Club: Wird die neue Saison sorgenfrei?

Den ersten Warnschuss vor den Bug hat der 1. FC Nürnberg schon bekommen: Ein peinliches Pokal-Aus in Havelse. Zudem sind mit dem torgefährlichen Didavi und Verteidiger Wollscheid wieder mal zwei wichtige Leistungsträger gegangen. Es könnte also durchaus wieder eine schwierige Saison drohen.

Andererseits war der Umbruch im vergangenen Jahr viel gravierender, zudem gibt es zahlreiche Mannschaften, die auf dem Papier von ihren Kadern her zumindest nicht stärker scheinen als der Club: etwa Augsburg, Freiburg, Mainz, Düsseldorf, der traditionsreiche Bundesliga-Dinosaurier HSV oder nicht zuletzt auch der fränkische Nachbar, die SpVgg Greuther Fürth.

Und was Havelse betrifft: Dort hat sich der 1.FC Nürnberg, damals unter der Regie des inzwischen verstorbenen Trainers Willi Entenmann, schon einmal blamiert. 1991 folgte ein Aus im Elfmeterschießen. Doch der Club spielte danach mit seinen damaligen Leistungsträgern wie Sergio Zarate, Dieter Eckstein, Andre Golke oder Andreas Köpke eine ganz sorgenfreie Saison, in der er sogar lange auf einen Uefa-Cup-Platz hoffen konnte und am Ende Siebter wurde.

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Club: Wird die neue Saison sorgenfrei?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Wird die Not der Flüchtlinge unterschätzt?“ Mit Ja antworteten 29 Prozent, mit Nein 71 Prozent.

Wen stellen wir nach oben?

Über den Aufstieg der Fürther freuen sich nicht alle. Viele Clubfans zum Beispiel. Sogar die Journalisten in der Region haben damit ihre Probleme. Die Spielvereinigung auf Augenhöhe mit dem „Ruhmreichen“, wie soll das denn praktisch aussehen? Wir haben schließlich nur einen Aufmacher im Sportteil oder auf unserer Internetseite. Also müssen wir uns entscheiden, wen stellen wir nach oben und wen nach unten, den Club oder die Spielvereinigung.

Eine Gleichheit von Meldungen herstellen, das widerspricht nämlich dem Selbstverständnis der Medien. Die müssen gewichten. Gleichheit gibt es ohnehin nicht. Auch hier: Der Club begreift sich nach wie vor als Nummer 1 in der Region, liegt aber nicht nur in der eigenen Einschätzung, sondern auch bei den Zuschauerzahlen oder beim Umsatz vorne und — nicht zuletzt — bei den sportlichen Erfolgen in der Fußballhistorie.

Eine ähnliche Argumentation vertritt allerdings auch der Bayerische Rundfunk, wenn ihm von Fans des FCN — oder neuerdings des FC Augsburg — vorgeworfen wird, die meiste Sendezeit dem FC Bayern München zu widmen und die anderen bayerischen Bundesligavereine zu vernachlässigen. Und selbst Clubfans wollen ungern mit den Bayern verglichen werden.

Man könnte freilich auch ergebnisorientiert herangehen. Mit einem 2:0-Sieg würde das Kleeblatt zur Topmeldung, wenn der Club gleichzeitig nur 1:0 gewinnt. Schafft der das allerdings gegen den BVB und Fürth nur gegen Mainz, was dann?

Vielleicht machen wir uns aber einfach nur zu viele Gedanken. Immerhin gilt auch: Suchen hält fit, gleich finden macht träge.

Was meinen Sie?

Haben Sie Mitleid mit dem FC Bayern?

Welt verkehrt: Der Club schaut sich die Abstiegszone durch das Fernglas an, die Bayern benötigen eben dieses, um nach dem Titel zu blicken. Symptomatisch dafür war der 25. Spieltag am 5.März: Während die Club-Spieler St. Pauli mit 5:0 abschossen und danach vor Freude auf dem Rasen hüpften, schlichen die Spieler des FC Bayern nach der bitteren Schlappe gegen Hannover 96 (1:3) mit hängenden Köpfen vom Platz.

Sie ließen auf der Tribüne ratlose und entsetzte Bayernbosse zurück, die das Unglück nicht fassen konnten.

Drei Tage zuvor mussten die Bayern noch das bittere DFB-Pokal-Aus gegen Schalke hinnehmen. Und dann der 15. März: Gegen Inter Mailand überzeugend und überlegen gespielt, und dann noch mit 2:3 verloren – die Bayern hatten sich selbst geschlagen. Da verschlug es dem Sky-Kommentator beinahe die Sprache. „Sie haben das Spiel verhühnert, den Gegner am Ende starkgemacht“, blieb ihm noch zu sagen.

Und wer noch länger vor dem Fernseher ausharrte, sah nach Spielende, wie Müller wutentbrannt die Hände in den Rasen krallte, einen Schweinsteiger, der fast noch eine Tätlichkeit gegenüber einem gegnerischen Spieler verübte und dann, wenige Minuten später, beim Interview mit der Fassung und den Tränen kämpfte. Das 6:0-Schützenfest gegen den HSV am 12. März erwies sich in dieser Dominanz als Eintagsfliege.

Letztlich brachte ausgerechnet der Club das Fass schließlich zum Überlaufen: Das Unentschieden mit dem kuriosesten Tor der Saison kostete Bayerntrainer van Gaal den Job und München vielleicht die Chance auf eine Champions-League-Teilnahme. Der amtierende deutsche Fußballmeister, Rekordmeister sowie Rekordsieger im DFB-Pokal, Ligapokal und Supercup, im Profifußball der erfolgreichste deutsche Fußballverein, muss nun – vollkommen ungewohnt – sehr kleine Brötchen backen. Im kommenden Jahr findet das Champions-League-Finale in München statt – mit den Bayern auf der Zuschauertribüne? Die Aussichten sind trübe, auch wenn die Mannschaft gestern ein 5:1-Torfestival gegen Bayer Leverkusen feiern konnte. Die großen Ziele hat der FC Bayern München schon verpasst – die Enttäuschung ist riesengroß. Nürnbergs „Lieblingsfeind“ steckt also in der Bredouille – die Kicker im FCN-Dress haben darin übrigens sehr viel Erfahrung…

Natürlich wird sich der eine oder andere (oder gar sehr viele?) der Club-Fans ob des Debakels der Bayern die Hände vor lauter Schadenfreude rot reiben. „Hochmut kommt vor dem Fall“, ist an Stammtischen in den letzten Tagen zu hören.

Andererseits sollte nicht vergessen werden, dass sich die Bayernführung gegenüber dem Club meistens sehr fair verhalten hat. Und nicht zu vergessen ist auch, dass der Club dank des FC Bayern München mit der Ausleihe des Mittelfeldspielers Mehmet Ekici eindeutig verstärkt werden konnte.

Solche Nettigkeiten werden auch künftig nur von einem starken FC Bayern zu erwarten sein. Wir wollen in unserer Leserfrage diesmal von Ihnen wissen: Haben Sie mit dem FC Bayern Mitleid?

Geben Sie Ihr Votum bitte auf www.nz.de/nz-dialog ab.

Die Frage der vergangenen Woche lautete: „Soll der ganze Hauptmarkt umgestaltet werden?“ Mit Ja antworteten 37 Prozent, mit Nein 63 Prozent.
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