Sind Sie für eine lange Nacht des Einkaufens?

Einkaufsoffener Sonntag

Das Einkaufsverhalten der Menschen ändert sich rasant. Erinnert sei nur an Quelle: Der Niedergang des Unternehmens schien ein Symbol für das Ende einer ganzen Branche zu sein. Doch die Entwicklung ging in eine völlig andere Richtung: Durch das Internet boomt der Versandhandel wieder. Dagegen ist der stationäre Einzelhandel in ganz Deutschland unter Druck geraten und es wird nach Ideen gesucht, wieder mehr Kunden in die realen Geschäfte zu bringen. Auch in Nürnberg wird überlegt, wie die Altstadt als Einkaufsort attraktiver werden kann. Es sollen vor allem Menschen angesprochen werden, die hauptsächlich per Internet einkaufen. CSU-Stadtrat Thomas Pirner hat in einem Antrag für den Stadtrat jetzt die Durchführung einer langen Einkaufsnacht, wie sie bereits in vielen deutschen Städten stattfindet, vorgeschlagen. Eine solche Shopping-Nacht könnte schon 2015 oder aber 2016 auch durch ein Begleitprogramm ergänzt werden, um die Menschen zum Verweilen in der Stadt einzuladen, so Pirner.

Eine lange Einkaufsnacht sei im Hinblick auf die verkaufsoffenen Sonntage für die im Einzelhandel tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vertretbar, so Pirner. Denn in Nürnberg werden die verkaufsoffenen Sonntage nicht voll ausgeschöpft, sondern es gibt zwei verkaufsoffene Sonntage ausschließlich für die Südstadt und zwei verkaufsoffene Sonntage für das übrige Stadtgebiet. Damit hat jedes Einzelhandelsgeschäft nur zwei Möglichkeiten zur Sonntagsöffnung, während es in den Nachbarstädten vier Sonntagsöffnungen gibt, so der CSu-Stadtrat weiter. Verweisen könnte man etwa auf Berlin oder Baden-Württemberg, wo die Geschäfte bis spät in die Nacht geöffnet bleiben dürfen. Wenn es sich nicht rechnen würde, würden die Geschäftsinhaber früher schließen.

Doch die Gegner einer Einkaufsnacht haben schnell reagiert. Das kirchlich-gewerkschaftliche Bündnis „Allianz für den freien Sonntag“ lehnt eine jährlich wiederkehrende Einkaufsnacht ab. Der Sprecher des Sonntagsbündnisses, Nobert Feulner vom Evangelischen Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, nennt den Antrag der CSU-Stadtratsfraktion eine „erneute Schnapsidee“, den Ladenschluss auszuhöhlen. Die Begründung, wonach der stationäre Einzelhandel durch den Onlinehandel unter Druck gerate, hält Feulner für „nicht durchdacht und wenig sachdienlich“. Einkaufsnächte würden diesen Trend nicht aufhalten. „Die Stärken des Einzelhandels liegen in einer fachkundigen und individuellen Beratung durch Beschäftigte mit guten Arbeitsbedingungen und nicht in Shopping-Nächten mit Begleitprogramm, das den Menschen auf ein Anreizsystem reduziert, das bespaßt werden müsse“, heißt es in einer Presseerklärung Feulners. Die Belastungen für die Beschäftigten durch eine Liberalisierung der Ladenschlusszeiten werden aus Sicht des DGB Mittelfranken völlig unzureichend beleuchtet. „Jede weitere Verlängerung der Ladenöffnungszeiten führt zu einer weiteren Prekarisierung der Arbeit“, mient Stephan Doll, Chef des DGB Mittelfranken. Entscheiden müssen jetzt die Stadträte.

Wir wollen deshalb wissen:

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