Straßenbahn wieder quer durch die Altstadt?

Der Streit um die Stilllegung des Nordasts der Linie 9 durch die Pirckheimerstraße ist noch nicht beendet, schon zeichnet sich die nächste Auseinandersetzung um die Straßenbahn ab: die Querung der Altstadt vom Rathenauplatz über den Inneren Laufer Platz am Rathaus vorbei bis zum Neutor mit einer neuen Linie.

Ältere mögen sich daran erinnern, dass es diese Verbindung schon einmal gab. Derzeit wird die Strecke von Bussen bedient. Im Rahmen des Nahverkehrsentwicklungsplans, der seit fünf Jahren aufgestellt wird und mit dem innerhalb des nächsten Halben Jahres festgelegt werden soll, wie das vorhandene Straßenbahnnetz noch sinnvoll verbessert werden kann, ist die Altstadtquerung, die es schon einmal gab, wieder aufgetaucht. Nach den ersten Prognosen, wäre die Strecke verkehrlich sinnvoll. Das heißt aber noch lange nicht, dass es die Strecke auch ökonomisch ist und dass sie von den Anliegern akzeptiert wird.

Es gilt auch zu bedenken, dass Buslinien bei Großveranstaltungen auf dem Hauptmarkt oder in seinem Umfeld schnell verlegt werden können. Laut Gutachter müssten zwei Straßenbahnen innerhalb von fünf Minuten auf der Strecke verkehren. Nur so wäre die Altstadtlinie verkehrlich sinnvoll. Für Anlieger wie Touristen wäre dies eine Belastung sein, weil es auf den betroffenen Straßen sehr eng wird.

Auch die gestalterische Aufwertung der Innenstadt wäre mit einer Altstadtstraßenbahn schwieriger zu erreichen, es sei denn man nimmt sehr viel Geld in die Hand und baut Innere wie Äußere Laufer Gasse komplett um. Da die Altstadtlinie keinen eigenen, abgegrenzten Baukörper auf der Straße bekommen kann, würde es auch keine Zuschüsse geben. Das ÖPNV-Netz Nürnbergs in der Innenstadt ist außerdem auch ohne Altstadtlinie schon sehr gut. So viel zu den Nachteilen.

Für eine Straßenbahn durch die Altstadt spricht, dass eine lange, durchgängige Linie etwa von Erlenstegen bis zum Plärrer oder gar bis nach Erlangen für die Nutzer sicherlich attraktiv wäre und zum verstärkten Umsteigen auf die Straßenbahn führen könnte. Neue Straßenbahnen, wie sie derzeit in Bordeaux und Nizza zu sehen sind, zeigen, dass die technischen Probleme von Innenstadtstraßenbahnen sehr gut zu lösen sind: Sie sind leise, vibrationsarm und können sowohl mit Batterie als auch mit einer neuartigen Stromversorgung, die in der Straße liegt, betrieben werden.

In der Altstadt störende Oberleitungen würden nicht mehr benötigt. Die verkehrlichen Fragen des Nahverkehrsentwicklungsplans werden im Frühjahr abgearbeitet sein, dann kommen noch ökonomische und technische Prüfungen. Am Ende müssen Stadträte Farbe bekennen, was sie wollen und was sie verantworten können.

OB Ulrich Maly hat in diesen Tagen eine Bürgerbefragung über die Altstadtlinie ins Spiel gebracht. Das „Wünscht-Euch-Was“ hat natürlich den Nachteil, dass die Bürger nicht abwägen müssen, was mit dem so gut wie nicht vorhanden Geld zu machen ist: Sanierung des Opernhauses? Schulsanierung? Straßensanierung? Vielleicht ist die Altstadtlinie angesichts der U-Bahn doch ein reines Luxusproblem?

Daher unsere Leserfrage: „Straßenbahn wieder quer durch die Altstadt?“

Vergangene Woche wollten wir wissen: „Sollen die NS-Bauten erhalten bleiben?“ Mit Ja antworteten 70 Prozent, mit Nein 30 Prozent.

 

9 Kommentare in “Straßenbahn wieder quer durch die Altstadt?

  1. Also zu allererst möchte ich dem Redakteur, der den einleitenden kurzen Artikel geschrieben hat, eine gewisse mangelnde Objektivität vorwerfen:
    Zunächst einmal ist es wohl für niemanden ersichtlich, warum eine Altstadttram gerade für Touristen Nachteile bringen sollte? Gerade dieses Klientel wäre vermutlich für eine umsteigefreie, günstige Stadtrundfahrt in einer Straßenbahn sehr dankbar, zumal wenn diese auch noch mitten durch den schönen Teil der Altstadt fährt. Und sollte jetzt einer meinen, dass durch die Oberleitung der Blick auf die Burg verschandelt würde, dann sollte man sich einmal eine Sache vergegenwärtigen: Sehr viele, darunter im übrigen auch einige deutlich sehenswertere, Städte haben Trams mitten durch die Innen-/Altstädte gebaut in den letzten Jahren, und mir ist weder selbst in einigen dieser Städte jemals eine Oberleitung störend aufgefallen, noch hatte ich den Eindruck, dass die Touristenzahlen in diesen Städten einbrechen, weil die Stadt durch die „grauenvolle Oberleitung verschandelt“ wird.

    Auch finde ich eine Auflistung der Vor- und Nachteile insgesamt im Zusammenhang mit „Senf Dazu“ etwas fragwürdig. Vor allem, wenn dadurch durch die implizite Autorität, die dem Redakteur zugebilligt wird, die Meinung derart eindeutig gelenkt wird. Zuerst Massen an (vermeintlichen) Nachteilen aufzählen, die bei einer genaueren Überprüfung nur teilweise haltbar sind (siehe Touristen). Außerdem erscheint es mir schon grotesk, dass hier der Kosten-Nutzen-Faktor, der ja bereits errechnet ist und die ökonomische Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme eindrucksvoll untermauert (3,63 – das ist noch mehr als bei der Verlängerung Thon – Am Wegfeld!) mit keiner Silbe erwähnt wird, ja sogar so getan wird, als gäbe es diese Untersuchung noch gar nicht und man wüsste nicht, ob die Linienführung ökonomisch sinnvoll wäre. Das ist entweder schlecht recherchiert, oder – fast noch schlimmer – absichtlich ausgeblendet. Ganz schwache Leistung, liebe NZ, so leid mir das tut. Das war bei den beiden vorherigen Umfragen zu diesem Thema deutlich besser gelöst, wo man sich die lange „faktensichtende“ Einleitung gespart hatte.

    Zum Thema selbst will ich mich diesmal gar nicht groß äußern, denn was da momentan mit der Pirckheimer- und der Altstadttrasse veranstaltet wird, ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten. Lokalpolit-Theater vom Feinsten. Armes Nürnberg, bei dieser (verkehrs-)politischen Führungsriege…

  2. Ich wohne im Burgviertel und ich finde die derzeitige Anbindung gut – eine Straßenbahn ist völlig unnötig.
    Übrigens fand ich die frühere Situation mit der Straßenbahn in Lorenz auch besser, denn damals fuhren fast alle Linien durch die Innenstadt, nicht nur eine wie bei der U-Bahn.
    Die U-Bahn war einfach eine Nummer zu groß. Besser wäre eben das System mit schneller unterirdischen Linien in der Innenstadt und konventioneller Straßenbahn in Randbezirken gewesen. Das funktioniert z.B. in Köln oder Düsseldorf ganz hervorragend.

  3. Was heißt das Dornröschenschlaf in der Sebalder Altstadt? Der Stadtteil ist eben vorrangig Wohngegend und im Burgviertel ein Touristenzentrum (überhaupt nicht verschlafen!). Das Geschäftsviertel ist und sollte auch die Lorenzer Seite bleiben.

    • Die Theresienstraße ist nun einmal eine Geschäftsstraße, die allerdings weit unter ihren Möglichkeiten bleibt. Für das Burgviertel wäre guter ÖPNV sicher gerade bei den Kneipen eine Hilfe, und es ist ja nicht so, dass es nicht auch in Wohngebieten Straßenbahnen gibt. Manches Wohngebiet hofft sogar endlich seine seit Jahrzehnten versprochene Straßenbahn zu bekommen, wie Zabo. Die Straßen vom Hallertor am Rande des Hauptmarktes vorbei bis zunm Rathenauplatz wurden nach 1945 bewußt straßenbahntauglich aufgebaut, obwohl es diese Linie bereits vor 1945 gab. Alles fiel der autogerechter Stadt mit ÖPNV und Fußgänger unten, Auto oben, zum Opfer. Es ist Zeit, dass auch Nürnberg aufwacht und die Zeichen der Zeit erkennt, und dazu gehören von Los Angeles bis Zwickau auch Straßenbahnen und zwar solche die dort fahren wo sie der Fahrgast will und braucht. Und in Nürnberg fährt die Straßenbahn schon lange nicht mehr nach dieser Maxime. Hier fährt sie dort, wo sie die U Bahn nicht oder möglichst wenig stört, nicht wo sie der potentielle Nutzer braucht. Das ist kein Angebot und das ist das Dilema jahrzehntelanger verfehlter Politik mit der Folge, die wir jetzt in der Pirckheimer Str. und in der Altstadt erleben. Ohne U Bahn gäbe es längst die Strecken Rathenauplatz Spitalgasse Lorenzkirche und eine Linie zum Hallertor. In der Pirckheimer Straße wollen die Bürger doch sicher nicht deshalb ihre Straßenbahn behalten weil sie von ihr so maßlos gestört werden, doch wohl eher weil sie das Angebot weiter nutzen wollen. Ich war einst im Realgymnasium mit Haltestelle an der Linie 16 und weiß noch, wie die Fahrgastzahlen damals trotz erweiteren Laufweges nahezu einbrachen, als die Straßenbahn durch die Buslinie 66 (heute 36) ersetzt wurde.

  4. Die Straßenbahn durch die Altstadt ist erstlinig kein Ersatz für die Pirckheimer Straße. Das sind zwei paar Stiefel. Dass sie durch den unsinnigen Bau der U 3 dazu hochstilisiert wird ist eine Erfindung der Politik. Vor dem Krieg gab es auch beide Strecken. Insbesondere will die SPD deren Verkehrsstadtrat für U Bahnfragen die Linie durch die Altstadt nur über seine Leiche bauen lassen will, wie er immer wieder betonte, mit der Diskussion von ihren internen Problemem ablenken. Kurzzeitig war ja sogar Herr Verkehrsstadtrat Fischer für die Straßenbahn in der Pirckheimer Str., allen angeblichen Zuschußproblewmen zum Trotz, nur um die Altstadtstraßenbahn zu verhindern. Dabei haben beide Strecken soviel miteinander zu tun, wie der Auto – Parallelverkehr auf Fürther Straße und Frankenschnellweg.
    Bei den wenigen Veranstaltungen bei denen der Bus heute schon nicht fährt, könnte man die beiden Altstadtlinien allerdings tatsächlich über die Pirckheimer Straße umleiten.
    Bis 1945 bzw. 1961 fuhr die Straßenbahn bis Rathaus, beim Wiederaufbau des Rathauses wurden sogar bereits die Stahlplatten für die wieder zu errichtende Straßenbahnfahrleitung zum Neutor montiert, die Straßen wqurden entsprechend konzeptioniert. Von der Lorenzkirche bis zur Museumsbrücke hing bereits der Fahrdraht und in der Spitalgasse ist bereits das Pflaster für die Gleise eingebracht. Bis zum U Bahnbau war also jederman klar, übrigens auch in den Plänen für die Unterpflasterbahn, dass die nördliche Altstadt eine Straßenbahn braucht. Aber statt sie zu bauen, gab man das Geld lieber aus, die sechs Straßenbahnlinie in der Lorenzer Altstadt durch eine U Bahn zu ersetzen, schließlich sollte die Straßenbahn ganz verschwinden. In einer Zeit, da man trotz SPD weiß, dieses Ziel nicht mehr bei den Bürgern durchsetzen zu können, sollte man endlich beginnen Nägel mit Köpfen zu machen. Und mindestens die eine Strecke durch die Innenstadt ist dabei zwingend, will man die Sebalder Altstadt aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken. Außerdem ist die Straßenbahn das einzige Verkehrsmittel, das in den nächsten Jahren eine wirkliche Vergrößerung des Anteils an Elektromobilität in der Stadt gewährleisten kann. Warum läßt eigentlich Herr Dr. Maly über die Altstadtstraßenbahn abstimmen, wenn er gerade die Abstimmung über die Straßenbahn in der Pirckheimer Str. nicht anerkennen will, wenn es ihm wirklich um die Sache geht und nicht um Populismus oder parteiinterne Kämpfe.

  5. Es gab diese Diskussion ja hier schon einmal.
    Ich finde es einfach unsinnig, die Strab in breiten Ausfallstraßen (Bayreuther, Rothenburger) abzuschaffen und dann mitten im historischen Zentrum wieder einzuführen. Die Sebalder Altstadt ist durch den Bus recht gut erschlossen. Auch für ältere Leute hat der Bus mit seinen vielen Haltestellen Vorteile.

  6. Straßenbahn duch die Altstadt wäre möglich, wenn man
    die alten Straßenbahn-Wagen (Baujahr vor 1945)
    verwenden würde. Geschichtsbewußt für die Jugend,
    eine Attraktion für Besucher. Wenn der Christkindles-
    markt stattfindet, müßten die Bahnen im Schritt-Tempo
    fahren,ein Straßenbahner vorausgehen und die Passanten
    von den Gleisen scheuchen (habe ich in Bremen gesehen).
    Eine schnelle Verbindung von Ost nach West würde das
    jedenfalls nicht.

  7. Beispiele im In- und Ausland zeigen, dass Gleise und Oberleitungen unauffällig in eine Straße platziert werden können. Wenn man will, ist eine Trambahn DIE große Chance, die Innere und Äußere Laufergasse sowie das viel zu breite Hallertor zu einem attraktiven Straßenzug aufzuwerten. Zur Zeit sieht es ja immer noch aus wie zu Zeiten der freien Durchfahrt. Wenn die Politik mehr Bürger zum Umsteigen animieren will, dann sind neue Linien zwingend notwendig. Die drei U-Bahnlinien können nicht die ganze Stadt abdecken. Die geburtsstarken Jahrgänge kommen in 20 Jahren ins Rentenalter und sind auf kurze Fußwege und freundliche oberirdische Bahnen angewiesen. Und wissen wir was das Benzin in 20 Jahren kostet? Also: Zukunftsweisende Politik wäre, jetzt mit der Planung anzufangen und mutige Entscheidungen zu treffen.

  8. Also erst einmal, bis zum Neutor würde die Bahn sicher nicht fahren, eher schon zum Hallertor.
    (Den Unterschied sollte man in der Redaktion schon kennen!)
    Ich bin strikt gegen eine Altstadt-Bahn. Nur weil man im Norden eine U-Bahn in die Welt gesetzt hat, deshalb die Strab durch die Pirckheimer schließen muss, sucht man mit Gewalt eine Nordspange für die Straßenbahn – das kann doch nicht wahr sein. Das hätte man sich vielleicht eher überlegen sollen.
    Eine Straßenbahn ist im Bereich Rathaus/Hauptmarkt viel zu unflexibel bei Großveranstaltungen (Blaue Nacht, Bardentreffen, Christkindlesmarkt, District Ride …). Ferner wird die doch wirklich schöne Fußgängerzone faktisch zerstört.

Kommentarfunktion geschlossen.