Sitzenbleiben: Soll es abgeschafft werden?

Beim Thema Sitzenbleiben scheiden sich die Geister. Die einen sagen, wer in einem Kernfach im Zeugnis eine Sechs oder in zwei Kernfächern je eine Fünf habe, müsse in eine kostenlose schulische Nachhilfemaßnahme. Sitzenbleiben verschwende Lern- und Lebenszeit und sei längst nicht mehr zeitgemäß.

Andere wiederum argumentieren, der Schüler gewinne mit der Wiederholung eines kompletten Schuljahres ausreichend Zeit, um in Ruhe den Lernstoff aufzuarbeiten. Er wahre somit die Chance, seine Schulkarriere wie geplant fortzusetzen. Zudem könne allein schon die Aussicht auf eine drohende „Ehrenrunde“ Schüler zu einer Leistungssteigerung motivieren.

Bundesweit wiederholen pro Jahr etwa zwei Prozent aller Schüler eine Klasse. In Bayern drehten im vergangenen Schuljahr 2,3 Prozent der Gymnasiasten, 2,6 Prozent der Realschüler und 1,1 Prozent der Mittelschüler eine „Ehrenrunde“. Nachdem das Sitzenbleiben in mehreren Bundesländern bereits abgeschafft wurde, prallen nun im weiß-blauen Freistaat die gegensätzlichen Meinungen dazu aufeinander.

SPD-Spitzenkandidat Christian Ude fordert, auch in Bayern darauf zu verzichten. „Ich habe es schon in meiner Schulzeit nicht begriffen, warum Mitschüler, die in einigen wenigen Fächern nicht mitkommen, alle Fächer wiederholen müssen“, so Ude. Wohingegen Bayerns Kulturminister Ludwig Spaenle die Forderung nach mehr individueller Förderung für Schulkinder als blanken Unsinn und bildungspolitischen Populismus bezeichnete. Ist also das Sitzenbleiben ein notwendiges und angebrachtes pädagogisches Instrument oder ist es eine Verschwendung von Lebenszeit?

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Sitzenbleiben: Soll es abgeschafft werden?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf  NZ.de auf der rechten Seite ab

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Gefällt Ihnen der Name Grundig-Stadion?“ Mit Ja antworteten 46 Prozent, mit Nein 54 Prozent.

4 Kommentare in “Sitzenbleiben: Soll es abgeschafft werden?

  1. Vielleicht wäre auch die Aufhebung des Klassenverbandes (z.B. ab der 5. Klasse) eine Überlegung wert. Dass also nicht mehr die ganze Klasse in allen Fächern zusammenbleibt, sondern je nach Begabung, Wissensstand und Stärke an verschiedenen Kursen teilnimmt. So könnte die Klasse zum Beispiel in Mathe aufgeteilt werden in stärkere und schwächere Schüler, die dann entsprechend gefördert und gefordert werden. So kann jeder Schüler in den Bereichen gefördert werden, in denen es nötig ist, ohne sich in seinen stärkeren Fächern langweilen zu müssen. In Deutsch oder Geschichte ist der Schüler dann vielleicht bei den stärkeren Schülern, in Mathe und Physik bei den schwächeren oder umgekehrt. Am Schuljahresende wird entsprechend beurteilt, ob der Schüler in einzelnen Fächern vielleicht in eine andere Leistungsstufe wechseln kann.

  2. Mich stört gewaltig, dass der Focus immer bei den schwachen Schülern liegt. Da soll individuell gefördert werden. Ja sorry, aber es muss ja auch nicht jeder Abi machen, oder? Die Begabten bleiben meist auf der Strecke, wenn die Klasse sich letztlich an den Schwachen orientieren soll. Da gehen viele wertvolle Ressourcen verloren.

  3. Die Abschaffung des Sitzenbleibens ist der richtige Schritt. Klar ist, dass die freiwerdenen Resourcen im Schulsystem verbleiben müssen. So werden sich die Schulen langsam in Orte verwandeln, bei denen die Schüler im Mittelpunkt stehen (müssen). Sinnvoll ist auch die Einführung einer klaren Vorgabe, dass schlechte Schulnoten nicht bleiben dürfen. Somit muss die Förderung der Schüler im Mittelpunkt stehen. Also ganz einfach: mehr Lehrer, mehr finanzielle Mittel in die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen vom ersten Kindergartentag an.

  4. Individuelle Förderung = blanker Unsinn und Populismus? Aus welcher Steinzeit kommt denn dieser Mensch und warum hat so jemand als Minister Verantwortung für die Zukunft unseres Landes? Alles über einen Kamm scheren ist also sinnvoller? Auf jeden Fall billiger, denn offensichtlich sind Investitionen in die Zukunft der Kinder unerwünscht, weil man sich dann nicht mehr mit wenig Schulden brüsten kann (auch wenn das völliger Blödsinn ist, wenn wichtige Investitionen nicht getätigt werden).

Kommentarfunktion geschlossen.