Haben Sie Verständnis für den Ärztestreik?

urn:newsml:dpa.com:20090101:100520-10-11055Der Ärztestreik an kommunalen Krankenhäusern geht in die vierte Woche, auch am Nürnberger Klini­kum. Wer dort nicht gerade zu einer Operation antreten will, merkt nichts davon. Es ist ein kaum sicht­barer und dennoch brisanter Streik. Ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Mit ihren Gehaltsforderungen ver­langen die Klinikärzte indirekt nicht nur eine bessere Anerkennung ihres schwierigen Dienst am Menschen, sondern auch Entlastung von nicht­ärztlichem Kleinkram. Bürokratisie­rung, Wissenexplosion in der For­schung und ein wachsendes Patien­tenaufkommen haben den Beruf zur Belastungsprobe werden lassen. Und welcher Patient hat keine Angst vor einem gestressten Arzt? Be­sonders die knappe Entlohnung der permanenten Nachtarbeit frustriert die Mediziner – von den Zuschlägen in der Industrie ist ihre Vergütung meilenweit entfernt.

Wer Arzt wird, verdient nicht schlecht und arbeitet aus Überzeu­gung, wenden die Kritiker des Stan­des ein. In der desolaten Finanzlage der öffentlichen Krankenhäuser kommt ihnen eine millionenschwere Tarifdebatte völlig zur Unzeit. Die Nürnberger Klinikumsleitung sieht ihr Haus mit den 6,5 Millionen Euro Mehrausgaben jährlich schon vor dem Kollaps stehen. Auch seien die Vorwürfe übertrieben: Es gebe keine 36-Stunden-Schichten, die Arbeits­zeitgesetze würden eingehalten, und zur Entlastung der Ärzte beschäftigt das Krankenhaus zunehmend Assis­tenzpersonal wie zum Beispiel Kodierfachkräfte für die Abrech­nung.
Wir wollen in unserer Leserfrage diese Woche von Ihnen wissen: Haben Sie Verständnis für den Ärzte­streik? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Ist der Gewerbesteuer-Er­lass für Karstadt richtig? Mit Ja ant­worteten 25,2 Prozent, mit Nein 74,8 Prozent.