Brauchen die Bauern Dürrehilfen?

Wegen der wochenlangen Dürre in vielen Regionen Deutschlands können die Landwirte auf staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro zählen. Allein in Mittelfranken könnten bis zu 5000 Betriebe betroffen sein, hat der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Günther Felßner, kürzlich im NZ-Gespräch gesagt.

Bund und Land teilen sich die Summe. Die Hitzewelle sorgte dafür, dass bis zu 10000 Betriebe in ihrer Existenz gefährdet sind – noch mehr, als im Jahr 2003, als der Bund letztmals Dürrehilfen zahlte. Insofern scheint es verständlich, dass der Bund einschreitet und den Bauern hilft.

Kritiker aber sagen, dass die Gelder vor allem Großbetrieben zugutekämen, die zu sehr ins Risiko gegangen seien. Wer solide wirtschaftet nach dem Motto „Eine Ernte im Feld, eine im Lager, eine auf der Bank“ überlebe auch diese außergewöhnliche Hitze. Große Unternehmen, die in schnelles Wachstum investiert hätten, kämen dagegen nun in die Bredouille und würden daher die Hilfen beantragen. Außerdem, so die Kritiker, senkten die Hilfen den Druck auf die Bauern, selbst die Initiative zu ergreifen und ihre Betriebe besser auf den Klimawandel einzustellen.

Marco Puschner

Brauchen die Bauern Dürrehilfen?

Kann der 50-Millionen-Kredit Quelle retten?

Wer 50 und älter ist, wird sich noch gut daran erinnern, wie gespannt man in den sechziger und siebziger Jahren auf den neuen Quelle-Katalog gewartet hat. Internet gab es noch nicht und auf den Katalogseiten konnten Dinge entdeckt werden, die normale Geschäfte nicht im Angebot hatten und manche Augen zum Glänzen brachten. Der Quelle-Katalog konnte Sehnsüchte wecken, die der Einzelhandel vor Ort nicht stillen konnte. Für Jüngere mag diese Erinnerung seltsam klingen und genauso weit weg sein, wie zu sechst im VW-Käfer in den Urlaub fahren. Positive Erinnerungen allein sind aber ein schlechter Ratgeber.
Die großen Versandhäuser haben die Entwicklung im Einzelhandel verschlafen: Sie haben zwar viel im Angebot, doch im Speziellen sind sie nie detailliert genug. Sie generieren zwar viel Umsatz, doch kostet ihre aufwändige Logistik auch viel Geld.
Der Karstadt-Quelle-Konzern hat aufgrund von Management-Fehlern zu spät mit einer Neuausrichtung begonnen und steckt deshalb tief in der Krise. Nach langem politischem Tauziehen wurde ein Kredit gewährt, um einen Neuanfang möglich zu machen. Davon profitieren Tausende in der Region, weil ihre Arbeitsplätze vorerst erhalten bleiben und ein Neuanfang für den Versender möglich ist. Andere Firmen, die besser gewirtschaftet haben, ärgern sich allerdings darüber, dass die Konkurrenz mit staatlichen Krediten am Leben erhalten wird.
Wir wollen deshalb von Ihnen wissen: Kann der 50-Millionen-Kredit Quelle retten? Geben Sie Ihr Votum bitte unter http://www.nz-online.de ab.
Die Frage der vergangenen Woche lautete: Vernachlässigt die Stadt ihr historisches Erbe? Mit Ja antworteten 77,5 Prozent, mit Nein 22,5 Prozent.

Ist der Kapitalismus am Ende?

Die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt zeigen, wo es langgeht: Es geht bergab. Wir alle blicken in den Abgrund eines außer Kontrolle geraten Systems. Auch hier in Nürnberg ist zu befürchten: Die heile Welt des verkaufsoffenen Sonntags mit gut gelaunten und kauflustigen Menschen wird sich nicht lange halten.
Die Aussagen unserer Politiker im Zeitraffer: „Die schlimmste Krise seit Jahren.“ „Die schlimmste Krise seit Jahrzehnten.“ „Die schlimmste Krise seit 1945.“ Dass dies also die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg ist, war wortgetreu erst nach Ablauf einer Schamfrist zu hören.

Fassungslos sehen die Menschen ratlose Experten im Fernsehen oder lesen entsetzt die neuesten, abgrundtief schlechten Nachrichten in der Zeitung. Kaum vorstellbare Milliardenbeträge verschwinden in einem schwarzen Loch. Auch in Deutschland stehen etliche Banken vor dem Bankrott. Und unsere Politiker pumpen Milliarden Euro in eine völlig außer Kontrolle geratene Branche. Immer mehr Unternehmen werden flügellahm – immer mehr Angestellte verschwinden heulend in der Toilette. . .
Berufsoptimist Alan Greenspan bejammert die „schlimmste Krise seit 1929“. Finanzminister Steinbrück entdeckt plötzlich wieder „Licht am Ende des Tunnels“. Dann stellt sich heraus, dass es ein entgegenkommender Zug war! Es schafft sich die üble Ahnung Raum, dass dies nicht der letzte entgegenkommende Zug war. Bei dieser Achterbahnfahrt wird den meisten Menschen schwindlig.

Der weltweite Kollaps der Finanzsysteme ist bei uns noch gar nicht angekommen. Wir haben „das dicke Ende“ dieser Finanzkrise noch lange nicht erreicht. Aber schon jetzt stellen sich viele die Frage: Ist das der Anfang vom Ende – das Ende des Kapitalismus? Das kommt nicht von ungefähr: Auffallend oft tauchen die Begriffe „regulieren“ und „verstaatlichen“ auf. Politiker, ja sogar die Banker – hochnotpersönlich – können sich plötzlich eine Teilverstaatlichung großer Banken vorstellen.
So nähern wir uns – angeschoben von einer langen Kette schlechter Wirtschaftsnachrichten – schrittweise der Frage: Ist der Kapitalismus, wie wir ihn kennen, am Ende? Bei allem aktuellen und künftigen Elend darf man dabei aber nicht aus dem Blickfeld verlieren: Viele Millionen Menschen haben in und mit diesem System am Wohlstand teilgenommen. Und es ist fraglich, ob diese umfassenden Errungenschaften von einer auch noch so gravierenden Finanzkrise nachhaltig zerstört werden kann.
In unserer Leserfrage der Woche wollen wir deshalb diesmal von Ihnen wissen: Ist der Kapitalismus am Ende? Geben Sie Ihr Votum bitte hier ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Unterrichtsbeginn erst um 9 Uhr? Mit Ja antworteten 30 Prozent, mit Nein 70 Prozent.

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Trauen Sie den Banken noch?

Zusammen.JPGOb ein Ereignis eine Zeitenwende bedeutet, können die Menschen in aller Regel nur mit zeitlichem Abstand erkennen. Bei der Krise der Finanzmärkte war man sich aber gleich ihrer epochalen Bedeutung bewusst Wenn allein Amerika 700 Milliarden Euro zur Beseitigung der schlimmsten Verwerfungen zur Verfügung stellt, dann kann man nicht mehr anders als von einer Zeitenwende bei den Finanzmärkten sprechen. Finanzminister Peer Steinbrück nahm in der vergangenen Woche kein Blatt vor den Mund, als er sagte, die Welt werde nicht mehr wieder so werden, wie vor der Krise.
In Zeiten der Globalisierung haben amerikanische Finanzkrisen auch auf Deutschland Einfluss. Da überweist schnell mal eine Bank in Frankfurt noch 300 Millionen Euro in ein Pleiteunternehmen nach New York. Das Wirtschaftswachstum wird hierzulande wegen der leichtfertigen und großzügigen Kreditvergabe amerikanischer Banken nachlassen und damit alle treffen. In Deutschland wird der Finanzmarkt stärker reglementiert und die Verbraucher sind besser geschützt, trotzdem haben viele Banken bei ihren US-Geschäften sehr viel Geld verloren. Etliche Kunden haben deshalb ebenfalls Einbußen erlitten. Kunden wollten deutliche höhere Gewinne in den letzten Jahren bei ihren Finanzanlagen haben und Banken haben gerne Kundschaft mit hohen Gewinnen und zum Teil dubiosen Produkten angelockt. Das geht nur gut, wenn man ein hohes Risiko auf den Finanzmärkten eingeht. Bei der NZ-Leserfrage wollen wir deshalb von Ihnen wissen: Trauen Sie den Banken noch? Abstimmen können Sie (ab Montag) hier. Kommentare zur Leserfrage können Sie, wie immer, ebenfalls abgeben (einfach unter diesem Beitrag rechts auf „Kommentare“ klicken).

Die Frage der vergangenen Woche lautete: Braucht Nürnberg mehr Radwege? Mit Ja antworteten 62,5 Prozent, mit Nein 37,5 Prozent. fis