Missbrauch in der Kirche: Soll der Staat einschreiten?

Nach der Veröffentlichung einer groß angelegten Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Geistliche in Deutschland seit 1946 bleibt ein Gefühl der Befremdung, nicht nur bei den Betroffenen. Befremdung über das geschehene Unrecht sowieso – mehr noch aber über die anhaltende Hilflosigkeit bei der Aufarbeitung. Acht Jahre nach Bekanntwerden einer Riesenwelle alter Missbrauchsfälle 2010 ist man nun gerade mal so weit, den Skandal genauer beziffern zu können. Die Deutsche Bischofskonferenz beendete ihre Horrorwoche mit der Ankündigung eines Sieben-Punkte-Plans zur künftigen Prävention von Missbrauch. Darin setzt sie auch auf die Einbeziehung externer Fachleute. Aber: kein Angebot für eine konkrete Entschädigung der Opfer, keine Anordnung zur Öffnung von Archiven oder zur strengeren Ahndung der Täter, kein Rücktritt eines Bischofs.
Kritiker bezweifeln jetzt endgültig, dass die Kirche – egal ob katholisch oder evangelisch übrigens – aus eigener Kraft aus dem Sumpf kommt. Für eine Lösung, sagen Opfervertreter, bräuchte es tiefgreifende Reformen in Kirchenrecht und -struktur, Reuebezeigungen und Moraldebatten allein genügten nicht mehr. Dies würde auch das Eingeständnis erfordern, dass ein Kleriker heute kein Machthaber mit Nimbus mehr sein darf, sondern höchstens ein Diener an den Menschen, der gegen Pädophilie Therapien benötigt statt Gebete, und vielleicht ist dieser Perspektivwechsel sogar der schwierigste von allen.
Staatliches Handeln könnte diesen Erkenntnisprozess forcieren. Das schlägt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, vor. Staat und Kirche (Foto Michael Matejka) sind an anderer Stelle eng verflochten, der Staat lagert viele soziale Aufgaben an die Kirche aus, auch die Kinderbetreuung. Politiker dürfen von ihr also auch juristische Standards fordern, etwa staatsanwaltschaftliche Prüfungen, Akteneinsichtsrechte, vertraglich geregelte, einheitliche Prävention und Entschädigung. Andere betroffene Länder sind zumindest mit staatlichen Untersuchungskommissionen eingeschritten. Denn der Missbrauch konnte sich auch deshalb so gut verstetigen, weil die Kirchenhierarchien nach Gutdünken Vorfälle unter den Teppich kehrten, solange der Druck von Betroffenen nicht allzu groß war. Sie waren niemandem außer dem Herrgott Rechenschaft schuldig.

Isabel Lauer

Missbrauch in der Kirche: Soll der Staat einschreiten?

4 Kommentare in “Missbrauch in der Kirche: Soll der Staat einschreiten?

  1. Den Ausführungen in den beiden Kommentaren von Herrn Belzner kann ich voll zustimmen.
    Ergänzen möchte ich noch: Egal, ob die Kirchen noch einen langen oder kurzen Weg vor sich haben
    – Gott weiß es – er wird jedenfalls mit Sicherheit in der Vernichtung enden für all die Lügen und
    das unsägliche Leid, das sie den Menschen zugefügt haben und immer noch zufügen.
    Wer sich dafür interessiert, kann dies auch in der Heiligen Schrift nachlesen: Altes Testament,
    Jeremia, Kapitel 6, Verse 13-15.

  2. Da muß ich RoBa entschieden widersprechen.
    Die katholische Kirche ist keine Brutstätte für Homosexualität, sondern ein Sammelbecken für Homosexuelle.
    Auch ist die freiwillig gewählte Ehelosigkeit kein Verbrechen an der menschlichen Natur.
    Sonst hätten sich z.B. Johannes der Täufer, Jesus Christus oder Paulus, die ja nicht verheiratet waren, verbrecherisch verhalten.
    Genauso wenig ist Sex Voraussetzung, um ein erfülltes Leben zu führen.
    Und die meisten Vergewaltigungen werden nicht von Homosexuellen, sondern von Heterosexuellen ausgeführt.
    Das Verbrechen der christlichen Gemeinschaften bzw. Kirchen – aller!!! – besteht doch darin, daß diese durch ihre gotteslästerlichen Lehren die Menschenkinder anstatt zu Gott hin, von diesem wegführen. Das ist „Abtreibung“ aus dem Leib Jesu Christi (vgl. Hesekiel 34,1-6; Jeremia 6,13-15).
    Im Übrigen steht das von christlichen Regierungen legalisierte Töten ungeborener Kinder im Mutterleib und die von vielen Christen vorgenommenen Abtreibungen den geschlechtlichen Verirrungen Homosexueller in nichts nach.
    Diese Schwangerschaftsabbrüche sind in Gottes Augen genauso Sünde wie die im Christentum zur Selbstverständlichkeit gewordenen Ehescheidungen.

  3. Es ist eine Lüge, wenn die Repräsentanten der Kirchen sowie der christlichen Gemeinden behaupten, Grundlage ihrer Lehren sei Gottes Wort, offenbart in der Heiligen Schrift.
    Dies zeigt sich nicht nur am sexuellen Mißbrauch von Kindern in der katholischen Kirche sondern z.B. genauso an der rechtswidrigen Gewährung von Kirchenasyl.
    Wenn dann eine solche Organisation, die ja vorgibt im Auftrag des Allmächtigen Gottes tätig zu sein, glaubt Ratschläge hinsichtlich Moral und Ethik bei Medizinern, Psychologen und Soziologen (Weltweisen) einholen zu müssen, dann führt dies unweigerlich zum Einsturz dieses Lügengebäudes.
    Ist doch Homosexualität sowohl nach Gottes Wort im Alten wie im Neuen Testament – ganz gleich in welcher Form sie praktiziert wird – genauso Sünde wie Sodomie und andere perverse sexuellen Praktiken!!!
    Und so hat die Kirche – samt ihren christlichen Schwestern heute – seit ihrer Gründung unter Kaiser Konstantin im 4.Jhrh.n.Chr. zu keiner Zeit Gottes Gemeinde entsprochen, deren Fels und Haupt Jesus Christus ist, wo allein ER das Sagen hat.
    Die enge Verflechtung von Kirche und Staat ist nur ein weiteres Indiz hierfür.
    Kirche – überhaupt die gesamte Christenheit – ist doch nichts anderes als ein weltweit operierendes Unternehmen (Global Player), wo Lügen als Gottes Wort verkauft werden.
    Die Frage, ob Straftaten (z.B. s.o. auch rechtswidrige Asylgewährung) staatlich verfolgt und geahndet werden sollen, sollte sich dashalb überhaupt nicht stellen.
    Dies sollte eine Selbstverständlichkeit sein.Denn staatliche Gesetze gelten für alle, erst recht für christliche Organisationen, die ja wissen sollten, daß man der staatlichen Obrigkeit untertan sein muß.

  4. Die kath. Kirche ist leider schon immer eine – natürlich nicht ausschließliche – Brustätte für Homosexualität gepaart mit Pädophilie. Menschiche Monster konnten sich dort jahrzehnhte lang ihrer krankhaften Veranlagung hingeben und die Führung hielt vermutlich ob eigener Betroffenheit den Mantel des Verschweigens darüber. Schuld ist aber auch der Gesetzgeber, der mit seinen gnadenlosen Verjährungsfristen diese Abartigkeit quasi sanktioniert. Der Zölibat ist ein Verbrechen an der menschlichen Natur. Liebe, Zuneigung, Zärtlichkeit und Sex sind für seelische Gesundheit unerlässlich. Wie krank muss also ein junger Mann schon sein, wenn er sein Leben als kath. Priester verbringen will. Und die Klugschwätzer von der Berufung, dem Dienst am Nächsten .. bitte haltet euer Maul und redet mit vergewaltigten Kindern, die deren Liebe schmerzhaft erfahren durften UND HEUTE IMMER NOCH ERFAHREN !!
    Die kath. Kirche ist eine kriminelle Vereinigung, die vergewaltigt und damit auch mordet! Sie gehört verboten!!

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