Organspende: Soll sich jeder festlegen müssen?


Mittlerweile besitzen immerhin 36 Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis. Doch das Problem bleibt ungelöst: Zu wenige Organe werden gespendet; alle acht Stunden stirbt ein Patient auf der Warteliste.

In einer offenen Aussprache bewertete der Bundestag in der vergangenen Woche den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für die sogenannte Widerspruchslösung. Dabei wird jeder zum potenziellen Organspender, sofern er dies zu Lebzeiten nicht abgelehnt hat oder die Angehörigen nach dem Tod nicht widersprechen. Im Moment gilt das Gegenteil: Nur wer sich aktiv dafür entscheidet, kann Spender sein.

In den Reden der Abgeordneten schwang viel Misstrauen gegen die Ethik von Spahns Vorschlag mit. Der Staat dürfe nicht über den Körper verfügen, so der Tenor, eine Spende müsse aus Gemeinsinn und freiem Willen erfolgen. Die Widerspruchslösung allein steigert ohnehin nicht die Spendenzahlen, das ist bewiesen. Die Spende scheitert in der Praxis auch nicht unbedingt an der Spendenbereitschaft, sondern an anderen Strukturen.

Eine andere, mildere Regelung, von der in diesen Tagen kaum die Rede war, könnte hier trotzdem einen Schritt nach vorn bedeuten: die Äußerungspflicht oder Entscheidungslösung. Der Staat könnte verlangen, dass sich jeder Bürger persönlich erklären muss, ob er Organspender sein will oder nicht. Das könnte jene Menschen einfangen, die aus Bequemlichkeit oder Unwissen nie einen Spenderausweis ausfüllen. Diese Abfrage ließe sich beispielsweise mit einem Verwaltungsvorgang – etwa der Beantragung eines Personalausweises oder der Gesundheitskarte – koppeln.

Aber: Auch hier kommt wieder die Pflicht ins Spiel. Die Entscheidung mag mancher als Druck erleben. Und wird man bestraft, wenn man sich nicht äußern mag?

Isabel Lauer

Organspende: Soll sich jeder festlegen müssen?

1 Kommentar in “Organspende: Soll sich jeder festlegen müssen?

  1. Steuern und Gebühren werden verordnet.
    Spenden sind nach bisherigem Verständnis freiwillige, spontane Gaben.
    Wird per Gesetz festgesetzt, daß jemand, der sich zu einer Spendenmöglichkeit nicht äußert bzw. geäußert hat, einer solchen zustimmt, stellt man unsere Rechtsordnung auf den Kopf.
    Eine auf welche Art und Weise auch immer gesetzlich verordnete “Spende“, ist keine Spende!!!
    Das gilt auch dann, wenn man zu Lebzeiten – z.B. bei Ausgabe des Personalausweises – staatlich gezwungen wird, sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden.
    Denn, was ich heute will, kann ich – nach besserer Erkenntnis – eventuell schon morgen ablehnen und umgekehrt.
    Im Übrigen verbirgt sich hinter dem mit Barmherzigkeit und Nächstenliebe begründeten Aufruf zur Organspende doch nur die Absicht, damit lukrative Geschäfte zu machen.
    Der Mensch – ob jung oder alt – dem die Organe beim – durch Vermutenschaftler nach menschlicher Weisheit definierten – Hirntod (wenn er tatsächlich tot ist, sind die Organe nicht mehr zu gebrauchen) entnommen werden, mußte sterben, warum soll ein anderer Todkranker nicht auch sterben.
    Wir leben schon in einer seltsamen christlich geprägten Gesellschaft, da werden lebensfähige, gesunde Menschenkinder im “Mutterleib“ – staatlich legitimiert – umgebracht und auf der anderen Seite wird mit aller Gewalt versucht, das Leben um einige Jahre zu verlängern.
    Stellt sich die Frage, was ist denn der Sinn unseres Lebens hier auf Erden?!
    Alle, die von sich behaupten, an den Allmächtigen Gott, von dem alles ist, was ist, zu glauben – und das tun doch diejenigen, die sich Christen nennen. Oder? – sollten doch überzeugt sein, das unser Schöpfer den Menschenkinder die Möglichkeit eröffnet, seine Ordnung kennen und lieben zu lernen, damit sie hier auf Erden all ihr Denken, Tun und Handeln nach seinen Geboten und Gesetzen ausrichten, um später einmal im Reich Gottes das wahre Leben zu leben in alle Ewigkeit.
    Da spielt es dann wirklich keine Rolle, wie lange wir nach Gottes Willen hier auf Erden gelebt haben (vgl. z.B. Johannes den Täufer; Jesus Christus oder Stephanus).
    Und die nicht an den Schöpfer Himmels und der Erde glauben, sollten wissen, daß kein Toter weiß, wie lange er gelebt und dieses Leben mehr oder weniger genossen hat.
    Denn die Toten wissen nichts!!!

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