksalsschläge aus der Bahn geworfen worden sind) werden immer mehr. Es gibt schon ganze Familien die generationsübergreifend von Sozialtransfers leben, also lieber andere für sich arbeiten lassen, als selbst etwas zu arbeiten. Ein Sozialticket ist sozialpolitisch kontraproduktiv weil es als weiteres Privileg für Nichtstuer es nochmals dazu beiträgt, dass es für diese Kreise wieder ein Stück unattraktiver wird eine nomal- oder mäßig bezahlte geregelte Arbeit aufzunehmen.
    (Für die Fahrt zum Bewerbungstermin könnte die VAG dem Arbeitsamt einige Freifahrscheine geben, die dort an Bedürftige bei denen es ganz eng zu geht ausgegeben werden. Das wäre Hilfe zur Selbsthilfe.)

    Ich halte die Idee eines Sozialtickets für völlig verfehlt. Völlig!

  2. Susanne Schuhmann 10th Mai 2010 08:05

    Für die Fahrt zum Vorstellungsgespräch könnte das Arbeitsamt einen Teil übernehmen, ähnlich wie der Unkostenbeitrag für eine Bewerbung. Bei Kinder-Fahrscheine würde ich einen Sinn darin sehen weil der Sportverein oder andere Freizeitangebote bei Schulkinder nicht immer im gleichen Viertel liegt. Ansonsten wäre ich gegen das Sozialticket. Gegenüber Familien mit einem Verdienst wäre ein Preisanstieg von Fahrkarten auch nicht gerecht kaum jemand denkt an den kleinen Mittelstand und denen den es zuzumuten wäre, fahren sowieso alle Autos.

    MfG Susanne Schuhmann

  3. Martina Gillitzer 10th Mai 2010 10:20

    Ich kann mich Frau Schuhmann nur anschließen und die Frage wiederholen: Wer denkt denn denn an den kleinen Mittelstand? Wir sollen für alles zahlen. Die “Kommt-doch-bitte-aus –aller-Welt-zu-uns-Einwanderung in die Sozialsysteme (danke Grüne) die Bankenkrise (danke FDP), die Griechenlandhilfe und die ganzen EU- Zahlungen (danke Frau Merkel und CSU) oder die dümmste Gesundheitsreform aller Zeiten, die Bürgerversicherung (danke SPD). Und wer soll das zahlen? Klar, wie immer, wir die normalen Leute, die täglich zur Arbeit gehen und unsere Kinder zu anständigen Menschen erziehen und dafür heute weniger Reallohn haben als vor 10 Jahren und schauen müssen, dass wir irgendwie noch täglich durchs Leben kommen. Euer Rezept für uns: Immer noch was draufpacken (19% MWSt., Mineralölsteuer, Heizölsteuer, Stromsteuer, Solidaritätsabgabe bis zum St.-Nimmerleinstag, usw., usf. …).

    Da passt es doch prima dazu dass wir jetzt noch mal extra was auf den Fahrpreis draufzahlen für den Weg zur Arbeit oder für den Schulweg der Kinder, damit die “Schlaue”n, die sich um Arbeit und Steuern drücken auf Kosten von uns “Dummen” billig mobil sind. Danke Herr Maly, eine prima Idee.

  4. S. Eng. 10th Mai 2010 10:22

    Wie kann sich da Arbeiten noch lohnen? Wieso sollte ein HartzIV-Empfänger eine schlecht bezahlte Arbeit annehmen, wenn ihm fürs “nichts tun” Geld und VGN-Ticket hinterhergeworfen werden? Die Idee für das billigere Sozialticket ist grundsätzlich nicht schlecht, jedoch sollte man sich gut überlegen, ob es nicht ein bereits bestehendes Problem noch verschärft.

    Wer denkt bei solchen Aktionen an den verschwindenen Mittelstand? Die Steuerlast ist nicht genug, nun soll der gutbürgerliche Mittelstand auch noch VGNtickets für Sozialempfänger mitbezahlen? Leider sitzen diejenigen, denen man es eher abverlangen könnte, im gemütlichen Auto.

    Deswegen ist das Sozialticket ein Schuss nach hinten!

  5. Sabine Awerkow 10th Mai 2010 10:55

    Ich finde es langsam nicht mehr normal, über was sich die Leute gedanken machen. Es gibt in Nürnberg bereits den “Nürnberg Pass” der das Fahren mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln verbilligt und noch andere Vergünstigungen mit sich bringt. Wieso gehen wir noch arbeiten?

  6. Steuerzahler 10th Mai 2010 11:04

    Ich bin für reduzierte Fahrpreise: Für Kinder, für Behinderte, für (Klein-)Rentner, die ihr Leben lang gearbeitet haben und für wirklich Arme die unverschuldet in diese Situation geraten sind. Alle anderen sollen zahlen. Und zwar den vollen, normalen Fahrpreis.Das ist sozial. Die Leistungsbereiten in unserer Gesellschaft sind aber nicht dafür zuständig den Sozialschmarotzern, also arbeitsunwilligen und integrationsunwilligen ihre Mobilität zu bezahlen.

    U. E. Rabenhold

  7. Preussler 10th Mai 2010 11:17

    Die Maly-Brüder (Ulrich, Oberbürgermeister und Dieter, zum Chef des Sozialamtes aufgerückt) haben sich das mit Sozialreferent Prölß (Sohn von Altbürgermeister Willy Prölß und Sproß des zweiten Familienclans der die Nürnberger SPD beherrscht) ausgedacht, ein Geschenk an die Hartzis.
    Durchsichtiger Versuch: Da will man wohl an der offenen Flanke zu den Linken punkten. Wenn das mal gut geht: Die “Rechnung” dafür sollen ja die anderen zahlen. Die Vollzahler der Verkehrbetriebe sind ja nicht die großen Leute (die mit dem dicken BMW ins Chefbüro fahren), sonder die kleinen und normalen Leute, vor allem die Zeitkartenabonnenten und da sind sicher sehr viele SPD-Wähler darunter, denen das nicht schmecken wird. Wenn das mal nicht zum Bumerang wird.

  8. Sozialticket jetzt 10th Mai 2010 12:16

    Ist es gerecht oder solidarisch oder gar menschlich, denen die durch ihre Arbeitslosigkeit oder durch Behinderung oder durch ihren Status als PraktikantIn oder StudentIn oder Flüchtling…, eine Mobilität nicht zu gönnen?
    Darf nicht auch ein Mensch ohne Job die Sonne im Freibad genießen oder den Weg zum Facharzt oder zum Bewerbungsgespräch bezahlt bekommen, ohne das eine Ungerechtigkeit angeprangert wird?
    Sollten sich nicht jene, die arbeiten und trotzdem nicht genug zum Leben haben gemeinsam mit jenen, denen selbst der Job fehlt für gerechtere Bezahlung, für bessere Arbeitsbedingungen, ja ein gerechteres Wirtschaftssystem eintreten.
    Nicht immer gegen die Schwächeren hetzen, sondern was tun gegen die eigene Unzufriedenheit.
    Die Ursache für Armut liegt im unvernünftigen kapitalistischen Wirtschaften und nicht an der “Gier” eines Hartz 4-Empfängers!!!

  9. Larry Zweig 10th Mai 2010 12:44

    Deutsche Soldaten bekommen UNSOZIALEN Flugkarten nach Afghanistan, bezahlt von den SteuerzählerInnen. Damit habe ich Probleme.
    Öffentlichen Verkehr soll in Prinzip ganz von Steuer (Einkommen, Transaktion, Gewerbe, KFZ, Benzin, u.s.w. (Mehrwertsteuer soll abgeschafft werden!)) für Alle bezahlt werden.
    Die Klassenorientierte & unsoziale Verhalten von vielem Menschen läßt diese Änderungen noch nur schwer zu realisieren.
    Zwischenzeitlich, wäre eine SozialTicket ein Positiven Schritt. noch besser mit ein Ende der Afghanistan Einsatz.

  10. Ed Breuer 10th Mai 2010 13:22

    @”Sozialticket jetzt”
    Dieses kryptokommunistische Geschwurbel geht leider völlig an der Sache vorbei. Die Beispiele sind doch unseriöse Stimmungsmache und ignorieren die Wirklichkeit: Dem bedürftigen Kranken zahlt die Krankenkasse den weg zum Arzt, wenn es denn sein muss auch mit dem Taxi. Fahrtkosten zum Bewerbungsgespräch werden dem Arbeitssuchenden auf Antrag vom Arbeitsamt erstattet; das war schon immer so.
    Bleibt also das “Grundrecht auf den Genuss von Sonnenschein” für die Arbeitslosen im Freibad. Sehr überzeugend, ihr Appell an die zahlende und arbeitene Mehrheit dafür Verständnis aufzubringen und ihre Soldarität mit jenen, die faul in der Sonne liegen für “ein gerechteres Wirtschaftssystem ” dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass sie für ihre Monatskarten ein paar Zehner mehr zahlen.

  11. Christian Hartmann 10th Mai 2010 17:24

    Ein Sozialticket ist ein wichtiger und erster Schritt dahin, das Grundrecht auf Mobilität für alle Menschen zu ermöglichen. Das Bündnis Sozialticket fordert dieses Recht auf Mobilität nicht nur für Hartz 4-EmpfängerInnen (die übrigens zum größten Teil auch sehr lange gearbeitet haben, liebe VorkommentatorInnen), sondern für Alle, die sich die teuren und ständig steigenden Fahrpreise nicht mehr leisten können. Also auch für z.B. AufstockerInnen, Niedrig-Lohn-JobberInnen, arme RentnerInnen und andere. Es geht darum, soziale Mindeststandards durchzusetzen, die jedem Menschen zustehen. Dazu gehört auch die Mobilität, die wie Gesundheit, Bildung etc. nicht vom Geldbeutel abhängig sein sollte.

  12. Diego 10th Mai 2010 19:39

    Deutschland hat das beste soziale Sicherungsnetz der Welt. Und zwar für Alle! Leider auch für die, die gar nicht wollen. Einiges wurde hier schon geschrieben, woher noch Unterstützung kommt. Die Einführung eines Sozialticket sehe ich nur als politischen Schachzug ohne Nutzen aber mit Kosten. Wer redet über Niedrigverdiener die mit 1 € über der Grenze für ergänzende Leistungen der Arbeitsagentur liegen. Die Zahlen alles Selbst und gehen in der Zeit in welcher bestimmte Leute dann im Schwimmbad liegen, arbeiten. Der Nahverkehr ist immer ein Geschäft bei dem die Kommunen eher Bauchschmerzen bekommen als satte Gewinne zu erzielen. Und genau da soll der Finger in die Wunde gesteckt werden????? Oder anders, sozialistische Subventionen muss man sich leisten können. Kann sich das Nürnberg leisten? Oder könnte man dann doch besser Geld investieren um neue Arbeitsplätze für Arbeitswillige zu schaffen?? Da trifft es dann die Richtigen gezielt.

  13. Movimento 10th Mai 2010 21:18

    (@ Preussler #7)
    Das erklärt doch manches. Papa Pröllß aus Buchenbühl, möchte absolute Friedhofruhe in seinem Garten, wenn er ein Fläschchen Barolo auf seine üppige Bürgermeisterpension aufmacht. Also Genosse OB (“capofamiglia”) weg mit der Nordspange, her mit der Denkpause (Taglio di pensiero). Familienpolitik “a la norimberghese” ?
    Wir wissen also jetzt also alle was die Nürnberger SPD unter “Mobilität” versteht. Dass ein Leistungsträger aus der Metropolregion der früh nach Düsseldorf, Brüssel oder Mailand muss, zügig zum Flughafen kommt? Nein, völlig unwichtig. Der soll früher aufstehen und sich durch den Bierweg stauen. Mobilität bedeutet, dass der Hartzer billig ins Freibad kommt. Mobilitá per tutti prolete! Her mit dem Sozialticket! Buona Notte.

  14. Bianka Straubel 14th Mai 2010 10:53

    als Hartz IV Empfängerin beziehe ich mich auf die Kommentare zum Sozialticket, die wiederum zum großen Teil den Erwerbslosen eigennütziges Verhalten unterstellen. Ich halte solche Äußerungen für rechtspopulistisch. Sie verleugnen die Tatsache, daß wir in einer hochkomplexen, fortschrittsorientierten urbanen Gesellschaft leben, von deren Leistungen viele Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft nichts mehr haben. Doch diese fortschrittorientierte Gesellschaft muß aufgrund ihres Anspruchs weiterhin eine Demokratie zu sein, hierfür auch ihren Tribut leisten. Dies geschieht in Absprache mit den Bürgern eines Landes in der Form von Sozialtransfers. Wenn technische Erfindungen wie die fahrerlose U-Bahn und der Flughafenausbau (Nordspange) zu finanzieren sein, sollte andereseits auch bedacht werden, wem und zu welchem Zweck diese Güter zu verfügen gestellt werden.
    Abgesehen davon haben viele, auch arme Menschen das Bedürfnis zu den Bereichen Bildung, Kultur und Freizeit Zugang zu haben, was wiederum die Basis für die Teilhabe an der Gesellschaft ist, die einem stetigen Wandel unterliegt. Ein Mensch der nur vor dem Fernseher sitzt, vernachlässigt seine Gesundheit (Rückenproblem) und wird einsam.

    Mit dem Sozialticket wird der Zugang gewährleistet, der ihnen bei 11.- Euro, die einer Einzelperson im Hartz IV-Bezug für das Benutzen von Vekehrsmitteln im Öffentlichen Nahverkehr zusteht, bisher schwer möglich war. Innerhalb von 30 Tagen, kann man zwei Tagestickets und ein Einzelticket kaufen.
    Nur ein dauerhaftes Bemühen am Arbeitsmarkt wird bei Bezug von Hartz IV belohnt. Für eine Tagesticket sind bis zum Jahresende 4,00 € aufzuwenden, bevor die VGN wiederum an der Preisschraube dreht. Ich habe den Verdacht, daß wir Menschen, wenn wir nicht so gut funktionieren für den gesellschaftlichen Werdegang nicht notwendig sind und auf uns mit dem Sparmaßnahmen verzichtet wird. Meinem Demokratieverständnis geht dieses Verhalten zuwider, wenn gleichzeitig Milliarden Euro/ Dollar auf dem internationalen Parkett verzockt werden können, und es gegen die Transaktionssteuer immer noch im Hinblick auf die internationalen Bedingungen verzichtet wird. Im Hinblick auf die 200 Mill. an hungerleidenden Kinder auf diesem Planet fällt es den leider manchen Menschen zu leicht die Hartz IV-Empfänger als Wohlstandsmaden zu bezeichnen.

  15. Bianka Straubel 14th Mai 2010 11:22

    als Hartz IV Empfängerin beziehe ich mich auf die Kommentare zum Sozialticket, die wiederum zum großen Teil den Erwerbslosen eigennütziges Verhalten unterstellen. Ich halte solche Äußerungen für rechtspopulistisch. Sie verleugnen die Tatsache, daß wir in einer hochkomplexen, fortschrittsorientierten urbanen Gesellschaft leben, von deren Leistungen viele Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft nichts mehr haben. Doch diese fortschrittorientierte Gesellschaft muß aufgrund ihres Anspruchs weiterhin eine Demokratie zu sein, hierfür auch ihren Tribut leisten. Dies geschieht in Absprache mit den Bürgern eines Landes in der Form von Sozialtransfers. Wenn technische Erfindungen wie die fahrerlose U-Bahn und der Flughafenausbau (Nordspange) zu finanzieren sind, sollte andereseits auch bedacht werden, wem und zu welchem Zweck diese Güter zur Verfügung gestellt werden.
    Abgesehen davon haben nunmal viele, sehr arme Menschen nicht nur das Bedürfnis nach Bildung, Kultur und Freizeit, sondern Bildung ist um Zugang zu unserer hochentwickelten Gesellschaft zu haben, die zudem einem stetigen Entwicklungsprozess unterliegt, notwendig. Der klassischen Wohlstandsmade, die wie manche Leser meinem im Speck der Gesellschaft sitzt, wird oft ein anderes Leben nicht genehmigt.
    Mit dem Sozialticket wird ein besserer Zugang gewährleistet, der bei 11.- Euro, die einer Einzelperson im Hartz IV-Bezug für das Benutzen von Vekehrsmitteln im Öffentlichen Nahverkehr zusteht, bisher schwer möglich war. Innerhalb von 30 Tagen konnteman davon zwei Tagestickets und ein Einzelticket kaufen.
    Doch nur ein dauerhaftes Bemühen am Arbeitsmarkt wird bei Bezug von Hartz IV belohnt. Abgesehen davonn wird die VGN 2011 wieder an der Preisschraube drehen.
    Wir Hartz-IV sollen auf die gesellschaftliche Teilhabe verzichten. Dies widerspricht jedoch meinem Demokratieverständnis, wenn man von Banken, die Milliarden Euro/ Dollar auf dem internationalen Parkett verschleudern, nicht einmal eine minimale Transaktionssteuer verlangen kann. Schließlich gibt es nicht nur uns Hartz-IV-Empfänger sondern 200 Mill. hungerleidende Kinder und 2,5 Milliarden Menschen die aufgrund von mangelhaften hygienische Bedingungen an Krankheiten sterben.

  16. Red.File 15th Mai 2010 03:06

    Beim Sozialticket stellt sich schon die Frage, ob mit ihm eigentlich das erreicht wird, was man zu wollen meint: Der öffentliche Nahverkehr der ohnehin oft genug Sparzwang und Privatisierungsideologie ausgeliefert und, ob öffentlich-rechtlich oder privat organisiert, durch die Kommunen hoch subventioniert ist, soll durch Preisumschichtungen einen Mangel der Wirtschafts- und Sozialpolitik ausgleichen, den er sicherlich nicht zu verantworten hat.

    Wäre es da nicht besser, anstatt dessen den Öffentlichen Nahverkehr in den strukturschwachen Randgebieten von Städten und Landkreisen auszubauen? Einerseits gibt es da auch HARTZ IV-Empfänger, denen sonst überhaupt kein Mittel bleibt, in die Stadt zu kommen, auf der anderen Seite könnten Familien mit geringem Einkommen auf das für sie sehr teure Auto verzichten oder sich dieses mit anderen teilen, weil dann wenigsten teilweise anstehende Fahrten mit dem Bus erledigt werden könnten.

    Dies ist sozial und trägt dem Umweltschutz Rechnung.

  17. A. Weigel 15th Mai 2010 12:49

    @Bianka Straubel

    Ich finde es – ehrlich gesagt – ziemlich frechdreist mit welcher Selbstverständlichkeit hier vom leistungsbereiten und -willigen Teil der Bevölkerung (von denen etliche kaum nennenswert mehr netto im Geldbeutel haben – hier Sozialtransfers eingefordert werden.
    Hier liegt ein ziemlich verqueres Verständnis von Solidarität vor. Solidadarität bedeutet kein Grundrecht auf gleichen Lebensstandard trotz Faulheit. Und das auszusprechen ist keineswegs “rechtspopulistisch”, sondern berechtigt, weil es das Gerechtigkeitsempfinden der arbeitenden und von einer Reihe Nichtstuern (worunter natürlich nicht alle Hartz-IV-Empfänger aber eben doch sehr viele fallen) ausgenutzten verletzt.
    Bitte Frau Straubel, erklären Sie mir doch warum ich mit einem höheren Preis für meine Monatskarte (für meinen Arbeitsweg) ihre Fahrt ins Freibad quersubventieren soll?
    Ich empfide dieses Anspruchsdenken als Unverschämtheit!

    Anika Weigel

  18. Cosimo 15th Mai 2010 12:59

    Ein Discount-Tarif für Abseiler, Arbeitsscheue und Trinker? Das ist Hohn für alle die arbeiten und was leisten.
    Vielleicht abends eiun Bier weniger von der ‘Stütze’ in der Kneipe versaufen, dann reichts auch für das Fahrgeld mit dem Bus.

  19. Paul 15th Mai 2010 21:15

    @ 18: Geht’s noch primitiver?
    Sagen Sie das doch bitte auch den AEGlern, QuellemitarbeiterInnen und allen anderen Betroffenen, die der Profitgier zum Opfer gefallen sind, ins Gesicht!
    Was ist bspw. mit RentnerInnen, die bei einer Durchschnittsrente von 963 Euro (Männer) und 526 Euro (Frauen), nach 45 Jahren Arbeit ihr Dasein fristen müssen? Ein Familienbesuch ist somit unerschwinglich. Haben sie etwa kein Recht mehr am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen oder mal ins Grüne zu fahren?
    Wissen Sie eigentlich, dass den real ca. 10 Mio. Arbeitslosen gerade mal 500.000 Jobs gegenüberstehen!

    Also: Her mit dem Sozialticket und Sonne für ALLE! ;)

  20. Ed Breuer 16th Mai 2010 22:24

    Zunächst mal finde ich wird diese Diskussion auf ziemlich niedrigem Niveau geführt. Von seiten der Befürworter werden keine belastbaren Fakten vorgetragen, sondern nur Phrasen gesdroschen. Es wird klar, dass hier nur Vorteile für sich auf Kosten anderer generieret werden sollen wollen. Das sind sehr egoistische Motive, nach dem Motto “wir wollen billig fahren” und ihr sollt es gefälligst zahlen.

    Was Bianka Strobel (#14 und 15, die Platitüden hier gleich doppelt abgesetzt), von sich gibt, ist wohl nicht ganz ernst zu nehmen: Die Dame sieht es nota bene als Zeichen des gesellschaftlichen “Anspruchs weiterhin eine Demokratie zu sein” an, dass sie subventioniert, also auf Kosten anderer befördert wird. Das ist argumentativ ziemlich verhoben und an und kaum zu toppen. Selten habe ich Egoismus so platt und verblendet naiv begründet gehört. Vermutlich kommt dieses wirre Zeug sowieso nur irgendwo aus dem Umfeld der Linken Liste.

    Der vorgeschlagene Verzicht auf technische Erfindungen wie die fahrerlose U-Bahn und auf notwendige Infrastrukturen wie den Flughafenausbau und die Nordspange, um Mobilität für Stützeempfänger zum symbolische Preis eines Bruchteils der tatsächlichen Kosten zu finanzieren ist haarsträubend absurd.

    Aber trotzdem danke, denn das bringt das Problem auf den Punkt: Wollen wir hier eine fortschrittliche und zukunftsfähige High-Tech-Gesellschaft oder wollen wir hier einen kollektiven Freizeitparl für Leistungsverweigerer. Wenn wir uns für solche Handlungsmuster entscheiden machen wir uns konsequent auf den Weg zum Abstieg zur Problemregion, attraktiv allenfalls für Müßiggänger und Stütze-Zieher, aber nicht für Leistungsträger in der Gesellschaft.

  21. Ro Meier 17th Mai 2010 11:15

    “Her mit dem Sozialticket und Sonne für alle!” Solche Parolen, sind hier also der geistige Boden auf dem die Forderung nach einem Sozialticket fußt? “auf Brüder, zur Sonne…. Sonne für alle”. Na, bravo. Dann wissen wir jetzt ja alle aus welcher Ecke das kommt. Oskar Lafontaine und Consorten lassen grüßen.

    Der normale arbeitende und steuerzahlende Bürger – selber weit weg von Reichtum oder Luxus und mit Abgaben und Steuern bis zum Abwinken belastet – soll hier also arbeiten und zahlen damit der nichtarbeitende Transferleistungsempfänger “mal ins Grüne fahren” kann. Schöner Gedanke für den Weg ins Büro oder in die Werkstatt nochmal eine ordentliche Kante draufzulegen, damit die Schlauen, die zwei Stunden später aufstehen preisgünstigst ins Grüne kommen. Herzlichen Dank aber auch!

    Wer so etwas als “Sozial” anpreist ist entweder Zyniker oder ein bodenlos dreister Egoist. Sich auf Kosten anderer ohne Arbeit durchs Leben zu wursteln und dann noch Komfort und Spaß auf Kosten der Arbeitenden einzufordern ist nicht sozial, sondern unsozial (um nicht das mißverständliche Wort asozial zu verwenden).

  22. Karlsberg 17th Mai 2010 19:55

    Nein. Das braucht Nürnberg nicht. Jeder soll das zahlen was es wirklich kostet. Das ist fair und gerecht.

  23. Grosser 18th Mai 2010 13:31

    Die Forderung nach einem Sozialticket ist unverschämt.
    Sie ist auch sozialpolitisch völlig falsch, weil es dann für die begünstigten Kreise wieder einen Anreiz weniger gibt, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen. Im Gegenteil,dann würde ja alles wieder teurer. Die Idee ist völlig kontraproduktiv, mal ganz abgesehen von der Ungerechtigkeit, den arbeitenden die Finanzierung aufzudrücken.
    Nein, nein und nochmal nein!!!

  24. webra 18th Mai 2010 21:21

    Ein Sozialticket ist ungerecht gegenüber denen die arbeiten, Steuern zahlen und ihren Anteil zur Gemeinschaft leisten. nach langen Arbeitstagen und -wegen bleibt denen kaum mehr, oftmals sogar weniger netto im Geldbeutel als denjenigen die sich in allen Vergünstigungssystemen bestens auskennen und für sich alles herausholen was der Sozialstaat bereithält. Für meinen Geschmack ist schon der Nürnberg-Pass, der überall vergünstigte Eintritte bereithält zu viel. Hat nicht der Arbeitnehmer einen Schwimmbadbesuch am Feierabend zum Fitness-Ausgleich viel nötiger, als der Arbeitslose der sich den ganzen Tag lang im Freibad erholt und in der Sonne räkelt und dafür noch vergünstigten Eintritt erhält? Das Sozialticket verschiebt diese Schieflage noch viel mehr zuungusten der Werktätigen und Leistungsträger. Arbeit muss sich lohnen, nicht das Nichtstun. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.

  25. Werner Schäfer 20th Mai 2010 08:47

    Es ist beschämend, daß in unserer Gesellschaft Menschen in Armut leben müssen, sei es daß sie arm sind weil sie Hartz IV beziehen MÜSSEN, oder arm sind TROTZ Arbeit. Es ist beschämend, daß arme Menschen, für die Verbesserung ihrer Lebenslage jahrelange Kämpfe ausstehen müssen. Es ist beschämend, daß die sogenannten “Hartzer” in menschenverachtender Weise von Politikern und sogenannten “Normalos” diskreminiert werden. Es ist beschämend. daß es eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz von Billiglöhnen bis in den Bereich von Lohnwucher gibt. Es ist beschämend, daß sich die Billiglöhner von uns Hartz IV-Beziehern abgrenzen.

    Ich trete ein für einen Regelsatz, von dem jeder menschenwürdig leben kann. Dann benötigen wir auch kein Sozialticket. Ich trete ein für einen Mindestlohn , der sich deutlich vom Regelsatz abhebt.

  26. Morgen-Rot 20th Mai 2010 09:13

    Wenn sich die Benachteiligten in der spätkapitalistischen Gesellschaft gegeneinander instrumentalisieren lassen (so wie das hier einige Beiträge zeigen) wird die soziale Umgestaltung unnötig aufgehalten und erschwert. Arbeitnehmer und Geringverdiener dürfen sich nicht gegen Arbeitslose aufhetzen lassen. Wer diesen Neidparolen auf den Leim geht verhindert im Interesse der herrschenden Eliten sozialen Fortschritt und gerechte Verteilung der Resourcen an alle. Er treibt damit Vorschub für eine kontrarevoltionäre Rückwärtsentwicklung der Gesellschaft, wie sie von Kapitalkreisen gewünscht und aktiv praktiziert wird. Verhaltet euch solidarisch und denkt nach was unser gemeinsames Ziel sein muss. Das Sozialticket ist nur ein kleiner logischer Zwischenschritt auf einem Weg zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Mobilität ist ein Grundrecht!!! Die Perspektive muss ein steuerfinanziertes umwelt- und sozialgerechtes Mobilitätssystem für alle sein. Das kann nicht über Fahrpreise, die die gesellschaftlich benachteiligten Gruppen, zu denen auch die Werktätigen hier die sich zurecht über ihre zu geringe Kaufkraft (denkt mal lieber nach warum!!) beschweren, ungerecht treffen, weil sie für den Weg zum Arbeitsplatz wo mit ihrer Arbeitskraft die Konzerngewinne erarbeitet werden, die unversteuert in Steuerparadiese geschaffen werden, treffen. Deshalb ist es richtig den Konzernen und den Reichen, die ihren Reichtum durch Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung, die sie wenn sie für den einzelnen keine Verwendung haben, mitleidlos in die Arbeitslosigkeit fallen lassen (siehe AEG, Grundig, Quelle), scheffeln über Steuern die Lebensvoraussetzungen der Gesellschaft finanzieren zu lassen. Das ist überhaupt kein finanzielles Problem, das Problem ist doch dass die rießigen Finanzströme mit der tatkräftigen Mithilfe verfilzter und korrumpierter Politiker der sogenannten etablierten Parteien (allen voran die Kapitalparteien FDP und CSU/CDU, aber auch die Arbeiterverräterpartei SPD, die in diesem Filz ganz tief mit drin hängt und sich nur auf massivsten Druck von unten bewegen lässt) in falsche Richtungen gelenkt werden: weg von der Masse in die Taschen der Finanzwirtschaft, der Konzerne und der Superreichen. Dort akkumuliert sich immer mehr marodierendes Geld, während die Lebensbedingungen der Massen durch Lohndumping, Sozialklau (wozu z.B. auf Fahrpreiserhöhungen gehören) und ungerechte Steuerverteilung (Lohnsteuer) immer prekärer werden. Mobilität für alle würde nur einen Bruchteil von dem kosten, was die Merkelbande den Banken und Spekulanten zuschiebt. Eine gerechte Gesellschaft werden wir in Zwischenschritten erreichen, wenn wir solidarisch zusammenhalten. Deshalb jetzt das Sozialticket! Als ersten Schritt. Die Perspektive muss sein: Freie Fahrt für alle! Das Geld ist da, es muss nur bei den Konzernen und Banken und Großverdienern geholt und gerecht verteilt werden. Lasst euch nicht auseinanderdividieren: Kämpft für eure Rechte. SEID SOLIDARISCH!!!

  27. Florian Sendl 20th Mai 2010 17:14

    Leider wird diese Diskussion mitunter sehr niveaulos und von beiden Seiten ziemlich undifferenziert und nur mit Schlawortparolen, wie “arbeitssscheuer Hartzer” und “Mibilität und Sonne für alle” geführt. Beides geht an der sozialen Wirklichkeit vorbei. (Auf den kruden ideologischen Schwachsinn will ich hier mal gar nicht erst eingehen.)

    Natürlich gibt es den arbeitsscheuen Transferleistungs-Abzocker, der sich gerne auf Kosten anderer auf die faule Haut legt. Ich kenne auch eine Mehrgenerationenfamile, die mehrheitlich integrationsunwillig von den Großeltern bis zum 18-jährigen Enkel von Hartz-IV lebt und den sprichwörtlichen Trinker gibt es natürlich auch. Auf der anderen Seite gibt es die rechtschaffene alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die nicht arbeiten kann oder nur halbtags, was ihr vorn und hinten nicht reicht. Es gibt auch die integrationswillige Stundentin mit Migrationshintergrund, der sich mit viel Elan aus schwierigsten familiären Verhältnissen emanzipiert und für ein paar Jahre auf Solidarität angewiesen ist. Und es gibt die Kleinrentnerin ,die zu viel zum Sterben aber zu wenig zum Leben hat. Abgesehen davon ist keiner davor gefeit, durch unglückliche Verkettungen selbst einmal unverschuldet in schwierige Lagen zu kommen. Das alles und noch viel mehr ist soziale Wirklichkeit in Nürnberg. Das ist alles sehr vielschichtig und man kann das nicht über einen Leisten hauen. An der Stelle kommt man also weder mit Stammtisch-Sozialneid noch mit naiven Alt-68er-Parolen auch nur einen Meter weiter.

    Also man muss hier schon sehr genau hinschauen und (was schon angesichts der beklemmenden Haushaltslage gar nicht anders geht) eine pragmatische, bezahlbare und gerechte Lösung finden. Für die Frage Sozialticket heißt das, ein eingeschränktes ja: JA für die wirklich Bedürftigen, denen für ihre mißliche Lage kein Vorwurf gemacht werden darf, das ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Und NEIN für die Ausnutzer und Unwilligen die sich der Gesellschaft parasitär verweigern, auch das ist ein Gebot der Gerechtigkeit

Copyright © 2009-2010 Nürnberger Zeitung · Senf dazu

Powered by Wordpress