Begrüßen Sie das Streikrecht für Kirchenbeschäftigte?

„Christen verhandeln, aber sie üben keinen Druck aus.“ Mit diesem Argument spricht sich Michael Bammessel, Präsident des bayerischen Diakonischen Werks, gegen Arbeitskampfmaßnahmen in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden wie Diakonie und Caritas aus.

Arbeitgeber und -nehmer in kirchlichen Einrichtungen verstehen sich demnach als Dienstgemeinschaft, die in paritätisch besetzten Arbeitsrechtlichen Kommissionen über Gehaltsfragen verhandelt, bei Zwistigkeiten entscheidet eine Schiedskommission verbindlich. Abgeleitet wird dies aus dem im Grundgesetz garantierten kirchlichen Selbstverwaltungsrecht. Die Gewerkschaft ver.di hält ein solches Modell für viel zu harmonisierend und nicht mehr zeitgemäß. Immerhin seien 1,3 Millionen Menschen bei diesen Einrichtungen beschäftigt und diese müssten mit normalen Arbeitnehmern gleichgestellt werden, also auch die Möglichkeit haben, Tarifforderungen über Streiks zu erkämpfen. Dies sei Teil einer demokratischen Konfliktkultur, die auch für die Kirchen gelten müsse. Außerdem ist das Streikrecht ebenfalls über das Grundgesetz garantiert. In der vergangenen Woche hat denn auch das Bundesarbeitsgericht Streiks in kirchlichen Einrichtungen unter bestimmten Bedingungen für rechtens erklärt.

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Begrüßen Sie das Streikrecht für Kirchenbeschäftigte?“

Ihr Votum können Sie auf der NZ-Internetseite abgeben.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Studiengebühren: soll Bayern sie abschaffen?“ Mit Ja antworteten 50,1 Prozent, mit Nein 49,9 Prozent.

3 Kommentare in “Begrüßen Sie das Streikrecht für Kirchenbeschäftigte?

  1. Da wir uns ja angeblich von den islamischen „Gottesstaaten“ unterscheiden wollen, und eben trotz C im Namen führender Parteien keine fundamentalistisch christlich religiöse Republik sein wollen, gibt es keinen Grund Mitarbeiter der christlichen Kirchen anders zu behandeln als Mitarbeiter profaner Firmen. So gibt es auch keinen Grund, ihnen das Streikrecht zu verwehren.

  2. Ich kann hahe nur zustimmen. Es gibt gar keinen Grund kirchliche Mitarbeiter anders zu bezahlen als Miitarbeiter anderer Firmen.
    Immer wieder wird betont, dass wir trotz des C im Namen der beiden führenden Parteien dieser Republik eben kein Gottesstaat sind. Dann muß auch danach gehandelt werden.

  3. 1. Ein großer Teil der kirchlich Beschäftigten ist nicht in der Funktion als geistiges Bodenpersonal tätig, sondern in durchaus weltlichen Einrichtungen.
    2. Diese weltlichen Einrichtungen, wie Kindergärten, Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser usw. werden aber fast ausschließlich nicht von den Kirchen finanziert, sondern vom Staat, von Krankenkassen oder von Beiträgen.

    Warum also sollten für die Beschäftigten in solchen kirchlichen Einrichtungen andere Bestimmungen gelten als für „weltliche“ Arbeitnehmer? Dies umso mehr vor dem Hintergrund, dass ansonsten sehr strenge Regelungen hinsichtlich Antidiskriminierung gelten.

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