Sollten Lehrer streiken dürfen?

Für Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ist der Deal klar: Beamte seien unkündbar, bekämen eine gute Vergütung, rechnete er kürzlich vor. Im Gegenzug dürften sie nicht streiken. Jetzt steht das Streikverbot für Beamte aber dennoch auf den Prüfstand, das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich mit dem Thema. Ein gutes Argument dafür, das Streikverbot zu kippen, ist die Situation der Lehrer. Ein Viertel der Lehrer in Deutschland sind keine Beamten und dürfen daher in den Ausstand treten, während die anderen nicht für ihre Rechte auf diesem Weg kämpfen dürfen. Das ist eine Ungleichbehandlung. Auch für die Angestellten ist es eine schwierige Situation, wenn sie in den Tarifkonflikten für ihre zumindest hinsichtlich der Arbeitskämpfe zur Untätigkeit verdammten Kollegen die Kastanien aus dem Feuer holen müssen. Denn vom erkämpften Lohnplus profitieren dann ja auch die Beamten.
Das Streikverbot soll zudem die Funktionsfähigkeit der Verwaltung sicherstellen – wenn der Unterricht mal stundenweise ausfällt, ist diese aber nicht infrage gestellt. Zudem leitet sich das Streikrecht aus Artikel 9 des Grundgesetzes ab – und es erscheint mehr als fraglich, ob man einer bestimmten Gruppe ein eigentlich nicht verhandelbares Grundrecht absprechen kann.

Marco Puschner

Sollen Lehrer streiken dürfen?

3 Kommentare in “Sollten Lehrer streiken dürfen?

  1. Dass der Arbeitsalltag eines Lehrers anspruchsvoll und oft zermürbend ist, steht für mich außer Frage. Darum geht es aber, aus meiner Sicht, bei dieser Diskussion nicht. Als Beamter habe ich Privilegien und Einschränkungen. Es ist ein Gesamtpaket. Eine Einschränkungen heraus zu nehmen und die Privilegien zu behalten, wer wollte das nicht…? Die Forderung, streiken zu dürfen, führt aber nicht zu mehr Gerechtigkeit, erst recht nicht gegenüber der 25% Lehrer, die nicht verbeamtet sind. Die Forderung führt für mich zur Frage, ob der Beamtenstatus für Lehrer heute noch Sinn macht. Ich meine: nein.
    @ JR: Mit dem Lehreralltag, den Sie schildern, den Ansprüchen der Gesellschaft an Schule und Lehrer und den Problemen im Bildungswesen insgesamt, kämpfen die nicht verbeamteten Kollegen genauso.

  2. Wenn man vom Lehreralltag keine Ahnung hat, sollte man vielleicht etwas zurückhaltender sein. Ferien sind keine Frei- sondern meistens Korrekturzeit, und die Wochenenden sind in zwei Dritteln aller Fälle ebenfalls dafür hinüber. Dazu ständig und seit einigen Jahren gerne ja auch ganztags zwanzig bis dreißig Leute um einen herum, die nichts unversucht lassen, um einen an der Arbeit zu hindern… Wenn der Job so attraktiv ist, warum wollen denn immer weniger Leute Lehrer werden? Warum sind die psychiatrischen Kliniken voller Lehrer? Weil die Gesellschaft fast alle Probleme mittlerweile auf die Schulen abwälzt! Ich als Lehrer wäre heilfroh, freie Abende, Wochenende und sechs Wochen wirklich Urlaub zu haben!

  3. Dieses Jahr haben Lehrer 14 Wochen Ferien! Das sind 8 Wochen mehr als ein normaler Arbeiter hat. Und dann noch Streikrecht? Auf keinen Fall! Vielmehr sollten Lehrer zu Weiterbildung verpflichtet werden und zwar in den Ferien.

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