Italien-Schelte: Hat Steinbrück überzogen?

Ohne Umschweife und Beschönigung seine Meinung sagen, damit kann jeder am Wirtshausstammtisch rasch punkten. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück redet ebenfalls gerne Klartext und hofft ganz offensichtlich, damit bei den Wählern zu punkten. Das funktioniert tatsächlich oft sehr gut, denn der Klartext hat häufig den zusätzlichen unwiderstehlichen Reiz der bildhaften Sprache.

Wenn Steinbrück, wie im März 2009, zum Besten gab, dass die Kavallerie in Fort Yuma nicht immer ausreiten müsse, denn manchmal reiche es, wenn die Indianer wüssten, dass sie da sei, erfreute er viele Deutsche und verärgerte noch mehr Schweizer.

Fast auf den Tag genau vier Jahre später bringt Steinbrück die Italiener auf die Palme und sorgt darüber hinaus auch noch für einen handfesten diplomatischen Eklat. Während Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano Deutschland besucht, gefällt sich Steinbrück in Potsdam mit der Aussage, er sei „bis zu einem gewissen Grade“ (welchen lässt er offen) entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen hätten, ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt sei, wenn man ihn so nenne (was Beppe Grillo bereits am nächsten Tag widerlegte), und ein anderer, der definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub sei.

Silvio Berlusconi mag auch Staatspräsident Napolitano zuwider sein, ihm blieb aber gar keine Wahl: Er sagte das geplante Abendessen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten ab. Denn fest steht, es war eine demokratische Wahl, deren Ausgang eben nicht nur von einem Peer Steinbrück durch den Kakao gezogen worden ist, sondern auch vom Kanzlerkandidaten der zweitgrößten Partei Deutschlands. Ein Mann also, der, zumindest theoretisch, noch in diesem Jahr das Land regieren könnte und dann eventuell den einen oder anderen „Clown“ hochoffiziell begrüßen müsste.

Natürlich darf sich Peer Steinbrück vieler Sympathien für seine Giftpfeile Richtung Berlusconi sicher sein – bei Bürgerinnen und Bürgern offener, sozusagen im Klartext, bei Politikerkollegen etwas verdeckter, sozusagen klammheimlich. Andererseits gibt es auch genügend Stimmen aus allen politischen Lagern, die das nicht sehr komisch fanden und daran erinnerten, dass sich nun viel zu viele Italiener persönlich angegriffen fühlen – sehr zu Berlusconis Freude.

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3 Kommentare in “Italien-Schelte: Hat Steinbrück überzogen?

  1. Ja,ja, Herr Steinbrück hätte sich etwas feiner ausdrücken können. ABER – es ist halt seine Art
    Wahrheiten zu sagen! Bei uns im Lande wird man
    ins Fegefeuer geworfen, wenn er die reine Wahrheit
    sagt!! Ganz egal um was es geht – laut Gesetz
    hat jeder von uns das Recht, die unverblümte
    Meinung zu sagen.

  2. Klar hat unser Clown Steinbrück hier ganz kar überzogen. Dass ein hochrangiger Politiker, ein deutscher Kanzlerkandidat, sich nicht nur über zwei gewählte Politiker lustig macht, sondern auch einen ganzen Staat und ein ganzes Volk durch den Kakao zieht, das geht nun einmal gar nicht. Er kann Berlusconi gerne privat für einen Clown halten – da ist er nicht der einzige (und ich bin da ganz einer Meinung mit Steinbrück), aber in der Öffentlichkeit hat er sich da nun einmal zurückzuhalten. Wenn ich Italiener wäre, wäre ich selbst als Berlusconi-Gegner beleidigt über Steinbrücks Beleidigung des italienischen Wählers.

    • Sicher war es nicht geschickt, Herrn Berlousconi als Clown zu bezeichnen,zumal doch Kinderschänder oder Puffbaron für den Ministerpräsidenten des tief katholischen Italiens viel bezeichnender gewesen wäre. Allerdings hat die Aussage die ganze Verlogenheit der Politik, auch der des Herrn Steinbrück, deutlich aufgezeigt. Scheinbar muß man welweit assozial sein um höhere politische Posten zu erhalten. Gerade hat die Schweizer Bevölkerung mit 2/3 Mehrheit gezeigt, dass sie ganz anderer Meinung ist als es die Presse in Zusammenarbeit mit den korrumpierten Politiker aller Parteien ihr aufdrücken wollen
      Zudem ist die Aufregung in Italien doch etwas unglaubwürdig solange der regierende Ministerpräsident Berlousconi folgenlos Herrn Steinbrücks Parteifreund Schultz im Europaparlament als KZ Capo bezeichnen kann. Es steht jetzt bestenfalls 1:1. Zudem muß an berücksichtigen wie sehr Herrn Steinbrück das Wasser bis zum Hals steht und der Büttel der Banken und Baukonzerne wollte eben endlich eimal volksnah sein.

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