Haben Sie noch Vertrauen in die Bahn?

urn:newsml:dpa.com:20090101:100722-99-01183Alle Wetter, die Bahn! Der einstige Werbeslogan hat einen ganz neuen Beigeschmack bekommen. Erst kapitulierten letzten Winter ICE-Züge reihenweise vor der Kälte. Jetzt bringt die Hitze das hochmoderne Reisegerät in Probleme. Die Klimaanlagen streiken – tausende Fahrgäste litten unter Sauna-Temperaturen, auf der Strecke Berlin-Köln kollabierten zahlreiche Reisende im Zug, in Bielefeld musste bald eine halbe Schulklasse ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Desaster.

Weit schlimmer noch mutet die Informations-Politik der Bahn AG an. Erst war von einer Handvoll ICEs die Rede. Alles sei doch halb so schlimm gewesen, ließ das teilprivatisierte Unternehmen verlauten. Nach und nach mussten die Bahn-Manager dann eingestehen, dass viele der hochgelobten Vorzeige-Fahrzeuge massive Probleme mit der Klimatechnik haben. Offiziell wird das für 37 Züge eingeräumt. Medienberichte sprechen von insgesamt fast 50 ICEs. Der Fahrgast-Verband »Pro Bahn« geht sogar von mindestens 100 Zügen aus.

Das Entscheidende hat der Bahn-Vorstand dennoch über Tage hinweg verschwiegen: Dass die ICE-Klimaanlagen nur für Temperaturen bis zu 35 Grad Celsius ausgelegt sind. Bekannt wurde dies erst durch den Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Eigentlich ein Unding, so Thomas Terhorst: »Wenn sich solche Ausfälle wie jetzt bei der Bahn häufen, liegt der Verdacht möglicherweise nahe, dass wir ein Wartungsproblem haben«, zitiert die Deutsche Presseagentur den VDI-Experten.

Und dies nicht erst seit gestern. Denn das Bundesverkehrsministerium räumt inzwischen ein, von den Technik-Problemen schon länger gewusst zu haben. Kein Wunder also, dass immer mehr Stimmen öffentlich die Frage formulieren, ob die Bahn AG am Ende ihre Gewinne auf Kosten der Kunden-Gesundheit erwirtschafte.

Andererseits: Hat nicht vielleicht der Klimawandel an all dem Schuld? Musste das Unternehmen bei der Bestellung der ICE 2-Züge wirklich damit rechnen, dass sich die Quecksilbersäule im deutschen Sommer 2010 mancherorts der 40-Grad-Marke nähert? Hat die Bahn nicht genug tätige Reue gezeigt, indem sie hitzegeschädigten Kunden Gutscheine für künftige Bahn-Fahrten in Aussicht stellt?

Wir fragen Sie diese Woche in unserer NZ-Leserfrage: Haben Sie noch Vertrauen in die Bahn? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Befürworten Sie den Gentest an Embryos? Mit Ja antworteten 56,0 Prozent, mit Nein 44,0 Prozent.

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4 Kommentare in “Haben Sie noch Vertrauen in die Bahn?

  1. Die persönlichen Erlebnisse mit der DB würden einiges füllen.

    Leider überwiegen zu gut 98% die negativen Erlebnisse.

    Von A – Z, fast nicht denkbar ?

    Bei einer unerwünscht extrem verspäteten Problem – Nachtfahrt, musste ich einen Zug zum Aussteigen -ohne Haltepunkt- mit vielen Worten dirket anhalten lassen.

    Die Bahn stufe ich inzwischen bei der in Deutschland zum Niedergang üblich und fest verankerten, sich mehrenden Administrativ – Arroganz, Unkreativität und fehlender Bodenhaftung in bestorganisierter Unverantwortung ein.

    Was soll`s ?

    Dafür gibt es monatlich dort die automatisierte Konto-Füllung !

    Das Schweizer Administrativ – System mit Verantwortung ist besser !

  2. Das ist die Deutsche Bahn seit Autokanzler Schröders Freund, der Flugzeugmanager Mehdorn sie leitete, leider bis heute.

  3. Die Freundlichkeit gegenüber den Fahrgästen war bei der Bahn noch nie besonders. Früher musste man vor den Schaffnern bei der Kartenkontrolle ja schon fast stramm stehen und an den Schaltern war man lediglich ein lästiger Bittsteller.
    Das mit den Schaltern erledigt sich ja nun fast von selbst – sie werden ja weitgehend verschwinden.

    Schuld am Chaos sind offenbar abgespeckte oder nicht ausgereifte Züge. Während Express-Züge in Rußland und Spanien trotz Hitze und Kälte einwandfrei funktionieren, streiken die ICEs in Deutschland. Aber Siemens & Co haben ja schon viel Blödsinn produziert…

    Wenn mich jemand in einen solchen Schrottzug einsperren würde, ich würde auf jeden Fall die Scheibe einschlagen und / oder die Notbremse ziehen, auch wenn irgendein Bahnheini noch so im Viereck springt.

  4. Alles neu und erstmalig, da merkt man, wie schnell der Mensch vergißt. Erinnern wir uns an letzten Sommer.
    Zuerst riß einmal täglich die Fahrleitung zwischen Fürth und Nürnberg wegen der Hitze. Die Züge staqnden unklimatisiert in der prallen Sonne. Die Fahrgäste durften nicht aussteigen, die Polizei sperrte die Fahrgäste in den unklimatisierten Wagen ein. Und an einem Tag, als gerade keine Fahrleitung riß, wollte der Schaffner den ebenfalls unklimatisierten Zug mit Doppelstockwagen aus Coburg anhalten um die Bahnpolizei zu holen, da er bei zwei Fahrgästen Zweifel an der Gültigkeit der Fahrkarte hatte. Erst als im die versammelten Fahrgäste Lynchjustiz androhten, ließ er von seinem Vorhaben ab, soviel auch zum Personal.
    Das ist die Deutsche Bahn seit Autokanzler Schröders Freund, der Flugzeugmanager Mehdorn sie leitete, leider bis heute.
    Der Alltag in Deutschen Zügen umnterhalb des ICE wird ja gar nicht mehr thematisiert, weder in der Politik noch in der Presse. Erst wenn es in einem ICE zu Verhältnissen kommt, die im sog. Nahverkehr z. B. auf der ach so kurzen Entfernung Nürnberg – Dresden gang und gäbe sind, wachen einige auf. Warum hört man denn nichts Negatives von den mit dem Geld, das man besser zur Ertüchtigung der Flotte ausgegeben hätte, erworbenen Bahn Konkurrenten, wie Arriva.
    Im Zug Nürnberg – Prag oder Hof – München – Oberstdorf gab es genauso wenig Probleme, wie von Hamburg nach Sylt oder im Interconnex von Warnemünde nach Leipzig, die werden privat betrieben, da kassiert die DBAG nur über die Streckennutzung mit.
    Dass damit aber die Strecken auch nicht unterhalten werden, sondern man lieber das Geld im Konzern umschichtet um auf der steuergeldbezahlten Straße mit Schenker auch den privaten Güterbahnen Konkurrenz zu machen, ist ein anderes Thema, aber traurige Realität.

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