Der arme Markus!

Finanzminister Markus Söder hat derzeit richtig Pech. Obwohl er für die CSU bei schwierigen Sachverhalten ständig den Kopf hinhält, will Ministerpräsident Horst Seehofer einfach nicht weichen und spielt auf Zeit: Die CSU-Liste für die Bundestagswahl soll erst im Mai beschlossen werden und wer auf Platz 1 steht und nach Berlin geht, der darf auch von Seehofers Gnaden Parteivorsitzender werden. Das ist nicht Söders Ding.

Die Oberbayern halten derzeit fest zusammen. Söder wird von Münchner Zeitungen abgewatscht, weil er es wagt, eine kleine Dependance des Deutschen Museums in Nürnberg aufzumachen, und rund 200 Arbeitsplätze des Gesundheitsministeriums aus der Landeshauptstadt an die Pegnitz verlegt werden. Teile und herrsche ist nicht die Sache der Münchner. Sie bevorzugen das Herrschen über Altbayern, Schwaben und Franken.

Söder bekommt jetzt auch noch Ärger mit den Grünen und der SPD, die eine große süddeutsche Zeitung benutzen, und dem Finanzminister intransparentes Geldausgeben im Rahmen der Staatlichen Schlösser- und Burgenverwaltung vorzuwerfen. Das Beispiel ist natürlich die Kaiserburg in Nürnberg.

Es ist fast grotesk, dass nach Jahrzehnten der systematischen Vernachlässigung der Kaiserburg durch den Freistaat gerade hier ein Exempel statuiert werden soll: Als die Schlösser in Oberbayern mit vielen Millionen herausgeputzt wurden, war keine Kritik von südlich der Donau zu vernehmen. Hier bekommt man fast Mitleid mit Söder. Vielleicht hat er aber auch langsam genug von politischen Feinden wie Freunden. Viel Feind, viel Ehr‘, auch das gilt nicht mehr

Beim Ball der Union am vergangenen Samstag hat der CSU-Platzhirsch eine der unpolitischsten Begrüßungsreden gehalten. Es gab kaum ein Werben von Söder für die lokalen Kandidaten zur Bundestagswahl. Kein Appell an die Ballbesucher, die CSU im September bei der angeblichen Richtungswahl zu unterstützen. Manch einer hat gemunkelt, dass ein nicht allzu gutes Abschneiden der CSU bei der Bundestagswahl Söder in die Karten spielt: dann ist Seehofer nämlich weg und aus einer erneuten Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten bei der Landtagswahl 2018 wird nichts mehr. Doch das ist eine geradezu teuflische Spekulation.

Allerdings haben sich die CSU-ler in Oberbayern bei der Landtagswahl mit dem Spitzenkandidaten Günther Beckstein auch sehr zurückgehalten und ihn sehr schwach unterstützt. Beckstein-Plakate waren eine Rarität.

Söder weiß, dass die Zeit gegen ihn arbeitet. Ein Putsch geht nicht. Im Grunde kann er sowohl als Parteichef und als Ministerpräsident nur antreten, wenn Seehofer ihn lässt. Doch derzeit hat es den Anschein als ob der amtierende Ministerpräsident so lange weitermacht, bis er einen Oberbayern oder Niederbayern installieren kann.

Dieses Hinhalten hat zur Folge, dass Söder bei fast jeder Ortsverbandsversammlung im CSU-Bezirk Nürnberg, Fürth, Schwabach auftaucht und sich in den Vordergrund spielt. Etliche ächzen schon unter so viel Fürsorge. Dabei sind es nur Übersprungshandlungen.
André Fischer

EM 2024: Soll Nürnberg sich bewerben?

Noch ist es nur eine Interessenbekundung, die förmliche Bewerbung steht noch aus. Aber die Stadt Nürnberg hat schon mal klargemacht, dass sie offen dafür ist, bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 wieder ihr Stadion zur Verfügung zu stellen. Wer an die Begeisterung zurückdenkt, die etwa die Fans aus den Niederlanden oder aus Trinidad/Tobago bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 in die Stadt brachten, wird wohl eine Bewerbung auf den ersten Blick gut finden. Die vielen Touristen brächten natürlich auch Geld in die Stadt. Zudem käme durch eine solche Bewerbung neuer Schwung in die Debatte um die Modernisierung des Stadions. Doch da fangen die Probleme auch schon an: Die Stadt als Eigentümer kann sich den Umbau nicht leisten, der Club wohl auch nicht. Es ginge nur mit einem privaten Investor. Zudem könnte es sein, dass dem sportlichen Großereignis die Laufbahn im Stadion geopfert werden müsste – denn es steht zumindest zu befürchten, dass von Berlin abgesehen nur reine Fußballstadien den Zuschlag erhalten, weil der DFB sich in diesen Arenen mehr Stimmung verspricht. Für die Freunde der Leichtathletik wäre dies ein Schlag ins Kontor.

Marco Puschner

 

EM 2024: Soll Nürnberg sich bewerben?

Club: Soll der Profibereich ausgegliedert werden?

„Wir Clubfans brauchen den Erfolg nicht auf Teufel komm‘ raus, wir können warten“, wurde Christian Mössner von den Ultras Nürnberg in der NZ zitiert. Anlass war eine Diskussionsveranstaltung, ob überhaupt und wie die Fußball-Profi-Abteilung des 1. FC Nürnberg vom normalen Verein ausgegliedert werden kann. Der Club ist immer noch als eingetragener Verein mit einem Aufsichtsrat aufgestellt, das macht Entscheidungen schwieriger und vor allem dauern sie länger. Die Aufsichtsräte müssen sich dann vor der Jahreshauptversammlung des Vereins, die nicht immer rationalen Regeln folgt, verantworten. Der frühere Sportvorstand Martin Bader konnte die Emotionen der Fans zu seinen Gunsten steuern und blieb deshalb auch für viel zu lange im Amt. Allerdings sind solche Abstimmungsdramen bei Mitgliederversammlungen auch gelebte Vereinsdemokratie.
Viele der Fußballprofi-Vereine der ersten und zweiten Liga organisieren sich aber anders. Die ausgegliederten Profi-Bereiche gehören dann zwar noch zu den Vereinen oder die Vereine halten Aktien von den selbständigen Gesellschaften, doch die eigentlichen Entscheidungen treffen nur Fachleute im kleinen Kreis. Neben der effizienteren Entscheidungsfindung hat das Modell auch noch Vorzüge, wenn es um die Finanzierung von Spielern und um den Umgang mit Krediten geht.
Sieht man einmal von 1860 München oder dem HSV ab, die desolat gewirtschaftet haben und deshalb abhängig von Geldgebern sind, haben die Vereine mit einem ausgegliederten Profibereich mehr Erfolge und können noch am ehesten Spitzenfußball bieten als Vereine mit einer traditionellen Struktur.
Die Formulierung, dass man in Nürnberg, wenn man nichts ändert, etwas länger auf den Erfolg warten muss, wäre dann wahrscheinlich zu erweitern: Der Erfolg kann gar nicht mehr kommen, weil der Club wirtschaftlich mit Vereinen, selbst wenn sie kleiner sind, mithalten kann. Das Modell, das der 1. FC Nürnberg anpeilt würde aber kein reines Aktienmodell sein: Am Ende würde immer die Stimme des Vereinsvorsitzenden den Ausschlag geben.

André Fischer

Club: Soll der Profibereich ausgegliedert werden?

Haushaltsloch: Steuern rauf in der Stadt?

 

Marode Brücken, dringend notwendige Schulneubauten, der Bau eines Konzertsaals, die Sanierung von Meistersingerhalle und Opernhaus: Auf die Stadt (Foto: Oliver Acker) kommen immense Aufgaben und mithin auch Ausgaben zu. Kämmerer Harald Riedel (SPD) schlug deswegen vor, dass die Stadt ihre Einnahmesituation durch Erhöhungen von Gewerbe- und Grundsteuer verbessert.
Kritiker befürchten, dass deswegen Firmen abwandern oder sich gar nicht erst in Nürnberg ansiedeln. Außerdem sprudelten die Steuereinnahmen in den vergangenen Jahren, man müsse daher nicht noch an der Schraube drehen, finden sie. CSU-Stadtratsfraktionschef Sebastian Brehm mahnte an, doch zuerst einmal nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.
Auf der anderen Seite redet auch der Kämmerer vom Sparen und sieht in den Steuererhöhungen nur einen von mehreren Bausteinen, um das Loch im Haushalt zu stopfen. Riedel plant auch keine drastischen, sondern sehr moderate Erhöhungen. Und er meint, dass die durch die Steuern ermöglichten Projekte der gesamten Stadtgesellschaft zugute kämen und das zusätzliche Steuergeld damit sehr gut angelegt wäre.

 

Marco Puschner

 

Haushaltsloch: Steuern rauf in der Stadt?

  • Nein (85%, 17 Stimmen)
  • Ja (15%, 3 Stimmen)

Wähler insgesamt: 20

Sind wir zu kritisch mit unserem Tatort?

Essen, Duisburg, Düsseldorf, Köln, Münster, Dortmund – der Westdeut­sche Rundfunk (WDR) hat schon verschiedensten Städten zu „Tat­ort“- Ehren verholfen. Der Bayeri­sche Rundfunk (BR) dagegen hielt eisern an der Monopolstellung Mün­chens fest, 45 Jahre lang.
Erst 2015 bekamen endlich auch die Franken ihren schon lange gefor­derten „Tatort“. Doch die Freude darüber scheint abgeebbt: In Nürn­berg wurden die ersten beiden Fälle des neuen Ermittlerteams um die Kommissare Ringelhahn und Voss eher kritisch gesehen. Überregional dagegen kamen sie durchaus an, „Spiegel online“ zum Beispiel lobt den „unaufgeregten Tonfall“ der beiden Streifen – genau damit setzt der Franken-Tatort übrigens in der Tat einen Kontrapunkt in Zeiten, in denen die Krimireihe – wohl als Konsequenz aus dem Erfolg der Münsteraner Fälle – oft sehr zum Klamauk neigt.
Manche Stimmen bemängeln Unstimmigkeiten – etwa, dass man zum Beispiel im ersten Franken-Tat­ort vor dem Rathaus Wolff’scher Bau parken konnte. Aber darf sich denn ein Filmteam, das sich mit sei­nem Krimi ja ohnehin im Reich der Fiktion bewegt, hier nicht gewisse poetische Freiheiten nehmen? Auch solche Kleinigkeiten interessierten ortsunkundige überregionale Zu­schauer
freilich weniger.

Marco Puschner

Sind wir zu kritisch mit unserem Tatort?

Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?

Die Stadtspitze trägt sich mit dem Gedanken, dass Nürnberg sich um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben soll. Bis zum Herbst soll das Konzept für die Bewerbung stehen und endgültig entschieden werden, ob Nürnberg seinen Hut in den Ring wirft. 2019 treffen dann die europäischen Gremien die endgültige Auswahl.
Pragmatiker fragen: Was bringt der Titel? Spötter sagen: Ein Titel ohne Wert. Sparfüchse: Ist zu teuer. Es sind Summen von immerhin 40 bis 200 Millionen Euro genannt worden, die angeblich eine Bewerbung kosten würde. Das wäre natürlich für Nürnberg viel zu teuer. Auch wenn die großen Summen Erfahrungswerte von anderen Bewerbungen sind: In diesen Beträgen sind natürlich nicht nur die reinen Bewerbungskosten enthalten, sondern auch die Projekte, die mit angeschoben wurden. Wenn man in Nürnberg allein die Kosten für den neuen Konzertsaal und die Sanierung der Meistersingerhalle samt Opernhaus zusammenzählen würde, käme man schon auf über 200 Millionen Euro.
Dass die Bewerbung Geld kostet, ist unbestritten. Bei rund 10.000 städtischen Mitarbeitern müsste es allerdings möglich sein, fünf Stellen für die nächsten zweieinhalb Jahre bereitzustellen, um Ideen zu sammeln, Bürger zu aktivieren und auf die Suche nach neu ansetzenden Entwicklungen zu gehen, die 2025 die Gesellschaft prägen werden, und diese dann herauszuarbeiten. Bei den Veranstaltungen zur Kulturhauptstadt geht es nicht nur um Konzerte und Ausstellungen, sondern auch darum zu fragen, was die Gesellschaft in allen Bereichen noch zusammenhält und wohin Europa sich entwickeln soll. Einmal innezuhalten und Selbstvergewisserung zu betreiben, ist die eigentliche Aufgabe einer Kulturhauptstadt Europas.
Der Charme für Nürnberg besteht darin, dass es schon längst nötig wäre, einmal zu überlegen, welche übergeordneten Ziele die Stadt verfolgen soll. Die Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt wäre dann eher ein Stadtentwicklungsprojekt für Nürnberg: Wohin die Entwicklung gehen soll, was sich bündeln und damit stärken lässt, wo Defizite sind und wie dieses behoben werden können.

André Fischer

Soll sich Nürnberg als Kulturhauptstadt bewerben?

Bedauern Sie das Aus für das Altstadtrennen?

altstadtrennenNach dem Ende der „fetten Jahre“ in den 1990ern, als Radsport in Deutschland unheimlich populär war, mussten die Fans mehrfach schon um die Zukunft des Altstadtrennens zittern. Durch die Kooperation mit der Bayern-Rundfahrt konnte die Veranstaltung ab 2013 noch einmal für drei weitere Auflagen gerettet werden, so dass das Nürnberger Radrennen heuer immerhin das 25. Jubiläum erlebte. Nun aber ist den Veranstaltern der Bayern-Rundfahrt selbst das Geld ausgegangen – als Konsequenz ist auch die Schlussetappe in Nürnberg Geschichte. Die Stadt hat eine Großveranstaltung weniger.

Neben den Radsportfreunden, die die Strecke säumten und den Profis zuschauten, mögen das auch die vielen Freizeitsportler bedauern, die bei den „Jedermann-Rennen“ begeistert mitmachten und die an Wettbewerben wie „Run and Bike“ ihren Spaß hatten. Diejenigen, die Nürnberg als unattraktiv diffamieren, haben nun vielleicht ein Argument mehr.

Auf der anderen Seite waren mit dem Rennen auch massive Einschränkungen für die Bürger verbunden, musste doch die Altstadt weitgehend gesperrt werden. Und dann stellt sich obendrein die Frage, ob die ewige Wiederholung der immer gleichen Großveranstaltungen nicht auch Langeweile erzeugt: Jedes Jahr Blaue Nacht, jedes Jahr Rock im Park, jedes Jahr Bardentreffen, jedes Jahr Norisring, jedes Jahr Stadtverführungen und bisher auch alljährlich ein Radrennen. Das fällt nun weg. Was im besten Fall Stadtrat und -verwaltung vielleicht den Anstoß gibt, sich mal etwas Neues auszudenken. Insofern könnte das Ende auch in einen Aufbruch münden.

Marco Puschner

Wir wollen deshalb in unserer Leserfrage der Woche von Ihnen wissen:

Bedauern Sie das Aus für das Altstadtrennen?

Brauchen wir einen Tag der Franken?

Oft wird Ministerpräsident Horst Seehofer ja eine gewisse Wankelmütigkeit vorgeworfen. Beim „Tag der Franken“ (Foto: dpa) hat er nun diesen Ruf oberflächlich betrachtet bestätigt, denn auf die Zu- folgte die Absage. Aber andererseits scheint es verständlich, dass der CSU-Politiker angesichts der derzeitigen europa- und bundespolitischen Situation Wichtigeres zu tun hat, als auf Festivitäten zu gehen. Zumal man schon fragen kann, welchen Sinn ein solches Fest überhaupt hat. Offiziell soll an die Gründung des Fränkischen Reichskreises am 2. Juli 1500 erinnert werden, aber es geht wohl auch darum, das Selbstbewusstsein der Franken zu stärken, wo doch in Bayern von Oberbayern aus regiert wird – und Nürnberg und Co. oft den Eindruck haben, zu kurz zu kommen.
Die Befürworter eines „Tags der Franken“ sind denn auch der Meinung, dass man sich hier der eigenen Kultur und der eigenen Identität versichern kann, dass man sensibilisiert wird für die Geschichte der Region. Außerdem gibt es ein buntes Unterhaltungsprogramm sowie geselligen Austausch beim Bier – und obendrein sollte man doch die Feste feiern wie sie fallen. Die Gegner finden eine solche Einrichtung wie den „Tag der Franken“ vielleicht ein wenig provinziell. Zudem haben die Franken doch nun einen eigenen „Tatort“, und das zählt doch vielleicht viel mehr als ein solches Fest.

Marco Puschner

Brauchen wir einen Tag der Franken?

Wir helfen dem Minister

soederAls Politiker hat man es in Stylingfragen manchmal schon schwer. Ständig gibt es Termine, immer Fotografen. Wie schön ist es da, dass auch Politiker mal Urlaub haben – und da auch so herumlaufen dürfen, wie sie es am schönsten finden. Auch bei Markus Söder steht jetzt so ein Urlaub an. Wie er ab kommender Woche aber aussehen will, das weiß er noch nicht. Ganz der Social-Media-Profi fragt er jetzt die Facebook-Gemeinde um Hilfe. „Ab nächster Woche Urlaub: Bart oder nicht? Was meint ihr?“ schreibt er jetzt bei Facebook und postet dazu ein Foto, das ihn mit (derzeit schwer angesagten) Bart zeigt. Die ersten Kommentare dazu ließen nicht lang auf sich warten. „Bitte um wichtige politische Themen kümmern, zum Beispiel Griechenland, Bahnstreik oder die nimmer endende Flüchtlingsproplematik“, schreibt etwa ein User. „An scheena Mo entstellt nix“, schreibt hingegen eine Nutzerin. Wie sehen Sie das? Mögen Sie Söder lieber mit oder ohne Bart im Urlaub begegnen? Stimmen Sie ab.

 

 

Soll sich Söder rasieren?

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