Soll Organspende zur Norm werden?

Die Zahl der Organspenden ist in Deutschland auf einen Tiefststand gesunken. Das müsste nicht so sein. Weit mehr Schwerstkranke könnten versorgt werden, und die Hoffnung liegt nahe, dass das ein Gesetz erleichtern kann: die Widerspruchslösung. Diese gilt inzwischen in den meisten Ländern Europas und schreibt vor, dass jeder Volljährige mit seinem Tod zum Organspender werden kann, außer er hat zu Lebzeiten widersprochen. Erst vor wenigen Tagen haben sich auch die Niederlande dazu entschlossen. Der Deutsche Ärztetag sprach sich schon 2010 dafür aus.

In Deutschland gilt noch die Entscheidungslösung – wer Organe spenden will, muss dies aktiv quittieren. Würde man das Verfahren umkehren, könnte man die Schweigenden bei ihrer Bequemlichkeit packen. Doch es gäbe auch eine Gefahr bei diesem Schritt. Beim sensiblen Thema Organspende sind viele Zweifler nachhaltig zu verschrecken, sobald sie einen Hauch von Zwang spüren. Das Gefühl, der eigene Körper würde automatisch der Gesellschaft übergeben, dürfte viel Ablehnung hervorrufen.

Zudem scheint der Rückgang bei den Transplantationen nicht direkt mit der Spendebereitschaft zusammenzuhängen. Immer mehr Deutsche haben jetzt einen Organspendeausweis – ein Problem liegt vielmehr in den Krankenhäusern. Kliniken kümmern sich aus Zeit- und Personalnot zu selten um die aufwändige Abwicklung der Organentnahme und übersehen so Spender. Diese Systematik zu verbessern, verspräche vielleicht mehr Erfolg als die Umstellung auf die Widerspruchslösung.

Isabel Lauer

Soll Organspende zur Norm werden?

Haben Sie Ihre Vorsätze für 2017 wahr gemacht?

Was nehmen Sie sich fürs neue Jahr vor? Das wollte die Krankenkasse DAK-Gesundheit von den Deutschen wissen. Sie gab eine Forsa-Studie mit mehr als 3500 Befragten in Auftrag. Demnach haben sich die Deutschen für 2018 vor allem vorgenommen, Stress zu vermeiden. 59 Prozent haben diesen Neujahrsvorsatz formuliert, dicht gefolgt vom Wunsch, mehr Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Über die Hälfte der Befragten möchte mehr Sport treiben, 48 Prozent wünschen sich mehr Zeit für sich, 47 Prozent wollen sich gesünder ernähren. Knapp ein Drittel möchte abnehmen oder sparsamer sein. Jeder Fünfte möchte weniger Zeit mit Handy, Computer oder Internet verbringen – bei den jungen Erwachsenen ist es sogar jeder Dritte. 15 Prozent nehmen sich vor, weniger fernzusehen. Jeder Zehnte will weniger Alkohol trinken oder aufhören zu rauchen.
So mancher formuliert jedes Jahr wieder die gleichen Vorsätze – weil er oder sie es nicht geschafft hat, auch nur einen langfristig umzusetzen. Experten raten dazu, sich nur kleine Veränderungen vorzunehmen und die Ziele positiv zu formulieren. Aber ergibt es überhaupt Sinn, sich jedes Jahr aufs Neue etwas vorzunehmen oder ist die Enttäuschung sowieso vorprogrammiert? Viel interessanter als die Frage nach den guten Vorsätzen für nächstes Jahr finden wir deshalb den Rückblick.

Stephanie Siebert

Haben Sie Ihre Vorsätze für 2017 wahr gemacht?

Soll die Stadt auf Tabakwerbung verzichten?

In Amerika werden die Tabakkonzerne gezwungen, eine millionenschwere Werbekampagne gegen das Rauchen zu finanzieren. „Rauchen tötet im Schnitt 1200 Amerikaner — täglich“, lautet die Botschaft in den Anzeigen. Rauchen erzeugt Krebs, ist für Asthma verantwortlich und lenkt überdurchschnittlich oft vom Lenken eines Autos ab, was zu Unfällen führt. Das ist alles wissenschaftlich unbestritten.
Dagegen versucht die Werbung für Tabakwaren in Deutschland ein ganz anders Bild zu vermitteln: Wer raucht, der ist Teil eines lässigen Lebensstils und verkörpert einen individuellen Charakter. Gleichzeitig wird alles Mögliche in Schulen unternommen, um junge Leute vom Rauchen abzuhalten. Die Nürnberger Grünen sehen diesen Widerspruch und kritisieren deshalb, dass Deutschland das einzige EU-Land ist, in dem Außenwerbung für Tabak noch erlaubt ist.
Die Grüne-Stadtratsfraktion forderte deshalb die Stadtreklame auf, nicht mehr für Tabakkonsum zu werben. „Als Kommune hat Nürnberg die Möglichkeit, zumindest auf städtischen Flächen diesem Missstand ein Ende zu bereiten“, formuliert Achim Mletzko, Fraktionschef der Grünen. „Die Stadt ist nicht verpflichtet, ihre Außenwerbeflächen für Tabakwerbung zur Verfügung zu stellen.“ Die Stadtreklame Nürnberg hat noch bis 2020 das exklusive Recht zur Vermarktung der städtischen Werbeflächen. Dann wird neu verhandelt.
Auf der anderen Seite gibt es die freiwillige Selbstverpflichtung der Tabakindustrie, nicht vor Schulen, Kindertagesstätten und Jugendeinrichtungen für ihre Produkte zu werben. Diese Regelung wird in Nürnberg eingehalten. Auch gibt es kein generelles Tabakwerbeverbot in Deutschland. Muss außerdem eine private Angelegenheit wie das Rauchen werbetechnisch geregelt werden? Wer raucht, der sollte alt genug sein, darüber selber zu entscheiden.

André Fischer

 

Soll die Stadt auf Tabakwerbung verzichten?

Macht Ihnen die Zeitumstellung zu schaffen?

Wer hat an der Uhr gedreht? Jedes halbe Jahr aufs Neue fragen sich das viele Menschen, nachdem die Uhr umgestellt wurde – wie in der vergangenen Nacht jetzt wieder. Alle sechs Monate müssen sich Körper und Zeitgefühl neu einstellen. Das geht vor allem an älteren Menschen nicht mehr ganz so spurlos vorbei. Insbesondere Frauen macht die Veränderung zu schaffen. Das ergab jüngst eine Forsa-Umfrage. Sie fühlen sich schlapp, können sich schlecht konzentrieren oder einschlafen. Kritiker sprechen außerdem von einer geringen Akzeptanz der Zeitveränderung in der Bevölkerung.

Viele fragen sich deshalb – wie auch NZ-Leser Alfons Fendt, der uns zu dieser Leserfrage der Woche inspirierte –: Ist die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt wirklich noch zeitgemäß? Oder ist es nur ein unnötiger Stressfaktor?

Andererseits war es in der Nacht zum Sonntag natürlich schön, eine Stunde länger schlafen zu können. Weil die Uhren von drei auf zwei Uhr zurückgestellt wurden, gilt nun wieder die normale Mitteleuropäische Zeit (MEZ) – die Winterzeit. 1980 wurde die Zeitumstellung eingeführt. Durch das Vorstellen der Uhr im Frühjahr auf die Sommerzeit sollte Energie gespart werden. Die Überlegung war: Wenn sich der Tag um eine Stunde nach vorne verschiebt, wird weniger Beleuchtung und damit weniger Strom verbraucht. Doch ein energiesparender Effekt konnte bislang kaum nachgewiesen werden.
Meike Kreil

Macht Ihnen die Zeitumstellung zu schaffen?

Sind Tierversuche noch zeitgemäß?

Die Wogen schlagen hoch, seit an die Öffentlichkeit drang, dass die Paracelsus Universität (PMU) auf dem Nürnberger Klinikumsgelände Tierversuche durchführen will. Mäuse und Ratten sollen Tests unterzogen werden, um in der Forschung zu künstlichen Knorpeln voranzukommen. Martin Wilhelm, Chefarzt der Onkologie am Klinikum und ehemaliger PMU-Forschungsdekan, hat kürzlich erklärt, dass Tierversuche nach wie vor nötig seien, will man nicht Menschen unnötig in Gefahr bringen oder gar Menschenversuche durchführen. Mensch und Maus seien unterschiedlich, aber dennoch gewinne man wichtige Erkenntnisse, wenn man Substanzen in einem komplexen Organismus wie dem dieser Nagetiere teste.
Auf der anderen Seite argumentieren  Tierversuchsgegner (Foto: Roland Fengler) – etwa die Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ oder die Tierschutzpartei –, dass man dank moderner Computersimulationen nicht nur keine Tiere mehr quälen müsse, sondern sogar wesentlich präzisere Ergebnisse bekomme. Grüne und ÖDP haben daher im Verwaltungsrat des Klinikums auch gegen die Pläne gestimmt.

Marco Puschner

Tierversuche: Sind sie noch zeitgemäß?

 

Kaufen Sie jetzt mehr Eier aus der Region?

Die Lebensmittelbranche hat einen neuen Skandal: Nach Pferdefleisch-Lasagne und Listerien in der Wurst ist nun das Insektengift Fipronil in Eiern entdeckt worden. Das Mittel wurde offenbar in Belgien verbotenerweise einem Desinfektionsmittel für die Nutztierhaltung beigemischt – und kam auch in Ställen in den Niederlanden und in Deutschland zum Einsatz.

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium schätzt, dass mehr als zehn Millionen aus den Niederlanden stammende belastete Eier in Deutschland verkauft worden seien. Hinzu kommen womöglich noch mehrere Zehntausende Eier aus Niedersachsen – dort war in vier Legehennenbetrieben Fipronil nachgewiesen worden. Auch Länder wie die Schweiz, Schweden und Großbritannien sind betroffen.

Für den Verbraucher besteht laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) durch den Verzehr von Eiern „keine konkrete“ Gesundheitsgefährdung. Bei Kindern sieht es anders aus: Beim Verzehr von zwei belasteten Eiern bestehe die Möglichkeit „einer gesundheitlichen Gefährdung“, heißt es. Inzwischen gab es auch die ersten Rückrufaktionen von Produkten mit verarbeiteten Eiern – betroffen waren Salate einer Firma aus Lübeck. Experten zufolge dürften auch in Mayonnaise und Eierlikör Fipronil-Rückstände zu finden sein.

Egal, welche Wendungen der aktuelle Eier-Skandal noch nimmt: Das Vertrauen in den globalisierten Lebensmittelmarkt ist wieder einmal erschüttert worden. Während mancher Verbraucher inzwischen resigniert hat, sind andere verängstigt und überdenken ihr Konsum- und Kaufverhalten. Bio-Betriebe in der Region melden bereits eine Nachfrage nach Eiern, die sie kaum noch bewältigen können. Der Betreiber eines Öko-Geflügelhofs im Nürnberger Land schätzt, dass in sechs bis acht Wochen alles wieder wie vorher ist – es bis dahin aber eine richtige Eierknappheit geben wird. Judith Horn; Foto: Udo Schuster

Kaufen Sie jetzt mehr Eier aus der Region?

Braucht Nürnberg Alkohol-Konsumräume?

Alkohol-Konsum in der Öffentlichkeit scheint zu einem Problem zu werden. In der Königstorpassage sammeln sich häufig Trinker, es wird gepöbelt, mitunter fliegen die Fäuste. Und in den Stadtvierteln klagen Bürgerinnen und Bürger darüber, dass öffentliche Plätze, Spielplätze und Parkanlagen zu Treffpunkten für Alkoholgelage mutieren. Vor allem Familien und ältere Menschen fühlen sich in solcher Gesellschaft unwohl und bleiben weg.

Die Stadtratsfraktion der Grünen möchte deshalb Trinkräume einrichten lassen. Städte wie Augsburg, Kiel und Hamburg, Dortmund, Hannover oder Kassel hätten bereits solche kommunal finanzierten Einrichtungen für alkoholkranke Menschen geschaffen. In der Regel sind sie tagsüber geöffnet; Nutzer dürfen gewisse Mengen Wein und Bier mitbringen, harte Alkoholika und Drogen müssen vor der Tür bleiben. Wer möchte, kann in den Einrichtungen auch medizinische Sprechstunden nutzen und Informationen zu Hilfs- und Beratungsangeboten für Suchtkranke bekommen.

Kritiker halten dagegen, dass Alkohol – im Gegensatz zu illegalen Drogen – gesellschaftlich akzeptiert ist. Auch für Alkoholkranke Menschen gebe es damit keinen Druck , die Öffentlichkeit zu meiden und in einen Trinkraum zu gehen. Nicht zuletzt sei der öffentliche Raum für alle Menschen da. Probleme könnten nur Gemeinsam im Diskurs gelöst werden.

Tilmann Grewe

Braucht Nürnberg Alkohol-Konsumräume?

Dieselfahrverbot – auch eine Idee für Nürnberg?

Seitdem der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter in der vergangenen Woche laut über ein Dieselfahrverbot nachgedacht hat, nimmt die Debatte wieder an Fahrt auf. Tatsächlich kocht das Thema seit Jahren immer wieder hoch, doch diesmal ist der Grund dafür erschreckend: So zeigen neue Abgaswerte, dass der von der EU zugelassene Mittelwert für die Belastung durch das giftige Stickstoffdioxid nicht nur auf den großen Ring- und Einfallstraßen regelmäßig überschritten wird sondern auch in weit davon entfernten Wohngegenden. Stickstoffdioxid ist vor allem für Asthmatiker gefährlich, da es die Bronchien verengt.
Doch es ist nicht einfach, ein generelles Fahrverbot für ältere Dieselautos durchzusetzen: Nicht nur Hunderttausende private Fahrzeuge wären betroffen, sondern auch Taxis, Lieferverkehr, Autos von Handwerkern, teilweise ganze Fahrflotten von Unternehmen. Kein Wunder, dass die Wirtschaft gegen Reiters Pläne Sturm läuft und andere Maßnahmen fordert, zum Beispiel die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs.
Auch Nürnberg gehört zu den Städten, in denen zu hohe Stickstoffdixid-Werte gemessen werden. Hier will das Umweltreferat erst einmal abwarten, ob man die Ziele des von der Staatsregierung erlassenen Luftreinhalteplans auch ohne Fahrverbote erreichen kann.

Ngoc Nguyen

Dieselfahrverbot - auch eine Idee für Nürnberg?

Flexiblere Arbeitszeiten in der Gastronomie?

„Die werktägliche Abreitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten“, heißt es im Arbeitszeitgesetz. Unter bestimmten Bedingungen kann sie zehn Stunden betragen. Dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist das aber nicht genug. Weder Gäste noch Mitarbeiter könnten verstehen, wenn ein Lokal um ein Uhr schließen müsse, weil die Zehnstundengrenze für die Bedienungen erreicht sei, klagte der Verband kürzlich (die NZ berichtete). Auch die Knoblauchsländer Landwirte haben schon oft gefordert, dass sie bei gutem Wetter ihre Erntehelfer gerne länger würden arbeiten lassen und das Gesetz flexibler sein müsste. Unterstützung erhalten sie dabei von dem Verband Bayerischer Wirtschaft (VBW), der eine Broschüre zum Thema herausgegegeben hat, in der er mehr Flexibilität durch eine Umstellung des Systems fordert: Weg von der täglichen, hin zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit. Dies sei auch im Sinne der Beschäftigten, argumentiert der VBW.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dagegen verweist darauf, dass die Zehnstundengrenze nicht aus Jux und Tollerei eingeführt worden sei, sondern weil es um den Schutz der Gesundheit für die Arbeitnehmer gegangen sei. Stephan Doll, Regionschef des DGB, hat deswegen in seiner Rede deutlich gemacht, dass die Gewerkschaften bei Angriffen auf dieses Schutzgesetz massive Gegenwehr leisten werden. „Es handelt sich hier um eine zentrale gewerkschaftliche Errungenschaft.“ Doll verweist zudem auf die volkswirtschaftlichen Konsequenzen, wenn die Krankenstände aufgrund zu hoher täglicher Arbeitszeiten anstiegen. Die Gewinne daraus würden Unternehmen davon tragen, die Folgekosten müsste die Gesellschaft tragen. Zudem spreche auch die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit für eine klar definierte tägliche Arbeitszeit. „Im Leben gibt es auch noch etwas anderes, als nur zu arbeiten.“

Marco Puschner

Flexiblere Arbeitszeiten in der Gastronomie?

Soll Cannabis legalisiert werden?

Wer Gras raucht, fühlt sich entspannt, glücklich und ist ein wenig bis stark benebelt – je nach Dosis und Verfassung. Genau dieses Gefühl hat viele Fans. Sie konsumieren Joints wie andere ihr Feierabendbier – nicht umsonst ist Cannabis in Deutschland die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Für den aktuellen Suchtbericht gaben 7,3 Prozent der befragten Jugendlichen und 6,1 Prozent der Erwachsenen an, in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal einen Joint geraucht oder anderweitig Cannabis konsumiert zu haben – und die Konsumenten sind meist keine planlosen Tagträumer. So verbreitet die Droge damit ist, so problematisch wird es jedoch für den Konsumenten, wenn er sich damit erwischen lässt. Gerade in Bayern werden Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (auch bei Gras) meist streng verfolgt. Wäre Cannabis legal, würde dies Polizei und Justiz jedoch entlasten. Ebenso würde es dazu führen, dass junge Menschen, die sich erwischen lassen, eben nicht gleich aktenkundig werden. Kritiker glauben jedoch, dass die Legalisierung von Cannabis vor allem für Jugendliche ein falsches Signal sei. Gerade für Teenager ist Gras schließlich nicht ungefährlich, stört es doch die Entwicklung des Gehirns. Die Tatsache, dass Gras illegal ist, sei abschreckend.

Julia Vogl

Soll Cannabis legalisiert werden?