Nehmen schlechte Umgangsformen zu?

Mit Missmut und Grantigkeit kommt man - wie Matthias Egersdörfer beweist - auf der Bühne zum Erfolg. Aber ist das im Alltag genauso?

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! Das Risiko, Opfer von übel gelaunten Mitmenschen zu werden, ist groß. Die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Helfen können da aber weder Arzt noch Apotheker. Das beste Rezept gegen barsche, freche, garstige, unhöfliche, misslaunige, ruppige, rüde, sauertöpfische oder unverschämte Leute lautet: Auf gar keinen Fall anstecken lassen!

Die NZ hat in ihrer letzten Mittwochausgabe von den leidvollen Erfahrungen der Sör-Mitarbeiterinnen berichtet. Das Dilemma ist, dass dort meistens nur die Entgleisungen von Wutbürgern ankommen. Die netten Leute, also solche mit Umgangsformen, rasten nicht gleich wegen jedes Hundehaufens oder wegen jedes ungeleerten Abfallbehälters aus.
Mit den schlechten Umgangsformen ist das allerdings so eine Sache: Sie befruchten sich gegenseitig. Beobachtet man nämlich beispielsweise, wie viele Kunden ihr „Mütchen“ an Kassierinnen kühlen (daheim und am Arbeitsplatz wohl nichts oder wenig zu sagen!), ist es wenig verwunderlich, wenn die „hinter der Kasse“ im Laufe des Tages auch patzig werden.

Wer schon mal die Vereinigten Staaten bereist hat, kann sich als Deutscher nur wundern: Da befruchtet allüberall Freundlichkeit die Freundlichkeit. Richtig ist: Meistens handelt es sich um eine „aufgesetzte Freundlichkeit“. Damit lässt es sich aber im Alltag wesentlich besser leben als mit „unaufgesetzter Unfreundlichkeit“.

Aber auch im rauen heimischen Gewässer scheint es besser zu werden. In zahlreichen Servicebereichen (nicht bei Sör!) ist erfreuliche Freundlichkeit zu genießen. Das muffige Gebaren und der ungnädige Ton weichen freundlichem Auftreten und einem verbindlichen Ton. Natürlich können nun einige besonders mürrische Zeitgenossen von einer „unerträglichen Freundlichkeit“ sprechen und sich miesepetrig in ihre ungehobelte Welt zurückziehen. Weiser dürfte allerdings der Spruch des US-Schriftstellers Mark Twain sein: „Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können.“

Und wie erleben Sie im Frankenland ihre Mitmenschen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wir wollen in dieser Woche von Ihnen wissen: „Haben schlechte Umgangsformen zugenommen?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Webseite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Ein Mahnmal für die Bücherverbrennung?“ Mit Ja antworteten 26 Prozent, mit Nein 74 Prozent. we

4 Kommentare in “Nehmen schlechte Umgangsformen zu?

  1. Ja, absolut. Es beginnt ja schon mit dem grüßen.
    Die Schulrektorin in Passau hat völlig recht, wenn
    sie an Ihrer Schule da „Hallo und Tschüss“ nicht
    mehr hören will. In Bayern sagt man halt Grüß Gott
    oder servus. Und was ein echter Franke sein will,
    der entledigt dem Preussengruß und sagt „ja servus“
    und um Abschied „ade“. Das ist Sprachkultur.
    Die Kultur kam schon immer von Süden, nie vom
    Norden. Bei tschüß tun einem ja die Ohren weh.
    In diesem Sinne, auch eine gute Umgangsform,
    habe dere!

  2. Schlechte Umgangsformen haben ja weitgehend nicht die Bürger untereinander sondern die bis in höchste Ämter korrupte Politiker, die sich vom Bürger schon fragen lassen müsen, was sollen wir uns an Recht und Gesetz oder gar an Umgangsformen halten. Gerade auch mit den Wildsäuen und Pinschern sind es die Politiker, die sich bei dem Umgangston genauso wie bei z. B. der Schwarzarbeit bei den Bürgern aufregen und selbst genau das tun. Bürger untereinander haben üblicherweise einen erheblich gepflegteren Ton, als der Ton der aufkommt sobald Politik betroffen ist.

  3. Wenn heute schlechte Umgangsformen beklagt werden, dann soll man immer daran denken, dass jeder Bürger dies mit seinen „Guten Manieren“ verbessern kann. Bitte und Danke sind Worte, die von Erwachsenen und Verwandten vorgelebt werden müssen. Dann wird unser gemeinsames Leben auch wieder lebenswerter.
    Machen wir es vor und gehen mit gutem Beispiel voran, als Nachbar, Fußgänger und auch als Verkehrsteilnehmer im Auto.

  4. Wut und Unfreundlichkeit entstehen nicht grundlos. Wenn Sie und andere Medien uns bei der Beseitiigung dieser Gründe helfen würden, dann wären wir gleich freundlicher. Stattdessen fördern Sie nur die schlechte Laune mit solchen schwachsinnigen Fragen. Aber wahrscheinlich bekommt auch bei ihnen nur die Sekretärin diesen Ärger ab.

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