Soll das alte Pellerhaus rekonstruiert werden?

Vor allem unter den NZ-Lesern ist das Interesse an der Diskussion um den Wiederaufbau des Pellerhauses groß, auch der NZ-Dialog zu diesem Thema in der vergangenen Woche war gut besucht. Altstadtfreunde- Chef Karl-Heinz Enderle sieht sich durch den erfolgreich rekonstruierten Pellerhof sicherlich bestätigt. Er hat – obwohl damals noch nicht Vorsitzender des Vereins – den Wiederaufbau des Pellerhauses wohl von Anfang an mitgedacht, wenn nicht gar mitgeplant. Und die Stadtspitze? Die hätte am liebsten gar kein grünes Licht für den Hof gegeben, weil ihr schon schwante, worauf das Ganze hinauslaufen würde: nämlich auf die Forderung, keine halben Sachen zu machen. Allerdings ist die Ausgangslage beim Pellerhaus eine andere als beim -hof. Bei Letzterem handelte es sich um den Wiederaufbau einer Ruine. Beim Haus müsste man erst einmal mit dem Abriss eines Gebäudes beginnen – obendrein eines denkmalgeschützten. Eigentlich sollte diese Tatsache einen Verein wie die Altstadtfreunde dazu zwingen, von dem ehrgeizigen Vorhaben abzulassen, ist doch der Erhalt historisch bedeutender Bauten eine seiner Herzensangelegenheiten. Doch das an der Stelle des einstigen, im Krieg fast komplett zerstörten Renaissance-Prachtbaus in den 50er Jahren errichtete Bibliotheksgebäude will manchem nicht als denkmalwürdig erscheinen. Zu kühl, zu nichtssagend ist ihnen die Mayer’sche Architektur. Mit einem in neuem Glanz erstrahlenden Nachbau möchten sie dem Platz auf dem Egidienberg wieder die Strahlkraft zurückgeben, die er einst besaß.

Ute Wolf

Soll das alte Pellerhaus rekonstruiert werden?

19 Kommentare in “Soll das alte Pellerhaus rekonstruiert werden?

  1. Wow! I’m amazed that this is even an issue. Clearly the old Pellerhaus should be rebuilt. It was a work of art that can and should be rebuilt. That Meyer building is crappy looking and from what I understand is not even functional. Now I am an American so maybe it is not my place to comment on what happens in your city, but there is a real opportunity here that should not be lost. Geez, the old town friends are even willing to pay for reconstruction! This should be an easy choice.

  2. Der Pellerhof ist schon heute in seinem jetzigen – noch nicht ganz fertigen – Zustand durch hohe Steinmetz- und Handwerkskunst zu einem ganz besonderen Ort geworden. Eine Besichtigung mit fachmännischen Erläuterungen zur Qualität der Arbeiten kann ich sehr empfehlen.

    Auf alten, wiederaufgetauchten Unterlagen und Plänen ist zu erkennen, dass viele Teile der Pellerhaus Fassade erhalten waren. Diese hätten beim Wiederaufbau sicher kostengünstig eingebaut werden können. Wer die Verschrottung damals zu verantworten hatte, weiß ich nicht; darüber wird leider nicht berichtet und gesprochen. Zum Glück gibt es heute noch Steinmetze, die auf ziemlich die gleiche Art und Weise wie damals solche Steine erstellen können. Wer weiß wie lange noch?
    Beim Höfe Singen in der Vorweihnachtszeit war der Pellerhof voller Menschen, die von der stimmungsvollen Atmosphäre begeistert waren. Es war eine wundervolle Akustik und eine weihnachtliche Gänsehautstimmung durch die traumhafte Kulisse.
    Konzerte, Lesungen, Filme, Theater wurden bereits mehrfach durchgeführt und ebenfalls begeistert angenommen. Für solche Veranstaltungen gibt es ein großes Publikum. Darüber sollten sich die Verantwortlichen der Stadt Nürnberg freuen und solche Angebote unterstützen.

    Ein Spielehaus ist eine sehr gute Idee und passt hervorragend zu Nürnberg. Dafür steht das Imhoff Haus mit der gesamten Fläche zur Verfügung. Durch die Konzentration auf das Imhoff Haus würden sich sicher die Umbau- und Erneuerungskosten um einiges reduzieren. Außerdem könnte mit Teilen der Pellerhaus Fassade aus den 60er Jahren die Fassade des Imhoff Hauses ergänzt und aufgewertet werden.
    Sinnvoll wäre es, einen direkten Zugang vom Egidienplatz in dieses Gebäude zu planen. Damit auch das 60er Jahre Treppenhaus endlich zur Geltung kommt und dem Eingangsbereich eine besondere Note geben kann. Bei der jetzigen Lösung fällt es leider nicht auf.
    Ausstellungen zum Spielearchiv passen gut in eine neu gestaltete Halle des Imhoff Hauses

    Eine Verbindung zum Pellerhaus und Pellerhof kann ja trotzdem bestehen bleiben. Für beide Nutzergruppen sollte eine konstruktive, kreative und gewinnbringende Lösung zur Nutzung möglich sein.

    Die Eingangshalle des Pellerhauses bietet dann genügend Raum für Informationen zum Gebäude und den Erbauern von damals und heute.

    Es muss doch möglich sein, beiden Nutzergruppen die nötige Aufmerksamkeit zu geben und Überschneidungen im offenen Gespräch zu diskutieren um gemeinsame Lösungen für beide Seiten zu finden.
    Wenn dann noch der Egidienplatz eine zum Verweilen einladende Gestaltung bekommt, freue ich mich für alle Nürnberger Spiel- und Kulturfreunde und wünsche der Stadt Nürnberg, dass sie 2025 als Kulturhauptstadt damit stolz eine sinnvolle und konstruktive Lösung vorzeigen kann.

  3. Die Rekonstruktion der Pellerhausfassade ist eine einmalige Gelegenheit um die Pracht des alten Nürnberg wieder zu geben. Man sollte diese Chance unbedingt nutzen. Nie war die Entscheidung so nah. Die Rekonstruktion wäre ein Touristenmagnet wie in Dresden, wo von der Frauenkirche kein Stein mehr vorhanden war, sondergleichen. Ich verstehe gar nicht, dass der OB und die Stadträte hier noch überlegen müssen. Die einmalige Chance, noch dazu wenn die Altstadtfreunde einen grossen (Geld)- Beitrag leisten, darf man sich nicht entgehen lassen! Die Touristen, welche unsere Stadt besuchen suchen nicht Denkmäler aus den 50iger Jahren sondern solche aus dem Mittelalter, auch wenn sie rekonstruiert sind. Der Egidienplatz wird dadurch enorm aufgewertet. Noch dazu wenn er zur Zeit als Grossparkplatz genutzt wird. Lassen Sie uns die einmalige Chance nicht entgehen.

  4. Es gibt kein richtig oder falsch zum Pellerhaus, wie man an den diametral-gegensätzlichen Kommentaren sieht. Aus touristischer und städtebaulicher Sicht würde der Egidienplatz durch die Wiederherstellung des alten Prachtbaus zu dem, was er im Mittelalter offenbar war: der attraktivste Platz Nürnbergs und ein geschlossenes, einheitliches Ensemble. Wenn die Altstadtfreunde die kostenneutrale Finanzierung hinkriegen- und die Entwürfe der Studenten für den bergigen Platz umgesetzt werden, warum also nicht? Dass die heutigen Architekten, viele Nachkriegskinder und die Denkmalschützer am jetzigen Bau hängen, ist emotional und berufsständisch verständlich, würde sich aber rasch ändern, wenn der frühere Zustand überzeugend realisiert ist.

  5. Auch ich bin in Nürnberg geboren und muss gestehen, dass mich mit dem Pellerhaus, wie es heute am Egidienberg steht, weit mehr verbindet als mit einer Fassade eines Gebäudes, das mir bislang vor allem in Diskussionen in der Zeitung begegnete. Im Grunde geht es aber gar nicht darum, welches Gebäude interessanter, schöner oder geschichtsträchtiger ist, denn das bestehende Pellerhaus ist lebendige bestehende und schützenswerte Geschichte. Ein – wie wunderschön auch immer – rekonstruierter Neubau eines alten Denkmals kann nicht auf dem Platz eines bestehenden Denkmals errichtet werden. Meiner Meinung nach sind der Imhoffsche Bau und das Pellerhaus gerade in ihrem Zusammenspiel gelungene Nachkriegsbauten, die zu Recht Aufnahme in die Liste zu schützender Denkmäler fanden. Es wäre für mein Empfinden ein willkürlicher Akt der Rechtsbeugung, wenn ein Gebäude, das auf dieser Liste steht, abgerissen werden dürfte, um einen nagelneuen Bau zu errichten, der zwar einem historischen Vorbild nachempfunden werden würde, aber eben dennoch kein historischer Bau wäre.
    Ich schätze die Altstadtfreunde sehr, weil sie viel zum Erhalt historischer Gebäude beitragen und alles, was sie restaurieren mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail erledigen. Ich denke allerdings, es müsste in Nürnberg noch genügend alte Häuser geben, die vor dem Verfall bewahrt werden sollten.
    Es ist nicht nötig, ein historisches Gebäude abzureißen, weil es nicht aus der eigenen Lieblingsepoche stammt, um die Kopie eines nicht mehr vorhandenen Renaissance-Prunkbaus zu errichten, der gerade am Egidienberg mit seinen vielen 50er Jahre Häusern gar nicht so perfekt mit der Umgebung harmonieren würde.
    Das viele Geld, das dafür ausgegeben werden würde, eine Kopie zu bauen, könnte doch viel sinnvoller in die Restaurierung und Renovierung alter Gebäude, ev. auch maroder Wohnhäuser gesteckt werden, in denen dann wieder historisch wertvoller, gleichzeitig lebendig nutzbarer Wohnraum für Nürnberger Bürger entstehen würde.

  6. Oskar Boser
    Als geborener Nürnberger bin ich natürlich für eine Rekunstruktion des Pellerhauses !!
    Man soll nichts unversucht lassen, dies zu verwirklichen, schließlich ist durch den Krieg soviel
    Zerstört worden, daß wir Nürnberger dafür dankbar sein können, wenn vom Altbestand her vieles
    Wieder so wird, wie vor den Bomben !
    Man sollte, was das finanzielle angeht, es so machen wie die Garnisonkirche in Potsdam, die einen Teil über Ziegelsteinverkauf u.a. Mit Namensgravur des Spenders umsetzt, auch ich bin ein Name In Potsdam und würde mich auch am Pellerhaus beteiligen. Denke, da kommt viel aus aller Welt Spenden..
    Und wenn Ihr dann noch ein paar kleine Wohnungen im Haus unterbringt, dann komme ich wieder in die Heimat…, schluchtz
    Viele Grüße
    Vom Niederrhein
    Oskar Boser

  7. Das Pellerhaus als herausragendes Renaissancedenkmal sollte unbedingt wieder aufgebaut werden!
    Jetzt wirkt der Ägidienplatz eher langweilig und öde!

    Bei denkmalgeschützter Architektur der 50er Jahr wird sowieso mit zweierlei Maß gemessen. In anderen Fällen wurden ähnliche denkmalgeschützte gebäude ohne weiteres durch moderne „Invesitions“ -Kisten ersetzt!

  8. Das Gebäudeensemle Pellerhaus und Imhoffscher Bau ist ein bedeutendes stadt- und baugeschichliches Dokument des Wiederaufbaus in Nürnberg. Dies wurde mit Aufnahme in die Denkmalliste dokumentiert und gewürdigt. Das ist zu respektieren und rechtliche Grundlage.
    Ein Abbruch des Pellerhauses zur Rekonstruktion des historischen Gebäudes würde den verbleibenden Rest des Ensembles architektonisch und funktional amputieren und entwerten. Ziel sollte daher sein, durch Umstrukturierung und Neugestaltung des Egidienplatzes für Egidienkirche und umgebende Profanbauten ein wertiges einladendes Entrée zu schaffen.

  9. Das Pellerhaus

    soll unbedingt rekonstruiert werden. Mich wundert das geringe Maß an historischem Selbstbewußstein der Nürnberger, etwas was angesichts der kulturellen Größe der Stadtvergangenheit unverständlich, ja beinahe verletzend ist. Die Sachlage ist einfach: Das historische Pellerhaus ist eine Kostbarkeit von hohem Rang. Das neue Pellerhaus ist keine schlechte Architektur, aber unter kaum einem Aspekt von Bedeutung, weder national noch international gesehen. Hier liegt ein Fall von ver-rückter Bedeutungsverschiebung. Selbst wenn das Neue als „Denkmal“ deklariert wurde, sind Denkmäler nicht gleich bedeutungsvoll – ansonsten wäre Sankt Lorenz genauso viel Wert wie das Hochhaus am Plärrer (Städtische Werke). Dies nicht zu verstehen erweckt den Eindruck, man will Kostbarkeiten mit den Füssen treten und sich gleichzeitig als „Verteidiger“ der Moderne (sprich der „Demokratie“) hochstilisieren. Dass eine bestimmte Moderne in Deutschland unter den Nazionalsozialisten verfolgt wurde ist kein Argument, um Gewichtungen von Bauten zu vermischen. Es darf nicht sein, dass von offizieller Seite (Stadt, Denkmalpflege, Architektenbund) die Wiederentstehung wertvollste Bauten torpediert wird. Es ist auch viel zu viel verloren gegangen, die Stadt trägt mit oder ohne Pellerhausfassade das Gesicht der 1950er – wertvoll und besuchenswert ist sie, weil es hier so außerordentliche Denmkäler der Gotik stehen. Besorgniserregend ist die Unfreiheit, die in der Diskussion herrscht, auch die Tatsache, dass Befürworter von Rekonstruktionen in die „rechte“ Ecke gedrängt werden. So undifferenzirertes Denken darf einfach nicht sein!

    Dr. Pablo de la Riestra, Architekturhistoriker

  10. Etwas bestehendes abzureißen, weil es gerade nicht dem Zeitgeist entspricht ist eine ziemliche Schande. Wenn das Pellerhaus sowieso schon „fake“ ist, dann kann man es ja auch woanders Hinbauen. Oder die Fassade, an die Nordseite anbauen. Dann kann, wer unbedingt eine Renaissancefassade sehen will, diese ja sehen.
    Klingt komisch der Vorschlag?
    Nicht komischer, als es ist, ein zeitgeschichtliches Zeugnis abzureißen.
    Warum kümmert sich eigentlich niemand darum, das Wirtshaus über dem Fürther Tor wieder
    aufzubauen und mit Garten zu reaktivieren?
    Sinnvoll und praktisch.

  11. Auch ich war bei dem NZ-Dialog um mir die Argumente der verschiedenen Seiten anzuhören. Leider kenne ich nicht die Räumlichkeiten des Spielearchivs. Mein Vorschlag wäre, dort aus diesem Themenbereich Präsentationen anzubieten, die sicher alle Altersgruppen ansprechen. So entstünde an diesem Platz mehr Publikumsverkehr. – Warum nutzt man die jetzige bauliche Situation nicht, um dem Publikum eine „Zeitreise“ anzubieten. Beim Betreten des Pellerhofes über den vorgebauten Mayerschen Bau kann man den Besuchern doch bestens vermitteln, wie die Situation des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg war, wie man versucht hat, trotz unglaublicher Zerstörung mit den vorhandenen Mitteln ein besonderes Gebäude zu schaffen. Auch dieser Generation gebührt Aufmerksamkeit!
    Seit 34 Jahren wohne ich im Raum Nürnberg und streife immer wieder gerne durch die Stadt, auch mit dem Verein Geschichte für Alle.

  12. Herzlichen Dank Theo Noll für Ihren Beitrag. Ich kann Ihren sachlichen Ausführungen aus meiner Überzeugung vollinhaltlich zustimmen. So brauche ich nur zu ergänzen, dass gerade die jüngere Generation sich sehr freuen würde, wenn die Fassade rekonstruiert werden könnte, wie es im NZ-Dialog mehrfach zu hören war: „Die Schönheit dieses wieder hergestellten Renaissance-Bauwerkes hätte eine Strahlkraft auf den ganzen Egidienplatz und könnte Jung und Alt zusammenbringen.“
    Schließlich wurde in jedem Kunstführer vor dem Krieg die überragende Bedeutung des Pellerhauses festgestellt, und zwar deutschlandweit. Der wunderschöne, rekonstruierte Pellerhof würde eine zusätzliche Aufwertung erfahren und könnte zusammen mit dem Vorderhaus zu einer gelungenen Einheit verschmelzen. Ist nicht Frankfurt mit seiner Neuen Altstadt ein Beispiel für Mut der Stadt und Engagement der Bürger, auch wenn die Ausgangslage nicht direkt vergleichbar ist?

  13. Die Rekonstruierte Fassade des Pellerhauses wäre ein krönender Abschluss für den Egidienberg und würde mit der Barockfassade der Egidienkirche wunderbar harmonieren.
    Das jetztige Gebäude von Meyer als Magazinbau für die Stadtbibliothek gebaut müsste rückgebaut werden. Würde ich deshalb die neuere Geschichte Deutschland, oder gar den zweiten Weltkrieg überspringen? oder gar die letzte Wunde des Krieges heilen? Nein ! Das ginge auch gar nicht! Es gibt viele schöne Bauten der 50er Jahre, so das Neue Rathaus von Schneckendorf, das jetzige Heimatministerium am Lorenzer Platz oder den Welserhof am oberen Ende des Obstmarktes usw. usf.
    Beim Pellerhaus steht für mich die Bedeutung dessen was hier neu entstehen könnte über dem was jetzt schon ist. Das Gebäude von Meyer ist keine schlechte Architektur aber nicht gerade eine Kostbarkeit und steht in ihren Bauformen in der Tradition der Architektur der 30er und 40er Jahre.
    Die 50er Jahre Architektur im eigentlichen Bibliotheksbau ist von einem Umbau nicht betroffen, so würde das schöne Treppenhaus und der Lesesaal erhalten und könnten vom Deutschen Spiele Archiv genutzt werden.
    Die Magazinräume des Meyerschen Baus sind viel zu gross und kaum genutzt. Ich hatte die Gelegenheit mir bei einer Besichtigung alles anzuschauen und die oberen Etagen waren fast komplett leer auch wenn das Spielearchiv schon eingezogen ist.
    Das grosse Geschenk der Altstadtfreunde welches Sie uns mit der Wiedererrichtung des Pellerhofes gemacht haben macht mich immer wenn ich durch die wiedererrichtet gotische Vorhalle in den Hof trete sprachlos. Schön in diese Formenwelt der Renaissance eintauchen zu können.
    Der jetzige Eingang in das Pellerhaus hatte ja noch nie etwas mit dem darüberliegenden Magazin gemeinsam. Die 50er Jahre fangen in Form und Bauweise erst im Treppenhaus an und dies würde auch so bleiben.
    Warum sollte aber nicht der vordere Bau auch wieder entstehen?
    Sicher ist die verblassende Kenntnis dessen was die Geschichte Nürnbergs ausmacht ein Grund nichts zu vermissen. Das alte Pellerhaus war selbst in meinem Kunstbuch der Oberstufe am Gymnasium abgebildet und als wichtige Architektur beschrieben. Und während meines Studium der Kunstgeschichte ist es mir auch oft begegnet.

    Theo Noll, freischaffender Künstler mit Wohnsitz in Nürnberg

  14. Die, die auf andere als „ewig Gestrige“ schimpfen sind meistens die Allerschlimmsten und Konservativsten. Auch wenn sich so manch selbsternannter „Schützer der 50er Jahre Architektur“ nicht vorstellen kann, dass bei den meisten Menschen bei der Wiederherstellung des historischen Pellerhauses (und nichts des „Meyerbaus“) das Herz aufgehen würde, so sind es doch erstaunlicherweise oft junge Menschen, die die Renaissancearchitektur der heutigen Fassade vorziehen würden. Hier wird eine Bauepoche von vielen Alt68ern zu etwas hochstilisiert, was geprägt ist von schlechtem Baumaterial und Nachwehen des 2. Weltkrieges. Glaubt denn wirklich einer dieser Herrschaften, dass die Masse der Bevölkerung dieses 1950er Jahre Ungetüm dem alten Gebäude vorziehen würde? Fragen sie mal Besucher und neutrale Bürger nach ihrem ästhetischem Empfinden, was sie schöner finden würden im Vergleich (Die „Denkmalschutzproblematik“ des Meyerbaus mals außer Acht gelassen). Hier würden sie eindeutige Antworten bekommen. Aber vor dieser Diskussion hat unsere Stadtverwaltung ja anscheinend Angst, wenn sie die Simulation auf einer Plane, welche vor dem heutigen Bau an einem Gerüst gespannt werden soll, verweigert. Die Schäden die an der Fassade angeblich dadurch entstehen würden sind doch mehr als eine faule Ausrede!

  15. Seien wir mal ehrlich: Wen interessiert schon die historische Fassade? Doch nur die ewig Gestrigen.
    Die jungen Menschen ziehen ihre Lebensqualität aus der Lebendigkeit einer Stadt! Nürnberg ist eine Stadt der Vielfalt, eine Stadt, die sich neu erfinden möchte. Kulturhauptstadt wird man nicht mit der x-ten historischen Fassade, hinter der sich der erlauchte Kreis der Hochkultur trifft, sondern mit offenen, bürgernahen Veranstaltungen, für die gesamte Stadtgesellschaft – und einem gleichberechtigten Nebeneinander von historischer und moderner Architektur. Wir haben Burg, Dürerhaus und co, warum sollte es noch mehr Gestriges brauchen? Das Pellerhaus als architektonisches Ensemble ist ein Symbol Nürnbergs, es vereint Historie, Gegenwart und Zukunft, so, wie es ist. Eine zukünftige Nutzung als Haus des Spielens (oder Jugendhaus, oder Stadtteilzentrum, …) ist wünschenswert. Und by the way: Das viele private Geld, das da von den Altstadtfreunden in Steine geflossen ist, hätte man auch in soziale Projekte stecken können… Aber Nächstenliebe ist natürlich nicht so schön prestigeträchtig wie ein Steinhaufen, der Gott sei Dank den unschönen zweiten Weltkrieg aus dem Stadtbild tilgt. Heile Welt und Butzenscheiben sind eben so viel gemütlicher als die bohrend fragende Nachkriegsmoderne… In diesem Sinne: Alles nur Fassade!

  16. Die aktuelle Fassade des Pellerhauses ist absolut charakteristisch für das Nürnberg der 50er-Jahre, und sie ist wichtig. Es geht hier nicht um „schön“ oder „hässlich“, es geht hier rein um Geschichtsvergessenheit. Wer in dieser Stadt aufgewachsen ist und Forderungen nach einem Abriss dieses Kerndenkmals des Nürnberger Wiederaufbaus mitträgt, dem empfehle ich einen Blick nach Bochum, Solingen, Gießen oder Offenbach. Dort wurde Geschichte gelöscht, hier wurde sie bewahrt und weitergetragen.

  17. Eine der wenigen sehr schönen Fassaden, die nach 1945 in Nürnberg entstanden sind, ist das Pellerhaus.

  18. Wenn ich mit Bekannten bzw. Verwandten einen Stadtrundgang unternehme, führe ich sie auch zum Egidienplatz. Wenn wir dann von der Laufer Gasse in den Egidienplatz ein-biegen und in die Runde schauen, sticht uns gleich (und nicht nur uns) diese hässliche Gefängnisfassade auf. Wenn ich mir dann, die im Krieg zerstörte, alte, wunderschöne Renaissancefassade vorstelle komme ich wiedermal ins Schwärmen. Meiner Meinung nach, müßte die jetzige, in keinster Weise zum Egidienberg passende „Fassade“ entfernt werden und durch die neue alte Reaissancefassade ersetzt werden. Die Rekonstruktion des Pellerhofes wurde vor allem von den Altstadtfreunden mit soviel Herzblut und Hingabe, (natürlich auch viele Geldspenden) zu einem sehenswerden Prachbau der Nürnberger Altstadt historisiert. Eine Eiladung zu diesem Schmuckstückchen sollte (muß) auch die ursprünglich, historische Renaissancefassade sein.

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