Haben Sie Angst vor Armut im Alter?

Nun ist es raus: Ab 2030, also bereits in 18 Jahren, erhalten Arbeitnehmer mit einem monatlichen Bruttoverdienst von 2500 Euro nach 35 Jahren Vollzeitarbeit 688 Euro Rente. Ursula von der Leyen schlägt Alarm – und vielen Menschen das Herz schneller. Selbst bei einem Bruttoverdienst von 3500 Euro würde der Rentner bei der geplanten Senkung des Rentenniveaus die 1000-Euro-Grenze nicht überschreiten.

Und auch bei noch höheren Bruttoverdiensten würde es für viele keinen Grund zum Aufatmen geben. Die Altersarmut droht also mitnichten nur den „Geringverdienern“, sondern auch der breiten Mittelschicht. Prompt fordert der DGB, eine „Demografiereserve“ aufzubauen. Das ginge natürlich nur, wenn der Rentenbeitragssatz nicht gesenkt wird, wie vorgesehen. Nun geistern alle möglichen Begriffe wie „Grundsicherung“, „Zuschussrente“ oder „steuerfinanzierte Garantierente“ durch die Republik – nichts, was dem Schreckgespenst „Altersarmut“ den Schrecken nehmen könnte.

Rente auf Sozialhilfeniveau, so haben sich das die Menschen hierzulande nicht vorgestellt, in einer Zeit, in der die meisten Unternehmen angesichts hoher Gewinne aus dem Jubeln gar nicht mehr herauskommen. Letztlich besteht aber Hoffnung: Ein für alle Seiten erträglicher Kompromiss muss gefunden werden. Die Politiker werden dieses Problem nicht aussitzen können. Zu erwarten ist, dass auch in Deutschland die betriebliche und die private Altervorsorge ein größeres Fundament erhalten, Hand in Hand mit einer zur Not auch steuerfinanzierten staatlichen Bezuschussung. In Schweden funktioniert das sehr gut, und die rentenrelevanten Rahmenbedingungen dort sind mit denen in Deutschland vergleichbar.

Und noch ein Hoffnungsschimmer: Wahlchancen werden sich in den kommenden Jahren nur solche Parteien und Politiker ausrechnen dürfen, die gangbare Lösungen für das Problem „Altersarmut“ bieten können, denn bei diesem Thema heben Millionen Bürger die Hand als Betroffene. Bereits jetzt fürchten Volksvertreter, mit dieser hochbrisanten Problematik im bevorstehenden Wahlkampfjahr unter die Räder zu kommen.

Unsere Leserfrage lautet in dieser Woche: „Haben Sie Angst vor Altersarmut?“ Geben Sie Ihr Votum bitte auf NZ.de ab.

Vergangene Woche wollten wir von Ihnen wissen: „Sind Sie für einen vegetarischen Wochentag?“ Mit Ja antworteten 49 Prozent, mit Nein 51 Prozent.

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Sollen die Hartz-IV-Regelsätze angehoben werden?

Hartz IVKirche und Politik sind aneinandergeraten bei der Frage, ob Bedürftige mehr Geld erhalten sollten. So wurde aus der katholischen Bischofskonferenz die Forderung laut, die Bundesregierung sollte die Hartz–IV-Regelsätze auf mehr als 400 Euro erhöhen. Der Satz liegt derzeit bei 359 Euro. Wie berichtet verlangt das Bundesverfassungsgericht von der Politik, die Sätze bis zum Jahresende „neu zu berechnen“.

Bischofskonferenzvorsitzender Robert Zollitsch warnte vor einem „sozialen Kahlschlag“. Und auch der evangelische Landesbischof Frank Otfried July wirbt dafür, den Bedürftigen mit einem höheren Regelsatz ein „menschenwürdiges Leben“ zu ermöglichen. Notfalls müssten dafür auch höhere Schulden in Kauf genommen werden.

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