Trifft die Kirche noch das Lebensgefühl?

Leere Kirchenbänke.

Immer öfter predigen Priester und Pastoren vor leeren Kirchenbänken. Foto: dpa

Papst Franziskus kann vieles – aber er kann nicht verhindern, dass sich Mitteleuropa von seinem Bekennt­nis zum Christentum weiter zurück­zieht. Und das liegt nicht etwa am Islam. Katholiken und genauso ihre protestantischen Brüder und Schwestern treten in Scharen aus der Kirche aus. Mal mehr (nach der Wiedervereinigung), mal weniger; aktuell mal wieder mehr (nach der neuen Steuerabrechnung bei Kapi­talerträgen). 350.000 Christen, hat die „Frankfurter Allgemeine Zei­tung“ überschlagen, haben sich 2014 aus den beiden großen Kirchen abgemeldet. In Nürnberg waren es 4200 Menschen, fast 1000 mehr als noch im Vorjahr. Der biologische Mitgliedersaldo tut sein Übriges, immer weniger Eltern lassen ihre Kinder taufen.
Deutschland ist ein winziges Land auf der Weltkirchenlandkar­te. Juckt das wen? Und vor allem: Wer hat denn Schuld an dem Desin­teresse? Es nur mit den Fehltritten der Geistlichen zu begründen, ist zu kurz gedacht. Es gibt miserable, aber genauso hervorragende Seel­sorge und Gemeindearbeit – wer da sucht, der findet. Auch der Kirchen­steuerbescheid taugt höchstens als oberflächliche Erklärung.
Eine Skepsis vor althergebrach­ten Autoritäten macht sich viel­mehr breit. Die Gewissheit eines fes­ten Glaubens kommt mehr Men­schen abhanden. Es hat den Anschein, als würden sie sich Fra­gen, die die Religion kollektiv zu beantworten hilft, in einer verwelt­lichten Welt nicht mehr stellen. Viel­leicht suchen sie dazu aber schlicht nicht die ritualisierte Gruppe, in
einer Gesellschaft, die die Vereinze­lung liebt. Oder sie wollen keinen Gottesdiensttermin am Sonntagmor­gen haben, wenn endlich mal Zeit zum Nichtstun wäre.
Wir wollen von Ihnen daher dies­mal wissen: „Trifft die Kirche noch das Lebensgefühl?“ Geben Sie Ihr Votum bitte entweder unter den in der Grafik abgedruckten Rufnum­mern oder via Internet unter www.nordbayern.de/nuernberg ab. Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Braucht die Stadt noch ein Frauenbüro?“ Teilge­nommen haben 258 Leser. Mit Ja antworteten 38,8 Prozent, mit Nein 61,2 Prozent.
isa

2 Kommentare in “Trifft die Kirche noch das Lebensgefühl?

  1. Falsch!
    Die Landesbischöfe werden eben nicht über die Kirchensteuer bezahlt. Ihr Gehalt zahlt der Staat und damit jeder Steuerzahler, sogar Moslems.

  2. Muss die Kirche das Lebensgefühl treffen? Nö, warum auch. Das dem ‚Zeitgeist-Hinterhergerenne‘ gerade meiner ev. Kirche geht mir gewaltig auf den Zeiger! Natürlich muss man die Menschen im Hier und Jetzt treffen, aber die Bandbreite zwischen ‚gefühlt vorgestrigen Amish-people-ähnlichen‘ Verhältnissen einerseits und andrerseits, dem hohlen Bestreben nach Möglichkeit die Hipster in den Trendscoutbüros noch zu überholen, ist schon recht gewaltig! Leider ging die Kirchenleitung bei EKD Deutschland, Bayern weit und auch in Nürnberg auf der skizzierten Skala eher Richtung Hipster. Dass dadurch die Abdeckung in der Breite immer dünner wurde, sollte klar sein. Auch in Richtung Hipster geht das Bestreben immer neue Randgruppen zu erschließen. Auch hier auf Kosten des Mainstreams! Gerade dieser ‚Backbone‘ wird dann auch noch gepiesackt mit der ‚Kirchensteuer-Optimierung‘. Fazit: Wer ein abschreckendes Beispiel braucht, wie man eine Kernklientel erst vernachlässigt, dann schwächt und danach verarscht und sich dann auch noch – vermeintlich überrascht mimend – hinstellt und über sein eigenes Versagen jammert, kann sich bei der EV. Kirche und ihrer Führung samt ‚Sterbehilfe-Schneider‘ und ‚Trunkenheitsfahrt-Käsmann‘ an der früheren Spitze ein Kirchensteuer finanziertes Abziehbilder davon besorgen.

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