Mehr Geld für die Straßenbahn?

Mit dem Nahverkehrsentwicklungsplan für die Stadt Nürnberg, der noch in diesem Jahr fertiggestellt wird, werden Maßnahmen aufgezeigt, wo das Straßenbahnnetz noch verbessert werden kann. Die Gutachter berücksichtigen dabei den verkehrlichen Nutzen und die finanziellen Folgen für die Stadt, denn der Öffentliche Personennahverkehr ist fast immer ein Zuschussgeschäft.

Derzeit kristallisieren sich vier neue Straßenbahntrassen als verkehrlich sinnvoll heraus: zur Brunecker Straße, durch die Altstadt zwischen Rathenauplatz und Hallertor, nach Kornburg und Fischbach/Südklinikum sowie die Hochschullinie, die vom Doku-Zentrum über die Georg Simon Ohm Hochschule, durch die Altstadt und nach Erlangen fahren würde.

Rund 220 Millionen Euro für die Investitionen und neun Millionen Euro an jährlichen Folgekosten für den städtischen Haushalt lautet die erste Grobschätzung. Beträge, die an anderer Stelle eingespart werden müssten.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Mehr Geld für die Straßenbahn?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Pendlerpauschale: Soll sie erhöht werden?“ Mit Ja antworteten 52 Prozent, mit Nein 48 Prozent.

8 Kommentare in “Mehr Geld für die Straßenbahn?

  1. Wenn die Vision eines sozialen Miteinanders in unserer Stadt wahr werden soll – was Oberbürgermeister Dr. Maly häufiger verkündet – dann ist die Abkehr vom Glauben an ein ewiges Wachstum des Autovekehrs zwingend notwendig. Der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs ist ein Dinosaurier aus den 70er Jahren. Nur wenige Anwohner erhalten als „Abfallprodukt“ Lärmschutz. Was sollen die Bewohner der Landgraben-, Wölckern-, Sulzbacher-, Bucher-, Allersberger Straße u.s.w sagen? Sie haben keine Aussicht auf Besserung. Nur wenn der Autoverkehr insgesamt abnimmt profitiert die gesamte Stadt. In eine Straßenbahn steigt man lieber ein als in den langsamen Bus. Wenn der Ausbau des Frankenschnellweges, der mindestens 6 Jahre dauert und Mittel der Stadt bindet, um einige Jahre verschoben wird, könnten die ersten Straßenbahnstrecken gebaut werden. Dieses Verkehrsmittel ist für alle da – mit oder ohne Führerschein. Deshalb gehört zu einer sozialen Stadt ein guter öffentlicher Nahverkehr und eine Entlastung von Lärm und Abgasen.

    • Dass der Bus langsamer ist als die Straßenbahn ist nur teilweise richtig. Es kommt auf die Verkehrsverhältnisse an. Wo z.B. eine Busspur besteht, ist der Bus ganz sicher schneller als eine Straßenbahn, die kein seperate Trasse hat. Dass der Bus weniger komfortabel ist, das ist ein Vorurteil aus alten Zeiten. Besonders die Altstadttrasse mit einer neuen Straßenbahnstrecke wäre nicht besonders sinnvoll, denn eine Straßenbahn ist im Vergleich zum Bus einfach viel zu unflexibel.
      Das Gejammer über den Autoverkehr ist auch nicht zielführend. Tatsache ist, dass es eben doch keine echte Alternative zum Auto gibt. Die beiden System müssen sich sinnvoll ergänzen. Wenn man bedenkt, was in den letzten Jahrzehnten in den Straßenbau und was in den Ausbau des ÖPNV (vor allem U-Bahn) geflossen ist, dann kann man wirklich nicht behaupten, das Auto würde bevorzugt. Der kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs ist überfällig. In anderen Städten ist man da nicht so dogmatisch, da ist man eher pragmatisch (ich denke da z.B. an München oder auch an Schwäbisch-Gmünd).

      • In dewn U Bahnbau ist wahrlich viel Geld geflossen aber welche Erschließung hat die U Bahn gebracht, die nicht vorher von der Straßenbahn erschlossen war. Wenn man dann noch abzieht, dass die Straßenbahntrassen nach Langwasser und in Fürth zur Hardhöhe bereits bis auf die Schienen fertig waren ist durch die U Bahn nur die Strecke Hohe Marter – Röthenbach und Ziegelstein – Flughafen neu durch ein Schienenverkehrsmittel erschlossen worden. Dabei war die Straßenbahn von Schweinau nach Eibach – Reichelsdorf auch schon planerisch fertiggestellt. Das heißt für Milliarden Euro wurden funktionierende Straßenbahnstrecken durch U Bahn, aber auch Bus oder nichts, wie Südstadt westlich der Gibitzenhofstr. über Rochusfriedhof – Fürther Str. zum F. Ebert Platz, ersetzt. Die als Ausbau des ÖPNV erklärte U Bahn hat für den ÖPNV nichts gebracht, dafür aber viele breite Straßen. Selbst vom Plärrer nach Fürth ist die U Bahn nur 1 Min. schneller als bereits 1926 die Straßenbahn, allerdings wurden Straßen schienenfrei oder zweispurige Straßen vierspurig wie über der U 1 ab Aufseßplatz. Es wird also höchste Zeit endlich tatsächlich den ÖPNV auszubauen statt zu Herrn Söders Einfamilienhaus und zu einem ja wohl nicht ohne Grund vor Jahrzehnten aufgelassenen DB Haltepunkt, Fürth Süd in der Nähe von Gebersdorf, U Bahnen zu Kosten zu bauen, mit denen die Straßenbahn nach Fischbach und Kornburg bereits nahezu finanziert wäre.

        • Ich hätte ein Straßenbahnnetz, das teilweise unterirdisch verläuft, wesentlich besser gefunden. In Köln/Düsseldorf und auch in Frankfurt funktioniert das wunderbar. Nürnberg wollte damals aber eine „richtige“ U-Bahn wie in München.

        • Dieses Unterpflasterbahnnetz war ja beschlossen, bis die SPD und ihr Oberbürgermeister meinten mit München wetteifern zu müssen und beschloß eine U Bahn bauen zu wollen. Der Beschluß erfolgte plötzlich und ohne jeglichen Plan für ein Netz. Man wußte nur, dass man die begonnene Straßenbahn nach Langwasser von drei auf eine Linie abspecken und stattdessen mit U Bahnwagen betreiben wollte. Das heißt hahes letztem Beitrag kann ich voll zustimmen, nur leider kappiert das die SPD mit ihrer Gallionsfigur Maly, umgeben von Fischern und Vögeln bis heute nicht, bzw. darf es nicht umsetzen, da das U Bahnbauamt in Abhängigkeiten von der Bauindustrie und dem Konzern für automatische U Bahnen aus Braunschweig und Wien, Siemens, steht.

  2. Das Problem ist, dass guter ÖPNV in Wirklichkeit nicht mehr Geld kostet als z. B. das durch die U Bahn geschaffene Straßenbahn Rumpfnetz in Nürnberg , sondern Geld einspart. Warum bezahlt denn der Autokonzern der soeben den Bushersteller MAN gekauft hat z. B. Bundespräsidenten oder warum stellt Daimler Benz der Regierung Autos zur Verfügung. Damit von den Politikern verbreitet wird, wie unersetzbar Autoverkehr ist. Sinnvoller ÖPNV ist billiger als Individualverkehr und Straßenbahnen sind bei größerem Fahrgastaufkommen billiger als Busse. Dazu fahren Straßenbahnen ohne einen Pfennig fällige Entwicklungskosten seit über 100 Jahren elektromobil. Aber während bei der U Bahn und den Straßen einschließlich Busspuren und Haltestellen, Planung, Bau und Betrieb unauffällig aus den allgemeinen Haushalten bezahlt wird, taucht jeder Euro für die Straßenbahn in den Bilanzen der VAG auf. Damit belastet die Straßenbahn den Etat der VAG, während die reduzierten Kosten für Straßen(unterhalt) oder gar den Verzicht auf U Bahnen der VAG nicht gutgeschrieben werden. Volkswirtschaftlich sinnvoll, und das meint der Gutachter, sind zumindest die drei vorgesehenen Straßenbahnnetzerweiterungen, auch wenn sie für die VAG betriebspolitisch unwirtschaftlich sind. Volkswirtschaftlich sinnvoll wäre auch eine Straßenbahn vom Südfriedhof (J. Loßmann Str.) über den Bf. Eibach zur U Bahnhaltestelle Röthenbach. Aber das durfte ja gar nicht untersucht werden, ginge doch ohne die Planung einer U Bahn nach Eibach den Mietern der SPD im Karl Bröger Haus sonst die Beschäftigung aus und der SPD fehlte die Miete. Zudem wäre Geld für die Straßenbahn vorhanden würde man, allerdings ebenfalls zu Lasten der Mietzahlungen an die SPD, auf die irrwitzigen Verlängerungen der schon jetzt bis F.Ebert Platz gescheiterten U 3 in nahezu menschenleeres Gebiet an der Ringbahn und zur Ringstraße ohne jede Parkmöglichkeit verzichten.

  3. Ich finde der ÖPNV verbrät genug Geld, das muss man nicht noch mehr ausweiten.
    Wer mehr Geld – ob für Straßenbahn, U-Bahn oder Bus – ausgeben will, der muss auch sagen, wo die Mittel herkommen sollen bzw. wo eingespart werden soll.

    • Das ist im Prinzip natürlich richtig. Komischerweise fragt bei Tiergarten, Schauspielhaus, Museen, Bädern, und letztlich auch beim Autoverkehr (Unfallkosten!) keiner nach dem „Defizit“. Die Karte für das Schauspiel müsste z.B. ca. 100 EUR kosten, damit Gewinn erzielt wird. Fazit: Auch der Nahverkehr gehört zu den „Nicht-Kostendeckern“, die sich eine Stadt einfach leisten muss, um lebenswert zu sein. Es geht „nur“ um die Entscheidung, wie viel wir davon haben wollen. Wo dann wieder eingespart wird, müssen die Stadträte entscheiden.

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