Sind Sie für Tempo 10 in der Bergstraße?

bergstraße_dautGeht es vorwiegend um Anwohner-Interessen oder doch um mehr, als eine bloße Reduzierung des Lärmpegels? Zugegeben, es donnert ganz hübsch, wenn ein Pkw mit Tempo 30 über das Kopfsteinpflaster der Bergstraße zur Burg hinauf Anlauf nimmt. Tempo 10 fordern die Grünen in ihrem Antrag im Rahmen des Stadterneuerungsprogramms Nördliche Altstadt auch für die Bergstraße.

Für viele Fahrzeug-Lenker könnte dieses Tempo künftig jedoch zum ebenfalls störenden Fahrtest werden – manch Motor „verreckt“ bergauf allzu gerne, ist das Spiel mit den Pedalen nicht sensibel genug. Auswärtige müssten bei Tempo 10 künftig mehr Geduld bei ihrer Fahrt aus der Innenstadt mitbringen oder den inzwischen ausgiebig frequentierten Schleichweg von St. Sebald über die Bergstraße und Obere Schmiedgasse bis zum Rathenauplatz gänzlich aufgeben.

Anwohner und Einzelhändler fordern die Temporeduzierung in der Bergstraße andererseits nicht nur des Lärmes wegen: Die Sicherheit von Fußgängern (täglich ca. 4500) und auch Radfahrern sei durch den Autoverkehr extrem gefährdet, da die Gehsteige zu schmal oder gar nicht vorhanden seien (Spitzkehre am Tiergärtnertor). Die Straßenverhältnisse sind nicht nur marode, sondern offenbar so unklar, dass sich Touristen beim Betrachten oder Fotografieren des malerischen Burg-Ambientes oft in einer verkehrsberuhigten Zone wähnen – und von heraufbrausenden Autos ebenso überrascht werden, wie die Fahrzeuglenker von versonnen auf der Straße stehenden Menschen.

Dass Unfälle nicht auf der Tagesordnung stehen verwundere zudem, so die Befürworter von Tempo 10, betrachte man, wie knapp die Autos an den Hauseingängen der Oberen Schmiedgasse vorüberfahren. Auch die für Autos zur Verfügung stehende Straßenbreite verleite zum Rasen und gefährlichen Schneiden von bergaufschnaufenden Radlern.

Warum aber soll, mag mancher dagegen setzen, in Nürnberg strikt geregelt werden müssen, was man in Örtchen und Städten südlicher Länder an verkehrstechnischen Engpässen nicht nur akzeptiert, sondern mit dem landeseigenen Charme verknüpft? Und auch als Ort verstärkter Unfallereignisse ist die Bergstraße bislang nicht in Erscheinung getreten…

Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: Sind Sie für Tempo 10 in der Bergstraße? Geben Sie Ihr Votum bitte in der Umfragebox auf nz-online.de ab und diskutieren Sie mit uns.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Sind Sie für die Rente mit 70? Mit Ja antworteten 16,0 Prozent, mit Nein 84,0 Prozent.

17 Kommentare in “Sind Sie für Tempo 10 in der Bergstraße?

  1. @8 mitropa
    Habe überhaupt nicht den Eindruck, dass die nördliche Altstadt stirbt. Es ist eben vorrangig ein Wohnquartier mit touristischem Interesse und keine City-Lage, und das ist auch gut so.
    Und der ÖPNV würde in der Bergstraße wohl auch nichts bringen.

    @16 mitropa
    Die Polizei interessiert sich – wenn überhaupt – nur für Falschparker. Wobei Autos, die in Kreuzungen die Sicht behindern praktisch nicht aufgeschrieben werden, wohl aber Parker auf Anwohnerplätzen (aber das ist auch einfacher…).

  2. Dasselbe ist mit der Überwachung der Radfahrer. Wenn ein Radfahrer rücksichtsvoll den Gehsteig nutzt hält das die Polizei nicht vom Handeln ab. Wenn Gehsteige so zugeparkt sind, dass selbst ein einzelner Fußgänger nicht mehr durchkommt, passiert nichts. Gutes Beispiel ist Nürnberg Ebensee, mit z. B. der Schilfstraße. Das ist nicht nur verboten, der Autofahrer muß sogar auch auf dem Gehsteig gefahren sein, nur eben eine kürzere Strecke als normalerweise der Radfahrer. Denn ich vermute nicht, dass er sein Auto auf den Gehsteig gehoben hat, was aber auch noch verboten wäre. Aber Polizisten sind auch Autofahrer, zu Fuß oder gar mit dem Fahrrad sieht man sie nie, außer sie stehen zum Abkassieren z. B. am Hauptmarkt, der einzigen Unterbrechung des Fahrradfernweges Prag – Paris. Solange das so ist, bringen Regelungen tatsächlich nur etwas, wenn sie automatisch überwacht werden, sei es durch versenkbare Poller, sei es durch elektronische Erfassung der Durchfahrt.

  3. @Christoph: Die mangelnde Durchsetzung bestehender Verbote ist gerade im Straßenverkehr ein ständiges Ärgernis.
    Frohes Parken in zweiter Reihe, Gebrauch des Blinkers nur an Sonntagen, Ignorieren von Durchfahrtsverboten – das kümmert die Polizei, wie es scheint, kaum.
    Selbst an der Kreuzung Schlotfergasse-Vordere Ledergasse zu Karl-Grillenberger-Str.-Dr.-Kurt-Schumacher-Str. – also unmittelbar an der Ostseite des Polizeireviers Mitte bzw. des Polizeipräsidiums – kümmert sich niemand um die Autos, die hier den ganzen Tag durchfahren.

    Gerade deswegen scheint mir die Idee der Chipkarte praxisnah zu sein. Wenn jedermann weiß, daß die Durchfahrt 30 € ‚Gebühr‘ kostet, wird nahezu niemand mehr durchfahren.

  4. als direkter Anwohner der Oberen Schmiedgasse kenne ich die gefährlichen Situationen, den Verkehrslärm durch das Kopfsteinpflaster und die zahlreichen Beinahe-Unfälle.

    Ein Weg zur Lösung der Probleme, ohne gleich neue Gesetze und Verbote zu erlassen, wäre die Durchsetzung der geltenden Bestimmungen (Tempo 30, Nachtfahrverbot) sowie vereinzelte Hinweisschilder an besonders gefährlichen Stellen.

    Mit Blick auf die Obere Schmiedgasse lässt sich festhalten:
    ca. 50 Prozent der Fahrzeuge fahren schneller als 30 km/h – sie verursachen deutlich mehr Lärm als langsamere Fahrzeuge. In Verbindung mit einem deutlichen Warnschild wäre auch die Kurve am Tiergärtnertor entschärft.

    Ein weiteres Problem scheint die deutliche Kennzeichnung der Einbahnstraße ab Albrecht-Dürer-Platz sowie Ecke Obere Schmiedgasse/ Burgstraße bzw. am Ölberg/ Obere Schmiedgasse zu sein. Pro Woche lassen sich mehrere Fahrzeuge beobachten, die entgegen der Einbahnstraße fahren.
    Folgendes Szenario lässt hier böses erahnen: ein „Bergstraßenraser, Fußgänger im Scheitelpunkt der Kurve Tiergärtnertor und ein „Geisterfahrer“ entgegen der Fahrtrichtung in der Einbahnstraße…..

  5. @ 10

    Ja logisch müssten auch die Radler langsam fahren.
    Aber von denen gibt es genug, die bergab es so richtig laufen lassen. Das sind dann auch mehr als 30 Sachen!

  6. Von „außen herum“ ist ja ausdrücklich NICHT die Rede.

    Das Problem ist ja da. Ich empfehle, sich einfach mal eine halbe Stunde dort hinzustellen. Ich hab’s gemacht, sogar länger. Und es war schon erschreckend, wie viele gefährliche Situationen sich ergeben haben.

  7. Zone 10? Wie wäre es denn an anderen Stellen mit einer Zone 20, einer Zone 40, gegebenfalls auch mal einer Zone 13,5 wenn es sich ergibt?

    Entweder, es ist eine STRASSE, auf der man die Altstadt durchqueren kann, oder es eine Spielstraße – auf der sich alle Touristen tummeln und man dann sowieso nicht mehr durchkommt, dann kann man die Bergstraße auch konsequent sperren. Ich fahre die Bergstraße zwei bis dreimal pro Woche, weil ich, aus Fürth kommend zum Rathaus muss. Weder ist auf der Bergstraße überrraschen viel Verkehr, noch gibt es dort nennenswert viele Raser (die sich in einer Zone 10 auch austoben würden).
    Wenn sich die Bergstraße nicht mehr durchfahren lässt, müsste ich außen herum, d.h. über den Ring, Bahnhof, Rathenauplatz etc. fahren – mehr Strecke, mehr Abgase, mehr Umweltbelastung. Wenn das von der Stadtplanung, so gewünscht wird, bitte sehr.

  8. Wäre davon nur die Bergstrasse betroffen oder auch der weitere Verlauf des Schleichweges?

    Müßten die 10km/h dann prinzipiell nicht auch für Radfahrer gelten?

    Bergauf sicher kein Thema aber in östlicher Richtung müßten die Radler dann auch ganz langsam fahren wenn ich nicht irre.

  9. Ich denke auch, dass man das mit den Durchfahrtsrechten regeln könnte. Ich glaube allerdings nicht, dass so etwas jemals kommen wird – nicht in Nürnberg.
    Noch zur Spielstraße. Das hat evtl. auch seine Tücken. Wenn die Touris auf der Straße faktisch völlig freie Bahn haben, kann man die Straße auch gleich sperren.
    Nicht mal in Rothenburg gibt es so strenge Regeln für den Autoverkehr …

  10. Ohne auf einen früheren Blog erneut eingehen zu wollen, das Sterben der nördlichen Altstadt hat auch mit der schlechten Erreichbarkeit durch den ÖPNV zu tun.
    Das mit der Chipkarte für den Lieferverkehr halte ich übrigens für lösbar. Es müssen dann halt analog der Parkberechtigungen auch befristete Durchfahrtsberechtigungen ausgegeben werden, u. U sogar durch die zu beliefernden Firmen, die darüber im Zweifelsfall Rechenschaft ablegen müssen. Diese Fahrzeuge mit Sonderdurchfahrtsgenemigungen könnten ja bei der Durchfahrt separat erfasst und gegebenenfalls mit dem Belieferten abgeglichen werden, technisch ist das kein Problem.
    Die Anlieger brauchen ja sowieso die Berechtigungskarte.

  11. Tempo-10 wird wohl kommen, nachdem in Nürnberg ja schon jahrelang Verkehrspolitik ohne Nachzudenken, zum Teil auch wissentlich gegen Gesetze verstoßend, gemacht wird.
    Im Vorliegenden Fall dann auch nur mit den Deckmäntelchen des Anwohnerschutzes und der Schleichwegsverhinderung versehen. Vorangig von Interesse werden die ausstellbaren Knöllchen sein, die dann den maroden Stadthaushalt mitsanieren sollen.

  12. Die Idee mit der RFID-Chipkarte ist mir auch schon gekommen. Das wäre wirklich eine gute Alternative. Ein Problem gäbe es dann aber immer noch mit dem Lieferverkehr, der nicht über den Chip verfügt. Würde man den „Schleichweg“ ganz schließen, wäre das vor allem für die Anwohner im Burgviertel von Nachteil. Wenn dagegen jemand, der von Fürth nach Erlenstegen fährt, muss er nun wirklich nicht diesen Schleichweg nehmen.

  13. Nürnberg hat bereits, so heißt es, die größte zusammenhängende Fußgängerzone Europas. Zugleich haben wir in der Innenstadt ein größer werdendes Strukturproblem: Leerstand von Geschäften und Lokalen (bzw. häufigen Mieterwechsel), Verlust von Fachgeschäften. Das hat nicht nur mit der Verkehrspolitik zu tun – sondern auch etwa mit dem Wachstum des Internetversandhandels -, aber durchaus auch mit der Verkehrspolitik. Jeder, der einen Laden, ein Lokal aufmacht, legt größten Wert darauf, daß er auch mit dem Auto gut erreichbar ist. Das gilt übrigens auch für den Lieferverkehr.
    Deswegen sollten Eingriffe in den Verkehr, die weitere Verbote und Regulierungen mit sich bringen, grundsätzlich zurückhaltend vorgenommen werden; nach anderen Lösungen ist zu suchen.

    Die Tatsache, daß die Strecke von der Sebalduskirche über den Tiergärtnertorplatz zum Fembohaus als Schleichweg zur Altstadtdurchquerung genutzt wird, sehe ich durchaus – auch wenn ich sie nicht grundsätzlich für ein Problem halte. Nur deren Mißbrauch stört mich, also: zu schnell fahrende, mit sogenannter Musik in doppelter Volksfestlautstärke am Sonntagmorgen das ganze Viertel aufweckende Fahrer – das stört, und das soll auch unterbunden werden.

    Hiergegen sind 10 km/h oder die (m.E. bessere) Spielstraßenregelung nur bedingt taugliche Mittel, denn sie ändern nichts am Grundproblem. Die Durchfahrt unmöglich zu machen, halte ich nicht für richtig – das ist auch wieder für die Anleger ein Problem.

    Wie wäre es mit folgendem: Durchfahrt nur für Anwohner. Die Anwohner erhalten eine Chipkarte fürs Auto, die man wie einen Parkausweis im Auto anbringt. An einer Stelle, beispielsweise unmittelbar vorm Tiergärtnertorplatz, ist eine Sende- und Empfangsstation samt Kamera angebracht. Fährt ein Auto durch, sucht die Station nach dem Funksignal des Chips im Auto. Wird er gefunden, darf das Auto hier fahren – alles gut. Wird er nicht gefunden, dann macht die Kamera ein Bild und der Strafzettel geht raus.
    Technisch gar kein Problem. Die Kosten dürften auch überschaubar sein. Warum also nicht?

  14. Wäre es nicht viel besser statt einer 10 km/h Regelung den ganzen Bereich als Spielstraße auszuweisen. Dann wären alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und die Trennung zwischen Fahrbahn und Gehsteig wäre aufgehoben. Und schneller als 10 km/h darf man da wohl auch nicht fahren.

  15. Wenn es ein Schleichweg ist, soll dieser erstmal mit Sackgassen geschlossen werden. Anders herum kann man die Altstadt ja auch nicht queren. Wenn der Verkehr gleich hoch bleibt, dann Tempo 10. Wobei ich verstehe, dass das bergauf etwas schwierig ist. Geprägt wird dieser Bereich in erster Linie durch Touristen, die die große Fußgängerzone schätzen. Der Weg Hauptmarkt – Burg ist ein Klassiker, den ich gern mit Gästen laufe.

  16. Einen wirklichen Nachteil den eine Tempo 10 Zone bedeuten würde, kann ich nicht erkennen.
    Schadet doch nicht in einem engen Innenstadtbereich mit hohem Fußgängeraufkommen die Sache zu entschärfen. Die Autofahrer sind in der Lage schneller und schneller zu fahren, da schadet einmal langsamer auch nicht. Der „Zeitverlust“ dürfte verschmerzbar gering ausfallen.

    Zum Schluss sei gesagt: „Pedale und verreckender Motor“ – das ist bloßes Geschwätz. Ich beschwere mich ja auch nicht über die fehlende Überdachung von Straßen, nur weil ich bei Regen mit offenem Schiebedach fahren will….

    Ergebnis: Umsetzen!

  17. Wer sich da mal eine halbe Stunde hinstellt sieht, wie gefährlich das u.U. werden kann. Warum erst auf einen Unfall warten und dann handeln? Und wem nimmt man denn was weg, wenn man an der Stelle anstatt 30 km/H nur noch 10 km/h fahren darf? Dadurch wird niemand behindert oder eingeschränkt. Also: Die sollen das so machen!

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