Club-Stadion EasyCredit verliert Namenssponsor

Ungeliebter Name easyCredit - aber er brachte viel Geld. Die Begegnung Öffentlichkeit gegen Teambank geht in die Verlängerung – für ein Jahr. Das Unternehmen wird dem Nürnberger Stadion den ungeliebten Namen seines Vorzeigeprodukts easyCredit noch bis zum 30. Juni 2012 verkaufen. Doch dann spielt der Konzern nicht mehr mit. Es sei denn, die Bevölkerung freundet sich endlich mit dem easyCredit-Stadion an.

Die Entscheidung stößt auf unterschiedliche Resonanz: Erleichtert ist die Stadt und ist der Club, dass die Teambank die Betreibergesellschaft nicht schon zur Jahresmitte 2011 – dann läuft der Vertrag aus – hängen lässt. Der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Alfred Diesner, ist aber vor allem eins: traurig. „Ich finde es schade, dass das Engagement der Bank für den Club von der Öffentlichkeit nicht gewürdigt wurde.“
Die Teambank investiert pro Jahr einen höheren sechsstelligen Betrag, damit das Stadion nach ihrem Produkt benannt wird. Sollte der wegfallen oder sollte sich nur ein Sponsor finden, der weniger bezahlt, befürchtet auch der Club Konsequenzen: Ralf Woy, Finanzvorstand des 1. FCN, geht davon aus, dass die Stadt den Verlust durch eine Erhöhung der Miete kompensieren wird. „Wir können aber nicht mehr bezahlen. Wir sind schon an der Schmerzgrenze und werden sicher keine Spieler verkaufen, um die Miete begleichen zu können.“ Bis 30. Juni 2013 entrichtet der Club noch pro Saison drei Millionen Euro Miete. Danach wird neu verhandelt.
2006 waren 52 Millionen Euro in den wegen der Fußball-Weltmeisterschaft nötigen Stadionumbau geflossen, von denen Stadt und Freistaat je die Hälfte schulterten.
Um diese kreditfinanzierte Summe zurückzahlen und die Zinsen stemmen zu können, braucht die Stadt die Pacht, die die 2005 gegründete Betreibergesellschaft überweist. Die Betreibergesellschaft wiederum – in ihr sitzen als Gesellschafter die Firma Hochtief (74,9 Prozent) und die Stadt (25,1) – ist auf die Einkünfte aus der Vergabe der Namensrechte angewiesen. Nur mit diesen Geldern kann sie eine Pacht aufbringen, die so hoch ist, dass die Stadt Tilgung und Zinsen finanzieren kann.
Der Streit um den Namen schwelt schon lange. Angeheizt wurde er vor allem vom Verein Deutsche Sprache (VDS) und der Senioren-Initiative. Doch auch sie waren nun an den Gesprächen hinter den Kulissen beteiligt. Dementsprechend ist nun auch die Reaktion des VDS: „Es ist beruhigend, wenn Volkes Stimme doch noch gehört wird“, sagt Annette Scheil, stellvertretende Regionalvorsitzende des VDS. Ja, sie freue sich über das Einlenken des Sponsors, aber ohne jede Schadenfreude, betont sie. Ihnen als Sprachfreunden sei es stets nur um das „hässliche, dämliche, schwachsinnige“ halb-englische Wort „easyCredit“ gegangen, erklärt Scheil.
Oberbürgermeister Ulrich Maly hat dafür begrenztes Verständnis: Ein Sponsor aber werde kaum aus purer Selbstlosigkeit und Club-Liebe seinen Namen hergeben – er will vom Geschäft profitieren. Und Sponsoren sind in Zeiten wie diesen schwer zu finden, pflichtet Sportbürgermeister Horst Förther bei.
kawa/isa/M.P./jabs/cur

Zur Geschichte des Stadions gibt es hier Bilder und Infos:

http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/als-das-nurnberger-stadion-einmal-victory-stadium-hiess-1.236391?article=1.371103&gallery=1.236391

Haben Sie Verständnis für den Ärztestreik?

urn:newsml:dpa.com:20090101:100520-10-11055Der Ärztestreik an kommunalen Krankenhäusern geht in die vierte Woche, auch am Nürnberger Klini­kum. Wer dort nicht gerade zu einer Operation antreten will, merkt nichts davon. Es ist ein kaum sicht­barer und dennoch brisanter Streik. Ein Ende ist noch nicht abzusehen.
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Soll Nürnberg ein Sozialticket einführen?

Viele deutsche Städte streiten darüber: Ist ein Sozialticket, das Sozialleistungsempfänger im Personennahverkehr stark begünstigt, eine gerechte Sache? In Nürnberg müssen sich die Stadträte einig werden, seit eine Interessensgruppe den Wunsch nach der Sondermonatskarte im vergangenen Jahr mit Demonstrationen und 12.000 gesammelten Unterschriften untermauert hat.
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Soll man die Zeppelintribüne verfallen lassen?

Erbe bröckelt. Speziell die Steintribüne von 1935, auf der der Nazi-Diktator die Besuchermassen der Reichsparteitage begrüßte, ist baufällig. Ein Zaun schirmt sie seit Sommer ab; letztes Jahr erhielt sie Notdächer gegen weitere Frostschäden. Millionen wird die nächste Instandsetzung verschlingen, die angesichts herabfallender Fassadenteile dringend ansteht. Wenn die Zeppelintribüne wieder als Gedenkstätte erschlossen werden soll, müssen die Besucher in Sicherheit sein. Auch das Freizeitpublikum am Dutzendteich belegt die Stufen gern.
Der Investition in die Pädagogik steht die Alternative gegenüber, die düsteren Geschichtszeugnisse auf dem Zeppelinfeld ohne Zutun dem endgültigen Verfall auszusetzen und sie so gewissermaßen als siechende Erinnerung zu behandeln. Man könnte einen noch größeren Zaun herumziehen und die Zeit daran nagen lassen. Abgesperrte Ruinen als Ausdruck von Abscheu vor der architektonischen Botschaft – zuletzt hat die Nürnberger ÖDP diesen alten Vorschlag des ehemaligen Kulturreferenten Hermann Glaser wieder aufgewärmt.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll man die Zeppelintribüne verfallen lassen? Geben Sie Ihr Votum bitte auf der NZ-Startseite  ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Gehen Sie trotz Krise zum Volksfest? Mit Ja antworteten 66,8 Prozent, mit Nein 33,2 Prozent.

Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden?

Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“ Nicht nur Wortverliebte wie die Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache würden jubeln, stünde dieser Passus eines Tages im Artikel 22 des Grundgesetzes. Dass die CDU diese Idee jüngst auf ihrem Parteitag durch einen Beschluss untermauerte, begrüßen auch alle, die sich nach einem politischen Bekenntnis zur viel beschworenen „kulturellen Identität“ sehnen. Sie halten dies für ein gesundes Maß an Patriotismus und sehen die dümmsten Anglizismen schon ausgerottet.

Andererseits ist Deutschland kein afrikanischer Staat, der an höchster Stelle Klarheit im Nebeneinander verschiedenster Verkehrs- und Amtssprachen schaffen müsste. Warum also sich um diese Nebensächlichkeit kümmern? Und welches Deutsch wäre eigentlich gemeint? Das alemannische, das fränkische, das Hannoveraner oder auch das Straßendeutsch der türkischen Jugend? Bis heute haben sich alle diese Sprecher immer verständigen können, wenn sie einander begegnen. Ausländer lernen dann gut Deutsch, wenn ihre Lehrer gut und die Wohnviertel intakt sind, nicht weil das Gesetz es als Landessprache erwähnt.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll Deutsch im Grundgesetz verankert werden? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Soll der Solidarzuschlag abgeschafft werden? Mit Ja antworteten 70,5 Prozent, mit Nein 29,5 Prozent.

Soll Nürnberg Kunstwerke verkaufen?

Depots_d.JPGNürnberg  ist reich. Leider nicht an Geld, dafür aber an Kunstwerken und historischen Wertgegenständen. Und die wiederum sind arm dran: Zum größten Teil lagern sie bei schädlichem Klima in völlig ungeeigneten, überfüllten Depots. Ihr Verfall ist teilweise nur eine Frage der Zeit. Da jedes städtische Museum den Auftrag hat, auch aktuelles Kulturgut in der Hoffnung auf Wertsteigerung für die Nachwelt aufzuheben, wird beständig weiter gesammelt. Allein die Gemälde- und Skulpturensammlung umfasst jetzt schon 120.000 Objekte.

Die Schaffung eines modernen Zentraldepots, wie es München gerade plant, wäre eine Lösung – eine millionenschwere. Ist sie vertretbar in einer Stadt, die als drängendste Probleme Jugendarbeitslosigkeit, Kinderbetreuungslücken und einen Schuldenberg von fast einer Milliarde Euro herumschleppt? Müsste eine Kommune nicht auch ihr „Tafelsilber“ gewinnbringend für die Allgemeinheit einsetzen? Es muss kein Ausverkauf der Dürers werden, aber vielleicht eine sanfte Entschlackungskur für die Depots. Solvente Privatsammler für jede erdenkliche Art von Kunst gibt es auf der ganzen Welt.

Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Soll die Stadt Kunstschätze verkaufen? Ab Montag können Sie hier abstimmen.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Kaiserburg: Soll die Bayern-Fahne weg? Mit Ja antworteten 45,9 Prozent, mit Nein 54,1 Prozent. Die Digitalkamera hat Margarete Meier aus Nürnberg gewonnen. In dieser Woche verlosen wir unter den Teilnehmern an der Leserfrage ein Standfeuer.

Die Angst in der U-Bahn

Kurz vor dem AngriffKeine Frage, der Angriff war nicht nur brutal, sondern verabscheuungswürdig. Zwei junge Männer schlugen einen Rentner in der Münchner U-Bahn k.o., im Grunde einfach so. München ist nicht weit von Nürnberg, und das mulmige Gefühl, dass Ähnliches einmal am Scharfreiterring oder in Schoppershof passieren könnte, legt sich nicht so leicht.

Die schwere Frage daran ist eher: Wie soll es im noch jungen Leben der Täter weitergehen? „Halt wegsperren“, fordern viele Menschen. Noch will unser Gesetz aber mit dem Jugendstrafrecht vor allem Erziehung und Besserung ermöglichen. Mit einem größeren Strafrahmen, so steht zu vermuten, wäre vielleicht so manches Politikergewissen beruhigt. Aber würde sich damit auch nur irgendetwas ändern an der Bildungsarmut und den Integrationspannen, durch die Täter wie die Münchner fast immer zuvor geschritten sind? Dass die Täter ausländischer Herkunft sind, macht die Debatte über die Behandlung Nachwuchskrimineller nicht eben vorurteilsfreier. Aber lassen sich Wählerstimmen wirklich durch Forderungen nach „Erziehungslagern“ kaufen?

Unsere Leserfrage der Woche: Braucht es härtere Strafen für jugendliche Gewalttäter?Abstimmen können Sie wie immer über den Link rechts unten auf der NZ-Homepage.

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Mutterglück mit 64

Was ist denn schon normal in unserer Welt? Die Deutschland-Nachrichten vermitteln in den letzten Wochen durch eine seltsame Häufung fast den Eindruck, es sei normal, dass überforderte Eltern ihre Kinder kurzerhand umbringen. Warum sollte es da weniger normal sein, dass eine 64-Jährige ein Kind zur Welt bringt, mit einer Lebensfreude ganz gegensätzlich zu diesen Horrorgeschichten?

Die Frau aus Unterfranken und ihr ebenso alter Mann dürften ihre kleine Tochter mit einer Elternliebe bedenken, von der viele andere Kinder nur träumen können. Sie haben ihre Sehnsucht nach einem Kind lange genug mit sich herumgetragen, sie haben sich für die Zeugung im Reagenzglas entschieden, und sie wissen, dass sie nicht das ewige Leben haben – also: Jetzt oder nie!

Aber schon jetzt regen sich für das Kind unnötigerweise viele andere Menschen auf. Das Ärmste, schimpfen sie, es wird ständig für seine Großeltern-Eltern gehänselt werden und mutwillig früh verwaisen. Als ob sich nicht der Großteil aller Kinder ständig für irgendwelche Defekte seiner Eltern rechtfertigen müsste! Für Alkoholismus, Scheidung, Arbeitslosigkeit, Krankheiten, Halbgeschwister, Lebenslügen. Dann doch lieber einfach nur alt.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: Schwangerschaft mit 64 – Ist das ethisch bedenklich? Abstimmen können Sie wie immer über den Link rechts unten auf der NZ-Homepage.