Soll sich Deutschland zwei Feiertage mehr leisten?


bedford-strohmDer Ratsvorsitzende der Evangeli­schen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, wünscht sich min­destens einen bundesweiten Feier­tag mehr. Und zwar einen Tag, der für mehr Miteinander der Menschen reserviert sein sollte. Passend dafür findet er entweder den Reforma­tionstag – also den heutigen 31. Oktober –, der gegenwärtig nur noch in den östlichen Bundeslän­dern gesetzlicher Feiertag ist. 2017 kommt er aber ausnahmsweise wegen des 500. Jahrestags von Luthers Thesenanschlag in ganz Deutschland wieder zu Ehren. Als zweite Option schlägt Bed­ford-Strohm den Buß- und Bettag vor, der 1995 der Pflegeversiche­rung geopfert wurde. Derzeit begeht man nur in Sachsen diesen evangelischen Feiertag, der stets auf den Mittwoch vor dem Ewig­keitssonntag (dem letzten Sonntag des Kirchenjahres) fällt, heuer also auf den 16. November.

Der Landesbischof plädiert für eine neue Feiertagskultur in Deutschland, gerade im Monat November. Zumindest einen der bei­den Tage möchte er dauerhaft als Feiertag im ursprünglichen Wort­sinn sehen. Natürlich ist einem Mann der Kir­che wie Bedford-Strohm dabei der christliche Aspekt mit der Hinkehr zu Gott besonders wichtig. Es geht ihm wohl aber auch darum, dass an einem solchen Tag Defizite aufgear­beitet werden können, die in unse­rer Gesellschaft immer stärker zum Problem werden: Für das Familien­leben ist oft ebenso wenig Zeit wie für ein Ehrenamt, Gespräche mit anderen oder ganz einfach fürs Nichtstun, Entspannen und Zu-sich­selbst-finden. Es könnte ein Tag werden ohne Terminzwang, Shop­pen und zwanghafte Familientref­fen wie an Weihnachten oder Ostern. Ein gemütlicher verregneter Herbsttag, an dem man es sich mit einem Buch auf der Couch bequem macht oder mit den Kindern gemein­sam spielt.

Natürlich wird die Wirt­schaft argumentieren, dass so ein Tag aus ökonomischer Sicht von Nachteil sei, mitten in der Vorweih­nachtszeit, wenn die Geschäfte am besten laufen. Die SPD tritt wieder mal als Bedenkenträger auf, dass so ein christlicher Feiertag die bei uns lebenden Muslime ausschließe. Aus­gerechnet die Linksfraktion nennt Bedford-Strohms Idee charmant, wenn ihr auch der christliche Impe­tus nicht recht gefällt.

Ute Wolf

Soll sich Deutschland zwei Feiertage leisten?

3 Kommentare in “Soll sich Deutschland zwei Feiertage mehr leisten?

  1. Stimme Herrn Rinnhöfer im Großen und Ganzen zu, nur in einem muß ich ihm entschieden widersprechen, daß Bedford-Strohm es gut meint.
    Stehen doch die Kirchen mit dem Rücken zur Wand und versuchen auf Biegen und Brechen ihre Kundschaft bei der Stange zu halten.
    Aber es wird ihnen nichts nützen.
    So wie das unheilige Europa keinen Bestand haben wird, so sind auch die Kirchen, ja die gesamte Christenheit, dem Untergang geweiht.

  2. Wir sind mit 14 Feiertagen im europäischen Spitzenfeld. In einer Zeit, wo wirtschaftlich eine Konkurrenzmentalität ersten Ranges weltweit besteht, brauchen wir nicht noch mehr Feiertage. Herr Bedford-Strohm mag Gutes im Sinn haben – ich glaube nicht dass durch den zusätzlichen Feiertag auch nur eine Ehe gerettet würde, die nicht schon vorher kränkelte. Im übrigen ist es meiner Meinung nach nicht die Aufgabe der Kirche, sich volkswirtschaftlich mit freien Tagen zu befassen. Sie mischen sich sowieso schon zu viel in die Tagespolitik ein.

  3. Ich bin dafür, daß sämtliche religiösen bzw. christlichen Feiertage abgeschafft werden.
    Dafür sind die staatlichen freien Tage bzw. Urlaubstage entsprechend zu erhöhen.
    Wer das Bedürfnis hat, an den Festtagen seiner Religionsgemeinschaft an den Versammlungen teilzunehmen, kann dann Urlaub beantragen, wie dies ja bisher auch Bürger, die keiner der beiden großen Kirchen angehören, tun müssen.
    Auch die aufgrund staatlicher Gesetze erhobene und von den Finanzämtern eingezogene Kirchensteuer gehört abgeschafft.

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