Haben Sie Mitleid mit dem FC Bayern?

Welt verkehrt: Der Club schaut sich die Abstiegszone durch das Fernglas an, die Bayern benötigen eben dieses, um nach dem Titel zu blicken. Symptomatisch dafür war der 25. Spieltag am 5.März: Während die Club-Spieler St. Pauli mit 5:0 abschossen und danach vor Freude auf dem Rasen hüpften, schlichen die Spieler des FC Bayern nach der bitteren Schlappe gegen Hannover 96 (1:3) mit hängenden Köpfen vom Platz.

Sie ließen auf der Tribüne ratlose und entsetzte Bayernbosse zurück, die das Unglück nicht fassen konnten.

Drei Tage zuvor mussten die Bayern noch das bittere DFB-Pokal-Aus gegen Schalke hinnehmen. Und dann der 15. März: Gegen Inter Mailand überzeugend und überlegen gespielt, und dann noch mit 2:3 verloren – die Bayern hatten sich selbst geschlagen. Da verschlug es dem Sky-Kommentator beinahe die Sprache. „Sie haben das Spiel verhühnert, den Gegner am Ende starkgemacht“, blieb ihm noch zu sagen.

Und wer noch länger vor dem Fernseher ausharrte, sah nach Spielende, wie Müller wutentbrannt die Hände in den Rasen krallte, einen Schweinsteiger, der fast noch eine Tätlichkeit gegenüber einem gegnerischen Spieler verübte und dann, wenige Minuten später, beim Interview mit der Fassung und den Tränen kämpfte. Das 6:0-Schützenfest gegen den HSV am 12. März erwies sich in dieser Dominanz als Eintagsfliege.

Letztlich brachte ausgerechnet der Club das Fass schließlich zum Überlaufen: Das Unentschieden mit dem kuriosesten Tor der Saison kostete Bayerntrainer van Gaal den Job und München vielleicht die Chance auf eine Champions-League-Teilnahme. Der amtierende deutsche Fußballmeister, Rekordmeister sowie Rekordsieger im DFB-Pokal, Ligapokal und Supercup, im Profifußball der erfolgreichste deutsche Fußballverein, muss nun – vollkommen ungewohnt – sehr kleine Brötchen backen. Im kommenden Jahr findet das Champions-League-Finale in München statt – mit den Bayern auf der Zuschauertribüne? Die Aussichten sind trübe, auch wenn die Mannschaft gestern ein 5:1-Torfestival gegen Bayer Leverkusen feiern konnte. Die großen Ziele hat der FC Bayern München schon verpasst – die Enttäuschung ist riesengroß. Nürnbergs „Lieblingsfeind“ steckt also in der Bredouille – die Kicker im FCN-Dress haben darin übrigens sehr viel Erfahrung…

Natürlich wird sich der eine oder andere (oder gar sehr viele?) der Club-Fans ob des Debakels der Bayern die Hände vor lauter Schadenfreude rot reiben. „Hochmut kommt vor dem Fall“, ist an Stammtischen in den letzten Tagen zu hören.

Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass sich die Bayernführung gegenüber dem Club meistens sehr fair verhalten hat. Und nicht zu vergessen ist auch, dass der Club dank des FC Bayern München mit der Ausleihe des Mittelfeldspielers Mehmet Ekici eindeutig verstärkt werden konnte.

Solche Nettigkeiten werden auch künftig nur von einem starken FC Bayern zu erwarten sein. Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: Haben Sie mit dem FC Bayern Mitleid?

Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de/nz-dialog ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Soll der ganze Hauptmarkt umgestaltet werden?“ Mit Ja antworteten 37 Prozent, mit Nein 63 Prozent.
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1 Kommentar in “Haben Sie Mitleid mit dem FC Bayern?

  1. Kurz und kanpp: es heisst ja, Hochmut kommt vor dem Fall. Sollen sie doch in der Versenkung verschwinden.
    Arroganz und Hochnäsigkeit hatten noch nie Bestand.

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