Schadet Seehofer der CSU?

Die Flüchtlingsdebatte in Deutschland ist völlig übertrieben und greift zu kurz.“ Das sagt kein SPD-Mann, auch kein Linker oder Grüner. Sondern Gerd Müller, Bundesentwicklungsminister und Mitglied der CSU. Mitglied der CSU – das ist der Schweinfurter Landrat Harald Leitherer nicht mehr, weil er das Verhalten des Parteichefs Horst Seehofer für „unglaubwürdig, wenn nicht sogar lächerlich“ und dessen Ton für „unsäglich“ hält.

Das zeigt: Seehofers Verhalten schockiert auch die eigenen Parteifreunde. Vom politischen Gegner ganz zu schweigen. Die Nürnberger Ehrenbürgerin Renate Schmidt (SPD) findet es „zum Fremdschämen“, dass Seehofer kürzlich seine Freude über die Abschiebung von 69 Menschen nach Afghanistan so unverhohlen zeigte. Jeglicher „Anflug von Humanität“ sei auf der Strecke geblieben. Aber selbst unter jenen, die die harte politische Position des CSU-Chefs teilen, sind viele irritiert über den Stil, den Umgang mit der CDU, mit Angela Merkel, mit dem Koalitionspartner SPD – etwa, wenn Seehofer in seinem „Masterplan Migration“ hinter die Vereinbarungen des Koalitionsvertrags zurückfällt.

Höflichkeit, Zuverlässigkeit, respektvoller Umgang – das waren ursprünglich eigentlich konservative Tugenden. Nun habe die CSU, schreibt die „Zeit“, unter Seehofer völlig das „bürgerliche Maß“ verloren. Zahlreiche politische Beobachter meinen, dass hinter dem Prozess der Selbstradikalisierung, hinter der derben Rhetorik, lediglich die Absicht steckt, den Rechtspopulisten von der AfD das Wasser abzugraben. Das wäre durchaus ein sinnvolles Ziel.

Allerdings ist es sehr fraglich, ob diese Strategie aufgeht oder ob Seehofer nicht eher erst recht die Wähler in die Arme von Gauland und Co. treibt. Bei der Bundestagswahl war die AfD nämlich in Bayern und Sachsen besonders stark – Bundesländer, in denen die Schwarzen einen sehr rechten Kurs fuhren, der sich indes letztlich nicht auszahlte. Und auch die Umfragen zeugen von einer trotz alledem sehr stabilen Af D, während die CSU nach derzeitigem Stand ihre absolute Mehrheit verlieren würde.

Marco Puschner

Schadet Seehofer der CSU?

3 Kommentare in “Schadet Seehofer der CSU?

  1. Nein, er vollzieht nur eine überfällige Korrektur der merkelschen „Spontanempathie „von 2015. Leider war er nicht konsequent genug. Er hätte nach dem gezicke der CDU hinwerfen sollen.Seinen Rücktritt hätte die AfD klein gehalten und Frau Merkel bloßgestellt. Sie ist es die uns und natürlich auch der Schwesterpartei schadet.

  2. Dass Seehofer das Thema Asylmissbrauch bzw. Einwanderung von Nicht-EU-Ausländern, die am besseren Lebensstandart in Deutschland partizipieren wollen, endlich konsequent angeht, ist lobenswert. Aussitzen a’la Merkel ist keine Lösung.
    Es ist schon interessant, wie sich die „Willkommenskulturler“ nun konzentriert auf Seehofer einschießen. Nur durch die CSU hat sich die Bundesregierung bewegt. Bei den Etablierten von Links wie auch bei Angela Merkel wäre alles eitel Sonnenschein geblieben.
    Die CSU mit Horst Seehofer hat trotz der Anfeindungen ihren Weg bezüglich Einwanderung und Obergrenze seit 2015 konsequent durchgezogen. Die CSU hat die Anfeindungen bisher gut weggesteckt, blieb konsequent bei ihrer Haltung. Ich wünsche mir bzw. gehe davon aus, so wird es auch in Zukunft bleiben.

  3. Gut wäre es, wenn Herr Seehofer das, was er stets so lautstark verkündet, in die Tat umsetzen würde.
    Aber mit seinen leeren Drohungen macht er sich nur lächerlich und spielt der AfD in die Hände.
    Wenn unsere Regierungsverantwortlichen es nicht schaffen, unsere Grenzen wirksam gegen zivile Eindringlinge zu schützen, wie wollen sie dann erst bewaffnete Feinde am Eindringen hindern?
    Oder wollen letztendlich Merkel & Co sowie Seehofer & Co diese sich als Asylanten tarnenden Eindringlinge gar nicht fernhalten, weil eine legale, menschenverachtende Abtreibungspolitik große Lücken in die Bevölkerung reißt.
    Da nicht genug deutscher Nachwuchs zur Verfügung steht, versucht man die Lücken durch billige Ausländer zu schließen.
    Wahre Hilfesuchende, die in ihren Heimatländern wegen ihrer Religion oder Rasse mit dem Tod bedroht sind, bitten und fordern nicht!
    Und noch eins, wenn Menschen, auch aufgrund eigenen Verschuldens, in Seenot geraden, soll man sie retten. Dann aber zurück in ihre Heimatländer und nicht in europäische Länder bringen.

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