Christkindlesmarkt: Soll er verlängert werden?

Alle Jahre wieder wirft der gute alte Christkindlesmarkt Fragen auf. Ist er schön genug für die Konkurrenz? Könnte er zum Beispiel noch schöner werden, wenn er länger dauerte? Zielgruppen für eine längere Betriebszeit bis zum Jahresende gäbe es durchaus. Da sind die Nürnberg-Touristen, die heute zwischen Heiligabend und Silvester nur tote, verhüllte Buden vorfinden. Und da sind die Einheimischen, die im Advent mal wieder viel zu gehetzt für einen beschaulichen Bummel waren. Man kennt das: Als Durchschnitts-Berufstätiger steckt man bis Weihnachten knietief in Arbeit, schafft es gerade mal auf einen Glühwein zum Markt. In der Woche zwischen den Jahren hätte man plötzlich Luft.

Die Mehrzahl der deutschen Weihnachtsmärkte schließt noch immer spätestens an Heiligabend. Doch seit vielen Jahren halten etliche Städte ihre Märkte bis zum 30. Dezember offen: Dortmund, Duisburg, Mönchengladbach, Lübeck, Schwerin und Magdeburg beispielsweise – offenbar mit guten Erfahrungen. Auch in Hamburg und Berlin dauern einige Märkte bis zum Jahresende.
Die Gegner einer Ausweitung weisen freilich darauf hin, dass ein Weihnachtsmarkt in die Vorweihnachtszeit gehört. Auf dem Nürnberger Markt wird traditionell sehr viel Weihnachtsschmuck verkauft – braucht das nach den Festtagen noch jemand? Das christliche Fest setzt den überfälligen Schlusspunkt für den Rummel und Kommerz. Die Klage darüber ist übrigens schon mindestens 400 Jahre alt. In der Chronik der Nürnberger Altstadtkirche St. Sebald beklagte im Jahr 1616 Pfarrer Lüder am Heiligen Abend, dass er die Vesper- und Nachmittagspredigt ausfallen lassen musste, weil „wegen des Einkaufens zum Kindleinsbescheren keine Leut vorhanden gwest“. Andererseits: Vielleicht wären diese Einkäufer in die Kirche gegangen, wenn sie den Markt noch ein paar Tage länger hätten besuchen können?

Isabel Lauer

Christkindlesmarkt: Soll er verlängert werden?

Sollte auch ein Mann Christkind sein dürfen?

Eines vorweg: Auch 2015 hat nie­mand die Absicht, ein männliches Nürnberger Christkind auszurufen. Aber die Frage, warum das eigent­lich nicht möglich sein sollte, bleibt ein kurioser Streitgegenstand.
Seit seinem ersten Auftritt 1933 wird die prominente Weihnachts­figur von Frauen dargestellt, zu­nächst von Schauspielerinnen, seit 1969 von Laien-Darstellerinnen, Mädchen, die im zweijährigen Tur­nus gewählt werden. Nur ein Mal, 1993, reichte ein junger Mann seine Bewerbung ein. Der Nürnberger Stefan Thor (Foto: Wilhelm Bauer), damals 22 Jahre alt, lange blonde Locken tragend und von Beruf Schriftsetzer, empfahl sich dem Rathaus als rundum geeig­net – und verwies darauf, dass Got­tes Sohn schließlich ein Junge war. Der Mann machte sich damit zum Stadtgespräch. Von der Jury abge­lehnt, trat er am Tag der Christ­kindlesmarkteröffnung und bei weiteren Adventsterminen als „das wahre Christkind“ eigenmächtig im Engelsgewand auf, freilich halb sati­risch zu verstehen.
Der Spaßaktion lag eine Begriffs­unschärfe zugrunde: Was ist das „Christkind“? Wörtlich genommen, mag es sich um das Christuskind in der Krippe handeln, von dem die Weihnachtsgeschichte der Bibel erzählt. Im volkskundlichen Sinn hingegen existiert seit Jahrhunder­ten ein zweites Christkind: ein Weihnachtsengel, der den Kindern Geschenke bringt. Mit Jesus hat die Figur, die in Süddeutschland, Öster­reich und der Schweiz den Weih­nachtsmann ersetzt, höchstens indi­rekt etwas zu tun. Auf dieses Christ­kind beruft sich die Nürnberger Tra­dition. Obwohl Engel ikonografisch kein Geschlecht haben, haben es die Christkindlesmarktmacher auto­matisch
weiblich interpretiert. Nun sind mehr als 80 Jahre danach so manche Rollenbilder aufgebrochen. Gäbe man also acht, dass das Erscheinungsbild nicht nach Trans­vestit aussieht, könnte sicher auch ein Christkind mit breiteren Schul­tern und tieferer Stimme auf seiner karitativen Besuchstour Freude ver­breiten. Auch wenn der Traditions­bruch Nürnberg garantiert viel Spott einbrächte. Wir finden: Es ist Zeit für ein Stimmungsbild.

Isabel Lauer

 

Sollte auch ein Mann Christkind sein dürfen?

Im Advent: Zu viele Buden in der Innenstadt?

Innenstadt NürnbergDer Nürnberger Christkindlesmarkt ist weltberühmt, doch so mancher Tourist glaubt vermutlich, dass er sich auf die gesamte Innenstadt erstreckt. Ursache dafür sind die zahlreichen Buden, die sich während der Vorweihnachtszeit in der Fußgängerzone finden lassen.

Das hat natürlich auch Vorteile: An den Ständen in der König- oder Karolinenstraße lässt es sich etwas entspannter als im Trubel auf dem Hauptmarkt Glühwein schlürfen oder Drei im Weckla verputzen.

Dafür aber ist es um die Geschmackssicherheit der Stand-Betreiber nicht immer zum Besten bestellt: So wirken manche Buden wie riesige goldglänzende Geschenkpakete, während andere versuchen, mit pseudo-altfränkischer Fachwerkromantik zu punkten. Neben den reinen Verkaufsständen haben sich mittlerweile auch überdachte Imbissbuden etabliert.

Manchmal fragt man sich deshalb, ob es ein genussfreudiger Nürnberg-Besucher angesichts dieser Konkurrenz überhaupt noch bis zum „Städtlein aus Holz und Tuch“ schafft, wo sowohl die Gestaltung der Buden als auch das vorweihnachtliche Angebot nach etwas strengeren Kriterien gemessen werden.

Als nicht gerade sehr ansehnliche „Essmeile“ hatte die Nürnberger SPD heuer schon im Juni den Weg zum Christkindlesmarkt kritisiert und nach höheren Qualitätsstandards verlangt. Ein Arbeitsteam des Wirtschaftsreferats kam danach zu dem Ergebnis, dass die Stände durchaus dem Weihnachtsflair in der Innenstadt zugute kommen. Ein zu großer Wildwuchs werde durch die Begrenzung auf maximal 27 Stände auf jeden Fall vermieden.

Wir wollen von Ihnen diesmal wissen: „Im Advent: Zu viele Buden in der Innenstadt?“ Geben Sie Ihr Votum bitte hier oder auf NZ.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Braucht der Tiergarten ein Elefantengehege?“ Teilgenommen haben 768 Leser. Mit Ja antworteten 67,4 Prozent, mit Nein 32,6 Prozent.

Christkindlesmarkt: Soll er länger dauern?

Der Christkindlesmarkt gehört inzwischen fest zum Image Nürnbergs. Nicht zuletzt, weil er auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken kann. Allerdings darf man nicht vergessen, dass der üppige Umfang des Marktes erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurde. Nach dem Zeiten Weltkrieg ging es sehr betulich los.

Heute überlegt man sich – angesichts der harten Konkurrenz mit Weihnachtsmärkten in anderen Städten – auch in Nürnberg, was man besser machen kann, um „die“ Weihnachtsstadt weltweit zu bleiben. Ins Gespräch gebracht hatte die Hotellerie bei einer Gesprächsrunde die Verlängerung des Marktes bis Jahresende. Das Ziel ist klar: Man möchte die Zimmer zwischen den Jahren besser auslasten. Dieses rein ökonomische Motiv steht natürlich quer zu einem Christkindlesmarkt, der sich mit seinen Öffnungszeiten bislang komplett an der Adventszeit orientiert hat.

Auch ist das Warenangebot stark auf Weihnachten ausgerichtet: Denn wer kauft noch Weihnachtsschmuck nach dem 24. Dezember? Oder soll der Christkindlesmarkt nur als eine Dekoration für den Hauptmarkt herhalten, damit die Innenstadt ab dem ersten Weihnachtsfeiertag nicht ganz so leblos aussieht?

Andere Städte nehmen es allerdings mit den Anfangs- und Endzeiten ihrer Weihnachtsmärkte nicht so genau wie Nürnberg. Wie eine Umfrage der NZ in anderen Städten mit großen Weihnachtsmärkten ergeben hat, wurden einige verlängert oder fingen früher an. In Dresden ging man etwa ganz pragmatisch vor: Weil die Adventszeit in diesem Jahr sehr kurz ausfiel, wurde auf Wunsch der Händler einen Tag früher aufgemacht. Die Angebotsqualität der Weihnachtsmärkte hängt stark vom Engagement der Händler ab, deshalb hat ihr Wort auch Gewicht.

Bislang startet der Christkindlesmarkt am Freitag vor dem ersten Advent. Soll der Markt früher losgehen oder länger dauern? Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Christkindlesmarkt: Soll er länger dauern?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Flughafen: Sind Sie für eine Nachtflugverbot?“ Mit Ja antworteten 45 Prozent, mit Nein 55 Prozent.

 

Trinken Sie noch Glühwein?

Für die einen ist es das Aufreger-Thema der aktuellen Vorweihnachtszeit, für die anderen eine völlig überbewertete Angelegenheit: Der Preis für den Glühwein auf dem Christkindlesmarkt ist um 50 Cent gestiegen.

Die Händler begründen diesen beachtlichen Sprung nach oben mit der schlechten Weinernte in Südeuropa und verweisen auf andere Städte mit hohen Preisen – in München oder Dresden liegen sie auch schon bei 3,50 Euro und mehr. Um einiges günstiger lässt es sich etwa in Erfurt vor der Kulisse des Mariendoms etwas innere Wärme erlangen: Auf dem Weihnachtsmarkt dort ist der Glühwein schon ab 1,80 Euro zu haben.

Offensichtlich haben die adventlichen Heißgetränkpreise schon die Relevanz der Oktoberfestmaß-Kosten erreicht – zumindest hat es den Anschein, wenn man die leidenschaftlich geführte Debatte im Internet verfolgt. Nun bestehen eine Reihe von Möglichkeiten, mit der Preiserhöhung umzugehen: den Christkindlesmarkt entweder ganz zu meiden, ihn zu besuchen, ohne Glühwein zu ordern – was manchen Menschen ganz und gar freudlos erscheinen muss. Oder es zu halten wie die Oktoberfestbesucher: Die ärgern sich zwar auch jedes Jahr wieder über die steigenden Bierpreise. Aber auf das feuchtfröhliche Vergnügen verzichten sie am Ende doch nicht. Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Preiserhöhung: Trinken Sie noch Glühwein?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Begrüßen Sie das Streikrecht für Kirchenbeschäftigte?“ Mit Ja antworteten 60 Prozent, mit Nein 40 Prozent.

Umfrage: Wie kommen Sie in Weihnachtsstimmung

Kauflust? Oh ja! Großes Gewühle herrschte in Nürnbergs Fußgängerzone. Doch – sind Weihnachtsgeschenke der Grund für den Bummel und wie steht es mit der Weihnachtsstimmung, so ohne Schnee und Kühle? Die NZ fragte nach . . .

Steffi K.: «Schuhe, Hosen, Oberteile, Jogging-Hose, Unterwäsche – das sind alles Sachen für mich. Weihnachtsgeschenke habe ich noch nicht gekauft, habe noch keine Lust dieses Jahr. Irgendwie bin ich gar nicht in Weihnachtsstimmung. Aber es ist schön, hier einzukaufen. Angenehmer, als in München, da ist die Stadt noch voller. Ich bin das erste Mal in Nürnberg – und jetzt geht’s auf den Christkindlesmarkt. Bin schon gespannt.»

Claudia Seidler: «Wir sind beide aus der Oberpfalz – Nürnberg ist immer gut, heute einfach zum Shoppen. Die Weihnachtsgeschenke kommen noch, ich hatte noch keine Zeit. Außerdem gehöre ich eher zu denen, die am 23. Dezember auf die letzte Minute losrennen. Aber in Weihnachtsstimmung bin ich schon. Dazu brauche ich keinen Schnee.

Christian Guth: Ich wollte sowieso mal nach Nürnberg, bislang kenne ich die Stadt nur aus dem Fernsehen. Und auf den Christkindlesmarkt müssen wir natürlich unbedingt noch gehen. Mit der Weihnachtsstimmung ist es bei mir so eine Sache. Ich bin Koch und weiß jetzt schon, dass ich an Weihnachten arbeiten muss. Aber das macht nichts, ich mache diesen Job total gern.

Erwin Schraml: Nürnberg ist absolut angenehm zum Einkaufen, viel besser für uns als Regensburg, obwohl wir aus der Oberpfalz kommen. Weihnachtsgeschenke haben wir schon einige, heute allerdings haben wir keine besorgt. Die ältere Tochter brauchte einen bestimmten Stick für den Computer – und für mich haben wir ein Sakko gefunden. Das Wetter finde ich wirklich zu warm, um in adventliche Stimmung zu kommen. Und zu hell. Dunkel muss es sein und schneien. Trotzdem, jetzt gehen wir erstmal auf den Christkindlesmarkt, Würschtl essen und Glühwein trinken.

Daniel Burian: Wir haben uns ausführlich beraten lassen – jetzt haben wir ein Weihnachtsgeschenk für den Sohn erstanden. Irgendwie haben wir uns durch die Massen gewurschtelt. Wenn man recht genau weiß, was man kaufen will, hat das gewisse Vorteile. Jetzt geht’s sofort nach Hause. Wir machen es uns am Wochenende gemütlich, das ist entscheidend, um in eine vorweihnachtliche Stimmung zu kommen. Wie warm es draußen ist, ist dabei nicht ausschlaggebend.

Renate S. (78): Ich habe alle Weihnachtsgeschenke schon über das Jahr hinweg gekauft. Als ich noch gearbeitet habe, war das immer hektisch! Heute finde ich es auch eher schön, wenn es voll in der Stadt ist und Leben in der Bude ist. In Weihnachtsstimmung bin ich noch nicht, bei der Eröffnung des Christkindlesmarktes war ich aber natürlich. Ich wünsche mir für die Adventszeit Schnee und trockene Kälte. Und zu Weihnachten: Ruhe und Gelassenheit.

Wie kommen Sie in Weihnachtsstimmung? – Und: Wollen Sie das überhaupt? Sagen Sie uns Ihre Meinung.