Nach Google: Microsoft will Straßenzüge fotografieren

Viel Streit gab es, als Google mit seinem Kamera-Autos durch Nürnberg fuhr. Die Bilder landeten im Internet bei „Street View“ und Datenschützer gingen auf die Barrikaden. Jetzt droht ein neuer Streit, denn nun will auch Microsoft Straßenzüge fotografieren, um die Bilder ins weltweite Netz zu stellen.

Ab dem 9. Mai sollen Kameras, angebracht Autodächern, Nürnberg, Erlangen, Fürth und Augsburg aus drei Metern Höhe abfotografieren. 52 weitere Städte sollen folgen. Die Bilder sind für den Datendienst „Bing Streetside“ von Microsoft bestimmt. Die ersten Fotos sollen bereits im Sommer im Internet stehen. Wer nicht will, dass sein Haus dort landet, hat schlechte Karten. Der Grund: Einspruch kann man erst erheben, wenn die Bilder im Internet veröffentlicht wurden.

Über eine Website, die heute online geschaltet werden soll, könne der Nutzer den detaillierten Fahrplan der Kameraautos sowie ausführliche Informationen für Hausbesitzer, Mieter und Geschäftsinhaber einsehen. Einen Widerspruch etwa gegen die Darstellung des eigenen Wohnhauses wolle Microsoft besonders einfach gestalten. Dafür sei lediglich die Angabe des Ortes und des Namens erforderlich, sagte ein Microsoft-Sprecher. Die Anfragen würden innerhalb von 48 Stunden bearbeitet werden. Gegen diese Vorgehensweise wehrt sich schon jetzt das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht. Sollte Microsoft nicht noch ein Vorabwiderspruchsrecht einräumen, werde die Veröffentlichung der Bilder als rechtswidrig betrachtet. Das Amt kündigte an, in diesem Fall die Veröffentlichung der Fotos „durch Erlass einer Anordnung zu untersagen“.

Ab Freitag, 8. April, 8 Uhr, können Bürger im Internet nachsehen, wann und wo die Streetside-Autos ihre Fotos machen.

Halten Sie Wikileaks für gefährlich?

urn:newsml:dpa.com:20090101:101203-10-11113Wikileaks war abseits des Wintereinbruchs das Aufregerthema der vergangenen Woche. Tausende teilweise streng geheime Akten der US-Behörden waren auf der Internetseite eingestellt und von Journalisten weltweit ausgewertet worden. Das Ergebnis: Deutsche Politiker bekamen ihr Fett weg. An Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) perle alles ab, was ihr in Botschaftskreisen den Spitznamen „Teflon-Merkel“ einbrachte. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeige sich aggressiv.

Über den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wurde enthüllt, er sei voll der Bewunderung für seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin und dessen „Macho-Stil und autoritäre Art“. Berlusconi unterhalte eine „unheilvolle Beziehung“ zu Moskau, hieß es. Über die afghanische Regierung Hamid Karsais übermittelte die US-Botschaft, nur ein Minister stehe nicht unter Korruptionsverdacht. Regierungschef Karsai wurde als „schwache Persönlichkeit“ beschrieben, der von „Paranoia“ getrieben sei. Nordkorea wird von einem chinesischen Diplomaten als „verzogenes Kind“ bezeichnet. In den Dokumenten wird angedeutet, dass das kommunistische Regime in Pjöngjang vermutlich binnen drei Jahren nach dem Tod von Staatschef Kim Jong Il zusammenbricht. Chinesische Politiker seien bereit, eine mögliche südkoreanische Herrschaft über die gesamte Halbinsel zu akzeptieren.

Der Aufschrei war groß: Die einen verurteilten die Wikileaks-Veröffentlichungen, die anderen sahen publiziert, was viele denken. Doch wie groß ist die Gefahr, die von den Enthüllungen ausgeht? Es ist eine Seite, zu sagen, dass ein deutscher Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) eine „schräge Wahl“ war. Doch bergen Dokumente – gerade über sensible Staaten im arabischen oder asiatischen Raum – nicht enorme Gefahren? Für Bürgerrechtler in China, für Streitkräfte im Auslandseinsatz, für diplomatische Beziehungen.
Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: „Halten Sie Wikileaks für gefährlich?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Finden Sie die Terrorwarnung übertrieben?“ Mit Ja antworteten 57 Prozent, mit Nein 43 Prozent.

Zensus 2011: Wer nichts sagt, zahlt

Ein Ausschnitt aus dem Zensus-Fragebogen.Wie alt sind Sie? Sind Sie Mann oder Frau? Welcher Religion gehören Sie an? – Das sind nur drei der Fragen, die auch viele Nürnberger im Rahmen des „Zensus 2011“ beantworten müssen. Bundesweit gibt es schon jetzt massive Diskussionen, ob die Erhebung gegen den Datenschutz verstößt. Denn: Die Aussage verweigern darf ein Befragter nicht. Tut er es dennoch, drohen ihm bis zu 5000 Euro Strafe.
Der Zensus 2011 soll erfassen, wie groß die Bevölkerung in Deutschland ist – das Statistische Bundesamt schätzt, dass die derzeit verzeichnete Einwohnerzahl von 81,8 Millionen Menschen um 1,3 Millionen zu hoch festgeschrieben ist. Am 9. Mai 2011 beginnt die Erhebung, mit der Deutschland auch eine EU-Vorgabe erfüllt. Mit Ergebnissen wird 18 Monate später gerechnet.
Die Befragung soll helfen, Infrastrukturmaßnahmen wie die Zahl benötigter Krankenhäuser oder Schulen besser zu planen.
Im Unterschied zu einer traditionellen Volkszählung wird beim Zensus 2011 nicht jeder befragt, nur bei zehn Prozent aller deutschen Haushalte wird einer der 80 000 Interviewer vor der Tür stehen. Sie fragen die 7,9 Millionen Bürger unter anderem nach Alter, Geschlecht und den Familienstand. Hinzu kommen Angaben zur Ausbildung, zur Erwerbstätigkeit und zum Migrationshintergrund. Der Befragte muss zudem angeben, ob er einer Religionsgesellschaft angehört. Die Haushalte werden  per Zufallsprinzip ausgewählt – in Nürnberg werden  nach ersten Schätzungen rund 20 000 bis 24 000 sein – angeschrieben. Voraussichtlich 350 Interviewer wird die Erfassungsstelle für Nürnberg losschicken.
Die 17,5 Millionen deutschen Haus- und Wohnungsbesitzer müssen alle Auskunft geben, denn Immobilien wurden in Deutschland nie in einem Register erfasst. Zudem werden alle Gemeinschaftsunterkünfte wie Internate, Studierendenwohnheime, Klöster und Seniorenwohnheime erfasst, denn hier ist die Fehlerquote in den Registern besonders hoch.
Es gibt schon erste heftige Proteste: Vier Bürgerrechtler, unterstützt von 13 000 Menschen, reichten im Juli eine Verfassungsbeschwerde ein, sie sehen den Datenschutz verletzt. Hauptkritikpunkt: Die über eine Personenkennziffer erhobenen Daten lassen sich vier Jahre lang zuordnen. Sie kritisieren außerdem den Zwang, an der Befragung teilnehmen zu müssen.
Kosten wird der Zensus 2011 rund 710 Millionen Euro. Davon tragen die Länder 375 Millionen und der Bund 335 Millionen Euro. 

Claudia Urbasek

Alles zum Zensus 2011 finden Sie hier

Die Fragebögen für die Haushalte, Haus- und Wohnungsbesitzer und Gemeinschaftsunterkünfte können Sie hier sehen

Weitere Klage gegen das Rauchverbot

Christine Klever vom "Casa del Habano" will gegen das Rauchverbot klagen. Am vergangenen Sonntag musste in bayerischen Kneipen auch die letzte Zigarette ausgedrückt werden – das strikte Rauchverbot trat in Kraft. Einigen Wirten bringt das nicht nur frische Luft, sondern Existenzängste. Nach Christine Klever, Betreiberin der Nürnberger Zigarren-Lounge „Casa del Habana“ (Foto), will nun ein weiterer Wirt vor Gericht ziehen.

Eine Ausnahmeregelung will Lemir Tarek Chehab für seine „Mocca“-Bar erreichen. Der Grund: Das „Mocca“ ist eine Shisha- und Cocktail-Bar. Seinen Hauptumsatz macht der Gastronom mit Wasserpfeifen. Seit Sonntag darf er diese nur noch auf drei Tischen vor dem Lokal aufstellen. Die Gäste blieben schon jetzt aus, sagt der 41-Jährige. Bevor seine Existenz endgültig den Bach runtergeht, will er Klage beim Bayerischen Verfassungsgericht einreichen, damit die Gäste wieder in der Bar rauchen dürfen.

Im Ordnungsamt Nürnberg liefen bereits an den ersten beiden Tagen nach Inkrafttreten des Rauchverbots die Telefone heiß. Wirte suchen Hilfe bei Rechtsfragen und Anwohner beschweren sich über den steigenden Lärmpegel, der durch Raucher entsteht, die nun in vermehrter Zahl wieder vor den Kneipen stehen. „Und die Raucher laden ihren Frust bei uns ab“, sagt der stellvertretende Leiter, Robert Pollack.

Seit dem 1. August darf weder in Restaurants, Eckkneipen, Nebenräumen, Diskotheken, Bars oder Festzelten geraucht werden. Auch die Raucherclubs sind passé. Einzige Ausnahme: Bei privaten Feiern in Gaststätten darf weiter geraucht werden.

Die Kontrollbesuche in gastronomischen Einrichtungen werden aber nur sporadisch erfolgen, eine „Raucherpolizei“ werde es nicht geben, so Pollack. Wer gegen das Verbot verstößt, dem drohen Geldstrafen von 200 bis 1000 Euro. Zuvor werden die Wirte jedoch schriftlich ermahnt. Das wird wohl auch den Wirten so gehen, die in einigen Boulevard-Blättern bekanntgegeben hatten, das Verbot bewusst ignorieren zu wollen.

Zoom-Club will raus aus dem Z-Bau

nas-nz-2010-04-00081Am 9. Juli soll im Kulturausschuss über die Zukunft des Kulturzentrums Z-Bau in der Frankenstraße entschieden werden. Doch diese wird durch eine überraschende Nachricht nun noch ungewisser. Der Zoom-Club will nach Jahresende nicht mehr als Mieter im Z-Bau bleiben – selbst wenn dieser saniert werden würde.
Der Geschäftsführer des Zoom-Clubs hat genug von der ewigen Hängepartie rund um den Z-Bau. Zudem biete ihm der Z-Bau auch nach einer möglichen Sanierung kaum Perspektiven. Der Grund: Der Zoom-Club hätte keine festen Räume mehr, sondern müsste für jede Veranstaltung einen Raum mieten. In diesem Fall müsste Leinberger jedes Mal mit seinem gesamten Inventar umziehen – ein nicht zu bewältigender Aufwand. weiter lesen

Olympia: Geht die Rekordjagd zu weit?

Am Mittwochabend, beim Abfahrtslauf der Frauen, konnte dem Betrachter Angst und Bange werden, als die schwedische Skirennläuferin Anja Pärson bei ihrem schlimmen Sturz 60 Meter durch die Luft flog. Wenige Tage zuvor war erst der junge Georgier Nodar Kumaritaschwili in der Hochgeschwindigkeitsbahn, auf der die Bobfahrer und Rodler hinunterrasen, tödlich verunglückt. Eine traurige Premiere. Tote bei Winterspielen – das hatte es nämlich nicht einmal in jenen Zeiten gegeben, als die Athleten noch mit Pudelmützen Eishockey spielten oder sich von den Schanzen stürzten, wie es bisweilen in Rückblicken auf die olympischen Veranstaltungen der frühen Jahre zu sehen ist.
Es kommt der Verdacht auf, dass die Organisatoren auf der Jagd nach Rekorden und Sensationen die Anforderungen immer höher schrauben und letztlich damit die Gesundheit und sogar das Leben der Sportler aufs Spiel setzen.
Andererseits sind die Olympischen Spiele der Höhepunkt im sportlichen Kalender, und es entspricht nun mal dem Wettkampfgedanken, dass sich hier die Besten durchsetzen sollen. Und oft sind Stürze und Unfälle auch weniger schlimm, als sie zunächst aussehen. Pärson etwa zog sich zwar einige üble Prellungen zu, aber die werden schnell vergessen sein. Zumal sie kurz darauf die Bronzemedaille in der Kombination gewann.
Wir wollen von Ihnen daher diesmal wissen: Olympia: Geht die Rekordjagd zu weit? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Sollen CSU und SPD ihr Rathaus-Bündnis beenden? Mit Ja antworteten 66,1 Prozent, mit Nein 33,9 Prozent.

Ausländer kämpfen für Nürnbergs Altstadt

Das Luitpoldhaus, Teil der Stadtbibliothek, wird abgerissen. Der Abbruch des Luitpoldhauses hat begonnen, das ideologische Gefecht geht weiter. Pablo de la Riestra versteht sich so fieberhaft als Nürnberger, dass es ihm noch nicht genügt, eine Lichterkette gegen den Umbau der Stadtbibliothek auf den Plan gerufen zu haben.

Sein südamerikanisches Feuer brennt länger. Soeben hat er, lässt er die Zeitungen wissen, die Initiative „Ausländer für den Erhalt der Nürnberger Altstadt“ gegründet.

Nun ist die Altstadt derzeit gottlob nicht vom Einsturz bedroht. Es geht dem Kunstprofessor und Architekturzeichner aus Argentinien, der seit 1991 in Nürnberg wohnt, vielmehr darum, das Stadtbild „vor weiteren unsensiblen Fremdkörpern“ zu bewahren, als da wären: Citypoint, Kornmarkt, Katharinenparkhaus, Sebalder Höfe, Wirtschaftsrathaus oder – als nächster Coup in der „Ansammlung von Fehlentscheidungen“ – die geplante neue Stadtbibliothek.

Deren Proportionen würden die Altstadt wie ein wild gewordener Le Corbusier verunstalten, meint de la Riestra. Auch gegen die Entfernung der Lorenzer Dachgauben hat er in diesem Sommer schon protestiert (die NZ berichtete).

Als er Nürnberg 1979 zum ersten Mal betrat, seien ihm Tränen gekommen vor Bewunderung für den Wiederaufbau, sagt der Argentinier. Die Einheit der historischen Gebäude sei es, die alle ausländischen Besucher entzücke. „Die Stadt Nürnberg scheint aber nicht zu kapieren, warum diese Leute in die Stadt kommen.“

Hier gelangt der Mann nun zu seiner pikanten These: Ausländer wie er, meint er, würden Nürnbergs historisches Gesicht prinzipiell mehr wertschätzen als Einheimische. „Die heutigen Deutschen sind mit diesem Problem überfordert.“ In ihrem Komplex der Scham über die NS-Zeit würden sie es sich versagen, die gewachsene Ästhetik ihrer Städte zu ehren. Stattdessen: architektonische Zumutungen aus bürokratischen Bauverwaltungen, „die uns für dumm verkaufen“.
Stundenlang kann der 56-Jährige sich echauffieren über falschen Stolz von Architekten, Ohnmachtsgefühle und Medien, die ihm nach der Lichterkette Feindlichkeit gegen die Moderne zuschrieben. Dabei sei er der größte Verehrer moderner Architektur, aber nur auf geeigneten Flächen, etwa außerhalb mittelalterlicher Zentren oder in der Kunststadt Brasilia. Er hasse beispielsweise historisierende Möbel.
Aus dem Verein der Altstadtfreunde, die ja ebenfalls einiges am Bibliotheksneubau kritisieren, schert de la Riestra aus, weil sie ihm zu wenig Biss beweisen. Und wer außer ihm erinnere schon daran, dass mit dem nach dem Krieg wiederaufgebauten Luitpoldhaus jetzt die Erinnerung an den jüdischen Stifter Berolzheimer verschwinde? „Es hat Schönheit und gehört seit 50 Jahren zum Stadtbild.“
Bislang ist die Schlagkraft der „Ausländer-Initiative“ allerdings limitiert. Sie besteht nur aus ihrem Gründer, einem Mitstreiter und sechs ideellen Partnern in Spanien und Südamerika. Weil Pablo de la Riestra sich nicht der Deutschtümelei verdächtig machen will, sollen ausdrücklich nur Migranten mitmachen.

Kontakt: pablo@de-la-riestra.de

isa

Der Traum von der Grünen Welle

Sie ist der Traum eines jeden Autofahrers: die Grüne Welle. Ein Traum, der sich nur selten bewahrheitet. Oder doch?
Für einen demnächst erscheinenden NZ-Artikel wollen wir von Ihnen wissen: Fährt es sich butterweich durch Nürnberg oder muss man an jeder Ampel stehenbleiben? Und welche Kreuzung strapaziert Ihre Nerven am meisten?

sieb

Soll sich Deutschland Mondflüge leisten?

Viele Menschen landen derzeit in der Arbeitslosigkeit – Tendenz steigend. Deutschland soll 2015 auf dem Mond landen – Tendenz teuer. Das würde, verteilt auf fünf Jahre, 1,5 Milliarden Euro kosten. Da zuckt in Deutschland niemand mehr zusammen. Die Verluste der Banken haben uns gelehrt, auch viel höhere Summen gelassen zur Kenntnis zu nehmen.

Wirtschafts-Staatssekretär Peter Hintze (CDU) treibt als Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt das Projekt voran. Ein unbemanntes Mondlandefahrzeug „Made in Germany“, 40 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung, was bringt das für unser Land? Es könnte uns einen weiteren technologischen Anschluss an die Weltraumtechnik bringen. Was es uns sicher nicht bringt, sind sensationelle neue Erkenntnisse vom Mond.
Es könnte der Wirtschaft jedoch, etwa im Hinblick auf die Entwicklung neuer Technologien, positive Impulse geben. Nach den Russen und Amerikanern haben auch Japan, Indien und China den Mond schon längst neu entdeckt. Hintze selbst meint, eine deutsche Mondlandung würde auch neue Arbeitsplätze schaffen. Die Projektkosten wären damit „gut investiertes Geld“, sagte der CDU-Politiker.

Und auch die Kosten für die deutsche Mondmission sind für ihn kein Problem: „Wir haben in diesem Jahr fünf Milliarden für die Abwrackprämie von alten Autos mobilisiert, dann werden wir für fünf Jahre vielleicht auch 1,5 Milliarden hinkriegen“.
Das ist natürlich teurer als das Märchen „Peterchens Mondfahrt“. Aber als der Maikäfer Sumsemann bei der Leipziger Uraufführung im Dezember 1912 aufbrach, um sich vom Mond sein verlorengegangenes sechstes Beinchen zu holen, war der Mond technologisch noch Lichtjahre von uns entfernt.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll sich Deutschland Mondflüge leisten?

Geben Sie Ihr Votum unter http://www.nz-online.de ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Sollen die Anstoßzeiten wieder einheitlich sein? Mit Ja antworteten 86,6 Prozent, mit Nein 13,4 Prozent.

Gibt es bald keine Gaukler mehr auf dem Bardentreffen?

Zahlreiche Zuschriften erreichten die NZ-Lokalredaktion nach dem Bardentreffen. Das Thema, das die meisten Leser umtrieb, war die Reaktion der Stadt auf die Kleinkünstler, also die Nichtmusiker, darunter viele Jongleure. Die NZ hat darüber noch einmal mit Bardentreffen-Organisator Karl-Heinz „Charly“ Fischer gesprochen.

Zur Vorgeschichte: Bereits am Freitag, zu Beginn des 34. Bardentreffens, waren die Aufführungen einiger Jongleure vom Ordnungsdienst der Noris-Arbeit (Noa) abgebrochen worden. Der Ordnungsdienst, dessen Befugnisse über Ermahnungen nicht hinausreichen (siehe nebenstehenden Artikel), drohte den Gauklern bei Zuwiderhandlung mit Polizei und in der Folge einem Bußgeld von 250 Euro.
Am Samstag eskalierte die Situation, die Gaukler machten mit Plakaten auf die Vertreibungen aufmerksam. Einige von ihnen beklagten, sich vorher beim Liegenschaftsamt erkundigt zu haben, ob sie auftreten dürfen. Eine schriftliche Genehmigung hatten sie, trotz Nachfrage, nicht bekommen. Auf diese beharrten jedoch die Noa-Mitarbeiter. Am Ende wurde im Beisein von Organisator Charly Fischer und der Polizei entschieden, dass Nichtmusiker nur noch zwischen Weißem Turm und Karolinenstraße auftreten dürfen.
Über diesen Umstand zeigte sich unter anderem Matthias Romir enttäuscht. Der Jongleur äußerte sich in einem Schreiben an die NZ: „Ich trete seit zehn Jahren immer auf dem Bardentreffen auf, wenn ich Zeit habe. Das Fest lebt von dem, was abseits der großen Bühnen passiert, und ich halte es für ganz fatal von den Organisatoren, zu versuchen, zu reglementieren, was es dort zu hören und zu sehen geben soll und was nicht. Der Kompromiss, Kleinkünstler dürften nur in der Karolinenstraße auftreten, ist für mich keine Lösung, da dort kaum Festivalbesucher sind.“ Zahlreiche Besucher des Bardentreffens hätten sich empört gezeigt, als sie von den Auftrittseinschränkungen hörten. „Sie sagten, dass gerade die Kleinkünstler das Bardentreffen so abwechslungsreich machen.“
Ähnlich äußert sich auch Leserin Christine Weber: „Unverständlich ist, dass eine über Jahre gewachsene Tradition der Kleinkunst jetzt plötzlich verboten werden muss. Dies wirkt in unseren Augen der Familienfreundlichkeit des Bardentreffens entgegen.“ Besonders für Eltern mit kleinen Kindern seien die Gaukler eine willkommene Abwechslung.
Es seien inzwischen zu viele Nichtmusiker, beklagt hingegen Organisator Charly Fischer. Die Stadt könne nicht mehr verkraften. Zu häufig würden sich die Kleinkünstler nicht an die ausgewiesenen Zonen halten. Zudem brauchten sie häufig mehr Platz als die Musiker und versperrten so Rettungswege. Außerdem sei das Bardentreffen kein Gauklerfest. „In Bamberg gibt es ein eigenes Festival dafür. Es klagen auch Musiker, dass zu viele Gaukler beim Bardentreffen sind.“
Dass schriftliche Auftrittsgenehmigungen helfen könnten, glaubt Fischer nicht: „Die meisten halten sich ja an die Vorgaben, aber es gibt immer wieder welche, die sich einfach irgendwo hinstellen.“
Ob im kommenden Jahr Kleinkünstler zugelassen werden, ist noch nicht klar. „Wir werden uns mit Polizei, Ordnungsamt und Stadtwacht zusammensetzen und überlegen, was zu tun ist.“ Die Sicherheit und das Durchkommen habe Vorrang. Notfalls bleibe nur ein Verbot: „Das Musikfest darf nicht an den Gauklern scheitern.“

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