Braucht Nürnberg sonntags mehr Einkaufsmöglichkeiten?

LidlLange Schlangen an den Kassen und den Pfandautomaten, dichtes Gedränge in den Gängen. Die Lidl-Filiale im Hauptbahnhof erlebte am zweiten Weihnachtsfeiertag und am darauffolgenden Sonntag einen so großen Kundenansturm, dass Sicherheitskräfte die Eingänge zu den Verkaufsräumen zeitweise schlossen. Auffällig war, dass sich viele Familien mit Kindern auf den Weg zu dem Discounter mit den besonders langen Öffnungszeiten gemacht hatten.

Im Internet wurde über die Gründe des großen Konsumenteninteresses diskutiert. Kam Weihnachten heuer völlig überraschend? Haben die Nürnberger vor den Feiertagen zu knapp kalkuliert und standen bereits am zweiten Feiertag mit knurrenden Mägen vor dem leeren Kühlschrank? War das Fernsehprogramm so mies, dass Einkaufen im Discounter mehr Spannung versprach? Bieten Nürnberg und sein Umland keine besseren Freizeit-Angebote für den Familienausflug?

Viele Kommentatoren stellten in Frage, ob die Ladenöffnungszeiten in Bayern noch zeitgemäß sind und verlangten eine Freigabe. Befürworter einer Lockerung der strengen Regeln verweisen auf andere Bundesländer. Dort kann vielerorts von Montag bis Samstag vom frühen Morgen bis in die Nacht eingekauft werden. Allerdings gilt auch hier: Am Sonntag bleiben die Läden – bis auf wenige Ausnahmen — zu. Im Ausland kann man teilweise sogar sieben Tage die Woche und rund um die Uhr seinen Einkaufswagen durch Supermärkte schieben.

Befürworter von freien Ladenöffnungszeiten verweisen auf die anspruchsvollere Kundschaft. Leute, die es gewohnt sind, rund um die Uhr im Internet ihren Warenkorb zu füllen, müssten auch im Geschäft jederzeit – also auch sonntags – bedient werden, so die Argumentation. Arbeitszeiten seien heute in vielen Branchen extrem flexibel, da müsse auch der Handel nachziehen. Außerdem, so die Befürworter, könnten neue Arbeitsplätze entstehen: Läden, die länger öffnen, brauchen schließlich mehr Personal, so ihre Rechnung.

Gegner von Sonntagsöffnungszeiten bezweifeln, dass durch eine Lockerung mehr Geld in die Kassen der Händler fließt. Das verfügbare Einkommen des Großteils der Bevölkerung habe in den letzten Jahren nicht zugenommen. Sie befürchten, dass die oftmals in der Kritik stehenden Arbeitsbedingungen und -zeiten im Einzelhandel noch schlechter werden. Statt Vollzeitstellen würden eher Aushilfsjobs geschaffen, so die Befürchtung.

Egal ob für die Beschäftigten oder die Kunden: In einer immer hektischer werdenden Welt seien Ruhephasen wichtig; Zeit, in der man sich ohne Konsumterror erholen kann, in der Familien und Freundeskreise gemeinsam Zeit verbringen und in der es Raum gibt für Kultur, Sport und Ehrenamt.

Clara Grau

Wir wollen deshalb in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen:

Braucht Nürnberg sonntags mehr Einkaufsmöglichkeiten?

2 Kommentare in “Braucht Nürnberg sonntags mehr Einkaufsmöglichkeiten?

  1. Alle 6 Monate immer wieder die gleiche unsinnige Debatte! Es wird langsam aber sicher nervig. Wieso benötigt man immer längere Öffnungszeiten? In meiner Kindheit konnte man von Montag bis Freitag 8:00 bis 18:00 Uhr einkaufen, und Samstag bis max. 14:00 Uhr, wobei sehr viele Geschäfte um 12:00 Uhr schlossen. Keiner ist damals verhungert. Nicht mal die Bäcker haben am Sonntag Brötchen verkauft. Tankstellen hatten auch keine Backöfen um irgendwelches hungriges Volk zu versorgen. Ja, es ging auch, und wie schon erwähnt, es ist niemand verhungert. Alle Menschen waren in der Lage ihre Einkäufe in dieser Zeit zu erledigen. Wieso sind unsere Mitbürger heute nicht mehr in der Lage dazu?
    „Du sollst den Feiertag heiligen“, so lautet das 3. Gebot. Was heißt das: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilighalten, gerne hören und lernen“. So die Erklärung zu dem 3. Gebot. Sind denn unter den Befürwortern für längere Öffnungszeiten lauter Atheisten?
    An den sogenannten kirchlichen Feiertagen sollten keine Geschäfte geöffnet haben. Ich bin kein Christ im Sinne der Kirche, da ich vor vielen Jahren ausgetreten bin. Aber wenn ihr schon die Feiertage feiern wollt, wie z.B. Weihnachten, dann feiert diesen Feiertag im seinem Sinne, wie es euch das dritte Gebot sagt. Wenn aber Christen der Meinung sind, dass sie am Feiertag einkaufen gehen müssen, dann sind das keine Christen. Solche Menschen nenne ich „Scheinheilige“.
    Zeitmanagement! Anscheinend ist Großteil unsere Bevölkerung nicht mehr in der Lage ihren Tagesablauf so zu organisieren, dass er einen sinnvollen Ablauf hat. Wie haben wir das denn früher alles geschafft?
    Längere Öffnungszeiten braucht mehr Personal! Solch ein Unsinn. Es wird nicht mehr Personal anwesend sein, die Arbeitszeiten werden anders eingeteilt. Denn mehr Umsatz werden die Geschäfte nämlich nicht erreichen. Er wird auf die längeren Öffnungszeiten nur anders verteilt.
    Unsinnig sind auch die Aussagen, dass in den südlichen Ländern die Läden 7 Tage bis in die Nacht geöffnet haben. Es stimmt zum Teil. Denn in der Mittagszeit haben vielen Geschäfte zwischen 10 und 15 Uhr geschlossen, weil es viel zu warm ist. Daher haben dort viele Geschäfte abends viel länger auf.
    Meine Empfehlung an all diese Befürworter der südländischen Öffnungszeiten bis 24 Uhr. Packt eure Siebensachen und zieht in den Süden. Aber sicherlich findet ihr auch dort wieder etwas, was euch an den Öffnungszeiten dort nicht passt.
    Zur Frage aus dem Artikel: „Kam Weihnachten heuer völlig überraschend?“ Nein! Es kam nicht überraschend! Heilig Abend ist laut Kalender auch in den folgenden hundert Jahren immer noch am 24. Dezember. Die Konstellation das der 24. Dezember auf einen Freitag fällt, haben wir erst wieder 2021. Daraus ergibt sich, dass wieder drei Tage aufeinander die Geschäfte geschlossen haben. Also bitte jetzt schon entsprechend einplanen.
    Längere Öffnungszeiten ergeben nicht mehr Umsatz für den Handel.
    Längere Öffnungszeiten bringen nicht mehr Arbeitsplätze.
    Fazit: Lasst es so wie es ist. Liebe Mitbürger lernt eurem Tagesablauf zu organisieren. Somit werden solche Diskussionen überflüssig.

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