Ist im Fasching alles erlaubt?

Über Humor lässt sich trefflich streiten. Schließlich hat jeder eine ganz eigene Vorstellung davon, was lustig und was dann doch eher geschmacklos ist. Meistens kommt es auf die Perspektive an. Wer selbst nicht gerade zur Zielscheibe humoresker Fehlversuche geworden ist, zeigt gerne mit dem Finger auf die Betroffenen, denen das Lachen im Halse stecken bleibt, und unterstellt ihnen einen Mangel an Humor.

Jüngster Fall, der heftige Debatten ausgelöst hat: Bei der „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim hat Norbert Neugirg von der Altneihauser Feierwehrkapell’n die Frau des französischen Präsidenten als „gut eingefahr’nen Schlitten“ und „schärfste alte Hütte“ bezeichnet. Er hat sich noch breiter zu dem Thema ausgelassen, was wir an dieser Stelle nicht tun wollen.

Brigitte Macron ist bekanntermaßen 24 Jahre älter als ihr Ehemann Emmanuel. Die Witze auf Kosten der First Lady Frankreichs kamen im Publikum nicht gut an und wurden auch später noch heftig kritisiert. Was wiederum jene aufregt, die verbale Grenzüberschreitungen im Fasching für zulässig halten. Aber: Ist Alter oder Aussehen tatsächlich ein für flache Spöttereien geeignetes Thema?

Gabi Eisenack

Ist im Fasching alles erlaubt?

Wir helfen dem Minister

soederAls Politiker hat man es in Stylingfragen manchmal schon schwer. Ständig gibt es Termine, immer Fotografen. Wie schön ist es da, dass auch Politiker mal Urlaub haben – und da auch so herumlaufen dürfen, wie sie es am schönsten finden. Auch bei Markus Söder steht jetzt so ein Urlaub an. Wie er ab kommender Woche aber aussehen will, das weiß er noch nicht. Ganz der Social-Media-Profi fragt er jetzt die Facebook-Gemeinde um Hilfe. „Ab nächster Woche Urlaub: Bart oder nicht? Was meint ihr?“ schreibt er jetzt bei Facebook und postet dazu ein Foto, das ihn mit (derzeit schwer angesagten) Bart zeigt. Die ersten Kommentare dazu ließen nicht lang auf sich warten. „Bitte um wichtige politische Themen kümmern, zum Beispiel Griechenland, Bahnstreik oder die nimmer endende Flüchtlingsproplematik“, schreibt etwa ein User. „An scheena Mo entstellt nix“, schreibt hingegen eine Nutzerin. Wie sehen Sie das? Mögen Sie Söder lieber mit oder ohne Bart im Urlaub begegnen? Stimmen Sie ab.

 

 

Soll sich Söder rasieren?

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Soll die Stadt mehr für den Fasching tun?

Verabschiedung FaschingsprinzenpaarAm 11. 11. stellt der Festausschuss Nürnberger Fastnacht das Prinzenpaar der neuen Faschingssaison vor, wie immer. Wie immer? Die Tradition, dass sich Karnevalsbegeisterte rechtzeitig freiwillig zur Verfügung stellen, bröckelt seit ein paar Jahren.

Nach 2007 und 2012 mussten die Organisatoren auch diesmal wieder in letzter Minute öffentlich um Kandidaten werben. Wer will’s machen? Es gibt auch keine Altersgrenze, keine Miss-Wahl-Jury, stattdessen Spaß, bitte, bitte!

Das klingt lustiger, als es für die 17 Nürnberger Faschingsgesellschaften ist. Als Vereine wollen sie das Brauchtum hochhalten, haben aber selbst Zeitnot und Nachwuchssorgen. Das Ehrenamt von Prinz und Prinzessin kostet nicht nur Extra-Zeit, sondern auch vierstellige Investitionen. Die Festgarderobe und die zu verteilenden Orden muss das Paar selbst bezahlen, von kleineren Zuschüssen abgesehen. Finanzierungssorgen plagen auch den Nürnberger Faschingszug und den mit ihm verwandten Schembartlauf, der immerhin aufs Spätmittelalter zurückgeht.

Fastnacht ist deutsches Kulturgut, und der vom Prinzenpaar angeführte Faschingszug unterhält jährlich Zehntausende Zuschauer. Müsste sich die Stadt Nürnberg diese Brauchtumspflege mehr kosten lassen? Mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Gelder? Oder soll der organisierte Frohsinn Privatsache bleiben? Wir wollen von Ihnen diesmal wissen: „Soll die Stadt mehr für den Fasching tun?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de auf der rechten Seite ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Braucht Nürnberg einen weiteren Fernbusbahnhof?“ Teilgenommen haben 335 Leser. Mit Ja antworteten 52,5 Prozent, mit Nein 47,5 Prozent.

Braucht Nürnberg ein Faschingsprinzenpaar?

Manche Dinge im Leben stellen sich derart quer und krumm, dass man sie besser sein lässt. Selten noch wurde jemand Chef-Pâtissier, der sich schon beim Spiegeleibraten in den Finger schneidet, und wer bereits beim Aufstehen von der Fernsehcouch Muskelkater empfindet, sollte seine geplante Karriere als Gardetänzer sanft infragestellen.

Vielleicht wäre das Sprichwort „Der Klügere gibt nach“ also ein treffliches Motto für die Anführer des Nürnberger Faschings. Zum wiederholten Mal müssen sie händeringend und auf den letzten Drücker nach einem Prinzenpaar suchen, während im Rheinland längst die Schlachtrufe ertönen. Unter einer halben Million Einwohnern scheint sich niemand zu finden, der das Ehrenamt der guten Laune auf sich nehmen mag.

In den 16 Nürnberger Karnevalsgesellschaften sitzen zwar genügend Narrenkappen-Liebhaber, doch die sind für die eigenen Veranstaltungen unentbehrlich geworden in einer Zeit, in der fast allen Freizeitvereinen das Fundament der Engagierten wegbricht. Außerhalb der Szene versteht sich hingegen kaum ein Mensch auf dieses hochspezifische Brauchtum. Man kennt gerade noch die Veitshöchheimer Fernsehübertragung. Warum man sich aber auf einer Prunksitzung nicht verkleidet und wieso Prinz und Prinzessin in ihrer Saison eigene Orden prägen lassen und diversen Menschen um den Hals hängen müssen, gibt den meisten Leuten Rätsel auf. Warum den Nürnberger Fasching nicht freiheitlich-anarchisch, ohne Prinz und Prinzessin, über die Bühne bringen?

((ContentAd))Wobei, traurig klänge es schon. Nürnberg hat einen historisch altbewährten Faschingszug. Wenn selbst noch so kleine Weiler Käse- oder Gurkenköniginnen hervorbringen können, dann sollte ein Fastnachts-Herrscherpaar in einer Großstadt dazugehören. Es tut ja kein Übel, sondern will Stimmung verbreiten, beim dekorativen Einmarsch in die Faschingssitzungen, bei Besuchen in Altenheimen und auf dem Prunkwagen am Faschingssonntag vor einigen Zehntausend Schaulustigen. Keines der bisherigen Paare habe seinen zeitraubenden Einsatz bereut, gibt der Festausschuss Nürnberger Fastnacht zu bedenken – sie hatten Spaß und manchmal sogar berufliche Vorteile. Franken, fasst euch ein Herz und werdet freiwillige Rekruten!

Unsere Leserfrage lautet deshalb in dieser Woche: „Braucht Nürnberg ein Faschingsprinzenpaar?“ Geben Sie Ihr Votum bitte unter www.nz.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Sind die Z-Bau-Pläne zu hoch gegriffen?“ Mit Ja antworteten 62 Prozent, mit Nein 38 Prozent.

Faschingszug in Geldnot

Am Sonntagnachmittag ziehen die Narren durch Nürnberg. Schön – aber wer zahlt? Den fröhlichen Gesichtern ist nicht anzusehen, dass sie sich Sorgen ums Geld machen. Denn noch im Spätherbst sah es deshalb wieder einmal so aus, als müsste der Umzug – einer der ältesten in Deutschland – ausfallen.
Und das kommt so: 10 000 Euro kostet die Parade, so hoch ist der Preis für städtische Genehmigungsgebühren, Straßensperrungen, Sicherheitspersonal, Gema und die anschließende Straßenreinigung. Die Startgebühr ist heuer für jede Gruppe auf 100 Euro gestiegen – ein kleiner Verein hat deshalb erstmals abgesagt. Ein bisschen pervers finden die Faschingsanhänger daran nur, dass politische Demonstranten aller Art für die Straßenbenutzung gar nichts zahlen müssen. Obwohl die ja viel hässlicheren Krach mitbringen und oft auch noch Zerstörungswut. Doch der Staat gewährt ihnen nach dem Versammlungsrecht gratis den öffentlichen Auftritt.

Die Stadt Nürnberg ist also nicht der Schuldige: Sie muss den Faschingszug offiziell abrechnen, wie alle Vergnügungsveranstaltungen. Aber sie hätte beispielsweise  Spielräume, sich für ein besseres Sponsoring der Parade stark zu machen, statt die Organisatoren um Spendengelder betteln zu lassen. Die Ehrenamtlichen aus den Karnevalsgesellschaften tun sich damit nebenbei schwer. Wir bringen Gaudi und 100 000 Zuschauer in die Stadt, sagen sie – das könnte man uns schöner danken. Wirte und Bäcker entlang der Zugstrecke machen nämlich traditionell ein gutes Geschäft mit dem Publikum, sonst würden sie ja nicht extra an diesem Sonntag öffnen.

Irgendwo muss es ja sitzen, das Geld für den Faschingszug! Oder gefällt er den Franken am Ende doch nicht so gut?

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