Werden Sie Ulrich Maly vermissen?

Übernächsten Sonntag mischen die Wähler in Bayern die Karten neu. Die Kommunalwahl bedeutet für Nürnberg in jedem Fall einen epochalen Einschnitt. 18 Jahre am Stück regierte der Sozialdemokrat Ulrich Maly (Foto: Roland Fengler) im Rathaus – jetzt zieht er sich überraschend früh aus der Politik zurück. Das Nürnberg seiner Amtszeit ist sozusagen volljährig und muss ohne ihn zurechtkommen.
Bei dieser Oberbürgermeisterwahl gibt es durchaus realistische Aussichten darauf, dass die SPD-Traditionsstadt nach so langer Zeit die Farbe wechselt. Sollte die SPD Einbußen erleiden, dann wäre das aber wohl in Nürnberg nicht als Unzufriedenheits-Quittung des Wählers zu verstehen, sondern als seine Neuorientierung. Denn Ulrich Maly kann auf eine skandalfreie Regierungszeit zurückblicken, auf ungebrochen hohe Zustimmung und Beliebtheit. Dem politischen Gegner bot er wenig Angriffspunkte, zumal er in pragmatischer Kollegialität mit ihm zusammenarbeitete. Das stand für langfristiges Denken und brachte viele Projekte in der Stadt voran. Mit seiner Auffassungsgabe, seinem Redetalent und Witz konnte Maly immer auch in der für Bürgermeister so entscheidenden Kategorie „Volksnähe“ punkten.
Aber genug des Lobs – Maly selbst kokettiert gern damit, dass er auch deshalb abtrete, weil jetzt jemand Jüngeres, Digitaleres, Unbefangeneres ans Ruder müsse. Daraus spricht die Angst um das Selbstbild – irgendwann nur noch als „der Alte“ wahrgenommen zu werden. Also: Zeit für neue Themen und Köpfe?
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche wissen: „Werden Sie Ulrich Maly vermissen?“ In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter www.nordbayern.de/senf über die Leserfrage abstimmen und diskutieren. Vergangene Woche haben wir gefragt: „Rauchverbot in der Öffentlichkeit?“ Teilgenommen haben 227 Leser. Mit Ja antworteten 54,2 Prozent, mit Nein 45,8 Prozent.Isabel Lauer

Werden Sie Ulrich Maly vermissen?