Hat Nürnberg zu viele Schmuddelecken?

Schmierereien, Pinkeleien, Zigarettenkippen, Schrotträder und Taubenkot. Wenig bringt Bürger so auf die Palme wie ungepflegte Ecken in ihrer Stadt oder Gemeinde. Auf jeder Bürgerversammlung, in jedem Schwung Briefe ans Rathaus geht es mindestens einmal darum. Dafür ist die dunkelbraun- verschlissene U-Bahn-Passage Lorenzkirche, deren schwierige Sanierung die CSU-Stadtratsfraktion jetzt wieder anschieben will, ein gutes Beispiel.

Das Problem ist mehr als ein rein ästhetisches. Wenn zum Schmutz noch Leerstand, schlechte Architektur und schummriges Licht kommen, betiteln wir Medien den öffentlichen Raum schnell als sogenannten „Angstraum“. Viele Leute fühlen sich dann tatsächlich an so einem Ort unsicher, obwohl objektiv gar nichts passiert. Hässliche Orte machen hässliche Stimmung. Und Müll zieht noch mehr Müll an. Nürnberg hat keine Scherbenviertel, aber manche Adressen zeigt man seinen Gästen lieber nicht: den Vorplatz des Volksbads und den Plärrer etwa, einige Straßenzüge in Galgenhof und Gostenhof, die Sitzgruppen am Silbersee oder das Quelle-Versandzentrum.

Jede Stadt der Welt – Singapur vielleicht ausgenommen – verfügt über solche Gammelecken. Sie gehören zu ihrer Identität. In Nürnberg sind viele von ihnen in den vergangenen Jahren beseitigt oder zumindest verschönert worden. Die Bahnhofstraße ist durch eine Serie von Neubauten regelrecht ordentlich geworden (wir reden hier nicht über Schönheit). Der Bahnhofsplatz ist in Arbeit, ebenso der Karl-Bröger-Tunnel, die Südseite des Bahnhofs oder der Augustinerhof in der Altstadt. Der Kontumazgarten, der Archivpark, das Wöhrder-See-Ufer – besser als vorher. Mit der enormen Bautätigkeit füllen sich auch die letzten traurigen Brachen aus der Nachkriegszeit. An mancher Schmuddelei ist übrigens gar nicht die Stadtplanung schuld, sondern der Bewohner selbst. Der sehnt sich oft nach Fachwerkromantik, während er seinen Kaffeebecher ins Gebüsch wirft.

Isabel Lauer

Hat Nürnberg zu viele Schmuddelecken?

2 Kommentare in “Hat Nürnberg zu viele Schmuddelecken?

  1. Ich denke, dass es fast überall Ecken mit Abfall gibt. Wer mit offenen Augen unterwegs ist, weiß das. Seltsamerweise wird dann von Schweinereien geredet, obwohl kein Schwein sich so schlecht benimmt wie der Mensch. Vor langer Zeit sah ich ein Foto von einem ölverschmierten Vogel mit diesem Text: „Wäre die Natur ein Wohnzimmer, keine Sau würde sich darin wohlfühlen.“ Deshalb spreche ich von Menschereien, wenn überall Abfall herumliegt. Birgit Kübler

  2. Man muss doch nur einmal zu Fuß durch bestimmte Stadtteile laufen, -und hier liegt die Betonung auf laufen- dann wird man schnell feststellen, wie verdreckt manche Bereiche sind. Gerade an Glascontainern u.ä. wird gesammter Hausmüll abgelegt. Wird er von SÖR entsorgt, sieht es nach zwei Wochen genau so wieder aus. In Grünbereichen die außerhalb der Altstadt liegen sieht es ähnlich aus.

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