Reformationstag als fester Feiertag?

Vor einem Jahr haben wir Sie in unserer Wochen-Leserfrage schon einmal gefragt, ob sich Deutschland zwei zusätzliche Feiertage leisten sollte. Das hatte damals der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm vorgeschlagen, schon seinerzeit in Verehrung Martin Luthers (Foto: Stefan Hippel). Neben dem Reformationstag konnte sich der Chef der deutschen Protestanten auch den Buß- und Bettag als Dauer-Feiertag vorstellen.

In diesem Jahr durften wir es ausprobieren: Zum 500. Jubiläum von Luthers Thesen war der Reformationstag ausnahmsweise bundesweit arbeitsfrei. Ein friedlicher Herbsttag wurde das in Deutschland. Die Straßen schön ruhig, dafür waren tatsächlich die Kirchen so voll wie selten sonst – und auch weltliche Einrichtungen wie die Nürnberger Verbrauchermesse Consumenta, Schwimmbäder, Kinos oder Museen erfreuten sich regen Zulaufs. Wer soll gegen solch ein Plus von Freizeit etwas einzuwenden haben, wenn es manche Leute sogar vielleicht zur Beschäftigung mit geistlich-historischen Inhalten anregt?

Andererseits: Ein einziger Feiertag mehr reißt in Unternehmen Löcher in die Kasse. Er mindert die Wertschöpfung fast jeden Arbeitgebers, sei es durch Mehraufwand und zusätzliche Personalkosten, sei es durch die Umsatzpause. Und ist es 2017 wirklich angesagt, einen weiteren christlichen Feiertag zu etablieren, wo sich doch die Gesellschaft schon immer weiter von kirchlichen Fragen entfernt hat?

Vor einem Jahr ging unsere NZ-Abstimmung übrigens nicht so klar aus, wie man meinen könnte. 59,9 Prozent wollten gern zwei Feiertage mehr, 40,1 Prozent sagten Nein.

Isabel Lauer

Künftig immer frei am Reformationstag?

Sollen die Sommerferien verkürzt werden?

In Bayern ist die sechste und damit letzte Ferienwoche angebrochen. Manche Eltern zählen schon die Tage, bis die Schule endlich wieder losgeht. Wenn der Nachwuchs allmählich beginnt, sich zu langweilen, wird das Familienleben anstrengend.  Auch Aleksander aus Estland findet die Ferien zunehmend öde. Dieser Tage erreichte uns die Agenturnachricht aus Tallinn, dass der junge Mann einen Brief an die Regierung seines Landes geschrieben und sich über die zu lange Auszeit beklagt hat – die Sommerferien dauern in seiner Heimat drei Monate. Im Vergleich dazu sind unsere Sommerferien richtig kurz. Trotzdem hat Aleksander eine alte Diskussion wieder in Gang gebracht. Müssen die Sommerferien unbedingt sechs Wochen dauern? Klar, Kinder brauchen eine Pause, und auch Langeweile fördert die Fantasie.

Pädagogen hingegen werfen ein, dass die Schüler viel Stoff vergessen und zu Schuljahresbeginn eine Menge Auffrischungsarbeit nötig sei. Andere meinen, man könne die Sommerferien auf fünf Wochen kürzen und dafür die Herbstferien verlängern. Denkbare Varianten sind zahlreich.

Gabi Eisenack

 

Sollen die Sommerferien verkürzt werden?

Sollen Geschäfte am Sonntag öffnen dürfen?

Nürnberg ist immer noch eine Einkaufsstadt, die mit ihren Geschäften viele Kunden aus dem Umland anzieht. Doch der Wettbewerb ist hart. Viele Kunden wandern mit ihren Bestellungen ins Netz ab und lassen sich ihre Einkäufe nach Hause bringen. Umweltfreundlich ist dieser Trend nicht, aber bequem. Die Gefahr ist, dass zunehmend mehr Geschäfte in den Innenstädten leerstehen werden und die Attraktivität der Einkaufs- und Touristenstadt Nürnberg abnimmt.
Die Stadt finanziert derzeit zwei Berater, die den lokalen Einzelhändlern helfen, mit den Herausforderungen durch das Internet umzugehen. Die Geschäfte sollen etwas Besonderes anbieten und das Internet dient dazu, Appetit auf den Kauf vor Ort zu machen. Nichts geht über die in Augenscheinnahme eines Objekts, das man kaufen will.
Die Situation bleibt aber für den Einzelhandel schwierig. Kaufhäuser wie Karstadt haben deshalb vor wenigen Tagen gefordert, auch am Sonntag öffnen zu dürfen. Einer der Gründe ist, dass der Internethandel seinen größten Umsatz an den Sonntagen macht – ohne stationäre Konkurrenz. Kein Wunder, dass etliche Einzelhändler darauf hoffen, ihre stagnierenden Verkaufszahlen durch die Sonntagsöffnungen zu verbessern. Etliche verweisen auch darauf, dass der Discounter, der am Hauptbahnhof bis in die Nacht und am Sonntag geöffnet hat, horrende Umsätze macht.
Die Gegnerschaft der Öffnungszeiten am Sonntag ist breit gestreut. Kirchen, Gewerkschaften, aber auch kleinere Ladeninhaber sind dagegen. Geschäfte am Sonntag zu öffnen, ist teuer, weil den Angestellten mehr bezahlt werden muss, Familien werden am Wochenende auseinandergerissen und es wird das Wochenende dem Kommerz untergeordnet.

Sollen Geschäfte auch am Sonntag öffnen dürfen?

Braucht die Stadt eine Surfwelle?

Nürnberg und Surfen? Diese Begriffe passen ungefähr so gut zusammen wie Fürth und Fußballstadt – eigentlich gar nicht. Hier fehlt es für die Trendsportart an allem, was sie ausmacht: heiße Sommer, Meer und Strand. Und nein, der Stadtstrand am Wöhrder See zählt nicht. Dennoch könnte Nürnberg tatsächlich zum Surf-Pilgerort werden. Das ist die Hoffnung des Vereins „Nürnberger Dauerwelle“. Seit sechs Jahren setzt er sich für eine Surferwelle in der Pegnitz ein – und musste seitdem einiges einstecken: Der Standort musste zweimal gewechselt werden, das Projekt kam nicht voran. Doch die Pläne werden konkreter. Es steht fest: Das Fuchsloch in Muggenhof ist der geeignete Ort.

Das sieht auch der bayerische Finanzminister Markus Söder so, der das Vorhaben mit 250000 Euro unterstützen will. Fehlt „nur“ noch der Rest der Finanzierung. Der Verein spricht von Kosten in Höhe von 500.000 bis 700.000 Euro. Neben Spenden setzt er auf Crowdfunding: In diesem Finanzierungsmodell geben viele Unterstützer kleine Beträge ab. Wie so etwas ausgehen kann, zeigt das aktuelle Beispiel vom „Max-Morlock-Stadion“: 800.000 Euro sollen so zusammenkommen, um die Umbenennung des Stadions zu finanzieren. Bisher läuft es mehr als schleppend.

Dies schreckt den Verein „Nürnberger Dauerwelle“ nicht ab: Er verweist auf die große Community der Surfer in der Region. Außerdem hofft er auf eine Beteiligung der Stadt. Schließlich wäre Nürnberg um eine Attraktion reicher. Auch weil die Konstruktion zur Erzeugung der künstlichen Wellen deutschlandweit einzigartig wäre – und Nürnberg so zum Vorbild für andere Städte werden könnte.

Braucht die Stadt eine Surfwelle?

Reichen zwei verkaufsoffene Sonntage?

Ob die Sonntage ab und an auch mal dem Konsum gehören sollen, ist ein schier ewiges Streitthema. Eines zumindest ist jetzt aber klar: In Nürnberg wird es keine vier verkaufsoffenen Sonntage mehr geben, sondern nur noch zwei. Die Stadt beruft sich auf strengere rechtliche Regeln und will keinen Konflikt mit dem Gesetz anzetteln. Grob gesagt: Die Läden, die an einem Sonntag öffnen dürfen, müssen sich in einigermaßen überschaubarer Nähe zu dem Ereignis befinden, das Anlass der Sonderöffnung ist. Also: Zum Altstadtfest kann künftig auch an einem Sonntag in der Altstadt eingekauft werden, aber nicht mehr wie bisher in der ganzen Stadt mit Ausnahme der Südstadt. Die ist dann zum Maifest auf dem Aufseßplatz an der Reihe. Als Ersatz schlägt Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas vor, auch eine lange Einkaufsnacht pro Jahr einzuführen.
Die Kirchen, die Gewerkschaften, die Grünen, die ÖDP und die Linke halten gar nichts von verkaufsoffenen Sonntagen und hätten sie am liebsten abgeschafft. Sie sorgen sich um das Wohl der Verkäuferinnen und Verkäufer, um den Zusammenhalt der Familien. Der Sonntag soll ein Tag der Ruhe sein.

Andererseits: Gibt es nicht schon genug Menschen, die am Sonntag im Dienst sind? Pflegekräfte, Ärzte, Polizisten, Mitarbeiter in der Gastronomie, am Bahnhof, in der U-Bahn, an den Museumskassen, im Kino. Die Reihe ließe sich leicht fortsetzen. Für sie alle ist Sonntagsdienst längst Routine geworden. Unsere Gesellschaft verändert sich nun einmal.
Auch der Handel wünscht sich verkaufsoffene Sonntage, hätte gerne vier behalten. Er sieht sie als Chance, in Zeiten harter Internetkonkurrenz für sich zu werben. Der Kompromissvorschlag der Stadtverwaltung sieht nun zwei verkaufsoffene Sonntag vor. Sie ganz abzuschaffen lehnt die Stadt mit Blick auf die Situation des Handels ab.

Gabi Eisenack

Reichen zwei verkaufsoffene Sonntage?

Soll sich Deutschland zwei Feiertage mehr leisten?


bedford-strohmDer Ratsvorsitzende der Evangeli­schen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, wünscht sich min­destens einen bundesweiten Feier­tag mehr. Und zwar einen Tag, der für mehr Miteinander der Menschen reserviert sein sollte. Passend dafür findet er entweder den Reforma­tionstag – also den heutigen 31. Oktober –, der gegenwärtig nur noch in den östlichen Bundeslän­dern gesetzlicher Feiertag ist. 2017 kommt er aber ausnahmsweise wegen des 500. Jahrestags von Luthers Thesenanschlag in ganz Deutschland wieder zu Ehren. Als zweite Option schlägt Bed­ford-Strohm den Buß- und Bettag vor, der 1995 der Pflegeversiche­rung geopfert wurde. Derzeit begeht man nur in Sachsen diesen evangelischen Feiertag, der stets auf den Mittwoch vor dem Ewig­keitssonntag (dem letzten Sonntag des Kirchenjahres) fällt, heuer also auf den 16. November.

Der Landesbischof plädiert für eine neue Feiertagskultur in Deutschland, gerade im Monat November. Zumindest einen der bei­den Tage möchte er dauerhaft als Feiertag im ursprünglichen Wort­sinn sehen. Natürlich ist einem Mann der Kir­che wie Bedford-Strohm dabei der christliche Aspekt mit der Hinkehr zu Gott besonders wichtig. Es geht ihm wohl aber auch darum, dass an einem solchen Tag Defizite aufgear­beitet werden können, die in unse­rer Gesellschaft immer stärker zum Problem werden: Für das Familien­leben ist oft ebenso wenig Zeit wie für ein Ehrenamt, Gespräche mit anderen oder ganz einfach fürs Nichtstun, Entspannen und Zu-sich­selbst-finden. Es könnte ein Tag werden ohne Terminzwang, Shop­pen und zwanghafte Familientref­fen wie an Weihnachten oder Ostern. Ein gemütlicher verregneter Herbsttag, an dem man es sich mit einem Buch auf der Couch bequem macht oder mit den Kindern gemein­sam spielt.

Natürlich wird die Wirt­schaft argumentieren, dass so ein Tag aus ökonomischer Sicht von Nachteil sei, mitten in der Vorweih­nachtszeit, wenn die Geschäfte am besten laufen. Die SPD tritt wieder mal als Bedenkenträger auf, dass so ein christlicher Feiertag die bei uns lebenden Muslime ausschließe. Aus­gerechnet die Linksfraktion nennt Bedford-Strohms Idee charmant, wenn ihr auch der christliche Impe­tus nicht recht gefällt.

Ute Wolf

Soll sich Deutschland zwei Feiertage leisten?

Hat die Delfinlagune eine Zukunft?

Grüne, ÖDP und Gute fühlten sich im Stadtrat in ihrer ursprünglichen Haltung bestätigt: Die Entscheidung für die Delfinlagune im Tiergarten (Foto: digitale-luftbilder.de) sei von Anfang an ein Fehler gewe­sen, meinten sie. In der Tat sorgen die eklatanten Baumängel nun wie­der für womöglich jahrelange Bauar­beiten und verschlingen Millionen Euro, ohne dass klar ist, ob die Stadt die Gelder zurückbekommt. Vor die­sem Hintergrund erscheint die Zu­kunft der Lagune fraglich. Die CSU allerdings steht auf dem Stand­punkt, dass bei einem eigentlich sehr guten Projekt letztlich lediglich in Form einer Reparatur nachgebessert werden müsse. Neulich lobte auch der Schauspieler und Tierschützer Hannes Jaenicke – mit Einschrän­kung – den Nürnberger Weg. Wenn man die Großen Tümmler überhaupt in Zoos halten will (Jaenicke ist ei­gentlich dagegen), dann nur in einer Anlage, wie sie am Schmausenbuck entstanden ist. Außerdem gelang es dort, nach Jahren endlich mal wie­der ein Delfinkalb über den Berg zu bringen. Und da der Tiergarten kei­ne Elefanten mehr hat und eine An­lage für die Rüsseltiere derzeit nicht zu finanzieren wäre, ist der Tiergar­ten eigentlich auf die Delfine ange­wiesen, will er attraktiv bleiben.

Text: Marco Puschner

Hat die Delfinlagune eine Zukunft?

Hauptmarkt: Muss sich etwas ändern?

Der Wochenmarkt am Hauptmarkt (Foto: Eduard Weigert) ist eine ganz wichtige Einrichtung in der Innenstadt, denn er belebt das Kopfsteinpflaster, und Menschen können sich mit frischen Lebensmitteln aus der Region eindecken. Doch, was gut ist, kann man noch besser machen. Das Bild, das der Hauptmarkt derzeit bietet, hat wenig mit Qualität zu tun.
Wer von der Fleischbrücke Richtung Burg blickt, schaut erst einmal auf drei locker aufgestellte Imbissbuden, die sich mit eher beliebig positionierten Tischen und Werbetafeln optisch aufdrängen. Das ist das Bild, das Touristen und Besucher von der Stadt mitnehmen. Es wäre ein leichtes, die Stände zusammenzurücken und sie an einer besser geeigneten Stelle zu positionieren.
Wer in einem Café am Hauptmarkt sitzt, der muss in der Regel auf die Rückseite von Ständen schauen. Besser wäre es, die Verkaufsstände Rücken an Rücken aufzureihen, damit das Ausfransen des Marktes verhindert wird und Dichte entsteht: Wenn etwas im landläufigen Sinn schön ist, dann halten sich Menschen dort gerne auf, reden miteinander und kaufen mehr ein.
Beispiele in Italien, Spanien oder Frankreich gibt es zuhauf. Der Hauptmarkt sollte zu einem Treffpunkt entwickelt werden, davon würden auch die Händler mit höheren Umsätzen profitieren. In Nürnberg wird zu oft die Bedeutung der ästhetischen Qualität des öffentlichen Raums unterschätzt. Wer Touristenmetropole sein will und finanziell davon profitiert, der muss seine gute Stube besser als bisher in Ordnung halten. Es fehlt nicht nur an einem Konzept für die Weiterentwicklung des Wochenmarkts, sondern auch an kleinen Dingen: Sitzen, ohne etwas zu verzehren, kann man sich fast nirgendwo erlauben.
Die Gegner von Veränderungen auf dem Hauptmarkt sagen, gerade diese lockere Struktur macht den Reiz des Marktes aus – eine Form von Freiheit. Außerdem würden die Imbissbuden dort stehen, wo die meisten Touristen sind. Es passt doch alles.

André Fischer

Hauptmarkt: Muss sich etwas ändern?

Passt der Kunstbrunnen vor das Opernhaus?

Die Aufregung war groß, als das Neue Museum bekanntgab, dass der mobile und begehbare Kunstbrunnen „Hexagonal Water Pavilion“ von Jeppe Hein (Foto: Harald Sippel) in diesem Sommer nicht mehr auf dem Klarissenplatz Groß und Klein erfreuen wird. Die Begründung: Die Kunst müsse sich weiterentwickeln – der „Temple Of No Shopping“, ein neues Kunstwerk aus 400 Metallfässern, wird im Sommer auf dem Klarissenplatz stehen.
Seitdem wird nach einem Alternativstandort für den begehbaren Brunnen gesucht. In einem Gespräch von Oberbürgermeister Ulrich Maly und der Referentenrunde kristallisierten sich drei Vorschläge heraus: der Andreij-Sacharow-Platz, der Aufseßplatz sowie der Richard-Wagner-Platz vor dem Opernhaus. Der Richard-Wagner-Platz hat die besten Chancen, ausgewählt zu werden, denn das Staatstheater beteiligt sich möglicherweise an den 30.000 Euro Aufbaukosten.
Und damit hat der Platz die besten Chancen, auf dem am wenigsten die Menschen vorbeikommen, die in den vergangenen Jahren den Brunnen am meisten nutzten – nämlich Familien mit Kindern, Flaneure und Touristen. Der Klarissenplatz erlebte durch den Brunnen eine enorme Aufwertung, ein Effekt, den der Aufseßplatz und der Andreij-Sacharow-Platz sicher mehr vertragen könnten als der Richard-Wagner-Platz.
Andererseits muss der Aufbau des Kunstbrunnens finanziert werden, und das ist offenbar bisher nur am Richard-Wagner-Platz möglich. Kommt das Geld nicht zusammen, droht der Brunnen im Depot zu verschwinden. Demzufolge ist ein Brunnen auf dem Platz vor dem Musentempel vielleicht besser als gar kein Brunnen.

Claudia Urbasek

Passt der Kunstbrunnen vor das Opernhaus?

Wöhrder See: Ein Kiosk für das Südufer?

Der Kiosk am Nordufer des Wöhrder Sees (Foto: Dominik Heinz) muss im nächsten Jahr einem Café weichen, das dort gebaut wird. Dieses neue „Seecafé“ mag architektonisch nicht jedermanns Geschmack sein – aber das steht auf einem anderen Blatt. Es soll für das Publikum am Sandstrand Getränke und Snacks bieten und ordentliche Toiletten anbieten. So weit, so gut.

Doch für Michael Reichelt, den Betreiber des Kiosks, der in der Nähe des künftigen „Seecafés“ acht Sommer lang Süßigkeiten, Eis und Getränke angeboten hat, sieht die Zukunft zappenduster aus. Denn er muss nicht nur seinen angestammten Platz räumen; es gibt auch keinen Ausweichplatz für ihn. Im Freiraumkonzept der Stadt ist nämlich außer dem neuen Café kein Platz für einen weiteren Anbieter von Snacks und Getränken vorgesehen – auch nicht am Südufer des Wöhrder Sees. Laut Wirtschaftsreferent Michael Fraas gibt es dort mit der Pizzeria in der Norikus-Anlage und einer weiteren im ehemaligen Milchhof-Gelände genügend gastronomische Angebote.

Viele Mütter mit Kindern, die am Wöhrder See nur spazieren gehen oder sich auf dem Spielplatz vergnügen möchten, wollen aber schlicht und einfach ein Eis oder Süßigkeiten für ihre Kleinen und selbst vielleicht einen Kaffee oder eine Cola – genau das, was Reichelt in seinem Kiosk bisher angeboten hat.

Da plant die Stadt Nürnberg vom grünen Tisch aus ein Freiraum-Konzept für den Wöhrder See und beschließt, ein Café am Nordufer und die umliegende Gastronomie werde dafür ausreichen. Mit Müttern und Kindern dürfte da niemand gesprochen haben. Die wären sicher weiterhin dankbar für ein Angebot, wie Reichelt es in seinem Kiosk hatte. Sie wären wahrscheinlich auch froh, wenn nicht nur in einem Café am Nordufer so etwas zu bekommen wäre, sondern auch auf der südlichen Seeseite. Schließlich kommt man nicht überall so schnell und einfach von einer Seeseite auf die andere.

Wäre es da nicht am besten, wenn es auch am südlichen Ufer des städtischen Gewässers einen Kiosk gäbe?

Ute Wolf

 

Wöhrder See: Ein Kiosk für das Südufer?