City-Maut: Abzocke oder sinnvolle Steuerung?

Pro City-Maut: Eine Gebühr zu bezahlen, um in die Innenstadt einer Großstadt fahren zu können, wird derzeit in London, Stockholm, Oslo oder Mailand praktiziert. Ziel ist, den Autoverkehr in den überlasteten Innenstädten zu verringern. Weniger Abgase und ein Rückgang des Parksuchverkehrs sind die Ziele, die mit der Einführung der City-Maut verbunden sind.

Experten nennen die City-Maut deshalb auch gerne „Verstopfungsgebühr“. Es müssen die Verursacher zahlen, die mit ihren Autos die Innenstädte verstopfen. Es langt offenbar nicht, dass sie im Stau stehen. Sie sollen auch noch dafür zahlen, um zu lernen, auf den ÖPNV umzusteigen. In London hat das Steuerungsinstrument City-Maut zunächst gut funktioniert. Zumindest überlegen sich die Autofahrer genauer, ob sie ihren Pkw benutzen oder ob sie nicht doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die City kommen. Große Mehreinnahmen haben die beteiligten Städte nicht generiert, denn das System braucht Kontrollen, was Geld kostet, und der ÖPNV muss ausgebaut werden, denn die Innenstädte sollen erreichbar bleiben.

Puppen als Beifahrer

Kontra City-Maut: Eine City-Maut können im Grunde nur Städte einführen, an denen touristisch, ökonomisch oder politisch keiner vorbeikommt. Metropolen die nicht so begehrt oder interessant sind, würden einfach nicht mehr aufgesucht werden. Sollte etwa Nürnberg eine City-Maut einführen, dann geht das Umland eben in Erlangen einkaufen oder man fährt gleich weiter zum Factory-Outlet-Center nach Ingolstadt. Nürnberg hätte dann zwar keine Parkplatznot mehr, wohl aber ein Problem mit dem Ladensterben. Auch für Touristen dürfte eine City-Maut abschreckend wirken. Dass es zu erheblichen Verlagerungseffekten von Firmen und Dienstleistern in das Umland kommt, um so der City-Maut zu entgehen nehmen die Befürworter der City-Maut billigend in Kauf. Für Nürnberg wäre das Gift.

Es gibt aber auch auf der sozialen ebene einen Einwand gegen die City-Maut: Reiche werden sich nicht groß überlegen müssen, ob sie mit dem Auto in die Innenstadt fahren, wohl aber die ärmeren Schichten, die sich vielleicht gerade noch ein Auto leisten können. Hinzu kommt auch noch das Tricksen: In Amerika ist die City-Maut günstiger, wenn zwei Menschen im Auto sitzen. Nur: Wer kontrolliert die Puppen, die plötzlich zum Beifahrer werden?

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „City-Maut: Abzocke oder sinnvolle Steuerung?“ Geben Sie Ihr Votum bitte unter www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg einen neuen Konzertsaal?“ Mit Ja antworteten 52 Prozent, mit Nein 48 Prozent.

17 Kommentare in “City-Maut: Abzocke oder sinnvolle Steuerung?

  1. Abzocke.

    Auf den ÖPNV auszuweichen kommt für alle, die ländlich wohnen nicht in Frage. Aus Burgthann bräuchte ich auf die Arbeit mit dem ÖPNV gut 90min, anstatt 30 inkl. 3 mal umsteigen und mit jedem Mal steigt das Risiko, doch seinen Anschluss zu verpassen, noch später zu kommen und noch länger unterwegs zu sein. Vom Winter rede ich jetzt mal nicht…

    Ich hab das Thema ÖPNV durch, hab das 3 Jahre während meiner Ausbildungszeit in einer ähnlichen Konstellation genießen dürfen: Zeit ist auch Geld und wenn man sich das mal grob ausrechnet, dann rechnet sich der ÖPNV ganz schnell garnicht mehr.

    Aber davon ab: Egal ob die Maut nun eingeführt wird, oder nicht. Für die Straßen wird das Geld doch eh nicht verwendet…oder sind die Straßen/Umwelt trotz Ökosteuer und gesteigerter KFZ Steuer erheblich besser geworden? Ich glaube nicht.

    LG,

    Stephan

  2. Und wenn man hier mit anderen Städten vergleicht, dann muss man auch sehen, dass Nürnberg eben z.B. mit London eben nicht vergleichbar ist. Es gibt hier in der Innenstadt kein Verkehrschaos. Nochmals: dafür haben wir ja die verbreiteten Fußgängerzonen und die Schleifenregelung.
    Außerdem welchen Bereich wollte man eigentlich der Maut unterwerfen? Die Altstadt, die ganze Stadt, den Bereich innerhalb des mittleren Rings?

  3. Die Umweltzonen betreffen ja inzwischen nur noch Minderheiten mit entsprechenden alten Fahrzeugen. Die meisten KfZ haben einen grünen Punkt. Ferner gibt es da ja die Möglichkeit, nachzurüsten.
    Eine Citymaut betrifft ja dagegen alle.

    • Auch die Bewohner der Innenstadt sind eine Minderheit bezüglich der Besucher der Innenstadt, wie die Fahrer älterer Autos, die sich möglicherweise trotz Autoindustrie Subventionsabwrackprämie kein neues Auto leisten können. Außerdem sind gar nicht alle Fahrzeuge umzurüsten. Zudem kostet es Geld, wie die Citymaut zumindest für Bewohner außerhalb der Innenstadt. Und das ist auch deren Sinn.
      Geht es Ihnen allerdings vielleicht gar nicht um die Maut, sondern darum, dass natürlich die Straßenbahn Zabo – Wöhrd – Rathaus – Hallertor ideal mit einer Citymaut korrespondieren würde. Und fanden Sie diese nicht auch schon unsinnig und unnötig?
      Zudem kommt die Citymaut sicher nicht morgen und es gibt dazu sicher noch viel zu klären. Aber nur ablehnen, da nicht sein soll, was man nicht haben will und es deshalb auch nicht geht, ist immer etwas kurz gesprungen. Dabei würde Ihnen die Citymaut doch helfen mit weniger Autos ihr Biotop Innenstadt auszubauen. Was soll also der Widerstand?

      • Nochmal zur Umweltzone – 89% haben den grünen Punkt, also sind diese Zonen eigentlich kein Thema mehr.
        Zum Biotop Innenstadt: Dort befinden sich sowieso überwiegend Anwohnerparkplätze. Ferner – wie schon erwähnt – gibt es faktisch kaum Durchgangsverkehr durch die Altstadt. Das heißt überwiegend sind es Anlieger und Leute die in der Innenstadt privat oder geschäftlich etwas zu erledigen haben. Eine Citymaut würde einerseits die Anlieger und andererseits vor allem den Einzelhandel treffen. Wie oben schon erwähnt, dann würde endlich mal Lauf wieder aufblühen. Aber was hat da Nürnberg davon?
        Ich denke, gerade in Nürnberg hat man den Innenstadtverkehr schon ziemlich beschränkt, was auch Sinn macht. Vergleicht man die Situation mit vielen kleineren Städten, dann ist dort in der Innenstadt mehr Verkehr als hier in der Altstadt. Also, wo ist dann hier das Problem?
        Die Straßenbahn hat damit doch gar nichts zu tun.

        • Nur ein Punkt wundert mich, in der Lorenzer Altstadt ist der größte Teil Fußgängerzone, also autofrei, und in der nördlichen Altstadt hatten sie einst geschrieben gäbe es keine Läden und sonstige Anziehungspunkte, deshalb brauche man hier auch keine Straßenbahn.
          Das heißt es fährt eh niemand in die Altstadt außer Anliegern. Und für die wird man eine Regelung finden.

  4. Sorry, aber eine City-Maut wäre doch absolut weltfremder Schwachsinn.
    Wie soll das denn gehandhabt werden, wenn jemand in der City wohnt und/oder arbeitet oder für Firmen, die in der City ihren Sitz haben? Sollen die dann ständig zahlen???
    Außerdem ist in Nürnberg z.B. die Altstadt doch weitgehend durch Fußgängerzone und Schleifenregelung vom Durchgangsverkehr befreit. Staus gibt es in der Altstadt auch kaum. Warum dann also eine City-Maut???

    • Man kann ja zur Citymaut stehen, wie man will, aber lösbar ist das Problem z.B. mit Bewohnern und Firmen. Auch in Oslo oder London leben und arbeiten Menschen innerhalb der mautpflichtigen Innenstadt. Außerdem ist in allen Innenstädten das größere Problem der z. B auf Gehsteigen und in Parkverboten parkende als der fahrende Verkehr. Das heißt, es sind wegen der kostenlosen Einfahrt einfach zuviele Autos in der Stadt.

      • Was heißt hier das Problem ist lösbar? Würden Firmen und Bewohner in der City definitiv von der Maut befreit oder nicht?

        • Es gibt z. B. wie bei Anwohnerparkplatzregelungen Möglichkeiten einer Pauschalmaut oder auch einer völligen Befreiung z. B. bei Wohnsitz innerhalb der Citymautzone.
          Man soll doch nicht so tun, als gäbe es nicht in diversen Ländern in Großstädten bereits eine Citymaut. Erstens sind diese Städte alles andere als untergegangen unde zweitens können sie ihre Erfahrungen mit Sondergruppen wie Anliegern bei einer Gestaltung der Maut in Deutschland durchaus einbringen.
          Und wie ist es übrigens mit der Citybeschränkung von älteren Autos durch gelbe, rote und grüne Punkte.
          Das scheint ja auch zu gehen, aber da steht ja die Autoindustrie mit ihren Politikern als Fördermitglieder dahinter, folglich ist das von Augsburg bis Stuttgart offenbar kein Problem. Zumindest gibt es da gar keine Diskussion oder sie wird gerade von den Politikern abgewürgt die keinesfalls eine Förderung des ÖPNV z. B. durch die Citymaut für alle wollen.

  5. Der Umfrage-Titel mit „Ist die geplante City-Maut nur Abzocke?“ is sehr schlecht gewählt! Denn nötig wäre sie um die Leute zum ÖPNV zu bringen oder um die entstehenden Kosten des Straßenverkehr bewältigen zu können! Also keine Abzocke! Aber Nürnberg allein kann das nicht machen, weil die Einkäufer und Touris dann einfach ausweichen.
    Also: Alle Städte ab 100.000 Einwohner müssen das anbieten. Das wäre zumindest gerecht unter den Großstädten und in Schwabach, Lauf, Forchheim ist wieder was los!

  6. Grundsätzlich ist eine Citymaut sicher zu befürworten. Dann muß es allerdings auch an den ÖPNV Haltestellen Parkplätze geben. Insbesondere muß es einen ÖPNV in die (Einkaufs)brennpunkte geben. Und der ist seit es die U Bahn gibt z. B. für Dutzendteich, Mögeldorf, St. Johannis und Gibitzenhof, von wo man nicht mehr umsteigefrei in die Stadt kommt massiv verschlechtert worden. Die Neuerschließung mit der Strecke Zabo/Dutzendteich – Wöhrd – Sebalduskirche – Hallertor wird auf die lange Bank geschoben. Selbst die Pirckheimer Straße wird trotz vorhandener Gleise nicht bedient, vom Raum AOK oder Tafelfeldstraße gar nicht zu sprechen. Am Rednitzufer in Fürth Süd wird es sicher keine City Maut geben, deshalb baut man die U Bahn dorthin. Die Citymaut darf kein Ersatz des ÖPNV Ausbaues sein, was sie in Nürnberg, wie gezeigt, wäre, sie darf nur eine Ergänzung sein um den ÖNNV konkurrenzfähig zum Auto zu machen. Dazu muß es aber erst ÖPNV in der Ciry geben.

  7. Wir haben doch eine gute ÖPNV-Anbindung in die Innenstadt. Da ist es doch leicht, einer City-Maut auszuweichen. Und wer es dann aus Statusgründen braucht, reinzufahren, dem tut eine Maut doch nicht weh und kann doch gerne – auch regelmäßig – bezahlen, schließlich benutzten diese Menschen das städtische Allgemeingut von Platz, Atemluft und Stille. Für eine einmalige Fahrt in die Innenstadt, um irgendeinen größeren Kaufgegenstand zu verladen, ist eine einmalige Maut auch kein Problem. Ich verstehe da die Aufregung gegen eine Maut nicht.

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