Flexiblere Arbeitszeiten in der Gastronomie?

„Die werktägliche Abreitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten“, heißt es im Arbeitszeitgesetz. Unter bestimmten Bedingungen kann sie zehn Stunden betragen. Dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist das aber nicht genug. Weder Gäste noch Mitarbeiter könnten verstehen, wenn ein Lokal um ein Uhr schließen müsse, weil die Zehnstundengrenze für die Bedienungen erreicht sei, klagte der Verband kürzlich (die NZ berichtete). Auch die Knoblauchsländer Landwirte haben schon oft gefordert, dass sie bei gutem Wetter ihre Erntehelfer gerne länger würden arbeiten lassen und das Gesetz flexibler sein müsste. Unterstützung erhalten sie dabei von dem Verband Bayerischer Wirtschaft (VBW), der eine Broschüre zum Thema herausgegegeben hat, in der er mehr Flexibilität durch eine Umstellung des Systems fordert: Weg von der täglichen, hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Dies sei auch im Sinne der Beschäftigten, argumentiert der VBW.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dagegen verweist darauf, dass die Zehnstundengrenze nicht aus Jux und Tollerei eingeführt worden sei, sondern weil es um den Schutz der Gesundheit für die Arbeitnehmer gegangen sei. Stephan Doll, Regionschef des DGB, hat deswegen in seiner Rede deutlich gemacht, dass die Gewerkschaften bei Angriffen auf dieses Schutzgesetz massive Gegenwehr leisten werden. „Es handelt sich hier um eine zentrale gewerkschaftliche Errungenschaft.“ Doll verweist zudem auf die volkswirtschaftlichen Konsequenzen, wenn die Krankenstände aufgrund zu hoher täglicher Arbeitszeiten anstiegen. Die Gewinne daraus würden Unternehmen davon tragen, die Folgekosten müsste die Gesellschaft tragen. Zudem spreche auch die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit für eine klar definierte tägliche Arbeitszeit. „Im Leben gibt es auch noch etwas anderes, als nur zu arbeiten.“

Marco Puschner

Flexiblere Arbeitszeiten in der Gastronomie?

1 Kommentar in “Flexiblere Arbeitszeiten in der Gastronomie?

  1. Noch nie hat ein Lokal wegen der 10 Stundengrenze schließen müssen, überspitzt dargestellt: Wenn drei Bedienungen 3×8 Stunden arbeiten kann das Lokal 24 Std. geöffnet sein. Ich denke, das die Beschäftigten nicht länger arbeiten, sondern von ihrem Verdienst vernünftig leben wollen und wenn das in 10 Std. nicht geht, dann werden sie selbstverständlich länger arbeiten. Aber man soll doch nicht so tun, als wüssten die Menschen mit ihrer Lebenszeit nichts besser anzufangen als zu arbeiten. Wer zehn Stunden auf den Füßen ist, eventuell den Biergarten noch mit serviert und am Wochenende gerne noch eine Veranstaltung macht, der braucht keine 11. Stunde, da bin ich mir sicher, außer das Geld reicht nur bis 25.. Das hat aber nichts mit wollen, sondern mit müssen zu tun!

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