Halten Sie Wikileaks für gefährlich?

urn:newsml:dpa.com:20090101:101203-10-11113Wikileaks war abseits des Wintereinbruchs das Aufregerthema der vergangenen Woche. Tausende teilweise streng geheime Akten der US-Behörden waren auf der Internetseite eingestellt und von Journalisten weltweit ausgewertet worden. Das Ergebnis: Deutsche Politiker bekamen ihr Fett weg. An Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) perle alles ab, was ihr in Botschaftskreisen den Spitznamen „Teflon-Merkel“ einbrachte. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeige sich aggressiv.

Über den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wurde enthüllt, er sei voll der Bewunderung für seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin und dessen „Macho-Stil und autoritäre Art“. Berlusconi unterhalte eine „unheilvolle Beziehung“ zu Moskau, hieß es. Über die afghanische Regierung Hamid Karsais übermittelte die US-Botschaft, nur ein Minister stehe nicht unter Korruptionsverdacht. Regierungschef Karsai wurde als „schwache Persönlichkeit“ beschrieben, der von „Paranoia“ getrieben sei. Nordkorea wird von einem chinesischen Diplomaten als „verzogenes Kind“ bezeichnet. In den Dokumenten wird angedeutet, dass das kommunistische Regime in Pjöngjang vermutlich binnen drei Jahren nach dem Tod von Staatschef Kim Jong Il zusammenbricht. Chinesische Politiker seien bereit, eine mögliche südkoreanische Herrschaft über die gesamte Halbinsel zu akzeptieren.

Der Aufschrei war groß: Die einen verurteilten die Wikileaks-Veröffentlichungen, die anderen sahen publiziert, was viele denken. Doch wie groß ist die Gefahr, die von den Enthüllungen ausgeht? Es ist eine Seite, zu sagen, dass ein deutscher Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) eine „schräge Wahl“ war. Doch bergen Dokumente – gerade über sensible Staaten im arabischen oder asiatischen Raum – nicht enorme Gefahren? Für Bürgerrechtler in China, für Streitkräfte im Auslandseinsatz, für diplomatische Beziehungen.
Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: „Halten Sie Wikileaks für gefährlich?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Finden Sie die Terrorwarnung übertrieben?“ Mit Ja antworteten 57 Prozent, mit Nein 43 Prozent.

8 Kommentare in “Halten Sie Wikileaks für gefährlich?

  1. In München sucht man ja offenbar auch fieberhaft nach der „undichten Stelle“. Allerdings ist es für die Öffentlichkeit schon von Interesse, wenn die bereits bestehende Ansicht über Seehofer bestärkt wird, nämlich dass er ein populistischer Depp ist.

  2. Wikileaks ist wichtig, sehr wichtig.

    Gefährlich ist es wenn man die Mächtigen nicht kontrolliert.
    (siehe BayernLB)

    Wenn sie tun und lassen können was sie wollen
    Wenn sie alles unter dem Tisch kehren können.
    Wir brauchen eine Plattform wo es eben dieses Risiko gibt, daß dann doch was herauskommt.

    Zur Demokratie gehört das dazu.

  3. Nicht alles was man veröffentlichen kann, darf man auch veröffentlichen. Ich bin mir sicher, dass jeder Staat seine Recherchen über andere Staaten macht. Und ob da nun in irgendwelchen Akten steht, wie unsere Angela tickt usw. ist doch völlig egal. Muss es immer politisch korrekt sein? Nur weil ein Staat eine etwas eigene Meinung von ausländischen Politikern hat, ist dies gleich zu verdammen? Mal ehrlich – wieviele deutsche Bürger sagen/denken auch mal etwas beleidigend über Frau Merkel? Denkt mal nach. So schlimm ist das nicht. Ganz normal. Und was Wikileaks da veranstaltet gehört verboten. Das geschieht nur um hier sog. Spenden von dubiosen Spendern zu erhalten. Es gibt Staatsgeheimnisse und diese muss es auch weiterhin geben. Nicht alles kann für die breite Öffentlichkeit bestimmt sein. Diese Informationen werden von dieser sogenannten Plattform einfach so ins Netz gestellt, ohne darüber nach zu denken, was dies für die internationale Diplomatie bedeuten könnte. Dieses Unternehmen gehört verboten und die Mitarbeiter mal ein paar lange Jahre in den Knast geworfen für das, was da veranstaltet wird. Und dass der Anführer als Vergewaltiger gesucht wird, sagt ja alles…

  4. Was ist den Wikileaks anderes als Akteneinsicht in die Akten der Staatssicherheit. Der einzige Unterschied ist nur dass man diesmal nicht mit den Fingern auf den Geheimdienste eines abgewickelten Staates und dessen Zuträger deuten kann, sondern auf aktuelle Mitarbeiter der FDP, der Partei des letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR, und dabei mit den Zuständen in den real existierenden USA konfrontiert wird.
    Und glaubt jemand, dass das in Deutschland anders ist mit den Geheimakten. Warum kam denn bei Stuttgart 21 nur tröpfchenweise und sehr widerwillig und nur dank massiver Nachfragen des Politprofis Geißler, der ja weiß wie es geht, auf den Tisch, was da im geheimen beschlossen worden ist und wer wem welche Zusagen gemacht hat.
    Interessant wären z. B. die Akten Fraport Frankfurt und wie z. B der Arbeitsvertrag des Ministerpräsidenten Hessens mit dem Erbauer der neuen Startbahn zustande kam. Aber leider gibt es in Deutschland noch kein Wekileaks. Dringend nötig wäre es.

  5. Tja gefährlich finde ich eher das wegschauen von allen Politikern. Warum ist es verwerflich einen Illegalen Krieg und dessen als geheim eingestuften Dokumente zu veröffentlichen? Ich finde es eine Schande das der Irakkrieg obwohl es von Anfang an klar war, das die USA (ein Land das fast nichts produziert und sehr sehr von Öl abhängig ist) diesen, nur wegen des Rohstoffes angegriffen hat. Dann kommt noch eine lächerliche Vergewaltigungsklage gegen Hr. Assange, darüber kann man doch nur lachen. Amazon nimmt Wikileaks von den Servern und Paypal sperrt die Konten. Ich persöhnlich werde nie wieder mit Paypal zahlen noch mir irgendetwas von Amazon bestellen, denn dies war für mich ungerechtfertigt und nur durch Druck von „oben“ zu bewerkstelligen. Da soll mal einer was gegen China sagen. Die führen ein bisschen weniger Kriege als die sogennante Weltpolizei. Und belasst den Yang so wie er ist, auch wenn die USA das flennen anfängt^^. Tja Hochmut, Selbstüberschätzung und Surrealismus war immer schon der Grund für den Zerfall einer Weltmacht. Ich persöhnlich freue mich schon auf das Bankrott der USA, den abgesehen von den Demokraten (man soll ja nicht alle über einen Kamm scheren^^aber ich mach es mal) kann man den Amerikanern nichts abgewinnen. Habe schon viele Freunde aus den Staaten von der E-Mail Verteilerliste gestrichen, die sich erbost haben über den Herr Obama, obwohl er nur den Mist wegräumt den ein gewisser Vollpfosten vor ihm verzapft hat. Tja und den Rest gab mir die Fr. Palin letzte Woche als sie sagte das sie ja nicht sein will wie wir Europäer. Ich frag mich nur in welchem Maße denn wir überhaupt von den Staaten abhängig sind? Mir fällt keine ein ausser GPS^^aber auch dies ist nur eine Frage der Zeit. Irgendwann werd ich den Enkeln von dem Superreich erzählen können, das erpresst, Gefangene foltert und Präsidenten hatte, die gar nicht gewählt wurden.
    Weiter so WIKILEAKS^^ich finde euch stark. Wenns sein muss könnt ihr auch meinen Server nutzen. Obwohl ich dann vielleicht mit irgendeiner aus den Haaren gezogenen Anklage rechnen muß.
    Tja und die anderen Politiker schämt euch, wie konntet ihr mir solchen Verbrechern wie den Amerikanern unter Bush überhaupt nur reden, tut mir leid aber ihr seid keinen Deut besser.
    Tu was verbotenes, aber stufe es als Geheim ein.
    Früher nannten die Weltherrscher die Gegner Barbaren heute sind Terroristen.
    Ich für meinen Teil unterstütze keine Kriegshandlung von Verbrechern, ergo muss ich auch keine Terroristen fürchten, aber diejenigen die es Taten, haben ihr Volk verraten und das Volk in Gefahr gebracht. Habt ihr Toll gemacht wirklich^^

  6. Gefährlich ist nicht die Enthüllung und Veröffentlichung von Schweinereien jedweder Art, sondern die Hexenverfolgung gegen Herrn Assange und die allnähliche Etablierung eines „Vierten Reiches“ durch die USA. Wer seine Bürger durch Abschalten kritischer Internetseiten entmündigt, darf sich über Staaten wie China und deren analoger Vorgehensweisen kein Urteil erlauben. Wie im tiefsten Mittelalter wird dann noch schnell ein Vergewaltigungsvorwurf hervorgezaubert. Eine wünschenswerte Form der Unterstützung von Seiten und Initiativen á la Wikileaks bestünde z.B. im Boykott von Unternehmen (Amazon, Paypal etc.), die sich erdreisten, der Gedanken- durch Informationskontrolle das Wort reden zu müssen.

  7. Ihre Frage „Halten Sie Wikileaks für gefährlich?“ ist, wenn man den dazugehörigen Text nicht gelesen hat, sehr irreführend. Gefährlich kann „Wikileaks“ vorallem für Regierende sein, was aus Sicht der Bevölkerungen sehr positiv betrachtet werden sollte. „Für Bürgerrechtler in China, für Streitkräfte im Auslandseinsatz“, wie Sie es schreiben, ist „Wikileaks“ nur Gefährlich, wenn die Medien, welche die Dokumente von Wikileaks vorab bekommen haben, um Gefahren „Für Bürgerrechtler in China, für Streitkräfte im Auslandseinsatz“ etc zu vermeiden, einen schlechten Job machen. Wikileaks selbst macht eigentlich nichts, außer Dokumente an ausgewählte Medien zu übermitteln, welche später, nach Durchsicht und Veröffentlichung in den Medien als Quellenmaterial (mit entfernten Namen etc zum Schutze von Personen) auch auf der Wikileaksplattform hinterlegt werden. Wenn die eigentliche Bearbeitung und Veröffentlichung von den Medien erfolgt, ist es in diesem Fall nicht auch völlig falsch Wikileaks zu kritisieren? Dabei wird doch absichtlich übersehen, dass Wikileaks weder für den Daten’diebstahl‘, noch für die eigentliche Veröffentlichung verantwortlich ist.

    Im übrigen, liest man den Artikel, bekommt man den Eindruck, dass die Veröffentlichungen vorbei wären. Es scheint mir ein großer Irrtum zu sein, Cablegate auf eine Woche Tratsch zu reduzieren. Es werden noch Wochen bis Monate Veröffentlichungen erfolgen. Irgendwann werden auch Skandale kommen, die die Medien nicht ignorieren können, was bereits teilweise, durch falsche Akzentuierung in der Berichterstattung passiert. Beispielsweise wäre Clintons Beauftragung der Diplomaten, die UNO-Offiziellen auszuspionieren meiner Meinung nach deutlich berichtenswerter als Einschätzungen über deutsche Politiker.

  8. Also die WikiLeaks Enthüllungen mögen auf der einen Seite Gefahren bergen, auf der anderen Seite konnte sich jeder, der auch nur ein bißche auf das achtet was auf der Welt passiert und Amerika beobachtet, denken, das solche Informationen in der Art gesammelt werden. Ich denke es ist wichtig, daß, gerade von den Amerikanern, solche Sachen ans Licht kommen. Auch andere Länder werden ähnliche Informationen sammeln, das sollte wohl auch klar sein. Aber gerade bei den Amerikanern ist es wichtig der Welt auch mal vor Augen zu führen (und zu beweisen) das sie nach wie vor denken sie wären die, die die Welt lenken und wissen was für wen wichtig ist und wie man wen beeinflussen muss. Die Einbildung der Amerikaner die „Weltpolizei“ zu sein muss endlich beendet werden. Sie denken nach wie vor sie stehen über allem und allen. Und der ursprüngliche Hacker Gedanke, Informationen sollten frei zugänglich sein für jedermann ist zum einen richtig, und findet zum anderen via WikiLeaks zum ersten mal die richtige Plattform. Ich fand es verwerflicher und gefährlicher die Kriegsprotokolle der Amerikaner zu veröffenltlichen. Aber die Botschafts Depeschen sind ein Thema, das die Welt offen lesen sollte (und eigentlich nicht nur von den Amerikanern!)
    Das ist meine Meinung zu dem Thema, ich akzeptiere jede andere Meinung, und ich denke so sollte jeder dem Thema gegenüberstehen: Es gibt verschiedene Meinungen, aber man muss jede Meinung akzeptieren, wenn auch nicht teilen…

    P.S. ich bin derzeit längere Zeit geschäftlich in den USA und hier ist eigentlich weniger Aufrur wegen WikiLeaks, als ich es aus den Deutschen Medien mitbekomme

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