Sollen Wildtiere im Zirkus verboten werden?

Der „Moskauer Circus“, der gerade in Nürnberg gastiert, ist ein Wagnis eingegangen: Er hat seine Tier-Dressuren aus dem Programm genommen. Damit  hat man sich dem Druck von Tierschützern und Tierrechtlern gebeugt: Seit geraumer Zeit wird auch in Deutschland der Ruf nach einem Wildtier-Verbot für Zirkusse (Foto: Yuri Kochetkov) laut. Vor kurzem hat der Bundesrat – also die Vertretung der Länder – wieder einmal einen Anlauf unternommen und die Bundesregierung aufgefordert, ein solches Verbot zu beschließen. Es geht dabei vor allem um Elefanten, Bären, Raubkatzen, Nashörner, Flusspferde und Affen.

In 17 Mitgliedsstaaten der EU sind diese Tiere in der Manege schon nicht mehr erlaubt, oder ihr Einsatz ist zumindest eingeschränkt. Begründung: Eine artgerechte Haltung sei den Zirkusbetrieben, die von Stadt zu Stadt reisen, nicht möglich. Entweder fehle ihnen der Sozialkontakt, oder sie seien zu sehr in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Tierhaltung in Zirkussen wird bei uns von Amtstierärzten überwacht. Die kontrollieren, ob die vorgegebenen Zirkus-Leitlinien eingehalten werden. Allerdings kritisiert etwa der Deutsche Tierschutzbund, dass bei festgestellten Mängeln zu selten Konsequenzen folgen würden.

Ob der Antrag des Bundesrates diesmal von Erfolg gekrönt ist? Das gesetzliche Verbot (nach dem Tierschutzgesetz) ist in Deutschland möglich, wenn die Tiere nachweislich an verschiedenen Orten nur unter großen Schmerzen gehalten bzw. transportiert werden können oder wenn sie leiden. Und dann gibt es da noch ein weiteres Hindernis für ein Verbot: Die Berufsfreiheit könnte dadurch  beschnitten werden. Die Tierhaltung hat sich außerdem in vielen Zirkussen – zumindest in den großen Betrieben, die sich das leisten können – im Lauf der Zeit erheblich verbessert. Umgekehrt müssten nicht wenige Zirkusunternehmen schließen, wenn die „Zugnummern“ mit den Tieren wegfielen – die großen Besucherströme würden wohl ausbleiben. Nicht jeder Zirkus könnte mit menschlichen Weltklasse-Akrobaten den Wegfall der Tier-Nummern ausgleichen.

Der Begriff „Wildtiere“ ist in diesem Zusammenhang ebenfalls fraglich: Eine ganze Reihe von Zirkustieren ist nämlich bereits in menschlicher Obhut geboren. Und auch Tierärzte bestätigen, dass Wildtiere nicht unbedingt frei sein müssen, um artgerecht zu leben. Wie Zoos können auch Zirkusse durch gute Pflege, Zuwendung und Beschäftigung viel tun, damit sich ihre Tiere „wohlfühlen“.

Ute Wolf

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Sollen Wildtiere im Zirkus verboten werden?

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Wähler insgesamt: 51

4 Kommentare in “Sollen Wildtiere im Zirkus verboten werden?

  1. @Stephan

    Hier geht es doch nicht nur um den Zirkus, hier geht es um die gesamte Tierhaltung in Menschenhand. Natürlich geht es auch um die Zoos. Natürlich geht es um Fische, Tauben, Eisbären und Elefanten. Natürlich geht es auch um die Heimtiere.

    Hier geht es um vegane Ideologie und das hat nichts mit realem Denken zu tun.

  2. Diese Diskussion würde ein wenig Nüchternheit überaus gut zu Gesicht stehen.

    „Frei“ ist dabei ein menschlicher Begriff: Frei ist ein Tier dann, wenn es gesund ist, gut versorgt ist, sein Futter bekommt, jeden Tag seinen Spaß hat (genau dafür sind die Vorstellungen auch da!) und frei von Furcht und Angst leben kann. Ein Tier sucht sich das stromern in der Wildnis nicht freiwillig aus, weil es „gut tut“, sondern weil es stromern muss, seiner Beute hinterherlaufen muss, weil die Konsequenz dann entweder der Tod oder ein Überlebenskampf wird, den es eventuell nicht übersteht, ferner es nicht vorher geschossen wird.

    Verantwortungsvoller Umgang mit Tieren darf nicht per se verboten werden, weil dann die nächste Frage nach einem Verbot in Zirkussen die ist, wo man jetzt weiter macht. Beim Bauern? Der sich rührend um seine Tiere kümmert und mit Herz und Verstand arbeitet? Oder vielleicht doch beim Falkner, der so nicht nur seinen Kollegen zeigen kann, zu was seine Tiere fähig sind (und ganz nebenbei betrachtet ein gigantisches Aushängeschild für ihre Art darstellen)?

    Daher: Nein zu einem Verbot von verantwortungsvoller Wildtierhaltung in Zirkussen! Und wenn es nach den schlechten Beispiel geht: Keiner mit gesundem Menschenverstand würde per se alle Zoos verbieten wollen, nur weil es eine wenige Anzahl an grauenhaften Anlagen auf der Welt gibt. Viel mehr muss die Zahl der eben jene grauenhaften Anlagen reduziert werden und gerade in Zeiten dessen, wo der Lebensraum immer weiter schmilzt (zwangsweise) ist die Arterhaltung überaus zu befürworten. In einem verantwortungsbewussten Umfeld, selbstverständlich.

  3. Zu sehen, wie einstmals wilde Tiere im Zirkus Kunststückchen aufführen, ist lustig. Diesen Spaß will ich mir auch weiterhin gönnen dürfen.

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