Coronavirus: Ist die Vorsicht übertrieben?

Zu den vielen Fragen, die das Coronavirus Covid-19 zum Gesprächsthema Nummer eins dieser Tage machen, zählt auch diese: Tickt die Menschheit eigentlich noch richtig mit ihren immer weiter reichenden Schutzmaßnahmen vor der Ausbreitung eines zwar schnell reisenden, aber statistisch nicht maßgeblich tödlichen Atemwegsinfekts?
Auf die Abschottung Chinas folgten Einreiseverbote vieler Länder gegen etliche Nationen, darauf die Abschottung Italiens und nun auch in Deutschland das Ringen ums richtige Maß an Quarantäne. Manche Schüler werden plötzlich ausgesperrt, Lehrer dagegen nicht, mal mit Virustest, mal ohne. Arbeitgeber schicken gesunde Mitarbeiter nach Hause, welche wiederum vorsichtshalber noch schnell eine Extraration Klopapier und Nudeln mit Sagrotan einkaufen (Foto: dpa).
Es ist wahrscheinlich unvermeidlich, dass es in der sich täglich ändernden Lage zu inkonsequenten Entscheidungen kommt. Der deutsche Föderalismus, aber auch die unterschiedlich beflissenen Handlungen ängstlicher Firmenleitungen und Veranstalter, verhindern Systematik. Einleuchtend ist freilich die Devise der Behörden, zum Schutz der wenigen Schwerkranken die Infektionszahlen einzudämmen.

Isabel Lauer

Coronavirus: Ist die Vorsicht übertrieben?

Rauchverbot in der Öffentlichkeit?

Debatten um Rauchverbote verlaufen unversöhnlich und finden bis heute kein Ende. Das macht sie aber nicht überflüssig. In Schleswig-Holstein ist dieser Tage das Rauchen auf öffentlichen Spielplätzen verboten worden. Das ist in Bayern übrigens schon seit 2008 der Fall – was aber weitgehend unbekannt blieb. Jedenfalls haben Lungenmediziner die Gesetzesänderung im Norden wieder zum Anlass genommen, noch viel weiterreichende Rauchverbote zu fordern: auch im Auto und in der Öffentlichkeit generell. Passivrauchen schädige insbesondere die Lungen von Kindern unumkehrbar, also sei es unbedingt einzudämmen.

Streng medizinisch betrachtet kann es hier keinen Einwand geben. Jede nicht gerauchte Zigarette tut dem Körper gut, auch dem des Gegenübers. Und ein Mangel an Gelegenheiten minimiert die Lust so manches Gelegenheitsrauchers. Gesundheitsaufklärung und rücksichtsvolles Miteinander nützen einem Kind von Rauchern sonst nämlich nichts. Auf der anderen Seite lässt sich Menschen kein gesundes Leben per Gesetz verordnen. In Gaststätten, am Arbeitsplatz und in Verkehrsmitteln ist der Tabak schon weitgehend zurückgedrängt. Der Rest, so kann man freiheitlich argumentieren, fällt nun mal in den Bereich der allgemeinen Lebensrisiken.

Isabel Lauer

Rauchverbot in der Öffentlichkeit?

Soll Kleingeld abgeschafft werden?

Tonnenschwer fühlt sich bisweilen die Geldbörse an, dabei befinden sich keineswegs Reichtümer darin. Es sind die Ein- und Zwei-Cent-Münzen, die sich zuhauf darin breit machen und für Gewicht sorgen (Foto: fabersam/pixabay). Aber: Wer will sie wirklich haben? Kein Parkautomat nimmt sie an. Aber Geld ist doch Geld, oder nicht? Ob Münze oder Schein.
Dieser Tage hat die EU-Kommission die Diskussion entfacht, ob es nicht sinnvoll wäre, die Mini-Münzen abzuschaffen. In Ländern wie Belgien oder den Niederlanden lässt man schon längst alle Fünfe gerade sein. Das heißt: Man rundet auf oder ab. Auch weisen Experten darauf hin, dass die Herstellungskosten der Ein- und Zwei-Cent-Münzen höher sind als der Wert des Klimpergeldes an sich. Statt 1.99 Euro zahlt man dann eben zwei Euro. Auch Abrunden ist freilich möglich.
Kritiker der Kleingeldabschaffungs-Idee befürchten allerdings damit einen Anfang vom Ende des Bargelds.

Gabi Eisenack


Soll Kleingeld abgeschafft werden?

Bauernprotest: Haben Sie Verständnis?

Sie kamen zu Tausenden mit ihren Traktoren auf den Volksfestplatz: Vor Kurzem protestierten bayerische Bauern gegen die aktuelle Agrar- und Umweltpolitik. Die Landwirte klagen über überbordende Bürokratie, die sie immer stärker in ihre Büros zwingt, statt auf dem Acker und bei den Tieren ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen. Über immer höhere Auflagen bei Pflanzen- und Düngemitteln. Und über die mangelnde Wertschätzung ihres Berufsstands in der Gesellschaft. „Ohne Landwirtschaft wärst du hungrig, naggad und nüchtern“, war bei der Demo auf einem Plakat zu lesen. Die Landwirte monieren, dass die Bürger ihre Vorgärten in Steinwüsten verwandelten und gleichzeitig beim Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben, um ihr Gewissen zu erleichtern.

Nicht wegdiskutieren lassen sich allerdings die hohen Nitratwerte im Grundwasser. Oder ein massives Insektensterben, das Wissenschaftler auf der ganzen Welt alarmiert. Beides unter anderem ausgelöst durch eine immer intensivere Landwirtschaft. Und sicher wird kein Bauer bestreiten, dass es auch in seiner Branche schwarze Schafe gibt, die es mit einer verhältnismäßigen Düngung nicht immer so genau nehmen. Da wirken die Proteste doch etwas übertrieben.

Judith Horn

Bauernprotest: Haben Sie Verständnis?

Masern: Ist Impfpflicht der richtige Weg?

Ab März 2020 wird es in Deutschland eine Masern-Impfpflicht geben. Das Thema ist seit Jahren Gegenstand kontroverser Diskussionen. Nun schafft der Bund Fakten. Eltern müssen nachweisen, dass ihre Mädchen und Jungen geimpft sind, wenn sie in einen Kindergarten oder in die Schule kommen. Auch die Erzieherinnen und Erzieher müssen geimpft sein, Lehrer, medizinisches Personal und Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften.

Kritiker sehen in dieser Entscheidung einen Eingriff auf das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Befürworter verweisen auf die Gefährlichkeit von Masernerkrankungen. Sie können im schlimmsten Fall zu Lungen- und Hirnhautentzündungen führen und tödlich enden.

Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn werden Masern in Deutschland viel zu häufig unterschätzt. Zwar hätten 97 Prozent der Schulanfänger die erste Impfung bekommen, aber bei der entscheidenden zweiten gebe es große regionale Unterschiede, so das Bundesgesundheitsministerium. So werde auf Bundesebene die nötige Quote von 95 Prozent nicht erreicht. Erst dann aber sei ein Gemeinschaftsschutz möglich. Mit der neuen Regelung soll auch die Aufklärung der Bevölkerung verstärkt werden.

Gabi Eisenack

Masern: Ist Impfpflicht der richtige Weg?“

Begrüßen Sie die Abschaffung der Sargpflicht?

Es gibt sie bisher nur noch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern: die Sargpflicht. Sie soll nun in Bayern abgeschafft werden. Damit soll es Muslimen und Juden in Zukunft ermöglicht werden, ihre Toten statt in einem Sarg in ein Tuch eingehüllt zu beerdigen, wie es in den beiden Religionen üblich ist.

Um die Umsetzung der Neuregelung werden sich die Städte kümmern müssen – eine Herausforderung. Denn es ist nicht klar, wie diese Form der Bestattung in der Praxis umgesetzt werden kann. Es kommen Fragen auf: Wie bekomme ich jemanden, der von einem Tuch umgeben ist, pietätvoll in ein Grab? Wie kann ich den Toten zuvor lagern? Außerdem zersetzt sich ein Leichnam langsamer, wenn er in einem Tuch beigesetzt wird.

Vor allem Stimmen aus der SPD begrüßen die Neuregelung, diese sei ein überfälliges Zeichen des Respekts gegenüber unterschiedlicher Bestattungstraditionen. Die Sozialdemokraten sehen darin vor allem einen Fortschritt in der Integrationspolitik.

Claudia Urbasek

Begrüßen Sie die Abschaffung der Sargpflicht?

Soll Nürnberg ein Wildtierverbot erlassen?

Die Frage, ob es in Ordnung ist, Löwen, Zebras oder Kamele in die Manege zu schicken, wird immer wieder mit Leidenschaft diskutiert, wenn ein Zirkus mit Wildtieren in Nürnberg gastiert. Derzeit ist es der Zirkus Krone, der auf dem Volksfestgelände sein Zelt aufgebaut hat.

Tierschützer sehen die Städte in der Pflicht und fordern, dass sie Gastspiele von Zirkussen mit Wildtieren auf öffentlichen Arealen verbieten. Eine Reihe von Kommunen hat bereits Verbote erlassen – die allerdings von Gerichten immer wieder gekippt werden. Unter anderem, weil die Künstler ein Recht auf Arbeit hätten. Zirkusbesitzer verweisen außerdem auf die Amtstierärzte, die streng kontrollierten, wie die Tiere gehalten und versorgt werden.

Gabi Eisenack

Soll Nürnberg ein Wildtierverbot erlassen?

Gelbe Tonne: Eine gute Lösung?

Es war ein endloses Ärgernis: Schon Tage vor der Abholung lagen die Gelben Säcke vor den Häusern, platzten wegen ihrer Dünnhäutigkeit auf und ihr wenig ansehnlicher Inhalt verteilte sich auf Straße und Gehweg. Den Zustand wollten viele Bürger nicht hinnehmen und überhäuften die Stadt mit Beschwerden. Diese hat jetzt reagiert und schafft das Problem aus der Welt.

Ab dem neuen Jahr wird nun der Gelbe Sack abgeschafft und die Gelbe Tonne eingeführt. Nach einigem Hin und Her konnte die Stadt mit dem Systembetreiber eine Einigung erzielen. Die ungeliebten Müllsäcke werden künftig nicht mehr das Straßenbild verschandeln.

Kritiker der Umstellung sind allerdings skeptisch. Nicht überall sei schließlich Platz für noch eine weitere Tonne. Da gibt es immerhin schon einen Behälter für Altpapier, einen für Biomüll und einen für den Restmüll. Wie soll ein weiteres sperriges Teil in den Vorgarten passen? Die Stadt verweist auf die Wertstoffhöfe. Wer will, kann auch dort seinen Verpackungsmüll abladen. Ein Gelber-Tonnen-Zwang besteht nicht.

Marco Puschner

Gelbe Tonne: Eine gute Lösung?

Falschparker mit Punkten bestrafen?

Falschparker sind ein Ärgernis, ein Hindernis und sie gefährden andere Verkehrsteilnehmer. Um für mehr Disziplin zu sorgen, will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Strafen erhöhen und Punkte in der Flensburger Kartei verteilen. Bislang gab es Punkte nur, wenn Rettungswege behindert werden. Künftig würde es auch diejenigen treffen, die mal eben in zweiter Reihe parken, um sich ein paar Brötchen zu holen.

In der Stadt einen Parkplatz zu finden, ist nervenaufreibend. Doch seinen Wagen einfach dort stehen zu lassen, wo er dem restlichen Verkehr im Wege ist, ist egoistisch und fahrlässig. Vielleicht können höhere Strafen tatsächlich den ein oder anderen dazu bringen, seine Bequemlichkeit zu überwinden und entweder gleich zu Fuß zu gehen oder einen ordentlichen Stellplatz zu suchen.

Allerdings: Was etwa ist mit den Paketboten, die unter massivem Zeitdruck Internet-Bestellungen an den Mann bringen müssen? Und wer soll die Kontrolle übernehmen? Die jetzt schon überlastete Polizei?

Gabi Eisenack

Falschparker mit Punkten bestrafen?

Sollen Plastiktüten ganz verboten werden?

Wer nach Ruanda, Kenia oder Tansania reist, sollte seinen Koffer mit Bedacht packen. Hat er Schuhe in eine Plastiktüte gewickelt, bekommt er Stress oder drakonische Geldstrafen bei der Gepäckkontrolle. Denn viele afrikanische Staaten haben Plastiktüten verboten. Das Leben geht dort trotzdem weiter, und die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) kann sich das nun nach der CSU auch vorstellen.

Ein Schritt zur dringend notwendigen Entmüllung der Welt ist so ein Verbot natürlich. Tüten, ob kostenpflichtig oder gratis, landen oft genug im Gebüsch oder Gewässer. Skeptiker halten die Idee aber für Symbolpolitik mit geringer Wirkung. Denn ein Verbot löst das Problem dahinter nicht: unser – im Vergleich zu Afrika weit verschwenderischerer – Konsum von Einwegwaren aller Art. Und dem Irrtum, Papier- und Stofftragetaschen seien umweltfreundlich, sitzen viele Leute auf.

Isabel Lauer

 

Sollen Plastiktüten ganz verboten werden?