Hat der Denkmalschutz einen zu hohen Stellenwert?

Der Tag des offenen Denkmals hat auch am Sonntag wieder Tausende Bürgerinnen und Bürger angelockt. Nürnberg gehört zu jenen Städten mit zahlreichen historisch negativ behafteten Bauwerken. Und nicht alle Nürnberger sind davon begeistert, für die Instandsetzung dieser steinernen Überbleibsel aus der unseligen NS-Zeit Geld auszugeben.

Dafür steht in Nürnberg beispielhaft die Zeppelintribüne. 1935 erbaut, bröckelt sie jetzt vor sich hin und ist wegen Einsturzgefahr teilweise gesperrt. Ob man solche und andere NS-Bauten mit – wie im Fall der Zeppelintribüne – 70 Millionen Euro Aufwand instandsetzen sollte, ist schlicht eine Glaubensfrage.

Für viele ist es reine Geldverschwendung und eine nachträgliche Verherrlichung der vom Größenwahn durchsetzten Zeit des Nationalsozialismus. Andere Stimmen verweisen darauf, dass es immens wichtig sei, den nachfolgenden Generationen warnend eine Vorstellung von eben diesem Größenwahn zu vermitteln. Die Skepsis für den teilweise sehr teuren Erhalt von Denkmälern besteht aber mittlerweile auch für Denkmäler, die mit der NS-Zeit nichts zu tun haben.

Dies widerspricht natürlich dem erklärten Ziel des Denkmalschutzes, dafür zu sorgen, dass Denkmale dauerhaft erhalten und nicht verfälscht, beschädigt, beeinträchtigt oder zerstört werden – um sie als Kulturgüter dauerhaft zu sichern.

Die Stadtgeschichte Nürnbergs dokumentieren rund 3000 unter Denkmalschutz stehende Einzelgebäude und weitere 5320 Gebäude in 34 denkmalgeschützten Ensemble-Bereichen. Kritiker finden den Denkmalschutz angesichts klammer Kassen für überzogen und würden das Geld lieber in Hortplätzen und besser ausgestatteten Schulen verwendet sehen.

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Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Private Krankenkassen für alle öffnen?“ Mit Ja antworteten 40 Prozent, mit Nein 60 Prozent.

4 Kommentare in “Hat der Denkmalschutz einen zu hohen Stellenwert?

  1. Denkmale sollen, wie der Name schon sagt, zumindest auch zum denken anregen. Und was eignet sich besser dazu über den Größenwahn Hitlerdeutschlands nachzudenken als das Reichsparteitagsgelände in seiner gesamten Ausdehnung. Außerdem wäre die Zeppelintribüne in wesentlich besserem Zustand hätte die SPD beim Versuch der Geschichtsklitterung nicht Teile davon gesprengt. Es gab nun einmal ein „Drittes Reich“ und es verschwindet auch nicht dadurch, dass man seine Existenz im Geschichtsunterricht ausspart und seine Hinterlassenschaften sprengt. Immerhin muß sich die heutige Bevölkerung nicht mehr vorhalten lassen, diesee Regierung vollkommen legal an die Macht gewählt zu haben. Aber wenn man die bayrischen Wahlergebnisse damals und heute vergleicht, ohne die Parteien vergleichen zu wollen, stellt sich schon die Frage, was hat die Mehrzahl der Bürger seitdem gelernt. Ist dieses Wissen vielleicht ein Grund für so manche Reaktion.

  2. Ich finde auch, dass der Erhalt wichtig ist. Aber man sollte Prioritäten setzen. Ein großes und wichtiges Denkmal genügt pro Stadt. Alles Andere ist reine Geldverschwendung.

    • Sorry, aber das ist Quatsch. Soll man z.B. die Burg erhalten und dann die Sebalduskirche verfallen lassen?

  3. Man kann zwar schon geteilter Meinung über bestimmte Objekte im Denkmalschutz sein (z.B. Quelle), aber grundsätzlich ist die Erhaltung von bedeutenden Gebäuden für die Nachwelt eine sehr wichtige Aufgabe. Auch das Reichsparteitagsgelände gehört ganz sicher dazu, ganz im Sinne von „Denk mal!“
    Wenn man sich so die Ausgaben des Staates für den sozialen Bereich ansieht, dann wird hier ganz sicher mehr als genug getan.

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