Bundespräsident: Soll das Amt abgeschafft werden?

Der Bundespräsident muss bei uns Deutschen die heile Welt im Dunstkreis der Politik bewahren. Das haben bislang (fast) alle Bundespräsidenten geschafft, wenngleich doch sehr unterschiedlich.

Theodor Heuss legte von 1949 bis 1959 den Grundstein für das Vertrauen der Bürger in dieses Amt. Heinrich Lübke erfreute uns bei einem Staatsbesuch in Afrika mit seiner Begrüßung „sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger!“ Gustav Heinemann blieb der Truppe noch lange in Erinnerung mit seiner eigenwilligen Bemerkung „nu, kämpft mal schön“.

Walter Scheels Zeit als Bundespräsident ist auf das Engste mit dem Volkslied „Hoch auf dem gelben Wagen“ verknüpft. Sein Nachfolger Karl Carstens war der „erste Wanderer“ der Republik, der sich die Sympathien der Bürger sozusagen auf Schusters Rappen erwanderte.

Richard von Weizsäcker hinterließ nach seiner Amtszeit Qualitätsstandards, die nach Meinung vieler bis heute nicht mehr erreicht wurden. Roman Herzog war, wie Weizsäcker auch, ein Freund klarer Worte, nur formulierte er rustikaler – man könnte auch sagen volksnaher oder allgemein verständlicher.

Johannes Rau fand mit seinem Lebensmotto „Versöhnen statt Spalten“ seine Erfüllung und seinen Spitznamen „Bruder Johannes“. Horst Köhler weckte große Hoffnungen und hinterließ nach seinem überraschenden Abgang mehr Fragezeichen als Antworten.

Christian Wulff ist zwar noch nicht gegangen, setzte in den letzten Wochen aber nicht nur jede Menge fragwürdiger Fragezeichen, sondern zu allem Unglück auch noch eine stattliche Anzahl rätselhafter Ausrufezeichen! Selbst die Opposition zeigt sich – zumindest nach außen – entsetzt bei der Vorstellung, nun innerhalb kurzer Zeit womöglich den zweiten Bundespräsidenten vorzeitig zu verlieren.

Letztlich stellt sich die Frage, ob das Amt eines „höchsten Repräsentanten unseres Landes“ mit dem Anspruch auf höchste moralische Integrität überhaupt noch zu besetzen ist. Wenn sich also die „heile Welt“ des Bundespräsidenten dem Bürger zunehmend in Verteidigungsstrategien, Erklärungsversuchen, Entschuldigungen und Rechtfertigungen darstellt, könnte man natürlich auch das bisher Unvorstellbare fragen – was wir hiermit tun: „Bundespräsident: Soll das Amt abgeschafft werden?“

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Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Soll Tempo 30 vor Schulen bleiben?“ Mit Ja antworteten 55 Prozent, mit Nein 45 Prozent. we

8 Kommentare in “Bundespräsident: Soll das Amt abgeschafft werden?

  1. Ich habe es mir mtillerweite zu eigen gemacht, offen mit dem Thema Feedback umzugehen. Meine Teilnehmer wissen das, denn ich stelle es von Anfang an klar. Das fällt meist auf sehr fruchtbaren Boden, muss ich sagen. In der Berufsvorbereitung ist das natürlich immer eine zweischneidige Sache. Das Klientel ist entsprechend schwierig (und das auf sehr vielfältige Art und Weise), dass Feedback manchmal als Angriff verstanden wird. Da wird dann eben nur Kritik gehört – und die wollen sich U-25er meist nicht bieten lassen. Aber auch hier funktioniert das recht schnell un gut, die Fronten zu klären. In der AP und APHler Ausbildung habe ich mir zum Grundsatz gemacht, nach jedem Soziologie-Block Feedback zu geben und fordere das auch von den Auszubildenden ein. Die hingegen verstehen es als sehr dankbares Werkzeug.

  2. Nachdem die Deutschen immer immer nach ausländischen Königshäusern schauen und insbesondere nach England (lange und langweilige Berichte über Geburten, Hochzeiten usw. im Fernsehen und den Zeitungen),sollte man zumindest das Amt des Bundespräsidenten beibehalten). Die Wahl könnte man aus parteipolitischen Überlegungen irgendwie heraushalten, nachdem jede Partei ihre Macht bisher durchsetzte und dabei gute Kandidaten nicht gewählt wurden.

  3. ich frage mich:zu was wir eigentlich die herren und damen da oben brauchen? zum abzogen,die das volk zum deppen machen.aber ich glaube,jeder bekommt sein fett weg.wahrscheinlich nur eine frage der zeit.ich denke solange die rentner und pensionäre(von denen viele ja nicht einmal wissen,dass es bei uns,in dem ach so reichen deutschland,arbeiter gibt,die für 3.50 den buckel grumm machen müssen und herr wulff nach seinem rücktritt!!!!200.000Euro fürs NICHTS-TUN hingeschmissen bekommt,genau wie die andere konsorte.wenn es da nicht stinkt, bin ich da wahrscheinlich falsch gewickelt.O D E R M.Sch

  4. Und jetzt ist Steinmeier im Gespräch. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite ist er durchaus eine auch parteiübergreifend respektierte Persönlichkeit in diesem Lande, auf der anderen Seite ist es aber doch wieder ein Politiker aus dem aktuellen politischen und parteipolitischen Geschehen und damit meines Erachtens für das Amt des Bundespräsidenten völlig ungeeignet. Vielleicht in zehn, fünfzehn Jahren einmal. Aber als früherer Minister und aktueller Oppositionsführer bietet er zunächst einmal viel zu viel Angriffsfläche für seine Gegner. Das kann nicht gut gehen. Dass sich echte Berufs- und Parteipolitiker nicht zum Bundespräsidenten eignen, sollte doch mittlerweile klar sein.

    Hier muss jemand ran, der keiner einzelnen Partei zu nahe steht, der parteiübergreifend und von einem möglichst großen Teil der Bevölkerung respektiert und akzeptiert wird – aber am besten eben kein Politiker, der von einer der beiden großen Parteien zum Amt des Präsidenten durchgeboxt wird.

  5. Wieso braucht man einen Grüßaugust, der nach Parteienproporz besetzt wird und lebenslang 200.000 Euro plus Büro, plus Fahrer, plus Bodyguards kostet?
    „Würde des Amtes“ – wenn ich das schon höre, also könne ein Amt allein eine Würde besitzen, egal welcher Vollpfosten es innehat.
    Ich möchte auch keinen Bundespräsidenten wählen, der ja sowieso nur von den Parteien vorgeschlagen würde.
    Die Prüfung von Gesetzen – eine seiner wenigen echten Pflichten – die natürlich auch nicht von ihm persönlich vorgenommen wird, könnte genauso gut an anderer Stelle geschehen. Also: ABSCHAFFEN!

  6. Ich weiß nicht für was ir einen nach Parteiproporz und/oder zur Sicherstellung der Vorherrschfat anderer Politiker in anderen Ämtern bestimmten Bundespräsidenten brauchen. Er ist genauso wenig vom Volk gewählt wie einst Gadaffi oder derzeit noch Assad. Der Unterschied ist nur, Herr Wulf hat den Krieg gegen die Presse nur angedroht, Herr Asad führt ihn gegen sein Volk durch.
    Wenn es einen Bundespräsidenten fürderhin geben soll, muß ihn zumindest dr Souverän, das Volk, wählen.

  7. Der Bundespräsident, der quasi über der Tages- und Parteipolitik schweben sollte, hat schon eine wichtige Funktion. Während früher die Repräsentationspflichten im Vordergrund standen, ist er nun eher (seit Herzog) so eine Art Mahner in der Wüste. Und das ist auch gut so. Denn ein Staatsoberhaupt, der nur Hände schüttelt, könnte man auch durch einen dressierten Affen ersetzen.
    Allerdings erfordert solch ein Amt auch ein Höchstmaß an persönlicher Integrität. Wulff hat das in seiner Fernsehdiskussion exakt formuliert. Er hat zugestanden, dass er große Fehler gemacht habe und dass er nicht seinem eigenen Amtsverständnis entsprochen habe. Eine exakte Analyse, nur fehlt der konsequente Rücktritt.
    Ein allgemein respektierter Parteiloser wie Gauck wäre eine Wohltat für Deutschland gewesen. Merkel wollte aber mit Wulff einen Konkurrenten für das Kanzeleramt matt setzen.

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