Wer soll ins Pellerhaus einziehen?

Der Wiederaufbau des Pellerhofs durch die Altstadtfreunde geht langsam seiner Vollendung entgegen. Doch der Pellerhof kann ohne die Einbindung des Pellerhauses nicht richtig genutzt werden. Da wiederum das Pellerhaus saniert werden muss, wird ein Gesamtkonzept benötigt, das der Stadtrat beschließen muss. Erst dann können die Kosten ermittelt werden.

In der Stadtratssitzung im Dezember gab es vom Sozialreferat und vom Kulturreferat den Beschlussvorschlag, Pellerhof und Pellerhaus gemeinsam als Kinder- und Jugendhaus, von den Altstadtfreunden als Veranstaltungsort, als Archiv der Graphischen Sammlung der Stadt und als Spielearchiv zu nutzen.

Die CSU hatte noch Fragen und lehnt den Vorschlag einer gemeinsamen Nutzung ab, weil es weder einen Kosten- noch einen Zeitplan gibt. Nächste Woche soll der Stadtrat erneut über den unveränderten Vorschlag vom Dezember abstimmen. Gegenüber der NZ machte gestern der CSU-Fraktionschef Sebastian Brehm den Vorschlag, das Kinder- und Jugendhaus im Umfeld des Rathenauplatzes zu verwirklichen: „Das können wir über die Anmietung von Räumen ganz schnell realisieren.“ Schon im nächsten Jahr könnte eine solche Begegnungsstätte öffnen.

Ein Kinder- und Jugendhaus fehlt in der Innenstadt, nachdem der Fünfeckturm aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen werden musste. Brehm ist der Ansicht, dass ein Kinder- und Jugendhaus im Pellerhaus erst in sechs bis acht Jahren eine Chance auf Realisierung hat: „So lange können wir nicht warten.“ Brehm will eine rein kulturelle Nutzung des Pellerhauses.

Ob die SPD mitspielt und auf ein Kinder- und Jugendhaus im Pellerhaus verzichtet, ist offen, denn das Umfeld des Rathenauplatzes ist nicht unbedingt für Kinder und Jugendliche geeignet. Mit der Festlegung auf eine ausschließlich kulturelle Nutzung des Pellerhauses wird die Debatte über Abriss und Rekonstruktion nicht verstummen, sondern angefacht. Die SPD wird deshalb vermuten, dass Brehms Vorschlag eine Art trojanisches Pferd ist, doch noch den Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Baus aus den fünfziger Jahren durchzusetzen. Die Sanierungskosten der Wiederaufbau-Ikone dürften so hoch ausfallen, dass auch ein Wiederaufbau des Renaissance-Originals möglich wäre.

Habt Ihr andere Vorschläge?

3 Kommentare in “Wer soll ins Pellerhaus einziehen?

  1. Es ist eben nicht so, dass die Altstadtfreunde mit der Spendenbereitschaft der Bürger den Pellerhof in wenigen Jahren ganz einfach wieder aufbauen konnten. Ich war damals dafür – und finde es immer noch toll -, aber ohne einige wenige „Großspenden“ wäre das Projekt noch lange nicht so weit. Das muss man sich unbedingt vor Augen halten und darf nicht so tun, als wären die Gelder nur so gesprudelt.

  2. Das Pellerhaus zu einem Jugendhaus auszubauen läuft doch auf ein Vertrösten oder derber ausgedrückt, auf eine Veralberung der Jugend hinaus. Bei einer Fertigstellung in 6 oder 8 Jahren sind die Jugendlichen von heute längst erwachsen! Was, wenn sich der Ausbau noch um weitere Jahre verzögert? Eine solche Entscheidung hilft nicht, Politikverdrossenheit in der Jugend abzubauen. Jeder von uns war einmal jung und weiß, dass es im Umfeld von Jugendlichen immer ein wenig ausgelassener zugeht. Nicht nur deshalb würde eine kulturelle Nutzung der Bedeutung des Pellerhauses viel eher gerecht.

    Die Altstadtfreunde haben mit ausschließlich Spendengeldern, in wenigen Jahren den Pellerhof wiederaufgebaut. Die Spendenbereitschaft der Bürger für dieses Projekt ist über die Grenzen von Nürnberg hinaus beispielhaft. Mit ein wenig Unterstützung aus Stadt und Land ist den Altstadtfreunden die Wiederherstellung des Pellerhauses in seiner alten Pracht in jedem Falle zuzutrauen. Zum Ruhm von Nürnberg hat der derzeit denkmalgeschützte Mayer-Bau ohnehin wenig beigetragen. Wenn die Entscheidung Denkmal gegen Denkmal ansteht, darf auch mal eine „Güterabwägung“ stattfinden. Das „kunst- und architekturgeschichtlich bedeutende Renaissance-Bürgerhaus“ (Wikipedia) hätte die Nase um Meilen vorn. Gegen die Qualität des Mayer-Baus spricht auch die Tatsache, dass der Bau nach nur 60 Jahren teuer sanierungsbedürfig ist.

    Einige argumentieren, mit einem Wiederaufbau des Pellerhauses entstünde nur eine weitere Kulisse. Niemand stört sich daran, dass der Schöne Brunnen eine Kopie ist oder dass Frauenkirche und Rathaus nach dem Kriege wiederaufgebaut wurden. Ein wiederhergestelltes Pellerhaus wäre ein prächtiges Geschenk an die Stadt Nürnberg und ein zusätzliches Top-Touristenmagnet.

    Ich bin für eine kulturelle Nutzung des wiederhergestellten Renaissance-Baus.

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