Werden Fußgänger benachteiligt?

Manche schwören aufs Auto, andere auf die Straßenbahn, immer mehr setzen sich aufs Rad – aber fast jeder Mensch ist früher oder später mal Fußgänger. 23 Prozent des Stadtverkehrs legen die Nürnberger zu Fuß zurück. Das Potenzial wäre noch größer. Die Hälfte aller ihrer zurückgelegten Wege misst weniger als drei Kilometer – aber oft genug entscheidet man sich dabei eben gegen das Zufußgehen, weil es wenig Spaß macht.

Nürnbergs großzügige Fußgängerzone und der Pegnitzgrund, eine herrlich grüne Ost-West-Achse für Fußgänger, machen zwar vieles wett, aber es bleiben viele Problemstellen. Die hemmungslos zugeparkten Bürgersteige, auf denen Falschparker kaum Strafzettel befürchten müssen, weil so wenig kontrolliert wird. Die Radfahrer, die aus Bequemlichkeit, wegen unglücklicher Wegeführung, aber auch aus Angst vor Autos Gehwege nutzen. Die wenig durchdachten Baustellen-Absperrungen, an denen sich ein Fußgänger in Luft auflösen muss, erst recht ein gehbehinderter. Oder die dunklen Ecken, an denen sich vor allem Frauen unwohl fühlen.

Bei neuen Verkehrsplanungen bezieht die Stadtverwaltung freilich immer Fußgänger mit ein. Aber bis heute nicht auf systematischer Basis. Das liegt auch daran, dass Bedürfnisse von Fußgängern und ihre Bedeutung für den Klimaschutz noch kaum wissenschaftlich erforscht sind. Einen Anschub hat kürzlich das Umweltbundesamt gegeben. In einem Strategiepapier mit dem Titel „Geht doch!“ schlägt es sogar Eingriffe in die Straßenverkehrsordnung und ins Baugesetzbuch vor, um einige Privilegien der Autos zum Wohl der Fußgänger abzuschaffen. Einige der Maßnahmen – mehr Tempo 30, Verknappung von Parkplätzen, Trennung von Fuß- und Radwegen – wenden Nürnbergs Verkehrsplaner auch längst an. Und ein eigenes Fußverkehrskonzept ist im Verkehrsplanungsamt in Arbeit.

Isabel Lauer

Werden Fußgänger benachteiligt?

2 Kommentare in “Werden Fußgänger benachteiligt?

  1. Aus eigener Erfahrung: Das Stau-und Mobilitätsproblem ist auch eine Folge der synchronen Arbeits-und Schulzeiten, sowohl im Individual- als auch im ÖPNV. Wenn alle zur gleichen Zeit an- und abfahren, reichen keinerlei Verkehrsplanungen und -mittel aus. Zwischen 6 und 8 Uhr früh sowie 15-18 abends sind Staus vorprogrammiert. Wenn man also etwas in Sachen Mobilität tun will, sollte man nicht nur technische Lösungen sondern auch organisatorische überdenken, dann wird sich auch das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ändern und der Verkehr entzerren lassen.

  2. Nürnbergs Innenstadt ist klein, mittelalterlich, teilweise eng, bergig und pflastrig. Insofern ist sie wenig für Autofahrer und auch Radfahrer geeignet. Es bieten sich v.a. ÖPNV und Fußgang an. Getrennte Fuß-und Radwege brauchen viel Platz, sind daher nur begrenzt möglich. Fußgänger (besonders Kinderwagen und Rollis) werden oft behindert durch parkende Autos, Kundenstopper, Verkehrsschilder im Gehsteig sowie Radfahrern auf dem Gehsteig. Also bleibt, klare Prioritäten aus Raum-Lärm- und Klimagründen zu setzen: Fußgänger vor Radfahrern und ÖPNV, Anwohner-und Auspendlerautos, Handwerkern und Lieferanten. Einpendler und Touristen müssen Park and Ride, Firmenabo und Parkhäuser nutzen.

Kommentarfunktion geschlossen.