Ein Zelt für Nachtschwärmer auf dem Volksfest?

Hermann Murr war schon immer für eine Überraschung gut. Diesmal hat der erfahrene Gastronom sogar langjährige Weggefährten, die ihn gut kennen, verdutzt: Im Juli kündigte der 65-Jährige das „Aus“ für sein Vorzeigeunternehmen „Rock-Zelt“ (Foto: Eduart Weigert) auf dem Volksfest an. In dieser Woche jedoch kam der Abschied vom Abschied: Das Zelt, das vor allem die jüngere Generation magisch anzieht, soll beim Frühlingsfest 2016 ein letztes Mal für Furore sorgen.
Gleichzeitig mit dieser Ankündigung warf Murr einen weiteren Hut in den Ring: Wenn das gastronomische Gefüge des Volksfestes ab 2017 neu geordnet wird, würde er gerne mit einem neuen Musikzelt-Konzept in den Ring steigen. Zu dessen Kerngedanken gehört, dieses Zelt an die Große Straße zu rücken und dessen Betrieb nach dem Volksfest-Zapfenstreich nachts noch etwas weiterlaufen zu lassen.
Murr argumentiert mit dem Ausgeh-Verhalten der jungen Generation, das sich ja spätestens mit dem Wegfall der behördlichen Sperrstunde sehr verändert hat. Spät weggehen, in den Morgenstunden heimkehren, lautet die Devise. Wenn Angebote wie das Rock-Zelt um 23 Uhr (freitags und samstags um 24 Uhr) schließen müssten, rechne sich das nicht mehr, sagt Murr.
Auf der anderen Seite gibt es die Anwohner des Dutzendteichs, die seit vielen Jahren unter einer immer größeren Flut von lärmintensiven Veranstaltungen leiden. Das Autorennen, Rock im Park, die regelmäßigen Club-Heimspiele und viele weitere Events gehören dazu. Wenn dann noch zum Frühlings- und zum Herbstvolksfest – also vier Wochen im Jahr – nächtlicher Party-Sound über den Dutzendteich donnern würde, könnte dem einen oder anderen Anwohner endgültig der Kragen platzen. Schon einmal war das Verwaltungsgericht in Ansbach mit der Veranstaltungsflut im Dutzendteich-Areal befasst. Damals gelang es den Schaustellern, eine gütliche, außergerichtliche Einigung mit den Anwohnern zu erzielen.

 

Tilman Grewe

 

Ein Zelt für Nachtschwärmer auf dem Volksfest?

 

Fehlt Gastronomie am Wöhrder See-Strand?

Die Füße in den Sand stecken, eine kalte Brise spüren, dem Rauschen des Wassers lauschen. Für das richtige Urlaubsfeeling an einem heißen Sonnentag fehlt nur noch: ein eiskalter Cocktail in der Hand. Während das meiste davon für die Nürnberger mit dem Sandstrand bei der Wasserwelt Wöhrder See bereits in Erfüllung gegangen ist, bleibt dem Strandbesucher sein Wunsch nach Erfrischung noch verwehrt. Nicht nur, weil er sich den Sprung ins kühle Nass verkneifen muss, sondern auch weil er kein frisches kühles Nass die Kehle runterspülen darf. Gespült wird auch bei den wenig einladenden Dixi-Klos nicht, die zur Zeit als Toiletten-Ersatz herhalten müssen.

Schließlich bietet das Naherholungsgebiet bisher kaum Gastronomie, an der sich die Besucher laben könnten. Stimmen werden laut, die ein gemütliches Plätzchen zum Verweilen mitsamt Imbiss vermissen. Das Café Seehaus in der Veilhofstraße beispielsweise sei ihnen zu weit weg und auch der vorhandene Kiosk bietet nur kleine Kost. Die Stadt veröffentlichte jüngst eine Stellenanzeige, in der sie einen Mieter oder Investor für das „privat zu finanzierende Gastronomie-Projekt am Sandstrand“ sucht, das „einen eingeschossigen Baukörper mit einer Grünfläche von etwa 200 Quadratmetern“ vorsieht. Bis ein Mieter tatsächlich gefunden und das Lokal gebaut ist, soll es immerhin bis Ende 2016 dauern. Selbst Bürgermeister Christian Vogel findet: „Das ist tatsächlich eine lange Zeit.“ Ein Trost ist da vielleicht, dass sich der künftige Gastronom und die Gäste nicht mehr vor Wildgänsen fürchten müssen, die die Terrasse verdrecken.

Meike Ledermann

Gastronomie für den Strand am Wöhrder See?

Trübt das Rauchverbot die Bierzelt-Stimmung?

Lokales-festzeltwirtKAINZDas Frühlingsvolksfest am Dutzendteich musste in den ersten Tagen mit dem wenig frühlingshaften Wetter zurechtkommen. Die Festwirte müssen sich erstmals mit dem Mindestlohn herumärgern und weiterhin mit dem Rauchverbot in Bierzelten leben. Die Raucher müssen draußen ihrer Leidenschaft nachgehen und sich – zumindest bei den noch eher winterlichen Temperaturen – einen abfrieren. Wo bleibt bei so viel „muss“ und „darf nicht“ die gute Stimmung?
Bei den Nichtrauchern vielleicht? Die sind doch wohl zufrieden, dass die Nachwehen früherer Besuche in rauchigen Bierzelt-Spelunken endlich Vergangenheit sind, oder? Kopfweh am Tag danach kann jetzt höchstens noch die Folge von zu viel Bier- oder anderem Alkoholgenuss sein. Das lästige Passivrauchen und unfreiwillige „Mitstinken“ liegt hinter ihnen.
Doch an manchen Biertischen will die Laune trotzdem nicht so überschäumen wie das Bier. Da gibt es zum Teil ein Männleinlaufen wie sonst nur auf der Frauenkirche am Hauptmarkt – und nicht nur einmal am Tag respektive Abend. Das Kommen und Gehen der Raucher will gar kein Ende nehmen. Sie verschwinden meist gleich grüppchenweise, weil gemeinschaftliches Ziehen am Glimmstängel den Spaßfaktor um ein Mehrfaches erhöht.
Die Nichtraucher müssen dann warten, bis sie die heißen Diskussionen – etwa um den unglückseligen „Club“ – mit den anderen weiterführen können. Wenn es dumm läuft, haben die Qualmköpfe das Thema vor der Tür schon längst gewechselt, und nun muss man bei Rückkehr der Tischnachbarn erst mal sondieren, wovon eigentlich inzwischen die Rede ist. Auch Witze, die nach einer Maß (oder mehreren) die Runde machen, werden erst so richtig lustig, wenn man sie unter Nikotingenuss (zu Ende) erzählt. Die Nichtraucher verpassen dann womöglich die Pointe.
Das Rauchverbot kann sich also durchaus zum Stimmungskiller entwickeln. Zum Beispiel auch wenn man nur mit wenigen Bekannten unterwegs ist und allein drinnen zurückbleibt, während sich die anderen draußen amüsieren. Oder wenn sich zufällig nur Raucher zum Volksfestbesuch treffen, die ihren Platz besetzt finden, sobald sie die Zigaretten ausgemacht haben und ins Zelt zurückkommen.

In unserer Frage der Woche möchten wir deshalb von Ihnen wissen:

 

Trübt das Rauchverbot die Bierzelt-Stimmung?

                                                                                                                                              Ute Wolf