Soll der Doppelpass abgeschafft werden?

Man fühlt sich angesichts der der­zeitigen Debatten zurückversetzt in die späten 1990er, als Roland Koch in Hessen mit einer Kampa­gne gegen den Doppelpass, den Rot-Grün einführen wollte, den Ministerpräsidentensessel erober­te. Später schien es, als hätte eine ohnehin in vielen Bereichen modernisierte Union ihren Frie­den gemacht mit der doppelten Staatsbürgerschaft. Schon seit dem Jahr 2000 werden Kinder von Eltern ohne deutschen Pass unter bestimmten Bedingungen automatisch Deutsche, und die Große Koalition schaffte 2014 auch die Optionspflicht ab – frü­her mussten sich besagte Kinder mit 23 für eine Staatsbürger­schaft entscheiden, nun dürfen sie beide behalten.
Angesichts der Entwicklungen in der Türkei hat es dieses schein­bar schon beerdigte Thema doch wieder auf die Tagesordnung geschafft. Die Gegner des Doppel­passes, die schon immer Loyali­tätskonflikte befürchteten, ver­weisen auf die Begeisterung vie­ler Deutsch-Türken für Präsident Erdogan. Es sei befremdlich, wenn Bürger, die in Deutschland das Wahlrecht haben, eigentlich mit einem Mann sympathisieren, der von parlamentarischer Demo­kratie nicht viel zu halten scheint.
Auf der anderen Seite sollte der aktuelle Anlass nicht jene Überle­gungen vergessen lassen, weshalb der Doppelpass einst eingeführt wurde. Es ging darum, Menschen die Integration zu erleichtern, indem man sie nicht zwingt, sich zwischen zwei Ländern zu ent­scheiden. Außerdem nutzt nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Deutsch-Türken dieses Instru­ment. Es ist zu befürchten, dass die Union auf der Suche nach einem konservativeren Profil ein künstliches Problem schafft.

Soll der Doppelpass abgeschafft werden?

5 Kommentare in “Soll der Doppelpass abgeschafft werden?

  1. ich möchte dass jeder so reif sein sollte um sich für eine staatsbürgerschaft zu entscheiden. Unsere 3 Töchter wurden als Italienerinnen geboren (ich aus Würzburg mein Mann aus Trento Italien). Dann gab es glaube ich im Jahre 1978 oder 1979 die möglichkeit zu wechseln auf die deutsche staatsbürgerschaft. und wir haben uns dazu entschieden dass die kinder deutsche staatsbürger sind. und das ist auch gut so. auch von der regierung von muttelfranken erhielten wir damals ein schreiben u.a.mit dem hinweis: eine doppelstaatsbürgerschaft hat immer die gefahr einer staatenlosigkeit wenn nämlich zwischen diesen beiden ländern prlbleme oder evtl,. sigar ein krieg auftreten sollte.
    warum verstehen dies so wenig leute dass man nur für das land wählen etc etc kann wo man auch lebt. ich kann nicht für 2 staaten wählen, das geht nicht und ist quatsch da ich immer nur eine stimme abgeben kann. im innern kann ich doch alles sein deutsch , italienisch auch gerne französisch! man sieht ja nun die probleme mit der Türkei. es ist einfach schade! aber zur integration hilft nur die frage: wofür möchte ich verantwortung haben und das können keine 2 länder sein!! Grüsse aus Fürth Anna-Gabriele Pisoni

  2. Vorweg: der Dopppelpaß hilft in keiner Weise der Integration!!!
    Schon Platon hat ca. 300 vor Christus davor gewarnt, sich den Jugendlichen anzubiedern, deren Albernheiten mitzumachen, um ja nicht als Spielverderber in Verruf zu kommen.
    Denn solch antiautoritäres Verhalten führt zum jugendfrohen Anfang der Tyrannei.
    Und das gilt natürlich genauso in Bezug auf eine klare und eindeutige Gesellschaftsordnung unter Erwachsenen.
    Wenn altbewährte gute Ethik- und Moralmaßstäbe ad acta gelegt werden – als überholt verteufelt werden – wenn jeder das tun kann, was ihm gefällt, wenn keine einheitlichen Wertmaßstäbe mehr gelten, dann führt das nicht in eine ersehnte Freiheit sondern in die Selbstversklavung.
    Man wird zum Sklaven seiner Lüste, Begierden und Triebe.
    Burnout und Depressionen in nie gekanntem Umfang sind die Folge solch einer auf Habenwollen und Geltungssucht fixierten Lebensweise.
    Wenn es zum normalen Leben geworden ist, daß Verheiratete mit anderen Partnern zusammenleben, wenn Heterosexuelle gar nicht mehr heiraten und in wilder Ehe zusammenleben, Homosexuelle hingegen unbedingt heiraten wollen und Homosexualität – nach Gottes Wort Sünde – als normale Lebensweise gilt, wohingegen Pädophilie oder Sodomie als Krankheit eingestuft und verfolgt werden, dann ist Chaos vorprogrammiert. Eine solche Gesellschaft ist notgedrungen dem Untergang geweiht – Sodom und Gomorrha bzw. das Alte Rom lassen “grüßen“!
    Doch nun zur doppelten oder mehrfachen Staatsangehörigkeit bzw. zum Doppelpaß.
    Und das nicht nur was die Türkei anbelangt.
    Man kann mich mit den Menschen der verschiedensten Volksgruppen inniglich verbunden fühlen, ohne deren Staatsangehörigkeit zu besitzen.
    Menschen, welche danach streben zwei oder mehrere Staatsangehörigkeiten zu besitzen, wollen dies doch nicht wegen ihres ethnischen Zugehörigkeitsgefühls – weil sie z.B. als Deutsche gleichzeitig in Amerika, Italien, Griechenland oder der Türkei ihr Vaterland sehen – sondern weil sie glauben, auf unliebsame Ereignisse, die im Leben auf einen so zukommen können, besser gefeit zu sein (bei schlimmen Lebenssituationen in einem Land ins andere ausweichen zu können – man hält sich ein Türchen offen; pickt sich die Rosinen raus).
    Klare Entscheidungen für dieses oder jenes sind gefragt und verheißen uns ein erfülltes Leben sowie ein intaktes Gesellschaftssystems und nicht ein egoistisches Nützlichkeitsdenken.
    So wie Eheleute bei uns nicht gezwungen werden, einen bestimmten Ehepartner zu heiraten – die Vielehe aber verboten ist – so werden auch Menschen bei uns nicht gezwungen eine bestimmte Staatsbürgerschaft anzunehmen.
    Es ist ein Unsinn bzw. Populismus zu sagen, Menschen würden ohne Doppelpaß gezwungen eine bestimmte Staatsangehörigkeit anzunehmen. Sie können wählen!!!
    Im Übrigen können in Deutschland geborene Kinder deutscher Eltern auch nicht wählen, welche Staatsangehörigkeit sie besitzen wollen. Man kann sich auch nicht heraussuchen, in welchem Land und zu welcher Zeit man zur Welt kommt, ob man als Mann oder Frau geboren wird oder – im Normalfall – welchen Namen man trägt.
    Das ist eine altbewährte gute Ordnung und hat nichts mit Zwang zu tun!!!

  3. Man beeinflusst die Entwicklung eines Staates in dem man evtl. nur vorübergehend lebt. Zwei Staatsangehörigkeiten von Staaten die, wie es aktuell der Fall ist, unterschiedliche politische Ansichten vertreten, das kann einer Integration nur abträglich sein. Wer die euphorischen und ekstatischen Huldigungen von türkischen Mitbürgern der 3. und 4. Generation für Erdogan, bzw. dessen Vertreter in Deutschland gesehen hat, der glaubt nicht mehr an eine mögliche Integration in diesem Jahrhundert.

  4. Finde es nicht richtig daß jemand in 2 Staaten wählen darf. Kann sich in jedem Staat das für Ihn Beste heraussuchen, auch wenn es für den Staat in dem er lebt von Nachteil ist.

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