Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Nürnberg baut seine U-Bahn aus und hat gerade eine neue Straßenbahnstrecke eröffnet. Und trotzdem hat sie jeder Nürnberger weiter in seinem Bekanntenkreis: die ÖPNV-Miesmacher. Sie sind stolz darauf, nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. In der U-Bahn hätten sie Angst, Busse kämen unpünktlich, die VAG sei zu teuer, und mit dem Radfahren haben sie es auch nicht so. Die Schattenseiten des Autoverkehrs in einer immer dichter besiedelten Stadt blenden diese Leute gerne aus: die hohen Kosten für den eigenen Pkw, den gestiegenen Parkdruck in allen Wohnstraßen, das Stop-and-go jeden Tag am Ring, den umtosten Bahnhofsplatz (Foto: Stefan Hippel) oder die schlechte Luft durch Stickstoffdioxid.
Es ist schon was dran am Lamento der Grünen und der Fahrradvertreter: Nürnberg ist immer noch sehr attraktiv für Autofahrer. Es gibt massenhaft Gratis-Parkplätze und im Städtevergleich eher selten Strafzettel. Die CSU im Stadtrat behütet den Autoverkehr immer noch. Zu autofreundlich ist die Stadt auch für den Bund Naturschutz. Wenn der Verband nun allerdings seine Opposition zum kreuzungsfreien Frankenschnellweg gegen Straßenrückbaumaßnahmen an anderer Stelle eintauschen will, drängt er die Frage leider nur in die ideologische Schublade.

Isabel Lauer

Ist Nürnberg zu autofreundlich?

Braucht Nürnberg ein Fahrradleihsystem?

Es kam nicht ganz unerwartet: Im Oktober kündigte die Firma Nextbike an, bis Ende des Jahres 2016 aus dem Betreibervertrag für „NorisBike“ auszusteigten – aus wirtschaftlichen Gründen. Das anfangs vielgelobte Leihfahrrad-Modellprojekt hatte sich für das Leipziger Unternehmen immer mehr zum Draufzahlgeschäft entwickelt. Bei der Diskussion, wer oder was die Ursache an der Misere trägt, gehen die Meinungen natürlich weit auseinander: Die Stadt zählt nicht befriedigend auskurierte Kinderkrankheiten und mangelndes Marketing auf, bei Nextbike wird etwa moniert, dass die Stadt nach der Förder-Phase Vergünstigungen für VAG-Kunden kappte und dass etliche Wunsch-Standorte für Verleihstationen wegen des Denkmalschutzes nicht realisiert werden konnten.

In der Sitzung des Verkehrsausschusses in dieser Woche, die sich mit dem Thema befassen wird, will sich die Stadtverwaltung grundsätzlich für ein Fahrradverleihsystem stark machen und dafür „alle Möglichkeiten prüfen“. Grundsätzlich stünde als Partner auch die Firma Nextbike bereit, allerdings unter anderen wirtschaftlichen Bedingungen. Ohne kommunale Förderung, so deutet es sich schon an, wird ein solches System in Zukunft nicht realisierbar sein. Daraus lässt sich natürlich auch die Frage ableiten, ob ein grundsätzlicher Bedarf für öffentliche Leihfahrräder besteht. Man könnte ja auch argumentieren, dass nach den bisherigen Erfahrungen Nürnberg im Unterschied zu anderen Kommunen wohl nicht das geeignete Pflaster für ein solches Angebot ist. Auf der anderen Seite stünde eine Stadt, die sich die Fahrradfreundlichkeit groß auf die Fahnen geschrieben hat und Kampagnen wie „Nürnberg steigt auf“ betreibt, ohne eine Leihfahrrad-Option doch eher unglaubwürdig da.

Clemens Helldörfer

Braucht Nürnberg ein Fahrradleihsystem?

Rote Radwege für ganz Nürnberg?

Radfahrer (Foto: Daniel Bockwoldt) leben in den großen Städten nicht ungefährlich. Im Dickicht des Straßenverkehrs werden sie schnell einmal übersehen. In Nürnberg sind mittlerweile Radwege- oder Spuren an gefährlichen Kreuzungen rot gekennzeichnet worden. Nun hat der Verkehrsausschuss des Stadtrats – gegen die Stimmen der CSU – für eine flächendeckende Ausstattung des Radwegenetzes mit roter Farbe gestimmt. So soll die Sicherheit der Radler erhöht und allen Verkehrsteilnehmern mehr Orientierung verschafft werden. Neue Radwege sollen künftig von Anfang an farbig gekennzeichnet werden.
Der Ausschuss hat beschlossen, die schon bestehenden Routen nachzurüsten, was mit 2,6 Millionen Euro zu buche schlägt. Geld, so finden die Christsozialen, das lieber in den Ausbau des Radwegenetzes und in Reparaturarbeiten investiert werden sollte.
Wir wollen in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen: „Rote Radwege für ganz Nürnberg?“ – In unserem Blog „Senf dazu“ können Sie unter nz.de/senf im Internet über die Leserfrage abstimmen und diskutieren.
Vergangene Woche haben wir Sie gefragt: „Sollen Jogginghosen in der Schule Tabu sein?“ Teilgenommen haben 98 Leser. Mit Ja antworteten 87,8 Prozent, mit Nein 11,2 Prozent.

Gabriele Eisenack

 

 

Rote Radwege für ganz Nürnberg?

Mehr Markierungen an Gefahrenpunkten?

Nach dem Unfall mit einem schwer verletzten Radfahrer (76) im Fuchsloch wird die Straßenmarkie­rung auf der Adolf-Braun-Straße heiß diskutiert. Schon vor längerer Zeit hatte die Stadt auf beiden Fahr­spuren kurz vor dem Radweg weiße Querstreifen anbringen lassen. Je näher die Streifen zum Fahrradweg liegen, desto geringer ist der Ab­stand der Streifen zueinander. Auto­fahrer bekommen dadurch das Gefühl, schneller zu fahren und sol­len intuitiv dazu gebracht werden, abzubremsen.
Nach der Überzeugung des städti­schen Verkehrsplanungsamtes hat sich diese „Rüttelmarkierung“ be­währt. Autofahrer würden sowohl optisch als auch durch das Rütteln ihres Wagens auf den leichten Erhe­bungen auf den Gefahrenpunkt Rad­weg aufmerksam gemacht. Ins glei­che Horn stößt Jens Ott vom Allge­meinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Während man früher als Radler lange habe warten müssen, um die Adolf-Braun-Straße passie­ren zu können, seien inzwischen immer mehr Autolenker dazu be­reit, abzubremsen und die Radfah­rer vorbeizulassen.
Ähnliche Markierungen hat die Stadt auf dem abschüssigen Rad­weg am Rathenauplatz angebracht (die NZ berichtete), um Radler vor den Gefahren der Kreuzung zu war­nen. Und in der Flußstraße, wo Rad- und Autofahrer mitunter an­einander geraten, will das Verkehrs­planungsamt demnächst ebenfalls solche Markierungen anbringen las­sen.
Kritiker hingegen meinen, dass Autofahrer die Warnstreifen im
Fuchsloch auch als Zebrastreifen auffassen und trotz ihres Vorrech­tes für Radfahrer bremsen. Das könnte zu Verwirrungen führen und letztlich Unfälle provozieren. Der Unfall mit dem 76-Jährigen sei da­für ein Beispiel.

Text: Tilmann Grewe

Mehr Markierungen an Gefahrenpunkten?

Hauptmarkt: Muss sich etwas ändern?

Der Wochenmarkt am Hauptmarkt (Foto: Eduard Weigert) ist eine ganz wichtige Einrichtung in der Innenstadt, denn er belebt das Kopfsteinpflaster, und Menschen können sich mit frischen Lebensmitteln aus der Region eindecken. Doch, was gut ist, kann man noch besser machen. Das Bild, das der Hauptmarkt derzeit bietet, hat wenig mit Qualität zu tun.
Wer von der Fleischbrücke Richtung Burg blickt, schaut erst einmal auf drei locker aufgestellte Imbissbuden, die sich mit eher beliebig positionierten Tischen und Werbetafeln optisch aufdrängen. Das ist das Bild, das Touristen und Besucher von der Stadt mitnehmen. Es wäre ein leichtes, die Stände zusammenzurücken und sie an einer besser geeigneten Stelle zu positionieren.
Wer in einem Café am Hauptmarkt sitzt, der muss in der Regel auf die Rückseite von Ständen schauen. Besser wäre es, die Verkaufsstände Rücken an Rücken aufzureihen, damit das Ausfransen des Marktes verhindert wird und Dichte entsteht: Wenn etwas im landläufigen Sinn schön ist, dann halten sich Menschen dort gerne auf, reden miteinander und kaufen mehr ein.
Beispiele in Italien, Spanien oder Frankreich gibt es zuhauf. Der Hauptmarkt sollte zu einem Treffpunkt entwickelt werden, davon würden auch die Händler mit höheren Umsätzen profitieren. In Nürnberg wird zu oft die Bedeutung der ästhetischen Qualität des öffentlichen Raums unterschätzt. Wer Touristenmetropole sein will und finanziell davon profitiert, der muss seine gute Stube besser als bisher in Ordnung halten. Es fehlt nicht nur an einem Konzept für die Weiterentwicklung des Wochenmarkts, sondern auch an kleinen Dingen: Sitzen, ohne etwas zu verzehren, kann man sich fast nirgendwo erlauben.
Die Gegner von Veränderungen auf dem Hauptmarkt sagen, gerade diese lockere Struktur macht den Reiz des Marktes aus – eine Form von Freiheit. Außerdem würden die Imbissbuden dort stehen, wo die meisten Touristen sind. Es passt doch alles.

André Fischer

Hauptmarkt: Muss sich etwas ändern?

Hauptmarkt: Freie Fahrt für Radler?

Die Diskussion ist alt: Sollen Radler über den Hauptmarkt (Foto: Mark Johnston) fahren dürfen oder nicht? Gute Gründe gibt es sowohl für die eine, wie auch die andere Haltung.
Der Hauptmarkt ist ein belebter Ort, auf dem ständig irgendetwas stattfindet. Wenn es auch nicht immer Großereignisse wie der Christkindlesmarkt sind: Die Händler, die Obst, Gemüse oder Blumen anbieten, locken ebenfalls jede Menge Menschen in die Stadt. Und die wollen unbehelligt über „Nürnbergs gute Stube“ bummeln. Auch Hochzeitsgesellschaften sind dort vertreten und Touristenscharen.
Andererseits ist es die Frage, ob das Idyll tatsächlich bedroht wäre, würden die Fahrradfahrer den Platz überqueren, ohne aus dem Sattel zu steigen. Sollten sie ein vernünftiges Maß an Rücksicht besitzen, dürfte das eigentlich kein Problem sein. Das Verkehrsplanungsamt schlägt nun einen einjährigen Testlauf vor, in dem die Radler eine Route nehmen sollen, die am neuen Rathaus entlang führt. Der Verkehrsausschuss des Stadtrats beschäftigt sich am 22. Oktober mit dem Thema.

Gabi Eisenack

Hauptmarkt: Freie Fahrt für Radler?

Enge Sache in Schniegling

Schniegneuklein

Hier ist kein Platz für Zwei. Foto: C. Helldörfer

Grundsätzlich ist an der Idee, einige Einbahnstraßen in der Stadt auch in Gegenrichtung für Radfahrer freizugeben, nichts auszusetzen. Zwei Dinge sollten aber auf jeden Fall vorhanden sein: Rücksicht bei allen Beteiligten  sowie genügend Platz, damit das Zwei- und das Vierrad problemlos aneinander vorbeikommen. Als notorischer  Radler habe ich es schon bisweilen erlebt, dass manch ein Autofahrer die Breite „seiner“ Einbahnstraße voll auskostet. Als ich jetzt aber vor kurzem entdeckte, dass das Radfahren jetzt auch in der Schnieglinger Straße in der eigentlich „falschen“ Richtung erlaubt ist und dies gleich mal ausprobierte, geriet ich gleich in eine Situation, für die man keinem Autofahrer der Welt einen Vorwurf machen kann: An einem gut 100 Meter langen Abschnitt stehen auf der einen Seite Parker dicht an dicht  und lassen gerade nur noch einen schmalen Streifen Fahrbahn übrig – das reicht einfach hinten und vorne nicht für eine gefahrlose Passage (siehe Bild). Der einzige Ausweg für mich bestand darin, die Flucht zu ergreifen und nicht ganz verkehrsregelkonform auf den Gehsteig auszuweichen.

Bei der Stadt hat man die Problemlage erkannt: Laut Fahrradbeauftragten Hugo Walser werde im Moment geprüft, ob man vielleicht noch eine Art „Ausweichbucht“ auf Kosten eines Parkplatzes schafft. Trotz der zugegebenen Enge hält er die Öffnung der Einbahnstraße aber für durchaus sinnvoll, da der parallel laufende Pegnitztal-Radweg ab Höhe der Kläranlage keine Abzweigung mehr hat und die Radler deshalb erst bis zum Fürther Rundfunkmuseum fahren müsten, bevor sie wieder nach „oben“ könnten.

Ob das allerdings zu einer ausreichenden Entschärfung führt, bleibt abzuwarten. Denn es gilt nach wie vor der alte physikalische Grundsatz: Wo schon ein Körper ist, kann kein weiterer sein.

Wer kennt andere Stellen in Nürnberg, an denen es ähnlich eng zugeht und hat auch schon kritische Erfahrungen in freigegebenen Einbahnstraßen gemacht?

 

Clemens Helldörfer

 

Wenn man im Winter mal radeln möchte…

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Dieser Fahrrad-Verleihstation an der Messe fehlt ein wichtiges Detail, nämlich das Bedienungsterminal. Foto: Clemens Helldörfer


Ein Fahrradverleihsystem wie in Nürnberg ist grundsätzlich schon mal eine schöne Sache. Da man sich im Winter sowieso nicht so häufig auf den Drahtesel setzt, muss in der kalten Jahreszeit auch nicht unbedingt die ganze Zweirad-Flotte zur Verfügung stehen. Es wäre aber gut, wenn die Exemplare, die noch im Angebot sind, dann auch problemlos ausgeliehen werden können.

Nicht besonders einfach  ist das bei den NorisBike (bzw. NextBike)-Rädern, die gerade (Ende Februar 2015) zwischen der U-Bahnstation Messezentrum und den Messehallen stehen. Jedenfalls nicht für diejenigen, die an das Verleih-Terminal an den Ausleihstationen gewöhnt sind und die Räder nicht direkt per App buchen können bzw. wollen. Das dürfte wohl auch  für die Mehrzahl der Messegäste zutreffen, die hier zum Teil auch aus größerer Entfernung anreisen. Dort, wo normalerweise die Bedien-Säule mit Eingabefeldern und Terminal stehen sollte, schaut hier nur ein Kabel aus der Erde (siehe Bild). Dabei ist gerade der Standort Messe attraktiv, denn von hier aus kommt man schnell mit Pedalkraft nach Langwasser oder zum Dutzendteich. Zumindest wäre ein Schild wie „In Reparatur“ nicht schlecht, denn sonst fragen sich die Messe- und Kongressbesucher, was die rätselhaften Räder hier sollen. Zur Aufklärung trägt dabei sicher auch nicht der Umstand bei, dass die Internetadresse www.norisbike.de mittlerweile offenbar Vergangeheit ist, von etlichen städtischen Einrichtungen aber immer noch verlinkt wird.

ch

Link zu Nextbike

Ist Nürnberg fahrradfreundlich?

Nichts hört sich schöner an als Lob aus berufenem Munde – deshalb sollte man meinen, dass die positive Bewertung der bayerischen „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen“ für die Stadt Nürnberg doch vor allem Freude auslösen sollte. Wie die NZ berichtete, darf sich die Noris jetzt sogar als die erste Stadt in Bayern mit dem Titel „Fahrradfreundlich“ schmücken.

Plötzlich melden sich aber jetzt etliche Stimmen zu Wort, die diese Einschätzung nicht ganz teilen. Von einem lückenhaften Radwegenetz ist die Rede, von gefährlichen Einmündungen und davon, dass das Radeln in Teilen Nürnbergs eher einem „Überlebenstraining“ gleiche.

Statt der gewählten Route für den Nürnberger Fahrrad-Test hätte die Kommission lieber die Äußere Bayreuther oder die Kilianstraße unter die Räder nehmen sollen, um festzustellen, wie es in Wirklichkeit mit der angeblichen Fahrradhochburg Nürnberg aussieht.

Auch der Nürnberger ADFC merkt zu diesem Thema an, dass man im Nürnberger Rathaus zwar einiges für die Radfahrer bewegt hat (genannt wird etwa die Aktion „Nürnberg steigt auf“), aber dennoch ein ansehnlicher Optimierungsbedarf vorhanden ist. Der reicht von der Schaffung angemessener Abstellanlagen über bessere Beschilderung bis hin zum Dauerbrenner „Überquerung des Hauptmarktes“.

Die Kommissionsmitglieder, die für die AGFK in der vergangenen Woche in Nürnberg unterwegs waren, fanden zwar auch nicht alles optimal (z.B. die Verkehrsführung am Hauptbahnhof), sprachen aber dennoch ein dickes Lob aus: So zeigt sich die Stadt ihrer Ansicht nach als sehr fahrradfreundlich, indem sie den Ausbau von Tempo-30-Zonen vorantreibt, indem sie mit dem „Noris Bike“ ein innovatives Fahrrad-Verleihsystem fördert und indem sie mit verschiedenen Maßnahmen stetig daran arbeitet, den Anteil des Radverkehrs in den kommenden Jahren auf 20 Prozent anzuheben. Insgesamt setze Nürnberg, so war bei der abschließenden Beratung zu hören, hier hohe Maßstäbe, an denen sich die anderen aufnahmewilligen Städte nun erst einmal messen lassen müssen.

Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage diesmal wissen: „Ist Nürnberg fahrradfreundlich?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Bremsen höhere Bußgelder Rüpel-Radler aus?“ Mit Ja antworteten 28 Prozent, mit Nein 72 Prozent.

ch

Bremsen höhere Bußgelder Rüpel-Radler aus?

Seit den Vorwürfen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ist der Begriff „Kampfradler“ in aller Munde und auf dem besten Weg, die bisher gängigen Bezeichnungen „Radl-Rambo“ oder „Rowdy-Radler“ abzulösen. Gemeint ist freilich immer das Gleiche: Radfahrer, die auf die Straßenverkehrsordnung pfeifen, mit Karacho über für sie nicht freigegebene Gehwege oder durch die Fußgängerzone brausen und dabei Fußgänger gefährden. Andere „schwarze Schafe“ auf dem Fahrrad ignorieren rote Ampeln, fahren nachts ohne Licht und brettern mit Tempo statt Rücksicht auf kombinierten Fahrrad- und Fußwegen entlang.

Seit dem 1. April gelten für einige Vergehen auf zwei Rädern höhere Bußgelder als bisher: Fahren ohne Licht kostet nun 20 Euro, eine Durchquerung der gesperrten Fußgängerzone schlägt mit 15 Euro zu Buche, beim Radeln auf der Fahrbahn trotz eines benutzungspflichtigen Radweges drohen 20 Euro Strafe.

Obwohl mit der erneuerten StVO auch einige Maßnahmen verbunden sind, die dem Radverkehr in der Innenstadt zugutekommen sollen, dreht sich die Diskussion jetzt wieder in erster Linie um die Frage: „Bringen höhere Strafen die Kampfradler zur Vernunft?“ Fahrrad-Verbände wie der ADFC sehen dies eher skeptisch, ihrer Meinung nach wäre es am wichtigsten, auf breiter Front die Infrastruktur für den Radverkehr zu verbessern.

Das ist auch die Gretchenfrage bei den Diskussionen, die an verschiedenen Stellen im Internet und anderswo geführt werden: Für die eine Gruppe sind in erster Linie die rücksichtslosen Radler schuld, während die Gegenseite argumentiert, dass Radler unterm Strich auch nicht häufiger gegen die Regeln verstoßen würden als Autofahrer. Die Ursache des Übels liege darin, dass Radfahrer vor allem in den Städten immer noch stiefmütterlich behandelt würden, obwohl sie mit ihrem Fortbewegungsmittel einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz und zur Verkehrsentlastung leisteten.

Wir wollen von Ihnen in unserer Leserfrage diesmal wissen: „Bremsen höhere Bußgelder Rüpel-Radler aus?“

Geben Sie Ihr Votum bitte unter www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Soll der Staat die Surfer-Welle fördern?“ Mit Ja antworteten 47 Prozent, mit Nein 53 Prozent.